Ein Glas mit Zimtstangen, kurz geöffnet, und Herr B. beginnt zu erzählen: vom Weihnachtsmarkt seiner Kindheit, vom Stand seines Onkels, vom Geruch gebrannter Mandeln. Den Namen seiner Tochter findet er an diesem Tag nicht, die Erinnerung an den Markt ist dagegen lebendig. Genau hier setzen gute Übungen bei Demenz an: Sie arbeiten nicht gegen die Krankheit, sondern mit dem, was noch da ist.
Viele Angehörige fragen sich, welche Übungen sinnvoll sind, wie oft sie geübt werden sollten und ob Gedächtnistraining bei Demenz überhaupt etwas bringt. Die ehrliche Antwort: Übungen heilen keine Demenz. Die Forschung zeigt aber, dass strukturierte kognitive Stimulation die geistige Leistungsfähigkeit von Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz messbar unterstützt, die Kommunikation verbessert und die Stimmung hebt. Voraussetzung ist, dass die Übungen zur Person, zu ihrer Lebensgeschichte und zu ihrem Krankheitsstadium passen.
Dieser Ratgeber versammelt erprobte Übungen mit Schritt-für-Schritt-Anleitung, jeweils mit einer leichteren und einer anspruchsvolleren Variante. Sie erfahren, was Studien und die S3-Leitlinie Demenzen tatsächlich belegen, welche Übungen in welchem Stadium passen, wie Sie einen Wochenplan aufbauen, woran Sie Überforderung erkennen und welche Unterstützung die Pflegekasse und die Krankenkasse finanzieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Belegter, aber begrenzter Nutzen: Laut einem Cochrane-Review von 2023 mit 37 Studien bringt kognitive Stimulation bei leichter bis mittelschwerer Demenz einen kleinen Vorteil für das Denkvermögen und deutliche Verbesserungen bei Kommunikation und sozialer Interaktion.
- Langzeitgedächtnis als Ressource: Bei der Alzheimer-Demenz leidet zuerst das Kurzzeitgedächtnis. Alte Erinnerungen und eingeübte Handgriffe bleiben meist länger erhalten und sind der beste Ansatzpunkt für Übungen.
- Fehlerfrei statt fehlerhaft lernen: Übungen gelingen besser, wenn die Antwort vorgegeben oder angedeutet wird, statt Menschen mit Demenz raten zu lassen. Fehler prägen sich sonst ein und frustrieren.
- Kurz und regelmäßig: 10 bis 20 Minuten, ein- bis dreimal täglich, wirken besser als eine lange Einheit pro Woche.
- Bewegung gehört dazu: Körperliche Aktivität wird in der S3-Leitlinie ebenso empfohlen wie kognitive Stimulation, Ergotherapie, Erinnerungsarbeit und seit 2025 auch Musiktherapie.
- Unterstützung ist finanzierbar: Ergotherapie gibt es auf Rezept, Pflegekurse für Angehörige sind kostenlos, und für Betreuungsangebote stehen der Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich und das Tagespflege-Budget zur Verfügung.
Was Übungen bei Demenz leisten können und was nicht
Demenz ist nach heutigem Stand nicht heilbar (mehr dazu im Ratgeber Ist Demenz heilbar?). Übungen können den Abbau von Nervenzellen nicht aufhalten. Sie können aber helfen, vorhandene Fähigkeiten länger zu nutzen, Alltagskompetenzen zu stabilisieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Diese Unterscheidung schützt vor falschen Erwartungen und vor dem Gefühl, beim Üben „versagt“ zu haben, wenn die Erkrankung trotzdem fortschreitet.
Was die Forschung zeigt
- Kognitive Stimulation: Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2023 hat 37 randomisierte Studien mit 2.766 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz ausgewertet. Themenbasierte Aktivitäten in Gesprächsform, meist in Gruppen, verbesserten das Denkvermögen im Mittel um etwa zwei Punkte im Mini-Mental-Status-Test. Das entspricht grob dem Leistungsverlust, der sonst in rund sechs Monaten zu erwarten wäre. Deutlicher fielen die Effekte auf Kommunikation und soziale Interaktion aus. Die Autoren sprechen von kleinen, kurzfristigen Vorteilen und betonen, dass die Studien stark voneinander abweichen.
- Nicht-medikamentöse Verfahren in der Leitlinie: Die S3-Leitlinie Demenzen der Fachgesellschaften DGPPN und DGN empfiehlt kognitive Stimulation, individuell angepasste Ergotherapie, körperliche Aktivität und Reminiszenzverfahren, also Erinnerungsarbeit. Mit der Aktualisierung im März 2025 kam eine Empfehlung zur Musiktherapie hinzu.
- Isoliertes Gedächtnistraining: Reines Wiederholen von Aufgaben am Tisch oder am Tablet zeigt bei Demenz schwächere und weniger verlässliche Effekte als Übungen, die in Gespräch, Alltag und Beziehung eingebettet sind.
- Multisensorische Angebote: Für Verfahren wie Snoezelen ist die Studienlage dünner. Sie können trotzdem sinnvoll sein, wenn sie der Person spürbar guttun.
