„Mama verwechselt Tag und Nacht, sieht Dinge, die nicht da sind, und gestern konnte sie plötzlich kaum noch laufen” – solche Schilderungen hören wir häufig von Angehörigen, deren Familienmitglied an Lewy-Body-Demenz erkrankt ist. Diese zweithäufigste Form der Demenz nach Alzheimer stellt Betroffene und ihre Familien vor besondere Herausforderungen: Die Symptome Lewy Körperchen Demenz sind vielfältig, schwanken oft täglich und unterscheiden sich deutlich von anderen Demenzformen.
Während bei Alzheimer-Demenz die Gedächtnisstörungen im Vordergrund stehen, zeigt sich die Lewy-Body-Demenz durch eine einzigartige Kombination aus kognitiven Schwankungen, visuellen Halluzinationen und körperlichen Symptomen wie bei Parkinson. Diese Komplexität macht die Diagnose schwierig und die Pflege anspruchsvoll – besonders, wenn Betroffene plötzlich zwischen klaren Momenten und völliger Verwirrtheit wechseln.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige über die Lewy-Body-Demenz: Von den charakteristischen Symptomen über den typischen Verlauf bis hin zu praktischen Erfahrungsberichten aus der häuslichen Pflege. Sie erhalten wissenschaftlich fundierte Informationen, konkrete Handlungsempfehlungen und lernen, wie eine 24-Stunden-Betreuung bei Demenz den Alltag mit dieser herausfordernden Erkrankung erleichtern kann.
Was ist Lewy-Body-Demenz? Definition und Abgrenzung
Die Lewy-Body-Demenz (LBD), auch Lewy-Körperchen-Demenz oder Demenz mit Lewy-Körperchen genannt, ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Demenzform. Sie macht etwa 10-15% aller Demenzerkrankungen aus, wird jedoch häufig nicht oder erst spät erkannt. Benannt ist die Erkrankung nach dem deutschen Neurologen Friedrich Lewy, der die charakteristischen Proteinablagerungen erstmals 1912 beschrieb.
Die Rolle der Lewy-Körperchen im Gehirn
Bei der Lewy Körperchen Demenz Ursache spielen abnorme Proteinablagerungen die zentrale Rolle. Diese sogenannten Lewy-Körperchen bestehen hauptsächlich aus fehlgefaltetem Alpha-Synuclein-Protein und lagern sich in den Nervenzellen des Gehirns ab. Anders als bei Alzheimer, wo sich Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen bilden, sind bei der Lewy-Body-Demenz diese Alpha-Synuclein-Aggregate das Hauptproblem.
Die Lewy-Körperchen finden sich besonders in folgenden Hirnregionen:
- Hirnrinde (Kortex): Beeinträchtigt kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Denkvermögen
- Substantia nigra: Führt zu Parkinson-ähnlichen Bewegungsstörungen durch Dopaminmangel
- Limbisches System: Beeinflusst Emotionen, Gedächtnis und Verhalten
- Hirnstamm: Stört Schlaf-Wach-Rhythmus und autonome Funktionen
Diese Proteinablagerungen stören die Kommunikation zwischen Nervenzellen und führen letztlich zu deren Absterben. Der Prozess verläuft schleichend über Jahre, wobei die Symptome Lewy Körperchen Demenz erst auftreten, wenn bereits erhebliche Schädigungen vorliegen.
Abgrenzung zu anderen Demenzformen
Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Demenzformen ist wichtig, da sich Behandlung und Prognose unterscheiden. Hier die wichtigsten Unterschiede:
| Merkmal | Lewy-Body-Demenz | Alzheimer-Demenz | Parkinson-Demenz |
|---|---|---|---|
| Erstsymptome | Kognitive Schwankungen, visuelle Halluzinationen | Gedächtnisverlust, Orientierungsstörungen | Bewegungsstörungen, später Demenz |
| Gedächtnis | Anfangs oft relativ gut erhalten | Frühzeitig stark beeinträchtigt | Anfangs weniger betroffen |
| Aufmerksamkeit | Stark schwankend, wechselhaft | Allmählich abnehmend | Verlangsamt, aber stabiler |
| Halluzinationen | Sehr häufig (70-80%), meist visuell | Selten, meist in späten Stadien | Gelegentlich, oft medikamentenbedingt |
| Bewegungsstörungen | Früh auftretend, Parkinson-ähnlich | Erst in späten Stadien | Hauptmerkmal von Beginn an |
| Schlafstörungen | REM-Schlaf-Verhaltensstörung häufig | Eher Durchschlafprobleme | REM-Schlaf-Verhaltensstörung möglich |
| Autonome Störungen | Früh und ausgeprägt | Erst spät | Häufig vorhanden |
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Lewy-Body-Demenz und Parkinson-Demenz, da beide durch Lewy-Körperchen verursacht werden. Die medizinische Konvention lautet: Treten die kognitiven Symptome innerhalb eines Jahres nach den Bewegungsstörungen auf, spricht man von Lewy-Body-Demenz. Entwickelt sich die Demenz erst nach mehrjährigem Parkinson (meist nach 5-10 Jahren), wird sie als Parkinson-Demenz bezeichnet. Mehr zur allgemeinen Definition und Ursachen von Demenz finden Sie in unserem Grundlagen-Artikel.
Charakteristische Symptome der Lewy-Body-Demenz
Die Lewy-Body-Demenz Symptome sind vielfältig und unterscheiden sich deutlich von anderen Demenzformen. Besonders charakteristisch ist die sogenannte „Trias der Kernsymptome”, die bei der Diagnosestellung eine zentrale Rolle spielt. Doch auch darüber hinaus zeigen sich zahlreiche weitere Beschwerden, die den Alltag erheblich beeinflussen.
Die drei Kernsymptome der Lewy-Body-Demenz
Mediziner sprechen von drei Hauptmerkmalen, die typisch für die Lewy-Body-Demenz sind und sie von anderen Demenzformen unterscheiden:
1. Kognitive Schwankungen (Fluktuationen)
Das auffälligste und für Angehörige oft verwirrendste Symptom sind die ausgeprägten Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Diese können innerhalb von Minuten, Stunden oder Tagen auftreten:
- Wachheit und Aufmerksamkeit variieren stark: An einem Tag führt die Person klare Gespräche und erledigt Aufgaben selbstständig, am nächsten Tag wirkt sie verwirrt und apathisch
- Phasen geistiger Klarheit wechseln mit Verwirrtheit: Innerhalb weniger Stunden kann sich der Zustand dramatisch verändern
- Schläfrigkeit am Tag: Betroffene dösen häufig ein, schlafen bis zu zwei Stunden oder mehr am Tag, obwohl sie nachts geschlafen haben
- Starrer Blick ins Leere: Minutenlanges Starren ohne erkennbare Reaktion auf Ansprache
- Wirre, unzusammenhängende Sprache: In Phasen der Verwirrtheit ist die Kommunikation stark eingeschränkt
Diese Fluktuationen sind nicht vorhersehbar und machen die Pflege besonders herausfordernd. Angehörige berichten oft: „Ich weiß morgens nie, welche Version meines Partners mich erwartet.”
2. Visuelle Halluzinationen
70-80% der Betroffenen erleben wiederkehrende, detaillierte visuelle Halluzinationen. Diese unterscheiden sich deutlich von den Halluzinationen bei anderen Erkrankungen:
- Typische Inhalte: Meist sehen Betroffene Menschen (oft Kinder oder Verstorbene), Tiere (häufig kleine Tiere wie Insekten oder Katzen) oder Gegenstände, die nicht vorhanden sind
- Detailreich und überzeugend: Die Halluzinationen werden als sehr real wahrgenommen, mit klaren Konturen und Farben
- Wiederkehrende Muster: Oft erscheinen dieselben „Besucher” oder Szenen regelmäßig
- Unterschiedliche Reaktionen: Manche Betroffene sind verängstigt, andere nehmen die Halluzinationen gelassen hin oder führen sogar Gespräche mit den „Besuchern”
- Krankheitseinsicht möglich: In klaren Momenten können Betroffene manchmal erkennen, dass die Wahrnehmungen nicht real sind
Wichtig: Die Halluzinationen treten meist ohne äußere Auslöser auf und sind nicht durch Medikamente verursacht (obwohl manche Medikamente sie verstärken können).
3. Parkinsonismus (Bewegungsstörungen)
Etwa 80% der Betroffenen entwickeln Bewegungsstörungen, die denen bei Parkinson-Krankheit ähneln:
- Verlangsamte Bewegungen (Bradykinese): Alltägliche Tätigkeiten dauern deutlich länger, Bewegungen wirken mühsam
- Muskelsteifigkeit (Rigor): Besonders in Armen und Beinen, führt zu versteifter Körperhaltung
- Gleichgewichtsstörungen: Unsicherer Gang mit erhöhter Sturzgefahr, besonders beim Drehen oder Richtungswechsel
- Kleinschrittiger Gang: Schlurfende, unsichere Schritte mit nach vorne gebeugter Haltung
- Verminderte Mimik: Das Gesicht wirkt ausdrucksarm, „maskenartig”
- Zittern (Tremor): Seltener als bei Parkinson, wenn vorhanden meist in Ruhe
Diese Bewegungsstörungen treten bei der Lewy-Body-Demenz früher auf als bei Alzheimer und erhöhen das Sturzrisiko erheblich. Eine barrierefreie Wohnumgebung wird daher besonders wichtig.
