Ein kleiner Schlaganfall, den niemand bemerkt hat, ein paar Jahre unbehandelter Bluthochdruck, und plötzlich ist vieles mühsam: Der Vater braucht für die Überweisung bei der Bank eine halbe Stunde, die Mutter geht kleinschrittig und unsicher, Gespräche in größerer Runde überfordern. Hinter solchen Veränderungen kann eine vaskuläre Demenz stecken. Sie entsteht, wenn Durchblutungsstörungen das Gehirn über längere Zeit schädigen, und gilt nach Alzheimer als zweithäufigste Demenzursache.
Anders als bei Alzheimer liegt der Schlüssel zur Behandlung weniger in speziellen Demenz-Medikamenten als in den Blutgefäßen selbst. Wer Bluthochdruck, Diabetes, Vorhofflimmern und andere Gefäßrisiken konsequent behandeln lässt, kann weitere Schäden oft verhindern oder zumindest bremsen. Bereits zerstörtes Hirngewebe lässt sich allerdings nicht zurückgewinnen, deshalb zählt jeder Monat, in dem die Erkrankung früher erkannt wird.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Formen der vaskulären Demenz es gibt, wie sie entsteht, woran Angehörige sie erkennen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlung die medizinischen Leitlinien empfehlen. Außerdem erfahren Sie, was die Erkrankung für die Pflege zu Hause bedeutet und welche Leistungen der Pflegeversicherung Ihnen zustehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die vaskuläre Demenz entsteht durch Schäden an den Blutgefäßen des Gehirns: durch Schlaganfälle, viele kleine, oft unbemerkte Infarkte oder eine chronische Erkrankung der kleinen Hirngefäße.
- Typisch sind Verlangsamung, Probleme beim Planen und Organisieren, Gangstörungen und eine früh einsetzende Blasenschwäche. Das Gedächtnis ist anfangs oft besser erhalten als bei Alzheimer.
- Der Verlauf ist entweder stufenweise (Verschlechterung nach jedem Gefäßereignis) oder schleichend (bei Schäden der kleinen Gefäße).
- Rein vaskuläre Demenzen machen laut S3-Leitlinie etwa 5 bis 10 Prozent aller Demenzen aus. Zählt man Mischformen mit Alzheimer hinzu, sind Gefäßschäden an deutlich mehr Erkrankungen beteiligt.
- Die wichtigste Behandlung ist die konsequente Therapie der Gefäßrisiken. Ein speziell für die rein vaskuläre Demenz zugelassenes Antidementivum gibt es in Deutschland nicht.
- Plötzliche Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen sind ein Notfall: sofort 112 wählen.
Was ist vaskuläre Demenz? Definition und Formen
Der Begriff „vaskulär“ leitet sich vom lateinischen „vasculum“ (kleines Gefäß) ab. Eine vaskuläre Demenz liegt vor, wenn Erkrankungen der Hirngefäße zu einem so starken Abbau geistiger Fähigkeiten führen, dass der Alltag nicht mehr selbstständig bewältigt werden kann. Nervenzellen sterben dabei ab, weil sie nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden oder weil Blutungen das Gewebe zerstören.
Demenz selbst ist ein Oberbegriff für ein Beschwerdebild, hinter dem verschiedene Erkrankungen stecken können. Wie sich die vaskuläre Form von Alzheimer und anderen Ursachen abgrenzt, erklärt unser Ratgeber zum Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz. Einen allgemeinen Überblick bietet der Beitrag Demenz: Definition, Symptome und Ursachen.
Unterformen nach der ICD-10
In Deutschland verschlüsseln Ärztinnen und Ärzte die vaskuläre Demenz nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) unter dem Code F01. Die Unterformen zeigen, wie verschieden die Erkrankung entstehen kann:
| ICD-10 | Unterform | Was dahintersteckt | Typischer Beginn |
|---|---|---|---|
| F01.0 | Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn | Ein oder mehrere Schlaganfälle, oft in einer für das Denken wichtigen Hirnregion („strategischer Infarkt“, z. B. im Thalamus) | plötzlich, meist innerhalb weniger Wochen nach dem Ereignis |
| F01.1 | Multiinfarkt-Demenz | Viele kleinere Infarkte, die sich über Monate oder Jahre summieren | schrittweise, jeder Infarkt verschlechtert den Zustand |
| F01.2 | Subkortikale vaskuläre Demenz | Erkrankung der kleinen Hirngefäße (Mikroangiopathie) mit Schäden in den tiefen Hirnregionen und im Marklager, meist durch langjährigen Bluthochdruck; schwere Ausprägung auch als Morbus Binswanger bezeichnet | schleichend, ähnlich wie bei Alzheimer |
| F01.3 | Gemischte kortikale und subkortikale vaskuläre Demenz | Kombination aus Infarkten der Hirnrinde und Schäden der kleinen Gefäße | unterschiedlich |
Die subkortikale Form ist heute die häufigste. Sie wird oft spät erkannt, weil kein dramatisches Ereignis vorausgeht, sondern sich die Beschwerden über Jahre einschleichen. Seltenere Ursachen sind eine chronische Minderdurchblutung des ganzen Gehirns, etwa bei schwerer Herzschwäche, wiederholte Hirnblutungen bei einer sogenannten zerebralen Amyloidangiopathie sowie die erbliche Gefäßerkrankung CADASIL.
Vom leichten Defizit bis zur Demenz: das Spektrum
Fachleute sprechen heute zunehmend von vaskulären kognitiven Störungen. Der Begriff umfasst das gesamte Spektrum: von leichten, nur im Test messbaren Einschränkungen bis zur ausgeprägten Demenz. Von einer vaskulären Demenz spricht man erst, wenn die Defizite den Alltag deutlich beeinträchtigen. Die leichtere Vorstufe verdient besondere Aufmerksamkeit, denn gerade in dieser Phase lässt sich durch die Behandlung der Gefäßrisiken am meisten erreichen.