Drei Ansätze, die oft verwechselt werden
| Ansatz | Was geschieht? | Für wen geeignet? |
|---|---|---|
| Kognitive Stimulation | Gemeinsame, themenbezogene Aktivitäten mit Gespräch, etwa über Jahreszeiten, Berufe oder Lieder. Der Spaß am Mitmachen steht im Vordergrund. | Leichte bis mittelschwere Demenz; am besten belegt |
| Kognitives Training | Gezieltes, wiederholtes Üben einzelner Fähigkeiten wie Merken, Rechnen oder Aufmerksamkeit, oft mit steigendem Schwierigkeitsgrad. | Vor allem leichte kognitive Störung und frühe Demenz |
| Kognitive Rehabilitation | Individuelle Ziele aus dem Alltag, etwa „selbst die Kaffeemaschine bedienen“, werden mit Ergotherapeutin oder Angehörigen Schritt für Schritt geübt. | Frühe bis mittlere Stadien; stark alltagsnah |
Für die Übungen zu Hause heißt das: Die meisten Angebote sollten die Form einer gemeinsamen Aktivität mit Gespräch haben, nicht die eines Tests. Einzelne Trainingsaufgaben sind vor allem im Frühstadium sinnvoll. Wer noch keine Diagnose hat und vorbeugend üben möchte, findet passende Übungen im Ratgeber Gedächtnistraining für Senioren.
Kurzzeitgedächtnis, Langzeitgedächtnis und „Können in den Händen“
Wer versteht, welche Gedächtnisbereiche bei Demenz zuerst betroffen sind, wählt bessere Übungen. Bei der Alzheimer-Demenz schädigt die Erkrankung früh den Hippocampus, eine Hirnregion, die neue Informationen in das Langzeitgedächtnis überträgt. Deshalb fällt es schwer, sich neue Namen, Termine oder gerade Gesagtes zu merken. Mehr zu diesen Vorgängen erklärt unser Beitrag Was passiert im Gehirn bei Demenz?
- Kurzzeitgedächtnis: Übungen, die hier ansetzen, etwa Merklisten, frustrieren schnell. Sie eignen sich nur im Frühstadium und in kleiner Dosis.
- Langzeitgedächtnis: Erinnerungen aus Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenalter bleiben oft lange abrufbar. Besonders präsent ist häufig die Zeit zwischen etwa dem zehnten und dreißigsten Lebensjahr. Lieder, Fotos und Gegenstände aus dieser Zeit sind ideale Übungsmaterialien.
- Prozedurales Gedächtnis: Eingeübte Bewegungsabläufe wie Stricken, Kartenmischen, Teig kneten oder Hobeln bleiben oft erstaunlich lange erhalten. Übungen, die solche Abläufe nutzen, vermitteln Erfolgserlebnisse.
- Emotionales Gedächtnis: Auch wenn der Inhalt einer Begegnung vergessen ist, bleibt das Gefühl oft zurück. Eine gelungene Übung wirkt deshalb häufig länger nach, als die Erinnerung an sie.
Sieben Grundregeln, damit Übungen gelingen
- Fehlerfreies Lernen: Geben Sie die richtige Antwort vor oder deuten Sie sie deutlich an („Morgenstund hat Gold im …“ statt „Wie geht das Sprichwort weiter?“). Falsch geratene Antworten prägen sich bei Demenz leichter ein als die Korrektur.
- Erinnern in wachsenden Abständen: Soll etwas Neues gemerkt werden, etwa der Name einer neuen Betreuungskraft, fragen Sie ihn nach 30 Sekunden, dann nach einer, zwei und fünf Minuten erneut ab. Gelingt der Abruf nicht, nennen Sie ihn und beginnen wieder mit kurzen Abständen. Diese Technik ist bei beginnender Demenz gut untersucht.
- Wahl lassen: Fragen Sie „Möchten Sie lieber Fotos anschauen oder Musik hören?“ statt „Wir machen jetzt Gedächtnistraining“. Eine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten überfordert selten und stärkt die Selbstbestimmung.
- Vom Einfachen zum Schwierigen: Beginnen Sie mit einer Aufgabe, die sicher gelingt, und steigern Sie nur, wenn die Person Freude zeigt. Brechen Sie auf einer gelungenen Stufe ab.
- Kurz und zur richtigen Zeit: Die meisten Menschen mit Demenz sind vormittags am konzentriertesten. Am späten Nachmittag nimmt die Unruhe bei vielen zu. Planen Sie anspruchsvolle Übungen deshalb eher vormittags.
- Nicht korrigieren, sondern begleiten: Erzählt die Mutter, sie müsse gleich zur Arbeit, greifen Sie das Gefühl dahinter auf, statt über den Ruhestand zu diskutieren. Wie das gelingt, beschreibt die Validation nach Naomi Feil.
- Würde vor Methode: Materialien und Sprache sollen erwachsen sein. Kinderspielzeug, Verkleinerungsformen oder ein Ton wie im Kindergarten wirken herabsetzend.
Hinweise für die Gesprächsführung finden Sie im Ratgeber Kommunikation mit Demenzkranken, Grundsätzliches zum Umgang im Beitrag Umgang mit Demenz.
Gedächtnistraining bei Demenz: acht Übungen mit Anleitung
Die folgenden Übungen sind für die Umsetzung zu Hause gedacht. Jede lässt sich in 10 bis 20 Minuten durchführen und an die Tagesform anpassen.
1. Sprichwörter und Liedanfänge ergänzen
Ziel: Sprache und Langzeitgedächtnis aktivieren, Erfolgserlebnisse schaffen.
Material: Eine Liste mit 10 bis 15 bekannten Sprichwörtern oder Liedanfängen aus der Jugend der Person.
So geht’s: Sprechen Sie den Anfang langsam vor und lassen Sie das Ende ergänzen: „Wer anderen eine Grube gräbt …“. Wird ein Liedanfang erkannt, singen Sie ruhig gemeinsam weiter. Sprechen Sie anschließend kurz über die Bedeutung: „Haben Sie das früher auch gesagt?“
Leichter: Sagen Sie das Sprichwort vollständig und fragen Sie nur, ob es bekannt ist.
Anspruchsvoller: Die Person nennt selbst Sprichwörter zu einem Stichwort wie „Geld“ oder „Arbeit“.