Weitere häufige Symptome
Neben den drei Kernsymptomen treten bei der Lewy-Body-Demenz zahlreiche weitere Beschwerden auf, die das klinische Bild prägen:
Kognitive und neuropsychiatrische Symptome
- Visuell-räumliche Störungen: Schwierigkeiten beim Einschätzen von Entfernungen, Probleme beim Zeichnen oder Zusammenbauen von Gegenständen
- Exekutive Dysfunktion: Beeinträchtigung von Planung, Organisation und Problemlösung
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen: Besonders ausgeprägt, auch in relativ frühen Stadien
- Gedächtnisstörungen: Anfangs weniger stark als bei Alzheimer, verschlechtern sich aber im Verlauf
- Depression und Apathie: Häufig, können den kognitiven Symptomen vorausgehen
- Angststörungen: Oft in Zusammenhang mit Halluzinationen oder Verwirrtheit
- Wahnvorstellungen: Besonders Verfolgungswahn oder die Überzeugung, dass Angehörige durch Doppelgänger ersetzt wurden
Schlafstörungen
Schlafprobleme gehören zu den frühesten und häufigsten Symptomen der Lewy-Body-Demenz:
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Betroffene leben ihre Träume körperlich aus – schlagen um sich, schreien, fallen aus dem Bett. Dies kann Jahre vor anderen Symptomen auftreten
- Tagesschläfrigkeit: Übermäßiges Schlafen am Tag trotz ausreichendem Nachtschlaf
- Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus: Verwechslung von Tag und Nacht
- Insomnie: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen
- Restless-Legs-Syndrom: Unangenehme Empfindungen in den Beinen mit Bewegungsdrang
Autonome Dysfunktion
Das autonome Nervensystem, das unwillkürliche Körperfunktionen steuert, ist bei Lewy-Body-Demenz häufig beeinträchtigt:
- Orthostatische Hypotonie: Starker Blutdruckabfall beim Aufstehen, führt zu Schwindel und Sturzgefahr
- Inkontinenz: Probleme mit Blasen- und Darmkontrolle, mehr dazu in unserem Artikel über Inkontinenz bei Demenz
- Verstopfung: Häufig und oft hartnäckig
- Übermäßiges Schwitzen: Besonders nachts
- Temperaturregulationsstörungen: Probleme mit Hitze oder Kälte
- Sexuelle Dysfunktion: Bei Männern häufig erektile Dysfunktion
Weitere körperliche Symptome
- Riechstörungen: Verminderter Geruchssinn, oft ein Frühsymptom
- Erhöhte Schmerzempfindlichkeit: Gesteigerte Reaktion auf Schmerzreize
- Schluckstörungen: Erhöhen das Risiko für Aspirationspneumonie
- Erhöhte Speichelproduktion: Kann zu Sabbern führen

Kostenlose Beratung zur 24-Stunden-Betreuung bei Lewy-Body-Demenz – individuell und unverbindlich
Angebot anfordern Beraten lassenVerlauf der Lewy-Body-Demenz: Stadien und Prognose
Der Lewy-Body-Demenz Verlauf unterscheidet sich in mehreren Aspekten von anderen Demenzformen. Während die Erkrankung generell progredient, also fortschreitend ist, zeigt sie oft einen schnelleren Verlauf als Alzheimer-Demenz. Die ausgeprägte Symptomschwankung macht es jedoch schwierig, klare Stadien zu definieren – ein und dieselbe Person kann an einem Tag Symptome zeigen, die einem frühen Stadium entsprechen, und am nächsten Tag Merkmale eines fortgeschrittenen Stadiums aufweisen.
Typische Verlaufsphasen der Lewy-Body-Demenz
Frühstadium (1-3 Jahre nach Diagnose)
Das Anfangsstadium der Lewy-Body-Demenz ist oft durch subtile Veränderungen gekennzeichnet, die zunächst nicht als Demenz erkannt werden:
- Kognitive Veränderungen: Leichte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten bei komplexen Aufgaben, visuell-räumliche Störungen (z.B. Probleme beim Einparken)
- Erste Fluktuationen: Wechselnde Wachheit und Aufmerksamkeit, die Familie oft als „gute und schlechte Tage” beschreibt
- Beginnende Halluzinationen: Erste visuelle Wahrnehmungsstörungen, oft noch selten und kurz
- Leichte Bewegungsstörungen: Verlangsamung, leichte Steifigkeit, unsicherer Gang
- Schlafprobleme: REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann bereits Jahre vor der Diagnose auftreten
- Stimmungsveränderungen: Depression, Angst, Apathie
- Autonome Symptome: Verstopfung, Blutdruckschwankungen beim Aufstehen
In dieser Phase können Betroffene oft noch selbstständig leben, benötigen aber zunehmend Unterstützung bei komplexen Tätigkeiten wie Finanzverwaltung oder Autofahren. Die Diagnosestellung erfolgt häufig erst in diesem Stadium, nachdem Symptome über Monate bestanden haben.
Mittleres Stadium (3-6 Jahre nach Diagnose)
Im mittleren Stadium werden die Symptome deutlicher und beeinträchtigen den Alltag erheblich:
- Ausgeprägte kognitive Schwankungen: Dramatische Unterschiede zwischen klaren und verwirrten Phasen, teilweise mehrmals täglich
- Häufige Halluzinationen: Regelmäßige visuelle Halluzinationen, manchmal auch akustische, können belastend oder beängstigend sein
- Zunehmende Gedächtnisprobleme: Kurzzeitgedächtnis deutlich beeinträchtigt, Orientierungsprobleme
- Deutliche Bewegungsstörungen: Gangstörungen mit erhöhter Sturzgefahr, Steifigkeit, verlangsamte Bewegungen
- Verhaltensprobleme: Unruhe, Agitation, Wahnvorstellungen (z.B. Eifersuchtswahn)
- Zunehmende Pflegebedürftigkeit: Hilfe bei alltäglichen Aktivitäten wie Ankleiden, Körperpflege, Essen wird notwendig
- Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen: Verwechslung von Tag und Nacht, Umherwandern nachts
In diesem Stadium ist häusliche Pflege oft noch möglich, erfordert aber zunehmend professionelle Unterstützung. Eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause kann hier eine wertvolle Alternative zum Pflegeheim darstellen. Mehr zum allgemeinen Verlauf von Demenzerkrankungen erfahren Sie in unserem Übersichtsartikel.
Spätstadium (ab 6-8 Jahren nach Diagnose)
Das fortgeschrittene bis Endstadium der Demenz ist durch schwere Beeinträchtigungen gekennzeichnet:
- Schwere kognitive Beeinträchtigung: Kaum noch Erinnerungsvermögen, keine Orientierung zu Zeit, Ort und Person
- Stark eingeschränkte Kommunikation: Sprache auf einzelne Worte oder Laute reduziert
- Immobilität: Rollstuhl- oder Bettlägerigkeit, hohe Sturzgefahr bei Mobilisierungsversuchen
- Vollständige Pflegeabhängigkeit: Hilfe bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens notwendig
- Schluckstörungen: Erhöhtes Risiko für Lungenentzündung durch Verschlucken (Aspirationspneumonie)
- Schwere autonome Störungen: Inkontinenz, Kreislaufprobleme, Temperaturregulationsstörungen
- Erhöhte Infektanfälligkeit: Häufige Harnwegsinfekte, Lungenentzündungen
In diesem Stadium benötigen Betroffene intensive pflegerische und medizinische Betreuung rund um die Uhr.
Lewy-Body-Demenz schneller Verlauf: Besonderheiten der Progression
Ein charakteristisches Merkmal der Lewy-Body-Demenz ist ihr häufig schneller Verlauf im Vergleich zu anderen Demenzformen:
| Demenzform | Durchschnittliche Überlebenszeit ab Diagnose | Verlaufsgeschwindigkeit |
|---|---|---|
| Lewy-Body-Demenz | 5-8 Jahre | Schnell bis sehr schnell |
| Alzheimer-Demenz | 8-12 Jahre | Langsam bis mittelschnell |
| Vaskuläre Demenz | 4-6 Jahre | Stufenweise, variabel |
| Frontotemporale Demenz | 6-8 Jahre | Mittelschnell bis schnell |
Faktoren, die den Verlauf beeinflussen können:
- Alter bei Diagnose: Jüngere Betroffene haben tendenziell einen langsameren Verlauf
- Schwere der Parkinson-Symptome: Ausgeprägte Bewegungsstörungen sind mit schnellerer Progression assoziiert
- Begleiterkrankungen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes können den Verlauf beschleunigen
- Medikamentöse Behandlung: Angemessene Therapie kann Symptome lindern, aber Progression nicht aufhalten
- Psychosoziale Unterstützung: Gute Betreuung und strukturierter Alltag können Lebensqualität erhalten
Wichtig zu wissen: Der individuelle Verlauf ist sehr unterschiedlich. Manche Betroffene erleben einen relativ stabilen Zustand über mehrere Jahre, während andere schnell progredieren. Die charakteristischen Fluktuationen bedeuten auch, dass „gute Phasen” immer wieder auftreten können, selbst in fortgeschrittenen Stadien.
