Barrierefreie Küche: Maße, Planung & Förderung 2026

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Inhaltsübersicht

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine barrierefreie Küche erlaubt selbstständiges Kochen trotz Rollator, Rollstuhl, nachlassender Kraft oder Sehschwäche. Maßstab ist die DIN 18040-2.
  • Die Norm verlangt vor der Küchenzeile eine Bewegungsfläche von mind. 120 cm Tiefe, in rollstuhlgerechten Wohnungen 150 cm. Für Rollstuhlnutzer sollen Herd, Arbeitsfläche und Spüle übereck oder nebeneinander liegen und unterfahrbar sein.
  • Die ideale Arbeitshöhe ist individuell. Als Faustregel gilt: etwa 10 bis 15 cm unter der Ellenbogenhöhe der Person, die hauptsächlich kocht.
  • Viele Verbesserungen kosten wenig: Licht, Griffe, Auszüge, Hilfsmittel. Eine komplett neue, rollstuhlgerechte Küche liegt dagegen schnell im fünfstelligen Bereich.
  • Mit Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse pflegebedingte Anpassungen mit bis zu 4.180 € je Maßnahme. Weitere mögliche Kostenträger sind Unfallversicherung, Rentenversicherung und Eingliederungshilfe. Der KfW-Zuschuss 455-B ist 2026 ausgeschöpft, der Kredit 159 bleibt.

Ein Topf mit zwei Litern Nudelwasser wiegt schnell drei Kilogramm. Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, ihn von der Spüle zum Herd zu tragen. Für jemanden im Rollstuhl, mit Rollator oder mit Arthrose in den Händen ist genau dieser Weg eine der gefährlichsten Situationen im Haushalt. An solchen Alltagsmomenten entscheidet sich, ob eine Küche barrierefrei ist – nicht am Prospektbild.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine barrierefreie Küche planen: welche Maße die DIN 18040-2 vorgibt und welche Richtwerte sich in der Praxis bewährt haben, welche Grundrisse funktionieren, welche Geräte und Hilfsmittel sinnvoll sind, was ein Umbau kostet und wer 2026 dafür zahlt. Die Grundlagen der Norm für die ganze Wohnung erklärt unser Ratgeber zu den DIN-Normen für barrierefreies Wohnen. Was „barrierefrei“ rechtlich bedeutet, lesen Sie in der Definition von barrierefreiem Wohnen.

Barrierefrei, rollstuhlgerecht, seniorengerecht: Welche Küche brauchen Sie?

Nicht jede Küche muss vollständig rollstuhlgerecht sein. Die richtige Stufe hängt davon ab, wer kocht und wie sich die Situation voraussichtlich entwickelt:

Küchentyp Für wen? Typische Merkmale
Seniorengerecht (nicht genormt) Ältere Menschen ohne größere Einschränkungen, vorausschauende Planung Passende Arbeitshöhe, Auszüge statt tiefer Schränke, gutes Licht, sichere Geräte, Sitzplatz zum Arbeiten
Barrierefrei nutzbar (DIN 18040-2) Menschen mit Gehhilfe, Rollator, Seh- oder Hörbeeinträchtigung Bewegungsfläche vor der Küchenzeile mind. 120 cm, schwellenloser Zugang, erreichbare Bedienelemente, Kontraste
Rollstuhlgerecht (DIN 18040-2, R-Standard) Menschen, die dauerhaft im Rollstuhl sitzen Bewegungsfläche mind. 150 cm, Herd, Arbeitsfläche und Spüle unterfahrbar und übereck oder nebeneinander angeordnet

Bei fortschreitenden Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Parkinson lohnt es sich, eine Stufe weiter zu planen. Eine seniorengerechte Küche, die bereits Platz für eine spätere Unterfahrbarkeit vorsieht, ist deutlich günstiger als ein zweiter Umbau. Hintergründe zu den Krankheitsbildern finden Sie in den Ratgebern Pflegegrad bei Multipler Sklerose und Pflegegrad bei Parkinson.