2. Erinnerungskiste und Fotogespräch
Ziel: Erinnerungsarbeit, Wortfindung und Beziehung stärken.
Material: Drei bis fünf Gegenstände oder Fotos zu einem Lebensabschnitt, etwa Schulzeit, Hochzeit oder Beruf.
So geht’s: Legen Sie einen Gegenstand nach dem anderen hin und stellen Sie offene, erzählende Fragen: „Was war das für ein Tag?“ statt „Weißt du noch, wer das ist?“. Halten Sie besondere Geschichten in einem Erinnerungsheft fest, das später erneut genutzt werden kann.
Leichter: Ein Gegenstand, den die Person in die Hand nehmen kann.
Anspruchsvoller: Fotos zeitlich ordnen lassen, etwa „Was war zuerst?“.
Wie Sie die Lebensgeschichte systematisch erfassen, zeigt der Ratgeber Biographiearbeit in der Pflege.
3. Begriffe sammeln
Ziel: Wortflüssigkeit und Kategoriedenken.
Material: Keines, eventuell Stift und Papier.
So geht’s: Wählen Sie gemeinsam ein Thema, etwa Obstsorten, Blumen, Werkzeuge oder Vornamen, und sammeln Sie abwechselnd Begriffe. Sie steuern selbst Wörter bei, damit kein Druck entsteht. Schreiben Sie die Begriffe groß auf und lesen Sie die Liste am Ende gemeinsam vor.
Leichter: Mit Bildkarten arbeiten, die benannt werden.
Anspruchsvoller: Begriffe zu einem Anfangsbuchstaben finden oder das ABC durchgehen.
4. Sortieren und Zuordnen
Ziel: Konzentration, Kategorien bilden, Feinmotorik.
Material: Besteck, Knöpfe, Schrauben, Wollknäuel oder Spielkarten, eine Sortierbox oder mehrere Schalen.
So geht’s: Legen Sie die Gegenstände gemischt hin und zeigen Sie das erste Beispiel: „Die Löffel kommen hier hinein.“ Sortieren Sie gemeinsam, bis die Person allein weitermacht. Wählen Sie Material, das zur Biografie passt, für einen früheren Handwerker zum Beispiel Schrauben und Muttern.
Leichter: Nur zwei Kategorien, etwa Löffel und Gabeln.
Anspruchsvoller: Nach zwei Merkmalen sortieren, etwa Farbe und Größe.
5. Rechnen im Alltag
Ziel: Zahlenverständnis und Planungsfähigkeit erhalten.
Material: Münzen, ein Einkaufszettel, ein Prospekt.
So geht’s: Planen Sie gemeinsam einen Einkauf: „Wir brauchen Brot, Butter und Äpfel. Reichen zehn Euro?“ Zählen Sie Münzen gemeinsam ab. Die Aufgabe ist alltagsnah und wird deshalb seltener als Test empfunden.
Leichter: Gegenstände zählen, etwa Teller beim Tischdecken.
Anspruchsvoller: Preise im Prospekt vergleichen oder Wechselgeld ausrechnen.
6. Orientierungstafel am Morgen
Ziel: Zeitliche Orientierung und Tagesstruktur.
Material: Eine gut lesbare Tafel oder ein großer Kalender mit Wochentag, Datum, Wetter und dem wichtigsten Ereignis des Tages.
So geht’s: Füllen Sie die Tafel jeden Morgen gemeinsam aus, schauen Sie dabei aus dem Fenster und sprechen Sie über das Wetter und den Tagesplan. Die Tafel bleibt sichtbar hängen und kann jederzeit als Anker dienen.
Wichtig: Die Tafel ist eine Hilfe, keine Prüfung. Fragen wie „Welcher Tag ist heute?“ im Vorbeigehen verunsichern. Im fortgeschrittenen Stadium genügt ein Bild für den nächsten Programmpunkt, etwa eine Tasse für das Kaffeetrinken.
7. Neue Namen lernen mit der Abstandsmethode
Ziel: Eine einzelne, alltagsrelevante Information festigen.
Material: Foto der Person, deren Namen gelernt werden soll.
So geht’s: Zeigen Sie das Foto und nennen Sie den Namen: „Das ist Anna. Sie ist jetzt öfter bei Ihnen.“ Fragen Sie nach 30 Sekunden nach, dann nach einer, zwei, fünf und zehn Minuten. Gelingt der Abruf nicht, nennen Sie den Namen erneut und beginnen wieder mit kurzen Abständen. Üben Sie an mehreren Tagen.
Geeignet: Vor allem im Frühstadium. Im mittleren Stadium lieber auf Namensschilder oder Fotos an der Tür setzen.
8. Was fehlt?
Ziel: Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis im Frühstadium.
Material: Tablett mit vier bis sechs vertrauten Gegenständen, ein Tuch.
So geht’s: Benennen Sie die Gegenstände gemeinsam, decken Sie das Tablett ab und nehmen Sie einen Gegenstand weg. Was fehlt? Helfen Sie mit Hinweisen, bevor Frust entsteht: „Es ist etwas zum Schreiben.“
Leichter: Nur drei Gegenstände, der fehlende wird unter dem Tuch sichtbar gelassen.
Anspruchsvoller: Zwei Gegenstände entfernen oder die Reihenfolge verändern.
Sinnesübungen: Wahrnehmung und Gefühl ansprechen
Sinnesübungen erreichen Menschen auch dann noch, wenn Sprache und Gedächtnis stark eingeschränkt sind. Sie beruhigen, schaffen Kontakt und wecken Erinnerungen. Von diesen einfachen Übungen zu unterscheiden ist die Basale Stimulation: ein pflegerisches Konzept, das Andreas Fröhlich ursprünglich für Kinder mit schweren Behinderungen entwickelte und das gemeinsam mit Christel Bienstein in die Pflege übertragen wurde. Es arbeitet gezielt mit Berührung, Lage und Bewegung und wird in Kursen erlernt.