Lebenserwartung und Todesursachen
Die Lebenserwartung bei Demenz ist bei Lewy-Body-Demenz im Durchschnitt kürzer als bei Alzheimer. Häufige Todesursachen sind:
- Aspirationspneumonie: Lungenentzündung durch Verschlucken, häufigste Todesursache
- Stürze mit schweren Verletzungen: Besonders Hüftfrakturen, Schädel-Hirn-Traumata
- Infektionen: Harnwegsinfekte, Sepsis
- Herzkreislauferkrankungen: Herzinfarkt, Schlaganfall
- Allgemeine Schwäche und Kachexie: Fortschreitender körperlicher Verfall
Die Prognose sollte jedoch nie als absolute Vorhersage verstanden werden. Mit guter medizinischer Versorgung, angemessener Pflege und Vermeidung von Komplikationen können Betroffene auch deutlich länger leben als der statistische Durchschnitt.
Lewy-Body-Demenz Erfahrungsberichte: Einblicke in den Pflegealltag
Die Theorie über Symptome und Verlauf vermittelt wichtige Grundlagen – doch wie sieht der Alltag mit Lewy-Body-Demenz wirklich aus? Lewy-Body-Demenz Erfahrungsberichte von Angehörigen und Pflegenden zeigen die praktischen Herausforderungen, aber auch Lösungsansätze, die im täglichen Zusammenleben helfen können. Die folgenden Beispiele basieren auf realen Situationen aus unserer Beratungspraxis.
Erfahrungsbericht 1: Die Herausforderung der Fluktuationen
Familie Schneider, Berlin – Vater (72) mit Lewy-Body-Demenz seit 2 Jahren
„Das Schwierigste für uns war und ist die Unberechenbarkeit”, erzählt Sabine Schneider. „An manchen Tagen führt Papa klare Gespräche, erinnert sich an Ereignisse von vor Wochen und macht Witze wie früher. Dann denken wir: Es geht ihm doch gut! Aber am nächsten Morgen erkennt er uns nicht, starrt stundenlang ins Leere und reagiert kaum auf Ansprache.”
Die Familie hatte zunächst versucht, die Pflege allein zu stemmen. „Wir haben uns in drei Schichten organisiert – meine Schwester, mein Bruder und ich. Aber das funktionierte nicht lange. Die ständige Unsicherheit, wie wir Papa morgens antreffen würden, hat uns alle zermürbt. Meine Schwester hatte Panikattacken, mein Bruder wurde depressiv.”
Die Wende kam durch eine 24-Stunden-Betreuungskraft aus Polen: „Maria hat Erfahrung mit Demenz und vor allem: Sie bleibt ruhig, egal wie Papas Zustand ist. Sie hat gelernt, die Zeichen zu deuten – wenn er unruhig wird, lenkt sie ihn ab. Wenn er klar ist, nutzt sie diese Zeit für Spaziergänge oder Gespräche. Und das Wichtigste: Sie ist immer da. Wir können wieder durchschlafen, wissen aber, dass Papa nie allein ist.”
Praktische Erkenntnisse:
- Ein strukturierter Tagesablauf hilft, auch wenn die kognitiven Fähigkeiten schwanken
- Kontinuierliche Betreuung durch eine Person schafft Vertrauen und Sicherheit
- Angehörige brauchen Entlastung, um langfristig durchzuhalten
- Professionelle Helfer sollten speziell mit Demenz-Schwankungen vertraut sein
Erfahrungsbericht 2: Umgang mit Halluzinationen
Familie Weber, München – Mutter (68) mit Lewy-Body-Demenz seit 3 Jahren
„Mama sieht fast täglich Kinder in unserem Wohnzimmer”, berichtet Thomas Weber. „Am Anfang haben wir versucht, ihr zu erklären, dass da niemand ist. Das führte nur zu Streit und Verwirrung. Sie wurde wütend und fühlte sich nicht ernst genommen.”
Durch eine Schulung lernten die Webers einen anderen Ansatz: „Jetzt validieren wir ihre Wahrnehmung, ohne sie zu verstärken. Wenn Mama sagt ‘Da sind wieder die Kinder’, frage ich: ‘Wie viele siehst du?’ oder ‘Was machen sie?’ Dann lenke ich sanft ab: ‘Lass uns in die Küche gehen und Kaffee trinken.’ Das funktioniert meist gut.”
Besonders hilfreich war die Einstellung einer erfahrenen Betreuungskraft: „Beata hat sofort verstanden, dass Mamas Halluzinationen real für sie sind. Sie hat nie gesagt ‘Da ist niemand’, sondern Mama ernst genommen und gleichzeitig beruhigt. Einmal hat Mama panisch gerufen, weil sie glaubte, ein Tier sei im Haus. Beata hat ‘nachgesehen’, ihr versichert, dass alles in Ordnung ist, und Mama mit einer Tasse Tee aufs Sofa gesetzt. Innerhalb von Minuten war Mama wieder ruhig.”
Praktische Erkenntnisse:
- Halluzinationen nicht leugnen oder als unwahr abtun
- Validieren ohne zu verstärken: Wahrnehmen, aber sanft ablenken
- Ausreichende Beleuchtung kann visuelle Fehlwahrnehmungen reduzieren
- Betreuungspersonen mit Demenz-Erfahrung wissen, wie man deeskaliert
- Angstauslösende Halluzinationen sollten ärztlich behandelt werden
Erfahrungsbericht 3: Sturzgefahr und Mobilitätsprobleme
Familie Hoffmann, Hamburg – Ehemann (75) mit Lewy-Body-Demenz seit 4 Jahren
„Die Stürze waren das größte Problem”, erinnert sich Margarete Hoffmann. „Innerhalb von sechs Monaten ist Klaus fünfmal gestürzt. Einmal hat er sich die Hüfte gebrochen, zweimal den Kopf aufgeschlagen. Ich hatte ständig Angst, ihn allein zu lassen, selbst für eine Minute.”
Die Familie investierte zunächst in barrierefreie Umbauten: Haltegriffe im Bad, rutschfeste Matten, bessere Beleuchtung. „Das hat geholfen, aber nicht ausgereicht. Klaus hatte Gleichgewichtsprobleme und vergaß oft, dass er nicht mehr sicher gehen konnte. In verwirrten Phasen stand er einfach auf und versuchte zu laufen.”
Die Lösung war eine Kombination aus baulichen Anpassungen und kontinuierlicher Betreuung: „Unsere Betreuungskraft Ewa ist immer in der Nähe. Sie begleitet Klaus bei jedem Schritt, auch nachts. Sie hat ein Gespür dafür, wann er aufstehen will, und ist sofort da. Seit sie bei uns ist – vor anderthalb Jahren – gab es keinen einzigen Sturz mehr.”
Zusätzlich nutzt die Familie technische Hilfsmittel: „Wir haben einen Sensor unter der Matratze, der Alarm gibt, wenn Klaus aufsteht. Und einen Rollator, den Klaus in klaren Momenten auch selbst nutzt. Die Türen haben wir verbreitert, damit er mit dem Rollator überall hinkommt.”
Praktische Erkenntnisse:
- Barrierefreie Wohnraumanpassung ist bei Lewy-Body-Demenz essentiell
- Kontinuierliche Begleitung bei Mobilität reduziert Sturzrisiko drastisch
- Technische Hilfsmittel (Sensoren, Rollator) unterstützen Sicherheit
- Ausreichende Beleuchtung, besonders nachts, ist wichtig
- Physiotherapie kann Bewegungsfähigkeit so lange wie möglich erhalten

Professionelle 24-Stunden-Betreuung mit Demenz-Erfahrung – für ein sicheres Zuhause
Angebot anfordern Beraten lassenErfahrungsbericht 4: Schlafstörungen und Nachtbetreuung
Familie Keller, Frankfurt – Mutter (70) mit Lewy-Body-Demenz seit 3 Jahren
„Die Nächte waren die Hölle”, sagt Michael Keller unverblümt. „Mama schlief tagsüber ständig ein, war aber nachts hellwach und unruhig. Sie wanderte durch die Wohnung, suchte nach verstorbenen Verwandten, versuchte zu kochen oder ‘zur Arbeit zu gehen’. Mehrmals haben Nachbarn die Polizei gerufen, weil sie nachts auf der Straße war.”
Besonders belastend war die REM-Schlaf-Verhaltensstörung: „Wenn Mama dann doch schlief, schrie sie plötzlich, schlug um sich, fiel aus dem Bett. Einmal hat sie sich dabei die Schulter ausgekugelt. Meine Frau und ich haben uns abgewechselt, aber nach drei Monaten waren wir beide am Ende.”