Maße für die barrierefreie Küche

Was die DIN 18040-2 vorgibt

Die Norm regelt für die Küche nur wenige, dafür zentrale Punkte:

Anforderung Barrierefrei nutzbar Rollstuhlgerecht (R)
Bewegungsfläche vor der Kücheneinrichtung mind. 120 cm tief mind. 150 cm tief
Anordnung von Herd, Arbeitsfläche und Spüle – übereck oder unmittelbar nebeneinander
Unterfahrbarkeit – Herd, Arbeitsfläche und Spüle unterfahrbar
Küchentür lichte Breite mind. 80 cm lichte Breite mind. 90 cm
Schwellen grundsätzlich keine; wenn technisch unvermeidbar, höchstens 2 cm
Bedienelemente (Schalter, Steckdosen) in der Regel in 85 cm Höhe (Achsmaß)

Quelle: DIN 18040-2, vereinfachte Darstellung; eine ausführliche Kommentierung bietet nullbarriere.de. Die Übereck-Anordnung hat einen einfachen Grund: Töpfe lassen sich auf der durchgehenden Arbeitsfläche vom Wasserhahn zum Kochfeld schieben statt tragen.

Bewährte Richtwerte aus der Planungspraxis

Viele Detailmaße nennt die Norm für Küchen nicht. Küchenplaner, Wohnberater und Ergotherapeuten arbeiten deshalb mit Richtwerten, die sich in der Praxis bewährt haben. Sie sind Orientierung, keine Normvorgabe, und sollten immer an die Person angepasst werden:

Bereich Richtwert Hinweis
Kniefreiraum unter unterfahrbaren Flächen lichte Höhe ca. 67 bis 70 cm, Tiefe mind. 55 cm, Breite mind. 80 bis 90 cm Hängt von Rollstuhl und Körpergröße ab; vor der Planung nachmessen
Arbeitshöhe im Sitzen etwa 75 bis 80 cm Plattenstärke und Kniefreiraum müssen zusammenpassen
Greifbereich aus dem Rollstuhl etwa 40 bis 140 cm Alles Tägliche möglichst zwischen Hüft- und Schulterhöhe
Abstellfläche neben Herd und Spüle beidseitig mind. 30 bis 60 cm Heiße Töpfe sofort abstellen können
Durchgang bei zweizeiliger Küche mind. 120 cm, für Rollstuhl 150 cm Entspricht der Bewegungsfläche der Norm

Die richtige Höhe der Küchenarbeitsplatte

Die Höhe der Arbeitsplatte ist eine der häufigsten Fragen bei der Küchenplanung – und für ältere Menschen besonders wichtig, weil eine falsche Höhe Rücken, Schultern und Handgelenke belastet. Als Faustregel für das Arbeiten im Stehen gilt: Die Arbeitsfläche sollte etwa 10 bis 15 cm unter der Ellenbogenhöhe liegen. Messen Sie dazu im Stehen mit angewinkeltem Arm den Abstand vom Boden zum Ellenbogen.

Weil sich die ideale Höhe für Stehen und Sitzen deutlich unterscheidet, kombinieren viele barrierefreie Küchen zwei Höhen: einen Bereich in Stehhöhe und einen unterfahrbaren, niedrigeren Bereich zum Arbeiten im Sitzen. Wer die Küche mit mehreren Personen oder im Wechsel zwischen Stehen und Sitzen nutzt, profitiert von einer elektrisch höhenverstellbaren Arbeitsplatte.

Barrierefreie Küche planen: Schritt für Schritt

  1. Nutzer verstehen: Wer kocht hauptsächlich? Im Stehen, im Sitzen, mit einer Hand? Welche Hilfsmittel werden genutzt, und wie wird sich der Bedarf voraussichtlich entwickeln? Eine Ergotherapeutin kann Bewegungsabläufe beobachten und Empfehlungen geben.
  2. Raum aufmessen: Raummaße, Türbreite, Fenster, Heizkörper und die Lage von Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüssen erfassen. Anschlüsse bestimmen oft, wo Spüle und Herd sinnvoll liegen können.
  3. Kochgewohnheiten klären: Wird täglich warm gekocht oder vor allem aufgewärmt? Welche Geräte werden wirklich gebraucht? Das bestimmt, wie viel Arbeitsfläche und Stauraum nötig sind.
  4. Grundriss festlegen: Spüle, Herd und Kühlschrank mit kurzen Wegen anordnen. Als Faustregel gilt: Die drei Wege zwischen ihnen sollten zusammen nicht länger als etwa 6 bis 7 Meter sein.
  5. Beraten lassen und Förderung klären: Wohnberatungsstellen beraten häufig kostenlos, Adressen listet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung. Anträge bei Pflegekasse oder anderen Trägern immer vor der Auftragsvergabe stellen.

Welcher Grundriss eignet sich?