- Fühlsäckchen: In einem Stoffbeutel liegen drei bis fünf Gegenstände mit deutlich unterschiedlicher Oberfläche, etwa ein Tannenzapfen, ein Seidentuch, ein Holzlöffel. Die Person tastet, beschreibt und rät. Im späteren Stadium genügt es, die Materialien einfach in die Hand zu geben und zu befühlen.
- Duftgläser: Kleine Schraubgläser mit Kaffee, Zimt, Lavendel, frischer Minze oder Schmierseife. Gerüche gelangen im Gehirn auf kurzem Weg zu Bereichen, die Gefühle und Erinnerungen verarbeiten. Fragen Sie: „Woran erinnert Sie das?“
- Geräusche erkennen: Kurze Tonaufnahmen von Kirchenglocken, Vogelstimmen, einer Dampflok oder einer Kaffeemühle abspielen. Oder Dosen mit Reis, Münzen und Sand schütteln und zuordnen.
- Geschmack erleben: Kleine Kostproben von süß, sauer, salzig und herzhaft, zum Beispiel Apfelmus, Zitronenscheibe, Salzstange, Schokolade. Achtung bei Schluckstörungen: Dann nur Kostproben in einer Konsistenz, die ärztlich oder logopädisch empfohlen ist. Hinweise dazu bietet der Ratgeber Ernährung bei Demenz.
- Sehen und Staunen: Ein Vogelhäuschen vor dem Fenster, ein Bildband über die Heimatregion oder bunte Tücher, die langsam bewegt werden. Im späten Stadium kann schon das gemeinsame Betrachten einer Kerze Ruhe schaffen.
Bewegungsübungen: Kraft, Gleichgewicht und Geschicklichkeit
Körperliche Aktivität zählt zu den am besten begründeten Empfehlungen bei Demenz. Sie erhält Kraft und Gleichgewicht, beugt Stürzen vor, verbessert oft den Schlaf und reduziert Unruhe. Ideal sind tägliche Bewegungseinheiten, verteilt über den Tag. Klären Sie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schmerzen oder Sturzneigung vorab mit der Hausärztin, welche Belastung angemessen ist.
Sitzgymnastik: eine Folge für zehn Minuten
- Aufwärmen: Schultern langsam kreisen, fünfmal vorwärts, fünfmal rückwärts.
- Arme: Beide Arme nach vorn strecken, als würde man einen Ball tragen, dann nach oben „Äpfel pflücken“. Zehn Wiederholungen.
- Beine: Abwechselnd die Knie anheben wie beim Gehen auf der Stelle, eine Minute lang.
- Füße: Fußspitzen anziehen und strecken, anschließend Kreise mit den Füßen.
- Rumpf: Aufrecht sitzen, eine Hand zum gegenüberliegenden Knie führen, Seite wechseln.
- Ausklang: Tief einatmen, Arme heben, beim Ausatmen sinken lassen. Dreimal.
Mit bekannter Musik oder einem Reim fällt das Mitmachen leichter. Machen Sie jede Bewegung vor und bewegen Sie sich gleichzeitig mit, statt mündlich anzuleiten.
Kraft und Gleichgewicht
- Aufstehen vom Stuhl: Von einem stabilen Stuhl mit Armlehnen aufstehen und wieder hinsetzen, fünf- bis zehnmal. Diese Übung trainiert genau die Kraft, die im Alltag für Toilette, Bett und Sessel gebraucht wird.
- Stehen mit Halt: Hinter einer stabilen Stuhllehne oder Küchenarbeitsplatte stehen, Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern, später kurz auf die Zehenspitzen gehen.
- Spaziergang mit Ziel: Ein täglicher Weg zu einem festen Ziel, etwa zum Briefkasten oder Bäcker, verbindet Bewegung, Orientierung und Alltag.
Weitere sichere Übungen mit Bildbeschreibung zeigt der Ratgeber Bewegungsübungen für Senioren. Wer zum Weglaufen neigt, sollte bei Spaziergängen immer begleitet werden; Hinweise dazu gibt der Beitrag Weglauftendenz und nächtliche Unruhe.
Feinmotorik
- Wäscheklammern an eine Schnur oder an den Rand einer Schüssel stecken
- Große Knöpfe durch Knopflöcher an einem Übungstuch führen
- Muttern auf Schrauben drehen, Wolle aufwickeln, Teig kneten
- Große Perlen auffädeln oder Erbsen und Bohnen sortieren (nur, wenn keine Gefahr besteht, dass Kleinteile in den Mund genommen werden)
Musik, Singen und kreatives Gestalten
Musikalische Erinnerungen bleiben bei vielen Menschen mit Alzheimer-Demenz erstaunlich lange erhalten. Nicht selten singen Betroffene alle Strophen eines Volkslieds mit, obwohl sie im Gespräch kaum noch Worte finden. Die S3-Leitlinie Demenzen nennt seit 2025 auch die Musiktherapie als empfohlene Maßnahme. Musiktherapie im engeren Sinne wird von ausgebildeten Musiktherapeutinnen angeboten; zu Hause geht es um gemeinsames Musikerleben.
- Persönliche Playlist: Stellen Sie 15 bis 20 Lieder aus der Jugend der Person zusammen. Beobachten Sie, bei welchen Liedern sie mitsummt, lächelt oder ruhiger wird.
- Rhythmusübung: Zur Musik klatschen, auf den Tisch klopfen oder mit Rasseln begleiten verbindet Hören und Bewegung.