Wie häufig ist die vaskuläre Demenz?
In Deutschland leben laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Wie viele davon eine vaskuläre Demenz haben, hängt stark von der Definition ab. Die S3-Leitlinie Demenzen beziffert den Anteil rein vaskulärer Demenzen auf etwa 5 bis 10 Prozent. Häufig genannte höhere Werte von 15 bis 20 Prozent schließen Fälle ein, bei denen Gefäßschäden die Hauptrolle spielen, aber auch andere Veränderungen vorliegen. Hinzu kommen viele Mischformen: Besonders im hohen Alter finden sich im Gehirn oft sowohl Gefäßschäden als auch Alzheimer-Veränderungen. Männer sind von der vaskulären Demenz etwas häufiger betroffen als Frauen, was vor allem mit ihrem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt.
Ursachen: Wie entsteht eine vaskuläre Demenz?
Das Gehirn macht nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts aus, benötigt aber rund ein Fünftel des Sauerstoffs, den der Körper aufnimmt. Nervenzellen haben keine Energiereserven: Bleibt die Durchblutung aus, sterben sie innerhalb weniger Minuten ab. Welche Folgen das für das Denken hat, hängt davon ab, wo und wie viel Gewebe verloren geht. Anschaulich erklärt werden diese Vorgänge in unserem Beitrag Was passiert im Gehirn bei Demenz?
Drei Mechanismen stehen im Vordergrund:
- Verschluss größerer Gefäße: Ein Blutgerinnsel, das sich etwa bei Vorhofflimmern im Herzen bildet oder von einer verkalkten Halsschlagader löst, verstopft eine Hirnarterie. Es entsteht ein Schlaganfall. Mehrere solcher Ereignisse oder ein einzelner Infarkt an einer kritischen Stelle können eine Demenz auslösen.
- Erkrankung der kleinen Gefäße (Mikroangiopathie): Jahrelang erhöhter Blutdruck und Diabetes verdicken und versteifen die feinen Arterien in der Tiefe des Gehirns. Es entstehen winzige Infarkte (Lakunen), Mikroblutungen und Schäden der Nervenbahnen im Marklager. Diese Form verläuft oft ohne akute Symptome.
- Blutungen: Wiederholte Hirnblutungen, zum Beispiel bei schlecht eingestelltem Bluthochdruck oder Amyloid-Ablagerungen in den Gefäßwänden, zerstören Gewebe und können ebenfalls zu einer Demenz führen.
Risikofaktoren, die sich beeinflussen lassen
Die meisten Ursachen der vaskulären Demenz entwickeln sich über Jahrzehnte und hängen mit denselben Risikofaktoren zusammen wie Herzinfarkt und Schlaganfall:
| Risikofaktor | Warum er schadet |
|---|---|
| Bluthochdruck | Wichtigster Einzelfaktor. Schädigt vor allem die kleinen Hirngefäße und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Hirnblutung. |
| Diabetes mellitus | Schädigt große und kleine Gefäße; Studien zeigen ein etwa doppelt so hohes Risiko für vaskuläre Demenz. |
| Vorhofflimmern | Begünstigt Blutgerinnsel im Herzen und erhöht das Schlaganfallrisiko etwa um das Fünffache; wird oft lange nicht bemerkt. |
| Erhöhtes LDL-Cholesterin | Fördert Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) in Hals- und Hirnarterien. |
| Rauchen | Schädigt die Gefäßinnenwände und erhöht die Gerinnungsneigung. |
| Übergewicht und Bewegungsmangel | Begünstigen Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. |
| Hoher Alkoholkonsum | Erhöht Blutdruck und Blutungsrisiko und schädigt Nervenzellen direkt (siehe auch Alkohol-Demenz). |
| Unbehandelte Schlafapnoe | Nächtliche Atemaussetzer führen zu Sauerstoffmangel und Blutdruckspitzen. |
Nicht beeinflussbar sind dagegen das Alter, das männliche Geschlecht und eine familiäre Häufung von Schlaganfällen oder Herzerkrankungen. Meist ist es nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenwirken mehrerer Risiken über viele Jahre, das die Gefäße schädigt.
CADASIL: die seltene erbliche Form
Die überwiegende Mehrheit der vaskulären Demenzen ist nicht vererbt. Eine Ausnahme ist CADASIL, eine seltene Erbkrankheit, die durch Veränderungen im Gen NOTCH3 entsteht und die kleinen Hirngefäße schädigt. Typisch sind Migräne mit Aura im jungen Erwachsenenalter, Schlaganfälle meist ab dem 40. bis 50. Lebensjahr und eine sich anschließend entwickelnde Demenz, häufig ohne die klassischen Gefäßrisiken. Bei früh auftretenden Schlaganfällen in mehreren Generationen einer Familie kann eine genetische Beratung sinnvoll sein. Mehr zur Rolle der Gene finden Sie im Ratgeber Demenz und Vererbung.
Symptome: Woran Sie eine vaskuläre Demenz erkennen
Welche Beschwerden auftreten, hängt davon ab, welche Hirnregionen geschädigt sind. Bei der häufigen subkortikalen Form sind vor allem die Verbindungen zwischen Stirnhirn und tiefen Hirnregionen betroffen. Daraus ergibt sich ein recht typisches Bild:
- Verlangsamung: Denken, Sprechen und Handeln werden langsamer. Antworten kommen verzögert, alltägliche Abläufe dauern deutlich länger.
- Probleme beim Planen und Organisieren: Mehrere Schritte hintereinander zu erledigen, etwa ein Essen zu kochen oder Rechnungen zu bezahlen, wird schwierig. Fachleute sprechen von Störungen der exekutiven Funktionen.
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen: Gesprächen in Gruppen zu folgen oder beim Lesen den Faden zu behalten, fällt schwer.