Die Familie entschied sich für eine 24-Stunden-Betreuung mit expliziter Nachtbetreuung: „Das war die beste Entscheidung. Unsere Betreuungskraft Ioana schläft im Zimmer nebenan und hört sofort, wenn Mama unruhig wird. Sie begleitet sie dann, macht warme Milch, setzt sich zu ihr, bis Mama wieder einschläft. Und tagsüber sorgt sie dafür, dass Mama aktiv bleibt und nicht so viel schläft.”
Zusätzlich half eine medikamentöse Anpassung: „Der Neurologe hat ein Medikament verschrieben, das die REM-Schlaf-Störung lindert. Zusammen mit Ioanas Betreuung schläft Mama jetzt deutlich besser. Und wir auch.”
Praktische Erkenntnisse:
- Nachtbetreuung ist bei Lewy-Body-Demenz oft unerlässlich
- Strukturierter Tagesablauf mit Aktivitäten reduziert Tagesschläfrigkeit
- Medikamentöse Behandlung von REM-Schlaf-Störungen ist möglich
- Sichere Umgebung für nächtliches Umherwandern schaffen
- Angehörige brauchen ungestörten Nachtschlaf, um tagsüber funktionsfähig zu bleiben
Gemeinsame Erkenntnisse aus den Erfahrungsberichten
Was alle diese Familien verbindet:
- Überforderung der Familie: Die Komplexität der Lewy-Body-Demenz überfordert Angehörige schnell
- Notwendigkeit kontinuierlicher Betreuung: Die Fluktuationen und Sturzgefahr erfordern ständige Aufmerksamkeit
- Wert professioneller Erfahrung: Betreuungskräfte mit Demenz-Kenntnissen machen einen enormen Unterschied
- Erhalt der Lebensqualität: Mit richtiger Unterstützung können Betroffene lange zu Hause bleiben
- Entlastung für Angehörige: Eine Alternative zum Pflegeheim ermöglicht es Familien, wieder Kraft zu tanken
Diagnose der Lewy-Body-Demenz: Herausforderungen und Verfahren
Die Diagnose einer Lewy-Body-Demenz ist komplex und erfordert spezialisierte Expertise. Viele Betroffene erhalten zunächst andere Diagnosen – häufig Alzheimer-Demenz oder Parkinson – bevor die korrekte Diagnose gestellt wird. Diese Verzögerung kann problematisch sein, da sich die Behandlungsansätze unterscheiden und manche Medikamente bei Lewy-Body-Demenz kontraindiziert sind.
Warum ist die Diagnose so schwierig?
Mehrere Faktoren erschweren die Diagnosestellung:
- Überlappende Symptome: Viele Symptome treten auch bei anderen Demenzformen oder Parkinson auf
- Fluktuationen: Die wechselnden Symptome können bei einer Untersuchung gerade nicht vorhanden sein
- Fehlende definitive Tests: Es gibt keinen einzelnen Test, der die Diagnose zweifelsfrei bestätigt
- Mangelnde Bekanntheit: Viele Ärzte sind mit dieser Demenzform weniger vertraut als mit Alzheimer
- Schrittweise Entwicklung: Die charakteristischen Symptome entwickeln sich oft über Monate bis Jahre
Diagnostische Kriterien und Untersuchungsverfahren
Die Diagnose basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und ergänzenden Tests. Neurologen und Psychiater nutzen international anerkannte Diagnosekriterien, die 2017 aktualisiert wurden.
Kernsymptome (müssen für Diagnose vorhanden sein)
Für eine wahrscheinliche Lewy-Body-Demenz müssen mindestens zwei der drei Kernsymptome vorliegen:
- Kognitive Fluktuationen mit ausgeprägten Schwankungen der Aufmerksamkeit und Wachheit
- Wiederkehrende, detaillierte visuelle Halluzinationen
- Parkinsonismus (Bewegungsstörungen)
Unterstützende klinische Merkmale
Diese Symptome erhärten die Diagnose, sind aber nicht zwingend erforderlich:
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung
- Schwere Neuroleptika-Sensitivität (ausgeprägte Nebenwirkungen bei antipsychotischen Medikamenten)
- Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
- Riechstörungen
- Verstopfung
- Übermäßige Tagesschläfrigkeit
Medizinische Untersuchungen
Neuropsychologische Tests:
- Kognitive Testungen zur Beurteilung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, exekutiven Funktionen
- Visuell-räumliche Tests (z.B. Uhrentest, Figurenzeichnen)
- Tests zur Beurteilung von Fluktuationen (z.B. wiederholte Testungen zu verschiedenen Zeiten)
Mehr zu kognitiven Tests bei Demenz erfahren Sie in unserem ausführlichen Artikel.
Bildgebende Verfahren:
- MRT (Magnetresonanztomographie): Zum Ausschluss anderer Ursachen (Tumoren, Schlaganfälle), zeigt bei Lewy-Body-Demenz oft weniger Hippocampus-Atrophie als bei Alzheimer
- DaTSCAN (Dopamin-Transporter-Szintigraphie): Bildgebendes Verfahren, das den Dopamin-Haushalt im Gehirn darstellt; bei Lewy-Body-Demenz typischerweise verändert
- FDG-PET (Fluordesoxyglucose-Positronen-Emissions-Tomographie): Zeigt charakteristische Stoffwechselmuster bei Lewy-Body-Demenz
- MIBG-Myokardszintigraphie: Untersuchung der Herzinnervation, bei Lewy-Body-Demenz oft auffällig
Weitere Untersuchungen:
- EEG (Elektroenzephalographie): Kann verlangsamte Hirnaktivität zeigen
- Polysomnographie: Schlaflabor-Untersuchung zum Nachweis der REM-Schlaf-Verhaltensstörung
- Autonome Funktionstests: Blutdruckmessungen beim Aufstehen, Herzfrequenzvariabilität
- Laboruntersuchungen: Bluttests zum Ausschluss anderer Ursachen (Vitaminmangel, Schilddrüsenstörungen, Infektionen)
Differentialdiagnosen: Abgrenzung zu anderen Erkrankungen
Folgende Erkrankungen müssen bei der Diagnosestellung ausgeschlossen oder abgegrenzt werden:
- Alzheimer-Demenz: Gedächtnisstörungen stehen im Vordergrund, Halluzinationen und Parkinsonismus treten erst spät auf
- Parkinson-Demenz: Bewegungsstörungen gehen der Demenz um Jahre voraus
- Vaskuläre Demenz: Stufenweiser Verlauf, Nachweis von Schlaganfällen im MRT, mehr Informationen zur vaskulären Demenz
- Frontotemporale Demenz: Frühe Verhaltensänderungen, weniger Halluzinationen, Details zur frontotemporalen Demenz
- Delirium: Akuter Beginn, meist durch Infektionen oder Medikamente ausgelöst, reversibel
- Depression: Kann kognitive Symptome verursachen („Pseudodemenz”)
Bedeutung einer frühen und korrekten Diagnose
Eine rechtzeitige und korrekte Diagnose ist aus mehreren Gründen wichtig:
- Angepasste Behandlung: Medikamente müssen speziell auf Lewy-Body-Demenz abgestimmt werden
- Vermeidung gefährlicher Medikamente: Typische Neuroleptika können bei Lewy-Body-Demenz schwere, lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen
- Bessere Symptomkontrolle: Frühzeitige Behandlung kann Lebensqualität verbessern
- Planung der Zukunft: Angehörige können sich auf die besonderen Herausforderungen einstellen
- Zugang zu Unterstützung: Pflegegeld, Pflegesachleistungen und andere Hilfen können beantragt werden (mehr dazu in unserem Glossar zum Pflegegeld)
Behandlungsmöglichkeiten und Therapieansätze
Eine Heilung der Lewy-Body-Demenz ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen zu erhalten. Dabei ist ein multimodaler Ansatz wichtig, der medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen kombiniert.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung der Lewy-Body-Demenz ist komplex und erfordert spezialisierte neurologische oder psychiatrische Expertise. Viele Standardmedikamente, die bei anderen Demenzformen eingesetzt werden, sind bei Lewy-Body-Demenz problematisch.
Medikamente zur Verbesserung kognitiver Funktionen
Cholinesterasehemmer sind die wichtigste Medikamentengruppe bei Lewy-Body-Demenz:
- Rivastigmin (Exelon®): Einziger für Lewy-Body-Demenz zugelassener Cholinesterasehemmer, verbessert Kognition, Aufmerksamkeit und Halluzinationen
- Donepezil (Aricept®): Wird ebenfalls häufig eingesetzt, obwohl nur für Alzheimer zugelassen
- Galantamin (Reminyl®): Alternative, wenn andere nicht vertragen werden
Diese Medikamente erhöhen den Acetylcholin-Spiegel im Gehirn, was bei Lewy-Body-Demenz besonders wichtig ist, da hier ein ausgeprägter Acetylcholin-Mangel besteht. Sie können kognitive Schwankungen reduzieren, Halluzinationen mildern und die Aufmerksamkeit verbessern.