- Singen statt Sprechen: Kurze Aufforderungen gesungen oder im Rhythmus eines bekannten Liedes werden manchmal besser verstanden.
- Malen und Gestalten: Mit großen Pinseln, Wasserfarben oder Pastellkreiden auf großem Papier malen, Naturmaterialien zu einem Herbstbild legen. Der Weg ist das Ziel, nicht das Ergebnis.
Musik kann auch Unruhe dämpfen. Laute oder unbekannte Musik, Radio im Hintergrund und Fernsehen im Dauerbetrieb bewirken dagegen oft das Gegenteil.
Welche Übungen in welchem Stadium passen
Der Verlauf einer Demenz ist individuell, doch die Stadien geben eine Orientierung. Ausführliche Beschreibungen finden Sie in den Ratgebern zum Verlauf der Demenz, zum Anfangsstadium, zur fortgeschrittenen Demenz und zum Endstadium.
| Stadium | Ziel der Übungen | Geeignete Übungen | Worauf achten? |
|---|---|---|---|
| Leichte Demenz | Selbstständigkeit erhalten, Kompetenzen bewusst nutzen | Begriffe sammeln, Rechnen im Alltag, Namen lernen mit der Abstandsmethode, Kochen nach Rezept, Gesellschaftsspiele, Spaziergänge | Nicht unterfordern; Betroffene merken ihre Defizite und reagieren empfindlich auf „Übungsprogramme“ |
| Mittelschwere Demenz | Alltagsfähigkeiten stabilisieren, Wohlbefinden fördern | Sprichwörter, Erinnerungskiste, Sortieren, Orientierungstafel, Sitzgymnastik, Singen, Haushaltstätigkeiten | Kurze Anleitungen, vormachen statt erklären, Überforderungszeichen früh erkennen |
| Schwere Demenz | Kontakt, Geborgenheit, Sinneseindrücke | Handmassage, Fühlmaterialien, vertraute Musik, Düfte, rhythmische Bewegung an der Hand, Vorlesen | Nonverbale Signale deuten; Ruhephasen einplanen; Präsenz ist oft wichtiger als Aktivität |
Besonderheiten je nach Demenzform
- Vaskuläre Demenz: Das Denktempo ist oft verlangsamt, Aufmerksamkeit und Planung sind früh betroffen. Geben Sie deutlich mehr Zeit für jede Antwort und zerlegen Sie Aufgaben in kleine Schritte.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Aufmerksamkeit und Wachheit schwanken stark. Passen Sie die Übungen jeden Tag neu an. Gute, gleichmäßige Beleuchtung und das Vermeiden verwirrender Muster können optische Fehlwahrnehmungen verringern.
- Frontotemporale Demenz: Das Gedächtnis ist anfangs oft gut, Antrieb, Impulskontrolle und soziales Verhalten sind dagegen verändert. Klare Abläufe, feste Zeiten und körperliche Aktivität bewähren sich häufig besser als Gesprächsübungen.
- Parkinson-Demenz: Bewegungsübungen sollten mit der Physiotherapie abgestimmt und in Phasen guter Beweglichkeit gelegt werden, meist nach der Medikamenteneinnahme.
Ein Wochenplan für Übungen zu Hause
Der folgende Plan ist ein Beispiel für die mittelschwere Demenz. Jede Einheit dauert 10 bis 20 Minuten. Tauschen Sie Übungen, die nicht angenommen werden, einfach aus.
| Tag | Vormittag | Nachmittag |
|---|---|---|
| Montag | Orientierungstafel, Sprichwörter ergänzen | Spaziergang mit Ziel |
| Dienstag | Orientierungstafel, Erinnerungskiste „Schulzeit“ | Sitzgymnastik mit Musik |
| Mittwoch | Orientierungstafel, Sortieren von Besteck oder Werkzeug | Tagespflege oder Besuch |
| Donnerstag | Orientierungstafel, Rechnen im Alltag mit Einkaufszettel | Gemeinsamer Einkauf |
| Freitag | Orientierungstafel, Begriffe sammeln | Singen und Rhythmus |
| Samstag | Orientierungstafel, Duftgläser | Backen oder Gartenarbeit |
| Sonntag | Fotogespräch mit der Familie | Ruhe, Musik, Spaziergang |
Zwischen den Übungen sind Alltagstätigkeiten wie Tischdecken, Wäschefalten oder Blumengießen selbst die beste Aktivierung. Ideen dazu enthält der Ratgeber Beschäftigung für Demenzkranke. Wie sich kurze Einheiten nach dem Konzept von Ute Schmidt-Hackenberg in den Tag einfügen, erklärt der Beitrag 10-Minuten-Aktivierung bei Demenz. Wie ein gesamter Tag mit einer Betreuungskraft aussehen kann, zeigt der Ratgeber zum Tagesablauf in der 24-Stunden-Pflege.
Wirkung beobachten: Woran Sie erkennen, ob eine Übung passt
Ob eine Übung sinnvoll ist, zeigt weniger das Ergebnis als die Reaktion. Notieren Sie in einem einfachen Übungstagebuch nach jeder Einheit drei Dinge:
- Beteiligung: Hat die Person mitgemacht, von sich aus erzählt oder nur zugeschaut?
- Stimmung: Lächeln, Lachen, Entspannung oder Anspannung, Unruhe, Tränen?
- Nachwirkung: Wirkte sie danach ruhiger, zufriedener oder erschöpft?
Nach zwei bis drei Wochen zeigt sich meist ein klares Bild, welche Übungen, Tageszeiten und Themen funktionieren. Solche Notizen helfen auch der Hausärztin, der Ergotherapeutin oder einer neuen Betreuungskraft.