- Antriebslosigkeit und Depression: Viele Betroffene ziehen sich zurück, wirken teilnahmslos oder gedrückt. Depressionen treten bei etwa jedem Dritten auf.
- Affektlabilität: Plötzliches Weinen oder Lachen ohne passenden Anlass, das die Betroffenen selbst nicht steuern können.
- Gangstörungen und Stürze: Ein kleinschrittiger, breitbeiniger, unsicherer Gang ist ein wichtiger Hinweis auf eine Gefäßursache und tritt oft früher auf als bei Alzheimer.
- Blasenschwäche: Häufiger, plötzlicher Harndrang bis zur Inkontinenz setzt oft schon im frühen Stadium ein. Hilfreiche Informationen bietet unser Ratgeber zu Inkontinenz bei Demenz.
- Herdsymptome nach Schlaganfällen: Je nach Ort des Infarkts auch Lähmungen, Sprach-, Seh- oder Schluckstörungen.
Das Gedächtnis ist bei der vaskulären Demenz anfangs oft besser erhalten als bei Alzheimer. Betroffene können Informationen zwar schlechter abrufen, erkennen sie aber mit Hilfestellung häufig wieder. Weil im höheren Alter oft Mischformen vorliegen, schließt eine deutliche Gedächtnisstörung eine vaskuläre Beteiligung aber nicht aus. Wie sich die typischen Muster verschiedener Demenzformen unterscheiden, zeigt unser Ratgeber zum Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz mit einer ausführlichen Vergleichstabelle.
Alarmzeichen: Wann Sie sofort den Notruf wählen
Menschen mit vaskulärer Demenz haben ein erhöhtes Risiko für weitere Schlaganfälle. Treten plötzlich eines oder mehrere der folgenden Zeichen auf, wählen Sie sofort die 112, auch wenn die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder verschwinden:
- plötzliche Gleichgewichts- oder Gangstörung
- plötzliche Sehstörung oder Doppelbilder
- hängender Mundwinkel, einseitig verzogenes Gesicht
- Schwäche oder Taubheit in Arm oder Bein, meist auf einer Seite
- verwaschene Sprache oder Wortfindungsstörungen
Auch vorübergehende Ausfälle, sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIA), sind Warnsignale für einen drohenden Schlaganfall. Wie Sie einen akuten Schub von einem Delir unterscheiden und was in den ersten Minuten zu tun ist, erklärt unser ausführlicher Ratgeber Vaskuläre Demenz in Schüben: richtig handeln. Allgemeine Hinweise für Notfälle zu Hause finden Sie im Beitrag Erste Hilfe in der häuslichen Pflege.
Verlauf: stufenweise oder schleichend
Lange galt der „Treppenstufen-Verlauf“ als Kennzeichen der vaskulären Demenz: Nach jedem Schlaganfall verschlechtert sich der Zustand plötzlich, bleibt dann eine Zeit lang stabil oder bessert sich sogar etwas, bis das nächste Ereignis folgt. Dieses Muster ist typisch für Multiinfarkt-Demenzen. Bei der heute häufigeren subkortikalen Form verläuft die Erkrankung dagegen oft gleichmäßig schleichend und ist dadurch schwerer von Alzheimer zu unterscheiden.
| Stadium | Typisches Bild | Unterstützungsbedarf |
|---|---|---|
| Leichte vaskuläre Demenz | Verlangsamung, Schwierigkeiten bei Finanzen, Behördenpost und komplexen Aufgaben; Gangunsicherheit; Krankheitseinsicht oft vorhanden, daher häufig Niedergeschlagenheit | Hilfe bei Organisation, Terminen und Medikamenten; Sturzvorbeugung |
| Mittelschwere vaskuläre Demenz | Deutliche Orientierungsprobleme, Hilfe bei Körperpflege und Ankleiden, Blasenschwäche, zunehmende Sturzgefahr, teils nächtliche Unruhe | Tägliche Unterstützung, Beaufsichtigung, meist Pflegegrad 3 oder höher |
| Schwere vaskuläre Demenz | Kaum noch Kommunikation, Bettlägerigkeit, Schluckstörungen, Infektanfälligkeit | Umfassende Pflege in allen Lebensbereichen, palliative Begleitung |
Die Einteilung ist eine Orientierung, kein Fahrplan. Wie die Phasen einer Demenz im Einzelnen aussehen, beschreiben unsere Ratgeber zum Demenz-Verlauf, zur fortgeschrittenen Demenz und zum Endstadium.
Prognose und Lebenserwartung
Die Lebenserwartung ist bei der vaskulären Demenz im Durchschnitt kürzer als bei Alzheimer. Studien nennen nach der Diagnose meist eine mittlere Überlebenszeit von etwa drei bis fünf Jahren, mit großer Spannbreite von wenigen Monaten bis zu mehr als zehn Jahren. Häufige Todesursachen sind weitere Schlaganfälle, Herzinfarkte und Lungenentzündungen, etwa infolge von Schluckstörungen. Die vaskuläre Demenz selbst ist also oft nicht die unmittelbare Todesursache, sondern die zugrunde liegende Gefäßerkrankung.
Wie der Verlauf im Einzelfall aussieht, hängt vor allem davon ab, ob weitere Gefäßereignisse verhindert werden können, wie ausgeprägt die Schäden bei Diagnose bereits sind und welche Begleiterkrankungen bestehen. Bei konsequenter Behandlung können manche Betroffene über Jahre stabil bleiben. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Demenz: Lebenserwartung nach Alter und Form.