Behandlung von Bewegungsstörungen
Die Behandlung des Parkinsonismus bei Lewy-Body-Demenz ist herausfordernd:
- Levodopa (L-Dopa): Kann Bewegungsstörungen verbessern, muss aber vorsichtig dosiert werden, da es Halluzinationen und Verwirrtheit verstärken kann
- Niedrige Dosierung: Meist wird nur etwa ein Drittel der Dosis verwendet, die bei Parkinson-Krankheit üblich ist
- Individuelle Abwägung: Verbesserung der Beweglichkeit gegen mögliche Verschlechterung der kognitiven Symptome
Dopaminagonisten und Anticholinergika, die bei Parkinson-Krankheit verwendet werden, sollten bei Lewy-Body-Demenz vermieden werden, da sie kognitive Symptome und Halluzinationen deutlich verschlechtern können.
Behandlung von Halluzinationen und Verhaltensproblemen
WICHTIG: Besondere Vorsicht bei Neuroleptika!
Menschen mit Lewy-Body-Demenz haben eine ausgeprägte Überempfindlichkeit gegenüber typischen Neuroleptika (Antipsychotika). Diese können zu schweren, lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen:
- Schwere Muskelsteifigkeit
- Bewusstseinsstörungen
- Malignes neuroleptisches Syndrom (lebensbedrohlich)
- Erhöhtes Sterberisiko
Wenn Medikamente gegen Halluzinationen nötig sind:
- Quetiapin (Seroquel®): Atypisches Neuroleptikum, das am ehesten toleriert wird, in sehr niedriger Dosierung
- Clozapin (Leponex®): Wirksam, aber aufwendige Kontrollen wegen möglicher Nebenwirkungen nötig
- Pimavanserin: Speziell für Parkinson-Psychose entwickelt, in Deutschland noch nicht zugelassen
Nicht-medikamentöse Ansätze bevorzugen: Bei nicht-bedrohlichen Halluzinationen sollten zunächst immer nicht-medikamentöse Strategien versucht werden (Validation, Ablenkung, Beruhigung).
Behandlung von Schlafstörungen
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Melatonin oder Clonazepam können helfen
- Tagesschläfrigkeit: Strukturierter Tagesablauf mit Aktivitäten, eventuell Modafinil (off-label)
- Schlaflosigkeit: Schlafhygiene optimieren, bei Bedarf niedrig dosiertes Melatonin
Behandlung autonomer Störungen
- Orthostatische Hypotonie: Erhöhte Flüssigkeitszufuhr, Kompressionsstrümpfe, Midodrin
- Verstopfung: Ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, Laktulose oder Macrogol
- Inkontinenz: Toilettentraining, Hilfsmittel, bei Bedarf Anticholinergika (mit Vorsicht), mehr Informationen in unserem Artikel zu Inkontinenz-Ursachen und Behandlung
Nicht-medikamentöse Therapieansätze
Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind bei Lewy-Body-Demenz mindestens genauso wichtig wie Medikamente und sollten immer die erste Wahl sein:
Kognitive Stimulation und Aktivierung
- Kognitive Übungen: Gedächtnistraining, Rätsel, Demenz-Übungen angepasst an die Fähigkeiten
- Alltagsaktivitäten: Einbeziehen in Haushaltsaufgaben, Kochen, Gartenarbeit
- Soziale Interaktion: Regelmäßige Gespräche, Besuche, Teilnahme an Gruppenaktivitäten
- Anpassung an Fluktuationen: Aktivitäten in klaren Phasen durchführen, in verwirrten Phasen Ruhe gönnen
Physiotherapie und Bewegung
Besonders wichtig bei den Bewegungsstörungen der Lewy-Body-Demenz:
- Regelmäßige Bewegung: Spaziergänge, leichte Gymnastik, Tanzen
- Gleichgewichtstraining: Sturzprophylaxe durch gezieltes Training
- Gangtraining: Verbesserung des Gangbildes und der Sicherheit
- Krafttraining: Erhalt der Muskelkraft und Mobilität
Ergotherapie
- Training alltagspraktischer Fähigkeiten: Ankleiden, Essen, Körperpflege
- Wohnraumanpassung: Beratung zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen
- Hilfsmittelversorgung: Auswahl und Training mit Gehhilfen, Greifhilfen etc.
Kommunikation und Umgang mit Halluzinationen
Spezielle Techniken für den Alltag mit Lewy-Body-Demenz:
- Validation: Gefühle ernst nehmen, ohne Halluzinationen zu verstärken
- Sanfte Ablenkung: Bei beängstigenden Halluzinationen auf andere Themen lenken
- Beruhigung: Ruhige Stimme, körperliche Nähe (wenn gewünscht), Sicherheit vermitteln
- Keine Konfrontation: Nicht versuchen, Halluzinationen wegzudiskutieren
- Umgebung optimieren: Gute Beleuchtung, Vermeidung von Schatten und Spiegelungen
Mehr zur Kommunikation bei Demenz finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber.
Strukturierter Tagesablauf
Ein geregelter Tagesablauf ist bei Lewy-Body-Demenz besonders wichtig:
- Feste Routinen: Gleiche Zeiten für Aufstehen, Mahlzeiten, Aktivitäten, Schlafengehen
- Wechsel von Aktivität und Ruhe: Überforderung vermeiden
- Tageslicht und Aktivität am Tag: Reduziert Tagesschläfrigkeit und verbessert Nachtschlaf
- Ruhige Abendgestaltung: Keine aufregenden Aktivitäten vor dem Schlafengehen
Ein Beispiel für einen strukturierten Tagesablauf in der 24-Stunden-Betreuung zeigt, wie sich Routine und Flexibilität verbinden lassen.

Unsere erfahrenen Betreuungskräfte kennen die besonderen Bedürfnisse bei Lewy-Body-Demenz
Angebot anfordern Beraten lassenPflege zu Hause: Praktische Herausforderungen und Lösungen
Die häusliche Pflege bei Lewy-Body-Demenz stellt besondere Anforderungen. Die Kombination aus kognitiven Schwankungen, Halluzinationen, Bewegungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit und spezialisiertes Wissen. Gleichzeitig ermöglicht die Pflege zu Hause, dass Betroffene in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können – ein wichtiger Faktor für Lebensqualität und Orientierung.
Sicherheit im häuslichen Umfeld
Sturzprävention
Das hohe Sturzrisiko durch Bewegungsstörungen und Gleichgewichtsprobleme erfordert umfassende Sicherheitsmaßnahmen:
- Stolperfallen beseitigen: Teppichkanten befestigen, Kabel verlegen, Möbel so stellen, dass freie Wege entstehen
- Haltegriffe installieren: Im barrierefreien Bad, an Treppen, in Fluren
- Rutschfeste Matten: In Bad und Dusche, unter Teppichen
- Ausreichende Beleuchtung: Helle Grundbeleuchtung, Nachtlichter in Fluren und Schlafzimmer
- Boden-Sensoren: Warnen Betreuungspersonen, wenn Betroffene nachts aufstehen
- Gehhilfen: Rollator für drinnen und draußen, bei Bedarf Rollstuhl für längere Strecken
- Festes Schuhwerk: Gut sitzende, rutschfeste Hausschuhe mit festem Halt
Sichere Gestaltung bei Halluzinationen
Die Umgebung sollte so gestaltet sein, dass visuelle Fehlwahrnehmungen minimiert werden:
- Gute, gleichmäßige Beleuchtung: Schatten und Kontraste können Halluzinationen auslösen
- Spiegel abdecken oder entfernen: Spiegelbilder werden oft als fremde Personen wahrgenommen
- Muster vermeiden: Stark gemusterte Tapeten oder Böden können fehlgedeutet werden
- Ruhige Farbgestaltung: Beruhigende, nicht zu kontrastreiche Farben
- Fenster nachts verdunkeln: Reflektionen im Dunkeln können beängstigen
Notfallvorkehrungen
- Hausnotruf: Ermöglicht schnelle Hilfe bei Stürzen oder anderen Notfällen
- Notfallkontakte: Gut sichtbar platzieren (auch wenn Betroffene sie selbst nicht mehr nutzen können)
- Medikamentenplan: Für Rettungskräfte und Vertretungen
- Wichtige Dokumente: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht griffbereit
Herausforderungen für pflegende Angehörige
Die Pflege eines Menschen mit Lewy-Body-Demenz ist physisch und emotional extrem belastend:
Physische Belastung
- Rund-um-die-Uhr-Aufmerksamkeit: Besonders nachts wegen Schlafstörungen und Sturzgefahr
- Körperliche Anstrengung: Unterstützung bei Mobilität, Transfers, Körperpflege
- Chronischer Schlafmangel: Durch nächtliche Unruhe und Betreuungsbedarf
- Vernachlässigung eigener Gesundheit: Keine Zeit für Arztbesuche, Bewegung, gesunde Ernährung
Emotionale Belastung
- Unvorhersehbarkeit: Die Fluktuationen machen Planung unmöglich
- Trauer: Erleben, wie die vertraute Person sich verändert
- Schuldgefühle: Wenn man an die eigenen Grenzen kommt
- Soziale Isolation: Wenig Zeit für Freunde, Hobbys, eigene Bedürfnisse
- Überforderung: Komplexität der Symptome und Behandlung
- Angst: Vor Stürzen, Verschlechterung, falschen Entscheidungen
Praktische Herausforderungen
- Berufstätigkeit: Kaum vereinbar mit intensiver Pflege
- Finanzielle Sorgen: Pflegekosten, eventuell Einkommensverlust
- Bürokratie: Anträge für Pflegegrad, Hilfsmittel, Leistungen
- Koordination: Arzttermine, Therapien, Medikamente
Die Rolle der 24-Stunden-Betreuung bei Lewy-Body-Demenz
Viele Familien kommen an einen Punkt, an dem die Pflege allein nicht mehr zu bewältigen ist. Eine 24-Stunden-Betreuung kann hier eine wertvolle Lösung sein – besonders bei Lewy-Body-Demenz mit ihren spezifischen Herausforderungen.