Grundriss Stärken Worauf achten
L-Küche Ermöglicht die von der Norm empfohlene Übereck-Anordnung; kurze Wege; Wendefläche vor der Ecke Eckschränke mit Karussell- oder Schwenkauszug, damit kein Stauraum unerreichbar bleibt
Einzeilige Küche Alles in einer Flucht; gut für schmale Räume Ausreichende Länge für Abstellflächen; Spüle zwischen Herd und Kühlschrank
U-Küche Viel Arbeitsfläche und Stauraum Innenraum mind. 150 × 150 cm für Rollstuhlnutzer; eine Seite offen lassen
Zweizeilige Küche Platzsparend in länglichen Räumen Abstand zwischen den Zeilen mind. 120 cm, im Rollstuhl 150 cm
Kücheninsel Kommunikativ, gut in offenen Wohnräumen; Insel kann unterfahrbarer Arbeitsplatz sein Rundherum ausreichend Bewegungsfläche; Anschlüsse im Boden planen

Ausstattung: Schränke, Geräte und Oberflächen

Stauraum, der erreichbar bleibt

  • Vollauszüge statt Drehtüren: Schubladen mit Vollauszug zeigen den gesamten Inhalt. Bücken und Suchen in tiefen Schränken entfallen.
  • Oberschränke mit Lift: Absenkbare Oberschränke oder herausschwenkbare Innenkörper holen den Inhalt auf Greifhöhe. Eine Alternative ist eine Küche ohne Hängeschränke mit mehr Hochschränken und Auszügen in mittlerer Höhe.
  • Bügelgriffe: Große, gut umgreifbare Griffe sind mit schwachen Händen leichter zu bedienen als Knäufe oder grifflose Push-to-open-Fronten.
  • Schwer unten, leicht oben: Töpfe und Vorräte in die unteren Auszüge, leichte Dinge weiter oben.

Herd und Kochfeld

  • Induktion: Erhitzt direkt den Topfboden, das Kochfeld selbst wird nur durch die Wärme des Topfes warm und kühlt schneller ab. Viele Modelle schalten bei leerer Kochzone automatisch ab.
  • Bedienung vorn oder seitlich: Niemand sollte über heiße Töpfe greifen müssen.
  • Herdabschaltung: Herdwächter oder Sicherheitssysteme schalten das Kochfeld bei Überhitzung oder nach einer festgelegten Zeit ab – wichtig bei Vergesslichkeit.
  • Dunstabzug: Flachschirm- oder Muldenlüftung (Downdraft) mit Bedienung in Griffhöhe.

Backofen, Spülmaschine und Kühlschrank

  • Backofen hochgebaut: Im Hochschrank auf Arbeitshöhe eingebaut, idealerweise mit seitlich angeschlagener oder versenkbarer Tür und Teleskopauszügen. Darunter ein Auszug als Abstellfläche für heiße Bleche.
  • Spülmaschine erhöht: Im Hochschrank oder auf einem Sockel eingebaut, damit das Bücken entfällt.
  • Kühlschrank auf Greifhöhe: Kühlgeräte mit Schubladen oder ein hochgebauter Kühlschrank, die häufig genutzten Fächer zwischen Hüft- und Schulterhöhe.

Boden, Licht und Wasser

  • Boden: Rutschhemmend auch bei nassen oder fettigen Stellen, eben und schwellenlos zum angrenzenden Raum. Für Küchen empfehlen Fachleute häufig mindestens die Bewertungsgruppe R10. Mehr im Ratgeber zu rutschhemmenden Bodenbelägen.
  • Licht: Blendfreie Unterbauleuchten über der Arbeitsfläche, ergänzt durch eine gleichmäßige Raumbeleuchtung. Ältere Augen brauchen deutlich mehr Licht als jüngere. Als Orientierung für Arbeitsflächen werden häufig rund 500 Lux genannt.
  • Armatur: Einhebelmischer mit langem Hebel oder berührungslose Armatur, idealerweise mit Verbrühschutz. Eine ausziehbare Brause erleichtert das Befüllen von Töpfen, die auf der Arbeitsfläche stehen bleiben.
  • Kontraste: Eine helle Arbeitsplatte vor dunkleren Fronten oder umgekehrt, farbig abgesetzte Griffe und Kanten helfen bei Sehschwäche.