Diagnose: So wird eine vaskuläre Demenz festgestellt
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Für die genaue Einordnung überweist sie in der Regel an eine neurologische, psychiatrische oder geriatrische Praxis oder an eine Gedächtnisambulanz. Die Diagnose stützt sich auf drei Säulen: den Nachweis einer Demenz, den Nachweis einer Gefäßerkrankung des Gehirns und einen plausiblen Zusammenhang zwischen beidem. Anerkannte Kriterien dafür sind neben der ICD-10 unter anderem die NINDS-AIREN-Kriterien.
| Untersuchung | Worauf es bei Verdacht auf vaskuläre Demenz ankommt |
|---|---|
| Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen | Plötzlicher oder schleichender Beginn? Frühere Schlaganfälle oder TIA? Gangstörung, Blasenschwäche, Stimmungsveränderung? Welche Medikamente? |
| Körperliche und neurologische Untersuchung | Blutdruck, Puls, Herzrhythmus, Reflexe, Kraft, Koordination, Gangbild |
| Kognitive Tests | Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) erfasst Verlangsamung und Planungsstörungen nur unzureichend. Aussagekräftiger sind hier das Montreal Cognitive Assessment (MoCA), der Uhrentest und der Trail-Making-Test, die exekutive Funktionen und Verarbeitungsgeschwindigkeit prüfen. |
| MRT des Kopfes | Methode der Wahl: zeigt alte Infarkte, Lakunen, Mikroblutungen und Schäden des Marklagers (in der Fachsprache Leukoaraiose oder „White Matter Lesions“) |
| CT des Kopfes | Schneller verfügbar, schließt Blutungen und größere Infarkte aus, zeigt kleine Schäden aber schlechter |
| EKG und Langzeit-EKG | Suche nach Vorhofflimmern, das oft nur zeitweise auftritt |
| Ultraschall der Halsgefäße | Verengungen der Halsschlagadern (Karotisstenose) |
| Herzultraschall | Herzschwäche, Klappenfehler, Blutgerinnsel im Herzen |
| Blutuntersuchungen | Blutzucker und Langzeitblutzucker (HbA1c), Blutfette, Nieren- und Schilddrüsenwerte, Vitamin B12, Blutbild, Entzündungswerte |
| Nervenwasseruntersuchung | Nur bei besonderen Fragestellungen, etwa um eine zusätzliche Alzheimer-Krankheit nachzuweisen oder Entzündungen auszuschließen |
Wichtig ist auch der Ausschluss anderer Ursachen, die ähnliche Beschwerden verursachen können: eine Depression, ein Normaldruckhydrozephalus (gestörter Hirnwasserabfluss mit Gangstörung, Blasenschwäche und Denkstörung), ein chronisches Subduralhämatom nach einem Sturz, Nebenwirkungen von Medikamenten oder ein Vitamin-B12-Mangel. Mehr zu den einzelnen Tests lesen Sie in unseren Ratgebern Kognitive Tests bei Demenz, Demenz-Früherkennung und Demenz-Tests für Angehörige.
Praxistipp: Bringen Sie zum Termin alle Arztbriefe früherer Klinikaufenthalte, vorhandene MRT- oder CT-Befunde, eine aktuelle Medikamentenliste und, wenn vorhanden, Blutdruckprotokolle mit. Notieren Sie außerdem, wann Ihnen welche Veränderungen aufgefallen sind und ob sie plötzlich oder schleichend begannen. Diese Informationen sind für die Abgrenzung oft entscheidend.
Behandlung: Was bei vaskulärer Demenz wirklich hilft
Eine vaskuläre Demenz ist nicht heilbar. Die Behandlung verfolgt drei Ziele: weitere Gefäßschäden verhindern, Beschwerden lindern und Selbstständigkeit und Lebensqualität so lange wie möglich erhalten. Anders als bei Alzheimer steht dabei nicht ein Demenz-Medikament im Mittelpunkt, sondern die Behandlung der Gefäßerkrankung.
1. Gefäßrisiken konsequent behandeln
- Blutdruck: Die Senkung eines erhöhten Blutdrucks ist die wichtigste Einzelmaßnahme. Nach einem Schlaganfall empfehlen die Leitlinien für die meisten Menschen Werte unter 130/80 mmHg. Bei sehr alten und gebrechlichen Menschen legt die Ärztin oder der Arzt die Ziele individuell fest, denn zu niedrige Werte können Schwindel und Stürze begünstigen. Hilfreiche Informationen bietet die Deutsche Hochdruckliga.
- Blutverdünnung: Nach einem Hirninfarkt ohne Vorhofflimmern werden meist Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS eingesetzt. Bei Vorhofflimmern ist dagegen eine Antikoagulation angezeigt, meist mit modernen Gerinnungshemmern wie Apixaban, Edoxaban oder Rivaroxaban; ASS schützt hier nicht ausreichend.
- Cholesterin: Nach einem Hirninfarkt werden in der Regel Statine eingesetzt, um das LDL-Cholesterin deutlich zu senken und Gefäßablagerungen zu stabilisieren.
- Diabetes: Eine gute Blutzuckereinstellung schützt die Gefäße. Bei älteren Menschen werden die Ziele meist weniger streng gewählt, weil Unterzuckerungen Stürze und Verwirrtheit auslösen können.
- Halsschlagader: Bei einer hochgradigen Verengung der Halsschlagader, die bereits Beschwerden verursacht hat, kann eine Operation oder ein Stent sinnvoll sein.
Die Einzelheiten der Schlaganfall-Vorbeugung, einschließlich der Zielwerte, beschreibt unser Ratgeber zu Schüben bei vaskulärer Demenz. Entscheidend im Alltag ist vor allem, dass die Medikamente zuverlässig eingenommen werden. Genau daran scheitert es bei Menschen mit Demenz häufig, weshalb Wochendosierer, feste Einnahmezeiten und die Unterstützung durch Angehörige, Betreuungskraft oder Pflegedienst besonders wichtig sind.
2. Medikamente gegen die Demenz-Symptome
Für die rein vaskuläre Demenz ist in Deutschland kein Antidementivum zugelassen. Die Wirkstoffe, die bei Alzheimer eingesetzt werden, also Acetylcholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin) und Memantin, zeigten in Studien bei vaskulärer Demenz nur geringe Effekte. Liegt eine Mischform mit Alzheimer vor, können sie für den Alzheimer-Anteil eingesetzt werden.