Vorteile bei Lewy-Body-Demenz
- Kontinuierliche Anwesenheit: Betreuungskraft ist immer da, auch nachts – wichtig bei Sturzgefahr und Schlafstörungen
- Flexible Reaktion auf Fluktuationen: Erfahrene Betreuungskräfte passen sich den wechselnden Zuständen an
- Sicherer Umgang mit Halluzinationen: Geschulte Kräfte wissen, wie man validiert und beruhigt
- Unterstützung bei Mobilität: Begleitung bei jedem Schritt reduziert Sturzrisiko drastisch
- Strukturierter Tagesablauf: Regelmäßige Routinen, angepasst an den Zustand
- Entlastung der Familie: Angehörige können wieder durchschlafen, arbeiten, eigene Bedürfnisse berücksichtigen
- Erhalt des häuslichen Umfelds: Betroffene bleiben zu Hause statt ins Pflegeheim zu müssen
Worauf bei der Auswahl achten?
Nicht jede Betreuungskraft ist für die Pflege bei Lewy-Body-Demenz geeignet. Wichtige Kriterien:
- Demenz-Erfahrung: Idealerweise spezifisch mit Lewy-Body-Demenz oder Parkinson-Demenz
- Geduld und Ruhe: Auch bei herausforderndem Verhalten gelassen bleiben
- Flexibilität: Anpassung an wechselnde Zustände und Bedürfnisse
- Körperliche Belastbarkeit: Unterstützung bei Mobilität, Transfers
- Kommunikationsfähigkeit: Verständigung trotz kognitiver Einschränkungen
- Bereitschaft zur Nachtbetreuung: Leichter Schlaf, schnelle Reaktion bei Unruhe
Mehr zur Vermittlung qualifizierter Pflegekräfte und wie Sie eine passende Betreuung finden, erfahren Sie in unseren Spezialartikel.
Zusammenleben mit der Betreuungskraft
Das Zusammenleben mit einer 24-Stunden-Pflegekraft erfordert Anpassung auf beiden Seiten:
- Räumliche Voraussetzungen: Eigenes Zimmer für die Betreuungskraft, Details zu räumlichen Voraussetzungen
- Klare Absprachen: Aufgaben, Arbeitszeiten, Ruhezeiten definieren
- Einarbeitung: Zeit nehmen, um Routinen und Besonderheiten zu erklären
- Regelmäßiger Austausch: Tägliche kurze Besprechungen über Zustand und Besonderheiten
- Respektvoller Umgang: Wertschätzung für die anspruchsvolle Arbeit zeigen
- Unterstützung bei Sprachbarrieren: Geduld, einfache Sprache, eventuell Übersetzungshilfen
Kombination verschiedener Unterstützungsformen
Oft ist eine Kombination verschiedener Hilfen optimal:
- 24-Stunden-Betreuung als Basis: Kontinuierliche Anwesenheit und Grundpflege
- Ambulanter Pflegedienst: Für medizinische Behandlungspflege (Wundversorgung, Medikamentengabe), finanziert über Pflegesachleistungen
- Physiotherapie: Regelmäßiges Training zur Erhaltung der Mobilität
- Ergotherapie: Training alltagspraktischer Fähigkeiten
- Tagespflege: Gelegentlich für soziale Kontakte und Abwechslung (wenn noch möglich)
- Angehörigengruppen: Austausch und emotionale Unterstützung für Familie
Die Finanzierung kann durch Kombinationsleistungen aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen erfolgen.
Finanzierung der Pflege bei Lewy-Body-Demenz
Die Pflege bei Lewy-Body-Demenz ist kostenintensiv, aber es gibt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten. Die Höhe der Unterstützung hängt vom Pflegegrad ab, der durch den Medizinischen Dienst (MD) festgestellt wird.
Pflegegrade bei Lewy-Body-Demenz
Aufgrund der komplexen Symptomatik erreichen Betroffene oft höhere Pflegegrade:
- Frühstadium: Meist Pflegegrad 2-3 (erhebliche bis schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit)
- Mittleres Stadium: Oft Pflegegrad 3-4 (schwere bis schwerste Beeinträchtigung)
- Spätstadium: Häufig Pflegegrad 4-5 (schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen)
Wichtig bei der Begutachtung: Die Fluktuationen erschweren die Einschätzung. Dokumentieren Sie über mehrere Wochen den Hilfebedarf an guten und schlechten Tagen, um ein realistisches Bild zu vermitteln.
Verfügbare Pflegeleistungen
Je nach Pflegegrad stehen verschiedene Leistungen zur Verfügung, die für die Finanzierung einer 24-Stunden-Betreuung kombiniert werden können:
| Leistungsart | Pflegegrad 2 | Pflegegrad 3 | Pflegegrad 4 | Pflegegrad 5 |
|---|---|---|---|---|
| Pflegegeld | 347€ | 599€ | 800€ | 990€ |
| Entlastungsbetrag | 125€ | 125€ | 125€ | 125€ |
| Verhinderungspflege (pro Jahr) | 1.685€ | 1.685€ | 1.685€ | 1.685€ |
| Kurzzeitpflege (pro Jahr) | 1.774€ | 1.774€ | 1.774€ | 1.774€ |
| Wohnraumanpassung (einmalig) | Bis 4.000€ | Bis 4.000€ | Bis 4.000€ | Bis 4.000€ |
Wichtig: Ab 01.07.2025 werden Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zu einem gemeinsamen Jahresbudget von 3.539€ zusammengefasst, das flexibel eingesetzt werden kann. Mehr Details in unserem Artikel zur Verhinderungspflege.
Kosten einer 24-Stunden-Betreuung
Die monatlichen Kosten für eine 24-Stunden-Betreuung liegen typischerweise zwischen 2.500€ und 3.500€, abhängig von:
- Qualifikation und Erfahrung der Betreuungskraft
- Sprachkenntnissen
- Pflegebedarf und Anforderungen
- Vermittlungsagentur und Modell (Entsendung vs. Selbstständigkeit)
Bei Lewy-Body-Demenz sollten Sie mit Kosten am oberen Ende der Spanne rechnen, da spezialisierte Demenz-Erfahrung erforderlich ist. Mehr zu Kosten und Finanzierung der 24-Stunden-Pflege finden Sie in unserem Detailartikel.
Beispielrechnung Pflegegrad 3
Monatliche Kosten 24-Stunden-Betreuung: 3.000€
Verfügbare Leistungen:
- Pflegegeld: 599€
- Entlastungsbetrag: 125€
- Verhinderungspflege (auf 12 Monate umgelegt): 140€
- Kurzzeitpflege (auf 12 Monate umgelegt): 148€
Gesamt monatlich: 1.012€
Eigenanteil: 1.988€ pro Monat
Zusätzliche Entlastung möglich durch:
- Steuerliche Absetzbarkeit als haushaltsnahe Dienstleistung (bis zu 4.000€ pro Jahr)
- Außergewöhnliche Belastungen (bei entsprechendem Nachweis)
- Eventuell Sozialhilfe bei geringem Einkommen (mehr zur Kostenübernahme durch das Sozialamt)
Bei höheren Pflegegraden reduziert sich der Eigenanteil entsprechend. Eine detaillierte Kostenübersicht für alle Pflegegrade finden Sie auf unserer Kosten-Seite.

Wir beraten Sie kostenlos zu allen Finanzierungsmöglichkeiten – individuell auf Ihre Situation abgestimmt
Angebot anfordern Beraten lassenRechtliche und ethische Aspekte
Mit fortschreitender Lewy-Body-Demenz stellen sich wichtige rechtliche und ethische Fragen. Frühzeitige Planung ermöglicht es Betroffenen, ihre Wünsche für die Zukunft festzulegen, solange sie noch dazu in der Lage sind.
Geschäftsfähigkeit und rechtliche Vorsorge
Die Geschäftsfähigkeit bei Demenz ist ein komplexes Thema. Bei Lewy-Body-Demenz kommt erschwerend hinzu, dass die Fähigkeit zu rechtlichen Entscheidungen je nach Tagesverfassung schwanken kann.