Ärztlich abklären lassen sollten Sie, wenn sich die Leistungsfähigkeit innerhalb von Tagen deutlich verschlechtert, neue Verwirrtheit oder Schläfrigkeit auftritt oder die Person plötzlich jede Aktivität verweigert. Dahinter können ein Harnwegsinfekt, Austrocknung, Schmerzen, Medikamentenwirkungen oder ein Delir stecken, die behandelbar sind.
Sicherheit bei Übungen
- Überforderung erkennen: Unruhe, Abwehr, Schwitzen, lautes Rufen, Tränen oder abrupter Rückzug sind Signale zum sofortigen Beenden. Wechseln Sie zu etwas Vertrautem oder machen Sie eine Pause. Ursachen und Strategien bei Abwehr erklärt der Ratgeber Aggression und Abwehrverhalten bei Demenz.
- Kleinteile: Perlen, Knöpfe, Bohnen und Münzen nur verwenden, wenn die Person nichts in den Mund nimmt, und nie unbeaufsichtigt liegen lassen.
- Ätherische Öle: Nie unverdünnt auf die Haut geben, auf Allergien und Atemwegserkrankungen achten, Fläschchen außer Reichweite aufbewahren.
- Essen und Trinken: Bei Husten oder Verschlucken während des Essens Geschmacksübungen mit der Hausärztin oder Logopädin abstimmen.
- Stürze: Bewegungsübungen im Stehen nur mit stabilem Halt, rutschfesten Schuhen und freier Umgebung. Die eigene Aufsichtspflicht beschreibt der Ratgeber Aufsichtspflicht und Haftung bei Demenz.
Materialien: Was Sie brauchen und was es kostet
Die meisten Übungen gelingen mit Dingen, die ohnehin im Haushalt sind. Persönliche Gegenstände wirken ohnehin stärker als gekauftes Material. Für Ergänzungen gelten diese Richtwerte:
| Material | Richtwert | Tipp |
|---|---|---|
| Memory, Bildkarten oder Bingo für Erwachsene | ca. 15 bis 35 € | Große Karten, realistische Motive, keine Comics |
| Puzzle mit großen Teilen | ca. 10 bis 25 € | Eigene Fotos als Puzzle drucken lassen |
| Fühl- und Duftmaterial | ca. 20 bis 40 € | Gewürze, Stoffreste und Naturmaterialien reichen oft aus |
| Orientierungstafel oder großer Kalender | ca. 15 bis 40 € | Gut lesbare Schrift, fester Platz |
| Rhythmusinstrumente, Therapieknete, Softball | ca. 20 bis 40 € | Nur so viel anschaffen, wie tatsächlich genutzt wird |
Mit 100 bis 200 Euro lässt sich eine gute Grundausstattung zusammenstellen. Nicht als Pflegehilfsmittel erstattungsfähig sind in der Regel Spiele und Beschäftigungsmaterialien.
Unterstützung durch Therapie, Kurse und Betreuung
Tägliche Übungen neben Pflege, Haushalt und Beruf zu organisieren, überfordert viele Familien. Die folgenden Angebote entlasten und sind zum Teil vollständig finanziert.
Ergotherapie auf Rezept
Ärztinnen und Ärzte können bei Demenz Ergotherapie als Heilmittel verordnen, etwa als Hirnleistungstraining oder zur Erhaltung von Alltagsfähigkeiten. Ist der Weg in die Praxis nicht möglich, kann ein Hausbesuch verordnet werden. Gesetzlich Versicherte zahlen in der Regel eine Zuzahlung von zehn Prozent der Kosten plus zehn Euro je Verordnung, sofern sie nicht davon befreit sind. Ergotherapeutinnen zeigen Angehörigen außerdem, wie sie Übungen zu Hause fortführen können.
Kostenlose Pflegekurse für Angehörige
Pflegekassen bieten nach § 45 SGB XI kostenlose Kurse und Schulungen für pflegende Angehörige an, auch speziell zum Umgang mit Demenz und auch als Einzelschulung zu Hause. Mehr dazu im Ratgeber Pflegekurs nach § 45 SGB XI.
Leistungen der Pflegekasse
Voraussetzung ist ein Pflegegrad, der bei Demenz auch die kognitiven Einschränkungen berücksichtigt (siehe Pflegegrad bei Demenz).
| Leistung 2026 | Höhe | Nutzung für Aktivierung |
|---|---|---|
| Entlastungsbetrag | 131 € monatlich, ab Pflegegrad 1 | Für nach Landesrecht anerkannte Betreuungs- und Entlastungsangebote, etwa Betreuungsgruppen oder stundenweise Alltagsbegleitung |
| Tagespflege | Eigenes Budget von 721 € (PG 2) bis 2.085 € (PG 5) monatlich | Zusätzlich zu Pflegegeld und Pflegesachleistung; viele Einrichtungen bieten täglich Gruppenaktivierung |
| Umwandlungsanspruch | Bis zu 40 % der nicht genutzten Pflegesachleistung | Für anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag |
| Pflegegeld | 347 € (PG 2) bis 990 € (PG 5) monatlich | Frei verwendbar, auch für eine 24-Stunden-Betreuung |
| Gemeinsamer Jahresbetrag für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege | 3.539 € jährlich, ab Pflegegrad 2 | Wenn die pflegende Person verhindert ist, zum Beispiel für stundenweise Ersatzbetreuung |
24-Stunden-Betreuung mit Demenzerfahrung
Lebt eine vermittelte Betreuungskraft im Haushalt, können Übungen täglich und im passenden Moment stattfinden, statt nur dann, wenn Angehörige Zeit haben. Die Betreuungskraft lernt die Vorlieben kennen, erkennt schlechte Tage und baut Aktivierung in den Alltag ein: beim Kochen, beim Spaziergang, beim Fotoalbum am Nachmittag. Sie ersetzt keine Ergotherapie oder Musiktherapie und übernimmt keine medizinische Behandlungspflege, kann aber Übungen aus der Therapie im Alltag fortführen. Was Betreuungskräfte übernehmen dürfen, erklärt der Ratgeber Leistungen und Grenzen der 24-Stunden-Pflege.