Der Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761 ist in Deutschland zur Behandlung von Hirnleistungsstörungen bei Demenz zugelassen. Die S3-Leitlinie Demenzen nennt ihn als Behandlungsoption bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz, vaskulärer Demenz und Mischformen mit nicht-psychotischen Verhaltenssymptomen, bei einer Tagesdosis von 240 mg. Die Studienergebnisse sind allerdings nicht einheitlich. Weil Ginkgo die Blutungsneigung verstärken kann, muss die Einnahme bei gleichzeitiger Blutverdünnung ärztlich abgestimmt werden. Rezeptfreie Ginkgo-Präparate aus der Drogerie sind mit dem Spezialextrakt nicht gleichzusetzen. Welche Rolle Vitamine spielen, erklärt unser Beitrag Demenz vorbeugen mit Vitaminen.
3. Begleitsymptome behandeln
- Depression und Antriebslosigkeit: Sie verschlechtern Denkleistung und Alltagsfähigkeiten zusätzlich und sollten behandelt werden, etwa mit Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und aktivierenden Angeboten.
- Unruhe und Aggression: Zunächst wird nach Auslösern wie Schmerzen, Harnwegsinfekten, Durst oder Überforderung gesucht. Antipsychotika kommen nur in Ausnahmefällen, niedrig dosiert und zeitlich begrenzt infrage, weil sie bei Menschen mit Demenz das Risiko für Schlaganfälle und die Sterblichkeit erhöhen. Anregungen für den Alltag gibt unser Ratgeber zu Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz.
- Schlafstörungen: Vorrang haben Tageslicht, Bewegung und feste Schlafzeiten. Benzodiazepine sollten vermieden werden, weil sie Stürze und Verwirrtheit begünstigen.
4. Therapien, die Körper und Alltag stärken
Nicht-medikamentöse Behandlungen haben bei der vaskulären Demenz einen besonders hohen Stellenwert, weil Gangstörungen und Sturzgefahr früh auftreten. Ärztinnen und Ärzte können dafür sogenannte Heilmittel verordnen, deren Kosten die Krankenkasse übernimmt:
- Physiotherapie: Gang- und Gleichgewichtstraining sowie Kraftübungen erhalten die Mobilität und beugen Stürzen vor. Bei Halbseitenlähmung nach Schlaganfall kommt oft das Bobath-Konzept zum Einsatz.
- Ergotherapie: Training von Alltagstätigkeiten wie Ankleiden oder Kochen, Beratung zu Hilfsmitteln und Wohnungsanpassung.
- Logopädie: Bei Sprach- oder Schluckstörungen; ein Schlucktraining senkt das Risiko für Lungenentzündungen durch Verschlucken.
- Kognitive Aktivierung: Übungen, die an das Leistungsniveau angepasst sind und Erfolgserlebnisse ermöglichen. Ideen finden Sie in unseren Ratgebern zu Demenz-Übungen und zur aktivierenden Pflege.
- Bewegung im Alltag: Regelmäßige Spaziergänge und einfache Übungen wirken sich zugleich günstig auf Blutdruck, Blutzucker und Stimmung aus. Sichere Übungen zeigt der Beitrag Bewegungsübungen für Senioren.
Nach einem Schlaganfall kann außerdem eine Rehabilitation sinnvoll sein, auch bei bestehender Demenz. Fragen Sie im Krankenhaus gezielt im Rahmen des Entlassmanagements danach.
Vorbeugung: die am ehesten vermeidbare Demenzform
Weil die vaskuläre Demenz eng mit behandelbaren Gefäßrisiken verbunden ist, gilt sie als die Demenzform, bei der Vorbeugung am meisten bewirken kann. Die Lancet-Kommission von 2024 kommt zu dem Schluss, dass sich weltweit fast die Hälfte aller Demenzfälle mit 14 beeinflussbaren Risikofaktoren in Verbindung bringen lässt. Viele davon betreffen direkt die Gefäße: Bluthochdruck, Diabetes, erhöhtes LDL-Cholesterin, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und hoher Alkoholkonsum. Hinzu kommen unter anderem unbehandelter Hör- und Sehverlust, Depression und soziale Isolation.
Für die Vorbeugung gilt: Die wirksamsten Maßnahmen sind unspektakulär. Blutdruck regelmäßig messen und behandeln lassen, bei Herzstolpern ein EKG machen lassen, nicht rauchen, sich täglich bewegen und Alkohol möglichst meiden. Es ist dabei nie zu spät: Auch nach einer Diagnose lohnt sich jede dieser Maßnahmen, weil sie weitere Schäden bremsen kann. Einen ausführlichen Überblick gibt unser Ratgeber Demenz vorbeugen: Risikofaktoren vermeiden. Informationen rund um den Schlaganfall bietet die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.