Wichtige Dokumente frühzeitig erstellen
- Vorsorgevollmacht: Bestimmt eine Vertrauensperson für Entscheidungen in Gesundheits-, Vermögens- und Aufenthaltsangelegenheiten
- Patientenverfügung: Legt fest, welche medizinischen Maßnahmen in bestimmten Situationen gewünscht oder abgelehnt werden
- Betreuungsverfügung: Schlägt eine Person vor, die als rechtlicher Betreuer eingesetzt werden soll, falls nötig
- Testament: Regelt die Vermögensnachfolge
Diese Dokumente sollten erstellt werden, sobald die Diagnose feststeht, idealerweise im Frühstadium, wenn die Geschäftsfähigkeit noch klar gegeben ist.
Rechtliche Betreuung
Wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt oder diese nicht ausreicht, kann das Betreuungsgericht einen rechtlichen Betreuer bestellen. Dies ist oft im mittleren bis späten Stadium notwendig. Der Betreuer trifft dann Entscheidungen im besten Interesse des Betreuten.
Fahreignung
Ein schwieriges Thema: Wann muss das Autofahren aufgegeben werden? Bei Lewy-Body-Demenz ist dies meist früh der Fall, da:
- Visuell-räumliche Störungen das Einschätzen von Entfernungen beeinträchtigen
- Kognitive Fluktuationen zu unvorhersehbaren Ausfällen führen können
- Bewegungsstörungen Reaktionsfähigkeit einschränken
- Halluzinationen im Straßenverkehr gefährlich sind
Ärzte sind bei begründetem Zweifel an der Fahreignung zur Aufklärung verpflichtet. Oft ist eine Fahreignungsprüfung ratsam. Für Betroffene und Angehörige ist dies emotional belastend, aber notwendig zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer.
Ethische Entscheidungen am Lebensende
Im fortgeschrittenen Stadium stellen sich schwierige Fragen:
- Künstliche Ernährung: Bei Schluckstörungen – PEG-Sonde oder nicht?
- Antibiotika-Therapie: Bei wiederkehrenden Infektionen – immer behandeln oder ab einem gewissen Punkt palliativ begleiten?
- Krankenhauseinweisungen: Sind belastende Untersuchungen und Behandlungen noch im Sinne des Betroffenen?
- Reanimation: Im Fall eines Herzstillstands – Wiederbelebungsmaßnahmen oder natürlichen Tod zulassen?
Eine frühzeitig erstellte Patientenverfügung gibt hier Orientierung. Wichtig ist auch der Austausch mit Ärzten über realistische Prognosen und Behandlungsziele. Im Endstadium der Demenz sollte der Fokus auf Lebensqualität und Leidensminderung liegen, nicht auf lebensverlängernden Maßnahmen um jeden Preis.
Häufig gestellte Fragen zu Lewy-Body-Demenz: Symptome, Verlauf & Erfahrungen
Kann man Lewy-Body-Demenz im Blut nachweisen?
Nein, derzeit gibt es keinen Bluttest, der Lewy-Body-Demenz nachweisen kann. Die Diagnose basiert auf der Kombination von klinischen Symptomen (Fluktuationen, Halluzinationen, Parkinsonismus), neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren wie DaTSCAN oder PET. Forscher arbeiten an Biomarkern im Blut und Nervenwasser, aber diese sind noch nicht für die Routinediagnostik verfügbar. Die Diagnosestellung erfolgt daher weiterhin klinisch durch erfahrene Neurologen oder Psychiater.
Ist Lewy-Body-Demenz vererbbar?
Die meisten Fälle von Lewy-Body-Demenz treten sporadisch auf, das heißt ohne erkennbare familiäre Häufung. Etwa 5-10% der Fälle zeigen eine familiäre Komponente, wobei mehrere Familienmitglieder betroffen sind. Spezifische Genmutationen, die direkt Lewy-Body-Demenz verursachen, sind sehr selten. Allerdings gibt es genetische Risikofaktoren (z.B. Varianten im GBA-Gen oder APOE-Gen), die das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Eine genetische Beratung kann sinnvoll sein, wenn mehrere Familienmitglieder an Lewy-Body-Demenz oder Parkinson erkrankt sind. Mehr zum Thema Demenz und Vererbung finden Sie in unserem Spezialartikel.
Warum ist Lewy-Body-Demenz nachts oft schlimmer?
Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass Symptome nachts häufig ausgeprägter sind: Erstens ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung ein Kernsymptom, das zu lebhaften, oft beängstigenden Traumerlebnissen führt, die körperlich ausgelebt werden. Zweitens verschlechtert sich die Orientierung im Dunkeln, was Verwirrtheit und Halluzinationen verstärken kann. Drittens führt der gestörte Schlaf-Wach-Rhythmus dazu, dass Betroffene nachts wach und unruhig sind. Viertens können Schatten und schwache Beleuchtung visuelle Fehlwahrnehmungen auslösen. Maßnahmen wie Nachtlichter, sichere Umgebung und eventuell medikamentöse Unterstützung können helfen. Eine kontinuierliche Nachtbetreuung ist oft notwendig, um Sicherheit zu gewährleisten und nächtliche Unruhe zu bewältigen.
Können Menschen mit Lewy-Body-Demenz aggressiv werden?
Aggressives Verhalten ist bei Lewy-Body-Demenz seltener als bei manchen anderen Demenzformen, kann aber vorkommen, besonders wenn Betroffene durch Halluzinationen verängstigt sind oder sich in ihrer Autonomie eingeschränkt fühlen. Wichtig ist zu verstehen, dass Aggression meist Ausdruck von Angst, Überforderung oder Frustration ist, nicht böse Absicht. Auslöser können sein: beängstigende Halluzinationen, Verwirrtheit in neuer Umgebung, körperliche Beschwerden (Schmerzen, Verstopfung), Überstimulation oder das Gefühl, bevormundet zu werden. Deeskalationsstrategien: ruhig bleiben, Raum geben, Ursache identifizieren (Schmerzen? Angst?), validieren statt konfrontieren, Ablenkung anbieten. Bei häufiger oder schwerer Aggression sollte ärztliche Abklärung erfolgen, da manchmal eine medikamentöse Anpassung nötig ist.
Wie unterscheidet sich die Pflege bei Lewy-Body-Demenz von Alzheimer-Pflege?
Die Pflege bei Lewy-Body-Demenz erfordert besondere Schwerpunkte: Sturzprävention ist aufgrund der frühen Bewegungsstörungen essentiell – kontinuierliche Begleitung bei Mobilität, barrierefreie Umgebung. Umgang mit Halluzinationen – validieren statt widersprechen, beruhigen, keine Konfrontation. Flexibilität bei Fluktuationen – Aktivitäten an Tagesverfassung anpassen, nicht auf feste Fähigkeiten verlassen. Nachtbetreuung – oft intensiver als bei Alzheimer wegen Schlafstörungen und nächtlicher Unruhe. Medikamentensensitivität – vorsichtige Medikamentengabe, keine typischen Neuroleptika. Autonome Störungen – Management von Blutdruckproblemen, Verstopfung, Inkontinenz. Bei Alzheimer stehen dagegen Gedächtnisstörungen und Orientierungsprobleme im Vordergrund, Bewegungsstörungen treten erst spät auf.
Welche Rolle spielt Ernährung bei Lewy-Body-Demenz?
Ernährung ist bei Lewy-Body-Demenz aus mehreren Gründen wichtig, kann aber die Krankheit selbst nicht aufhalten. Wichtige Aspekte: Ausreichende Kalorienzufuhr – Bewegungsstörungen und Unruhe erhöhen den Energiebedarf, Gewichtsverlust ist häufig. Verstopfung vorbeugen – ballaststoffreiche Kost, ausreichend Flüssigkeit (mindestens 1,5-2 Liter täglich). Schluckstörungen berücksichtigen – im fortgeschrittenen Stadium weiche, pürierte Kost, Andickungsmittel für Flüssigkeiten, aufrechte Position beim Essen. Regelmäßige Mahlzeiten – strukturierter Essensrhythmus hilft bei Orientierung. Unterstützung beim Essen – Tremor und Bewegungsstörungen können selbstständiges Essen erschweren. Blutdruckprobleme – ausreichend Salz und Flüssigkeit bei orthostatischer Hypotonie. Eine Ernährungsberatung kann individuell angepasste Empfehlungen geben.
Können Halluzinationen bei Lewy-Body-Demenz auch angenehm sein?
Ja, nicht alle Halluzinationen sind beängstigend. Etwa 30-40% der Betroffenen erleben ihre visuellen Halluzinationen als neutral oder sogar angenehm. Manche sehen verstorbene Angehörige oder Freunde und empfinden deren „Besuch” als tröstlich. Andere sehen Tiere oder Kinder, die sie nicht stören. In solchen Fällen ist keine Intervention nötig – im Gegenteil, der Versuch, die Halluzination „wegzureden”, kann belastender sein als die Halluzination selbst. Behandlungsbedarf besteht nur bei beängstigenden, bedrohlichen Halluzinationen oder wenn sie zu gefährlichem Verhalten führen (z.B. Fluchtversuch). Wichtig ist, die Reaktion des Betroffenen zu beobachten: Wirkt er entspannt oder verängstigt? Danach richtet sich das weitere Vorgehen.
Ist Autofahren in frühen Stadien der Lewy-Body-Demenz noch möglich?