Eine 24-Stunden-Betreuung kostet 2026 marktüblich 2.400 bis 3.900 Euro monatlich. Betreuungskräfte mit Demenzerfahrung und gutem Deutsch liegen meist bei 3.300 bis 3.900 Euro. Das Pflegegeld lässt sich vollständig einsetzen, zusätzlich mindern 20 Prozent der Kosten die Einkommensteuer, höchstens 4.000 Euro im Jahr (§ 35a EStG). Eine ausführliche Rechnung finden Sie unter Kosten der 24-Stunden-Pflege 2026, weitere Informationen zur Betreuung bei Demenz im Ratgeber 24-Stunden-Pflege bei Demenz.
Drei Beispiele aus dem Alltag
Die Beispiele sind fiktiv, beschreiben aber typische Situationen in Familien.
Frau K., 76 Jahre, leichte Alzheimer-Demenz
Frau K. war Buchhalterin und merkt selbst, dass ihr Namen und Termine entgleiten. Angebote, die nach „Gedächtnistraining“ klingen, lehnt sie ab. Ihre Tochter bindet stattdessen Übungen in den Alltag ein: Frau K. plant den Wocheneinkauf mit Prospekt und Taschenrechner, ordnet Familienfotos in ein neues Album und lernt mit der Abstandsmethode den Namen der Ergotherapeutin, die einmal wöchentlich kommt. Sie fühlt sich ernst genommen, und die Einheiten werden zu einem festen Teil des Vormittags.
Herr D., 82 Jahre, mittelschwere vaskuläre Demenz
Herr D. war Schlosser, wirkt nachmittags unruhig und sucht nach „Arbeit“. Seit eine vermittelte Betreuungskraft mit ihm lebt, hat er jeden Vormittag eine „Werkstattkiste“ mit Schrauben, Muttern und einer Wasserwaage zum Sortieren. Nachmittags gehen beide zum Bäcker, abends hört er Lieder aus den Fünfzigerjahren. Die Tochter führt ein Übungstagebuch mit und stellt fest, dass die Unruhe an Tagen mit Spaziergang deutlich geringer ist.
Frau W., 88 Jahre, schwere Demenz
Frau W. spricht kaum noch und liegt viel. Ihr Sohn hatte das Gefühl, sie nicht mehr zu erreichen. Nach einer Einzelschulung im Rahmen eines Pflegekurses beginnt er jeden Nachmittag mit einer kurzen Handmassage und spielt dabei das Kirchenlied, das sie früher im Chor gesungen hat. Frau W. öffnet die Augen, hält seine Hand fest und bewegt die Lippen. Mehr Ziel braucht es in diesem Stadium nicht.
Sechs häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Abfragen statt erleben: „Wie heißt das?“ oder „Welches Jahr haben wir?“ klingt nach Prüfung. Besser: erzählen, zeigen, gemeinsam tun.
- Zu schwer anfangen: Starten Sie immer eine Stufe unter dem vermuteten Niveau. Ein Erfolg zu Beginn trägt die ganze Einheit.
- Fehler korrigieren: Wiederholte Korrekturen beschämen. Nennen Sie die richtige Antwort beiläufig und gehen Sie weiter.
- Kindliche Materialien: Übungshefte mit Tierbildern für Grundschüler wirken herabsetzend. Wählen Sie Motive aus der Lebenswelt Erwachsener.
- Nur am Tisch üben: Bewegung, Musik und Alltagstätigkeiten sind mindestens so wertvoll wie Denkaufgaben.
- Sich selbst überfordern: Übungen sollen auch Angehörigen Freude machen. Wer erschöpft ist, braucht Entlastung, nicht mehr Programm. Warnzeichen beschreibt der Ratgeber Pflege-Burnout.
Häufig gestellte Fragen zu Übungen bei Demenz
Bringt Gedächtnistraining bei Demenz überhaupt etwas?
Ja, in Grenzen. Ein Cochrane-Review von 2023 mit 37 Studien zeigt, dass kognitive Stimulation bei leichter bis mittelschwerer Demenz das Denkvermögen leicht verbessert, im Mittel um etwa zwei Punkte im Mini-Mental-Status-Test, und Kommunikation sowie soziale Interaktion deutlich fördert. Die Krankheit aufhalten kann Training nicht. Am besten wirken Übungen, die als gemeinsame Aktivität mit Gespräch gestaltet sind.
Wie oft und wie lange sollte geübt werden?
Ein- bis dreimal täglich für 10 bis 20 Minuten hat sich bewährt. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer. An schlechten Tagen darf eine Einheit ausfallen oder durch Musik und Nähe ersetzt werden. Anspruchsvollere Übungen gelingen meist vormittags am besten.
Welche Übungen helfen dem Kurzzeitgedächtnis?
Im Frühstadium eignen sich kleine Aufgaben wie „Was fehlt?“ mit wenigen Gegenständen oder das Merken eines einzelnen Namens mit der Abstandsmethode. Da bei Alzheimer gerade das Speichern neuer Informationen früh gestört ist, sollten solche Übungen sparsam eingesetzt werden. Hilfreicher sind oft Gedächtnisstützen wie Orientierungstafel, Kalender und Fotos an Türen.
Welche Übungen eignen sich, wenn mein Angehöriger nicht mehr spricht?