Pflege zu Hause: Was bei vaskulärer Demenz besonders wichtig ist
Viele Grundsätze der Demenzpflege gelten für alle Formen: feste Tagesstruktur, geduldige Kommunikation, Wertschätzung. Die vaskuläre Demenz bringt jedoch einige Besonderheiten mit sich, auf die sich Angehörige gezielt einstellen können:
| Herausforderung | Was im Alltag hilft |
|---|---|
| Sturzgefahr | Stolperfallen entfernen, Haltegriffe anbringen, Nachtlicht mit Bewegungsmelder, festes Schuhwerk, Gehhilfe nach ärztlicher Verordnung, Blutdruck bei Schwindel kontrollieren lassen |
| Verlangsamung | Mehr Zeit einplanen, nur eine Frage oder Aufforderung auf einmal, nicht drängen; Antworten abwarten statt vorwegnehmen |
| Planungsprobleme | Aufgaben in einzelne Schritte zerlegen und nacheinander anleiten; Checklisten und feste Abläufe nutzen |
| Antriebslosigkeit | Nicht als Unwillen deuten; gemeinsam beginnen, kleine Aktivitäten fest in den Tagesablauf einbauen |
| Blasenschwäche | Regelmäßige Toilettengänge anbieten, Weg zur Toilette gut beleuchten, Toilettenstuhl oder Sitzerhöhung nutzen, Hautpflege nicht vergessen |
| Schluckstörungen | Aufrecht sitzend essen, angepasste Konsistenz nach logopädischer Empfehlung; Hinweise im Ratgeber Ernährung bei Demenz |
| Medikamente | Einnahme überwachen, Wochendosierer nutzen, Blutdruck protokollieren; Richten und Verabreichen verordneter Medikamente als Behandlungspflege gegebenenfalls durch einen Pflegedienst |
| Plötzliche Verschlechterung | An Schlaganfall denken und 112 wählen; bei Verwirrtheit über Stunden bis Tage auch an Infekt oder Flüssigkeitsmangel denken und ärztlich abklären lassen |
Für die Anpassung der Wohnung zahlt die Pflegekasse bei vorhandenem Pflegegrad nach § 40 Abs. 4 SGB XI bis zu 4.180 € je Maßnahme. Einzelheiten erklärt unser Ratgeber zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen. Technische Unterstützung wie Herdabschaltung oder Hausnotruf stellt der Beitrag Smart Home für Senioren vor. Hinweise zur Kommunikation finden Sie in unseren Ratgebern Kommunikation mit Demenzkranken und Umgang mit Demenz.
Wenn die Betreuung rund um den Alltag nötig wird
Der Unterstützungsbedarf kann bei der vaskulären Demenz plötzlich steigen, etwa nach einem erneuten Schlaganfall oder einem Sturz. Viele Familien entscheiden sich dann für eine 24-Stunden-Betreuung: Eine vermittelte Betreuungskraft lebt im Haushalt, unterstützt bei Grundpflege, Mobilität, Mahlzeiten und Haushalt, begleitet Spaziergänge und achtet auf Veränderungen im Befinden. Auch für Betreuungskräfte gelten Arbeits- und Ruhezeiten, deshalb sollte besonders bei nächtlicher Unruhe gemeinsam geplant werden, wie die Nächte abgesichert werden.
Medizinische Behandlungspflege wie Injektionen, Wundversorgung, Blutzuckermessungen oder das Richten und Verabreichen verordneter Medikamente übernimmt ein ambulanter Pflegedienst. Sie wird ärztlich verordnet und von der Krankenkasse nach § 37 SGB V bezahlt. Welche Aufgaben eine Betreuungskraft übernehmen darf, erklärt unser Ratgeber Was darf eine 24-Stunden-Pflegekraft?, Details zur Behandlungspflege finden Sie in einem eigenen Beitrag.
Beispiel aus der Praxis: Herr Wagner, 78 Jahre, hat seit über 20 Jahren Bluthochdruck. Seine Frau bemerkt, dass er immer langsamer wird, Rechnungen liegen lässt und mehrfach gestürzt ist. Das MRT zeigt ausgeprägte Schäden der kleinen Hirngefäße, die Diagnose lautet subkortikale vaskuläre Demenz. Der Hausarzt stellt den Blutdruck neu ein, ein Langzeit-EKG deckt zusätzlich Vorhofflimmern auf, das nun mit einem Gerinnungshemmer behandelt wird. Physiotherapie verbessert die Gangsicherheit. Frau Wagner ist selbst 76 und kann die nächtlichen Toilettengänge ihres Mannes nicht mehr allein begleiten. Nach einer Beratung zieht eine vermittelte Betreuungskraft ein, die im Alltag unterstützt, Spaziergänge begleitet und das Blutdruckprotokoll führt. Ein Pflegedienst kommt morgens für die Medikamentengabe. Das Ehepaar kann weiter gemeinsam in seiner Wohnung leben.
Weiterführende Informationen finden Sie in unseren Ratgebern 24-Stunden-Pflege bei Demenz, Plötzlich pflegebedürftig nach Schlaganfall und Pflegeheim oder 24-Stunden-Pflege bei Demenz.
Pflegegrad und Leistungen der Pflegeversicherung
Für den Pflegegrad ist nicht die Diagnose entscheidend, sondern wie stark die Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Bei der vaskulären Demenz fallen häufig sowohl geistige Einschränkungen als auch körperliche Beeinträchtigungen wie Gangstörungen oder Lähmungen ins Gewicht. Beide fließen in die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst ein. Wie das Punktesystem funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum NBA-Punktesystem, speziell für Demenz der Beitrag Demenz und Pflegegrad und nach einem Schlaganfall der Ratgeber Pflegegrad nach Schlaganfall.
| Leistung (Stand 2026) | Pflegegrad 2 | Pflegegrad 3 | Pflegegrad 4 | Pflegegrad 5 |
|---|---|---|---|---|
| Pflegegeld pro Monat | 347 € | 599 € | 800 € | 990 € |
| Entlastungsbetrag pro Monat | 131 € (ab Pflegegrad 1, nach § 45b SGB XI) | |||
| Gemeinsamer Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege | bis zu 3.539 € pro Jahr (ab Pflegegrad 2, nach § 42a SGB XI) | |||
| Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen | bis zu 4.180 € je Maßnahme (ab Pflegegrad 1) | |||
| Pflegehilfsmittel zum Verbrauch | bis zu 42 € pro Monat (ab Pflegegrad 1) | |||
Seit Juli 2025 ist für die Verhinderungspflege keine Vorpflegezeit mehr nötig. Zusätzlich gibt es ein eigenes Budget für die Tagespflege, das das Pflegegeld nicht mindert. Verschlechtert sich der Zustand nach einem neuen Schlaganfall, sollten Sie zeitnah eine Höherstufung des Pflegegrads beantragen. Wie sich die Leistungen für eine häusliche Betreuung kombinieren lassen, zeigt unser Ratgeber 24-Stunden-Pflege finanzieren. Einen Überblick über die Kosten finden Sie auf unserer Seite Kosten der 24-Stunden-Pflege. Nach einem Schlaganfall kann zudem ein Schwerbehindertenausweis infrage kommen.