In der Regel sollte bei Lewy-Body-Demenz das Autofahren frühzeitig aufgegeben werden, oft bereits bei Diagnosestellung. Die Gründe: Visuell-räumliche Störungen treten früh auf und beeinträchtigen Entfernungseinschätzung und Orientierung. Kognitive Fluktuationen bedeuten, dass selbst wenn jemand an einem Tag gut fährt, am nächsten Tag plötzlich desorientiert sein kann – unvorhersehbar und gefährlich. Bewegungsstörungen verlangsamen Reaktionszeit und Koordination. Halluzinationen im Straßenverkehr sind extrem gefährlich. Anders als bei früher Alzheimer-Demenz, wo vorsichtiges Weiterfahren unter Umständen vertretbar sein kann, ist bei Lewy-Body-Demenz die Fahrsicherheit meist von Anfang an stark beeinträchtigt. Eine Fahreignungsprüfung beim TÜV kann objektive Klarheit schaffen, wird aber meist das Fahren nicht empfehlen. Alternativen organisieren: Fahrdienste, öffentliche Verkehrsmittel, Unterstützung durch Familie oder Betreuungskraft.
Wie kann man zwischen „guten” und „schlechten” Tagen unterscheiden?
Das Erkennen der Fluktuationen ist wichtig, um Erwartungen anzupassen und Überforderung zu vermeiden. Zeichen für „gute Phasen”: Klarer Blick, aufmerksam, folgt Gesprächen, erinnert sich an Ereignisse, kann komplexere Aufgaben bewältigen, ist aktiv und interessiert. Zeichen für „schlechte Phasen”: Starrer Blick ins Leere, reagiert verzögert oder gar nicht auf Ansprache, wirre oder unzusammenhängende Sprache, starke Schläfrigkeit, erhöhte Verwirrtheit, mehr Halluzinationen, unsicherer Gang. Praktischer Umgang: An guten Tagen: Aktivitäten nutzen (Spaziergänge, Gespräche, soziale Kontakte), aber nicht überfordern. An schlechten Tagen: Ruhe gönnen, einfache Aktivitäten, erhöhte Aufmerksamkeit wegen Sturzgefahr, keine wichtigen Entscheidungen verlangen. Ein Pflege-Tagebuch kann helfen, Muster zu erkennen (z.B. bessere Zeiten am Vormittag, schlechtere am Abend).
Welche technischen Hilfsmittel sind bei Lewy-Body-Demenz besonders hilfreich?
Verschiedene Hilfsmittel können Sicherheit und Lebensqualität verbessern: Sturzprävention: Bewegungssensoren am Bett (warnen, wenn Person aufsteht), Sturzsensoren (alarmieren bei Stürzen), Hüftprotektoren (dämpfen bei Sturz). Orientierung: Sprechende Uhren mit Datum und Uhrzeit, große, gut lesbare Kalender, Orientierungslichter nachts. Sicherheit: Hausnotruf-System, Herdabschaltautomatik, Wassersensoren (warnen bei Überlaufen), GPS-Tracker (falls Weglauftendenz). Kommunikation: Vereinfachte Telefone mit Fotowahltasten, Tablets mit großen Symbolen für Videoanrufe. Unterstützung im Alltag: Elektrische Rollstühle oder Rollatoren für Mobilität, Aufstehhilfen, Greifhilfen. Nicht empfehlenswert: Komplexe Smart-Home-Systeme, die verwirren können. Einfachheit ist bei Lewy-Body-Demenz wichtiger als technische Raffinesse. Die Pflegekasse übernimmt Kosten für viele Hilfsmittel bei entsprechender Verordnung.
Kann man mit Lewy-Body-Demenz noch verreisen?
Im Frühstadium sind kürzere Reisen oft noch möglich, im fortgeschrittenen Stadium wird es zunehmend schwierig. Faktoren, die zu beachten sind: Neue Umgebungen können Verwirrtheit und Halluzinationen verstärken. Reisen stört den gewohnten Tagesablauf, was Symptome verschlechtern kann. Sturzgefahr ist unterwegs höher. Medizinische Versorgung muss gewährleistet sein. Wenn Reisen, dann: Vertraute Begleitperson mitnehmen (idealerweise Betreuungskraft, die den Alltag kennt). Kurze Distanzen bevorzugen. Barrierefreie Unterkünfte wählen. Reiseapotheke mit allen Medikamenten. Arztbrief mit Diagnose und Medikation mitnehmen. Reiserücktrittsversicherung abschließen. Gewohnte Routinen so weit wie möglich beibehalten. Alternative: Statt großer Reisen lieber Tagesausflüge in vertraute Umgebung. Viele Familien berichten, dass der Stress einer Reise den möglichen Genuss überwiegt. Wichtig ist, die Bedürfnisse des Betroffenen realistisch einzuschätzen.
Wie erklärt man Kindern/Enkeln die Lewy-Body-Demenz ihrer Großeltern?
Kinder sollten altersgerecht, aber ehrlich informiert werden. Für jüngere Kinder (4-8 Jahre): „Oma/Opa hat eine Krankheit im Kopf. Manchmal vergisst sie/er Sachen oder sieht Dinge, die nicht da sind. Das ist nicht Omas/Opas Schuld, das macht die Krankheit. Oma/Opa hat dich immer noch lieb, auch wenn sie/er manchmal komisch reagiert.” Für ältere Kinder (9-14 Jahre): Mehr Details erklären: Was im Gehirn passiert, warum Symptome schwanken, dass die Krankheit schlimmer wird. Gefühle ansprechen: Es ist okay, traurig oder auch manchmal genervt zu sein. Einbeziehen: Kleine Aufgaben geben (vorlesen, spazieren gehen), stärkt Bindung. Für Jugendliche: Offen über Prognose und Zukunft sprechen, wenn sie danach fragen. Eigene Bedürfnisse der Jugendlichen ernst nehmen – sie müssen nicht ständig helfen. Wichtig für alle Altersgruppen: Betonen, dass das Verhalten nicht persönlich gemeint ist. Raum für Fragen geben. Normalität erhalten – Kinder brauchen auch unbeschwerte Zeit.
Fazit: Leben mit Lewy-Body-Demenz – Herausforderungen annehmen, Lebensqualität erhalten
Die Lewy-Body-Demenz ist eine komplexe, herausfordernde Erkrankung, die Betroffene und ihre Familien vor besondere Aufgaben stellt. Die charakteristische Kombination aus kognitiven Schwankungen, visuellen Halluzinationen und Parkinson-ähnlichen Bewegungsstörungen unterscheidet sie deutlich von anderen Demenzformen und erfordert spezialisiertes Wissen in Diagnostik, Behandlung und Pflege.
Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:
- Frühe und korrekte Diagnose ist entscheidend: Nur so kann eine angepasste Behandlung erfolgen und gefährliche Medikamente vermieden werden
- Multimodaler Behandlungsansatz: Die Kombination aus medikamentöser Therapie, nicht-medikamentösen Maßnahmen und strukturiertem Alltag bietet die beste Symptomkontrolle
- Sicherheit hat Priorität: Sturzprävention, sichere Umgebung und kontinuierliche Betreuung sind bei der hohen Sturzgefahr essentiell
- Fluktuationen erfordern Flexibilität: Pflegende müssen sich täglich neu auf wechselnde Zustände einstellen können
- Häusliche Pflege ist möglich: Mit professioneller Unterstützung, etwa durch eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause, können viele Betroffene lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben
- Entlastung der Angehörigen ist notwendig: Die Pflege bei Lewy-Body-Demenz überfordert Familien schnell – professionelle Hilfe ist keine Schwäche, sondern vernünftige Fürsorge für alle Beteiligten
Die Lewy-Body-Demenz Erfahrungsberichte von Familien zeigen: Mit der richtigen Unterstützung, angepasster Umgebung und verständnisvoller Betreuung kann trotz der Erkrankung Lebensqualität erhalten bleiben. Der Schlüssel liegt darin, die Erkrankung zu verstehen, realistische Erwartungen zu haben und rechtzeitig Hilfe anzunehmen.
Wenn Sie oder Ihre Angehörigen mit Lewy-Body-Demenz leben und Unterstützung benötigen, sind Sie nicht allein. Eine würdevolle Betreuung zu Hause ist möglich – mit Fachkräften, die die besonderen Herausforderungen dieser Demenzform kennen und empathisch begleiten können. Der erste Schritt ist oft der schwerste, aber er lohnt sich: für mehr Sicherheit, Entlastung und Lebensqualität für alle Beteiligten.

Kostenlose Beratung zur 24-Stunden-Betreuung bei Lewy-Body-Demenz – individuell, professionell, würdevoll
Angebot anfordern Beraten lassenHinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische oder rechtliche Beratung. Die Lewy-Body-Demenz ist eine komplexe Erkrankung, die individuell sehr unterschiedlich verlaufen kann. Alle Angaben entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Gesetzgebung (2025), können sich jedoch ändern. Bei konkreten medizinischen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Neurologen oder Psychiater. Für rechtliche und finanzielle Fragen stehen Ihnen spezialisierte Berater zur Verfügung. Stand: Dezember 2025