Sinnesübungen und Musik: Handmassage, Materialien zum Fühlen, vertraute Düfte, Lieder aus der Jugend, rhythmische Bewegungen an der Hand und ruhiges Vorlesen. Achten Sie auf nonverbale Reaktionen wie Blickkontakt, Entspannung oder ein Lächeln. In diesem Stadium ist Ihre Anwesenheit oft wichtiger als jede Übung.
Was tun, wenn alle Übungen abgelehnt werden?
Verpacken Sie Übungen in Alltagstätigkeiten („Helfen Sie mir beim Sortieren?“), bieten Sie zwei Möglichkeiten zur Wahl an und versuchen Sie es zu einer anderen Tageszeit. Prüfen Sie, ob Schmerzen, Müdigkeit, Hör- oder Sehprobleme dahinterstecken. Manche Menschen nehmen Angebote von einer vertrauten Betreuungskraft oder einer Ergotherapeutin eher an als von den eigenen Kindern.
Sind Apps und Tablet-Spiele sinnvoll?
Für Menschen im Frühstadium, die mit Tablets vertraut sind, können einfache Apps eine Ergänzung sein. Sie ersetzen aber nicht das gemeinsame Tun und das Gespräch, die für die Wirkung entscheidend sind. Nutzen Sie digitale Angebote begleitet, mit großen Symbolen und ohne Zeitdruck. Wer zusätzlich Fotos und Musik auf dem Tablet sammelt, hat eine gute Grundlage für Erinnerungsgespräche.
Zahlt die Krankenkasse Übungen bei Demenz?
Die Krankenkasse übernimmt ärztlich verordnete Ergotherapie, etwa als Hirnleistungstraining, bei Bedarf auch als Hausbesuch. Es fällt in der Regel eine Zuzahlung von zehn Prozent plus zehn Euro je Verordnung an. Die Pflegekasse finanziert kostenlose Pflegekurse für Angehörige sowie mit Pflegegrad den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich und ein eigenes Budget für Tagespflege.
Ist Basale Stimulation dasselbe wie Sinnesübungen?
Nicht ganz. Sinnesübungen sind einfache Angebote für Riechen, Tasten, Hören und Schmecken, die jeder anbieten kann. Basale Stimulation ist ein pflegerisches Konzept von Andreas Fröhlich und Christel Bienstein, das gezielt mit Berührung, Lage und Bewegung arbeitet und in Kursen erlernt wird. Es eignet sich besonders für Menschen mit schwerer Demenz.
Wie erkenne ich Überforderung?
Typische Zeichen sind Unruhe, Abwehr, Schwitzen, Zittern, lautes Rufen, Tränen oder plötzlicher Rückzug. Beenden Sie die Übung dann sofort, ohne Kommentar zur Leistung, und bieten Sie etwas Vertrautes oder eine Pause an. Beim nächsten Mal wählen Sie eine leichtere Variante.
Kann eine 24-Stunden-Betreuungskraft Übungen übernehmen?
Ja. Eine vermittelte Betreuungskraft mit Demenzerfahrung kann Übungen täglich in den Alltag einbauen, auf die Tagesform reagieren und Anregungen aus der Ergotherapie fortführen. Therapie im engeren Sinne und medizinische Behandlungspflege gehören nicht zu ihren Aufgaben. Achten Sie bei der Auswahl auf Erfahrung mit Demenz und ein gutes Sprachniveau.
Fazit: Üben heißt, gemeinsam Zeit gut zu nutzen
Übungen bei Demenz sind kein Programm, das abgearbeitet werden muss, sondern eine Einladung zu gemeinsamen, gelingenden Momenten. Die Forschung bestätigt, dass kognitive Stimulation, Bewegung, Erinnerungsarbeit und Musik Denkvermögen, Kommunikation und Wohlbefinden stärken können, auch wenn sie die Krankheit nicht aufhalten.
Am meisten erreichen Sie mit wenigen Grundsätzen: an Lebensgeschichte und Langzeitgedächtnis anknüpfen, fehlerfrei statt fehlerhaft lernen lassen, kurz und regelmäßig üben, Bewegung einplanen und die Übungen dem Stadium anpassen. Beobachten Sie, was Freude macht, und lassen Sie los, was nicht funktioniert.
Niemand muss das allein leisten. Ergotherapie, Pflegekurse, Tagespflege, Betreuungsgruppen und eine 24-Stunden-Pflege zu Hause verteilen die Aufgabe auf mehrere Schultern. Welche Versorgungsform passt, hilft die Entscheidungshilfe Pflegeheim oder 24-Stunden-Pflege abzuwägen. Austausch mit anderen Familien finden Sie in Selbsthilfegruppen und über die Beratung für Demenz-Angehörige.
Quellen und weiterführende Informationen
- Woods B et al.: Cognitive stimulation to improve cognitive functioning in people with dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2023
- DGPPN und DGN: S3-Leitlinie Demenzen, AWMF-Registernummer 038-013, aktualisiert 2025
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Informationen für Angehörige, Alzheimer-Telefon 030 259 37 95 14
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Wegweiser Demenz
- Sozialgesetzbuch XI: § 45 (Pflegekurse), § 45b (Entlastungsbetrag), § 41 (Tagespflege)
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Stimmen Sie Bewegungsübungen bei Vorerkrankungen und Geschmacksübungen bei Schluckstörungen mit der Hausärztin, Ergotherapeutin oder Logopädin ab. Die Fallbeispiele sind fiktiv. Preisangaben zu Materialien sind Richtwerte. Alle Angaben zu Leistungen und Kosten entsprechen dem Stand September 2026 und können sich ändern. PflegeHeimat24 ist eine Vermittlungsagentur und nicht Arbeitgeberin der vermittelten Betreuungskräfte. Stand: September 2026