Rechtliche Vorsorge und Autofahren
Weil sich der Zustand bei der vaskulären Demenz nach einem Schlaganfall von einem Tag auf den anderen verschlechtern kann, sollten Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und gegebenenfalls Betreuungsverfügung möglichst früh erstellt werden, solange der betroffene Mensch noch selbst entscheiden kann. Legen Sie Kopien zusammen mit Medikamentenplan und Arztbriefen in einem Notfallordner ab. Mehr dazu lesen Sie in unseren Ratgebern zur Geschäftsfähigkeit bei Demenz, zur rechtlichen Betreuung und zur Frage, was Angehörige ohne Vorsorgevollmacht dürfen.
Auch das Autofahren sollte früh angesprochen werden. Verlangsamte Reaktionen, Aufmerksamkeitsstörungen und Einschränkungen des Gesichtsfelds nach Schlaganfällen gefährden die Fahrsicherheit oft schon im leichten Stadium. Die Rechtslage erklärt unser Beitrag Autofahren bei Demenz.
Unterstützung für Angehörige
Die Pflege eines Menschen mit vaskulärer Demenz ist körperlich fordernd, gerade wenn Gangstörungen, Stürze und Blasenschwäche hinzukommen. Emotional belastend ist oft, dass Betroffene ihre Einschränkungen lange bewusst erleben und darunter leiden. Nutzen Sie frühzeitig die vorhandenen Hilfen:
- Pflegeberatung und Pflegestützpunkte: Kostenlose, neutrale Beratung zu Leistungen und Anträgen.
- Pflegekurse: Kostenlose Schulungen der Pflegekassen, auch zu Hause; Details im Ratgeber Pflegekurs nach § 45 SGB XI.
- Alzheimer-Telefon: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft berät unter 030 259 37 95 14 zu allen Demenzformen, nicht nur zu Alzheimer.
- Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Angehörigen; Anlaufstellen nennt unser Ratgeber zu Selbsthilfegruppen für Demenz-Angehörige.
- Entlastungsangebote: Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege und der Entlastungsbetrag.
Achten Sie auf eigene Warnsignale wie Dauererschöpfung, Schlafmangel oder Gereiztheit. Hinweise dazu gibt unser Ratgeber Pflege-Burnout vermeiden. Weitere Anlaufstellen finden Sie im Beitrag Beratung für Demenz-Angehörige und im Wegweiser Demenz des Bundesfamilienministeriums.
Häufig gestellte Fragen zur vaskulären Demenz
Kann eine vaskuläre Demenz wieder rückgängig gemacht werden?
Bereits abgestorbenes Hirngewebe lässt sich nicht wiederherstellen. Durch konsequente Behandlung von Blutdruck, Vorhofflimmern, Cholesterin und Diabetes lässt sich das Fortschreiten aber oft bremsen, manchmal über Jahre. Nach einem Schlaganfall kann sich ein Teil der Fähigkeiten in den ersten Wochen und Monaten auch wieder bessern. Tragen zusätzliche behandelbare Ursachen wie eine Depression, ein Vitamin-B12-Mangel oder Medikamentennebenwirkungen zu den Beschwerden bei, kann deren Behandlung die Leistungsfähigkeit spürbar verbessern.
Wie schnell schreitet eine vaskuläre Demenz voran?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei der Multiinfarkt-Demenz verschlechtert sich der Zustand stufenweise nach jedem neuen Schlaganfall und bleibt dazwischen oft stabil. Bei der häufigeren Form durch Schäden der kleinen Hirngefäße verläuft die Erkrankung eher schleichend. Wie schnell es vorangeht, hängt vor allem davon ab, ob weitere Gefäßschäden verhindert werden können.
Wie hoch ist die Lebenserwartung bei vaskulärer Demenz?
Studien nennen im Durchschnitt etwa drei bis fünf Jahre nach der Diagnose, mit großer Spannbreite. Die Lebenserwartung ist damit meist kürzer als bei Alzheimer. Häufige Todesursachen sind weitere Schlaganfälle, Herzinfarkte und Lungenentzündungen. Alter, Begleiterkrankungen und die Behandlung der Gefäßrisiken beeinflussen die Prognose erheblich.
Was ist der Unterschied zwischen vaskulärer Demenz und Alzheimer?
Die vaskuläre Demenz entsteht durch Schäden der Hirngefäße, Alzheimer durch Eiweißablagerungen im Gehirn. Bei der vaskulären Form stehen Verlangsamung, Planungsprobleme, Gangstörungen und eine frühe Blasenschwäche im Vordergrund, bei Alzheimer Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Im höheren Alter liegen häufig Mischformen aus beiden vor. Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie in unserem Ratgeber zum Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz.
Welche Medikamente gibt es gegen vaskuläre Demenz?
Für die rein vaskuläre Demenz ist in Deutschland kein spezielles Antidementivum zugelassen. Im Mittelpunkt stehen Medikamente gegen die Gefäßrisiken, also Blutdrucksenker, Blutverdünner, Statine und gegebenenfalls Diabetesmittel. Der Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761 wird in der S3-Leitlinie als Option bei leichter bis mittelschwerer vaskulärer Demenz genannt. Bei Mischformen mit Alzheimer können zusätzlich Alzheimer-Medikamente eingesetzt werden.
Ist vaskuläre Demenz erblich?
In aller Regel nicht. Vererbt werden eher die Neigung zu Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen, die das Risiko erhöhen. Eine seltene Ausnahme ist die Erbkrankheit CADASIL, bei der Schlaganfälle oft schon ab dem 40. bis 50. Lebensjahr auftreten. Bei früh auftretenden Schlaganfällen in mehreren Generationen einer Familie kann eine genetische Beratung sinnvoll sein.
Was bedeutet „vaskuläre kognitive Störung“?
Der Begriff umfasst alle geistigen Einschränkungen, die durch Gefäßerkrankungen entstehen, von leichten, nur im Test erkennbaren Defiziten bis zur Demenz. Von einer vaskulären Demenz spricht man erst, wenn der Alltag deutlich beeinträchtigt ist. Die leichte Vorstufe ist besonders wichtig, weil sich durch die Behandlung der Gefäßrisiken in dieser Phase am meisten erreichen lässt.
Kann eine Operation mit Vollnarkose eine vaskuläre Demenz verschlechtern?
Nach Operationen tritt bei älteren Menschen, insbesondere mit bestehender Demenz, häufig ein vorübergehender Verwirrtheitszustand (postoperatives Delir) auf. Er bildet sich meist zurück, kann den Verlauf aber ungünstig beeinflussen. Informieren Sie vor einer geplanten Operation das Narkoseteam über die Demenz, sorgen Sie für Brille, Hörgerät und vertraute Gegenstände im Krankenhaus und besuchen Sie Ihren Angehörigen möglichst häufig.
Darf man mit vaskulärer Demenz noch Auto fahren?
Das muss im Einzelfall ärztlich beurteilt werden. Bei einer schweren Demenz ist die Fahreignung nicht mehr gegeben. Schon im leichten Stadium können Verlangsamung, Aufmerksamkeitsstörungen und Gesichtsfeldausfälle nach Schlaganfällen die Sicherheit gefährden. Eine verkehrsmedizinische Untersuchung kann Klarheit schaffen.
Helfen Nahrungsergänzungsmittel gegen vaskuläre Demenz?
Für die meisten Nahrungsergänzungsmittel fehlt ein Wirksamkeitsnachweis. Sinnvoll ist eine Ergänzung vor allem bei nachgewiesenem Mangel, etwa an Vitamin B12 oder Vitamin D. Eine ausgewogene, mediterran geprägte Ernährung, die Gefäße und Blutdruck schützt, ist wirksamer als Präparate. Rezeptfreie Ginkgo-Produkte sind nicht mit dem Spezialextrakt EGb 761 gleichzusetzen.
Wie unterscheidet sich die Pflege bei vaskulärer Demenz von der bei Alzheimer?
Bei der vaskulären Demenz spielen Sturzvorbeugung, Mobilisation und die Versorgung einer frühen Blasenschwäche eine größere Rolle. Aufgaben sollten in kleine Schritte zerlegt und langsam angeleitet werden. Besonders wichtig ist die zuverlässige Einnahme der Gefäßmedikamente. Zudem kann der Pflegebedarf nach einem neuen Schlaganfall plötzlich steigen, weshalb die Betreuung flexibel geplant werden sollte.
Ist eine 24-Stunden-Betreuung bei vaskulärer Demenz sinnvoll?
Für viele Familien ja, vor allem wenn Sturzgefahr, nächtliche Toilettengänge oder Unruhe hinzukommen oder der Partner selbst nicht mehr belastbar ist. Eine vermittelte Betreuungskraft unterstützt im Alltag, bei Grundpflege und Mobilität und achtet auf Veränderungen. Medizinische Behandlungspflege wie Injektionen oder Medikamentengabe übernimmt ein ambulanter Pflegedienst.
Fazit: Die Gefäße entscheiden über den Verlauf
Die vaskuläre Demenz entsteht, wenn Schäden an den Blutgefäßen das Gehirn über längere Zeit schädigen, durch Schlaganfälle, viele kleine Infarkte oder eine Erkrankung der kleinen Hirngefäße. Typisch sind Verlangsamung, Probleme beim Planen, Gangstörungen und eine frühe Blasenschwäche, während das Gedächtnis anfangs oft besser erhalten ist als bei Alzheimer.
Anders als bei vielen anderen Demenzformen lässt sich der Verlauf beeinflussen: Konsequent behandelter Bluthochdruck, erkanntes Vorhofflimmern, gesenktes Cholesterin, ein gut eingestellter Diabetes und regelmäßige Bewegung können weitere Schäden verhindern oder bremsen. Deshalb lohnt sich eine frühe Abklärung, sobald Veränderungen auffallen. Plötzliche Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen sind dagegen immer ein Notfall für die 112.
Für die Pflege zu Hause bedeutet die vaskuläre Demenz vor allem: Stürze vermeiden, Medikamente zuverlässig geben, Aufgaben in kleine Schritte zerlegen und die Betreuung so planen, dass sie auch einen plötzlich steigenden Hilfebedarf auffangen kann. Pflegegrad, Entlastungsbetrag, Verhinderungspflege und Zuschüsse für die Wohnung helfen dabei, das zu finanzieren. Und wenn die Kräfte der Familie nicht mehr reichen, kann eine vermittelte Betreuungskraft das Leben in den eigenen vier Wänden weiter ermöglichen.
Quellen und weiterführende Informationen: DGN/DGPPN, S3-Leitlinie Demenzen (AWMF-Register 038-013); Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Informationsblatt 1: Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen; Weltgesundheitsorganisation, Faktenblatt Demenz; Livingston et al., Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission; Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe; § 45b SGB XI; § 40 SGB XI.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche, pflegerische oder rechtliche Beratung. Diagnose und Behandlung einer vaskulären Demenz gehören in fachärztliche Hände. Bei Anzeichen eines Schlaganfalls wählen Sie sofort den Notruf 112. Die Angaben zu Leistungen der Pflegeversicherung entsprechen dem Stand September 2026 und können sich ändern. Stand: September 2026