Anpassungen für besondere Bedürfnisse

Situation Wichtige Anpassungen
Rollstuhl Unterfahrbare Spüle mit Flachsiphon oder Unterputzsiphon, unterfahrbares Kochfeld mit Bedienung vorn, Übereck-Anordnung, Backofen und Kühlschrank auf Greifhöhe, 150 cm Bewegungsfläche
Nach einem Schlaganfall / einhändiges Arbeiten Arbeitsplatz auf der nicht betroffenen Seite, rutschfeste Unterlagen, Einhänder-Schneidebrett mit Haltedornen, Topfhalter am Herd, siehe pflegebedürftig nach Schlaganfall
Sehbehinderung Starke Kontraste, gleichmäßiges Licht ohne Blendung, fühlbare Markierungen an Drehknöpfen, sprechende Waagen und Thermometer, feste Ordnung. Beratung bietet der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband
Hörbehinderung Geräte mit optischen Signalen, Küchentimer mit Licht oder Vibration, Rauchwarnmelder mit Lichtsignal
Arthrose, schwache Hände Hebelgriffe, elektrische Dosen- und Glasöffner, leichte Töpfe, Besteck und Küchenhelfer mit dicken Griffen
Demenz Herdabschaltung, Wasserstopp oder Überlaufschutz, gefährliche Mittel verschlossen aufbewahren, Glasfronten oder Beschriftungen mit Bildern, möglichst wenig Veränderung an Gewohntem

Gerade bei Demenz geht es in der Küche um eine Balance: Vertraute Tätigkeiten wie Gemüse schneiden oder Tisch decken fördern Selbstständigkeit und Tagesstruktur, das unbeaufsichtigte Kochen wird aber irgendwann zu gefährlich. Hinweise zur Ernährung bei Demenz gibt der Ratgeber Ernährung bei Demenz, Informationsmaterial bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

Kleine Hilfsmittel mit großer Wirkung

Nicht jede Verbesserung braucht einen Umbau. Diese Hilfsmittel sind günstig und oft sofort wirksam: Greifzangen für höher liegende Gegenstände, rutschfeste Unterlagen für Schneidebretter und Schüsseln, Messer und Schäler mit ergonomischen Griffen, elektrische Dosenöffner, Küchenwaagen mit großer Anzeige, ein höhenverstellbarer Arbeitshocker mit Rückenlehne sowie ein Servierwagen, auf dem sich Geschirr und Speisen transportieren lassen, während man sich gleichzeitig abstützt.

Viele dieser Produkte gelten als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens und werden in der Regel nicht von der Krankenkasse bezahlt. Welche Hilfsmittel auf Rezept möglich sind, erklärt der Ratgeber Hilfsmittel von der Krankenkasse. Ergänzende Technik wie Sprachsteuerung oder vernetzte Rauchmelder stellt der Ratgeber Smart Home für Senioren vor.

Bestehende Küche barrierefrei umbauen

Eine komplett neue Küche ist oft nicht nötig. Viele Küchen lassen sich schrittweise anpassen. Die folgenden Kostenspannen sind grobe Orientierungswerte. Tatsächliche Kosten hängen stark von Region, Küchenhersteller und Bausubstanz ab; verbindlich sind nur Angebote.

Umfang Typische Maßnahmen Grobe Kostenspanne
Kleine Anpassungen Griffe tauschen, LED-Unterbauleuchten, Hilfsmittel, Innenauszüge in bestehende Schränke, Umräumen ca. 200 bis 2.000 €
Mittlere Umbauten Unterschrank ausbauen und Bereich unterfahrbar machen, Spüle mit Flachsiphon, Arbeitshöhe ändern, Backofen hochsetzen, Oberschrank mit Lift, Boden erneuern ca. 2.000 bis 8.000 €
Umfassender Umbau oder neue Küche Rollstuhlgerechte Neuplanung, elektrisch höhenverstellbare Arbeitsplatte, Anschlüsse verlegen, Grundriss ändern ca. 8.000 bis 25.000 € und mehr

Einzelne Komponenten mit barrierefreier Funktion haben ihren Preis: Elektrisch höhenverstellbare Arbeitsplatten oder Liftsysteme für Oberschränke kosten je nach Länge und Hersteller oft mehrere Tausend Euro. Es lohnt sich deshalb, gezielt nur die Bereiche anzupassen, die tatsächlich im Sitzen oder aus dem Rollstuhl genutzt werden.

Drei Praxisbeispiele

Die Beträge sind Beispielwerte zur Veranschaulichung.

Beispiel 1: Rollator, 84 Jahre, Pflegegrad 2, Mietwohnung
Frau M. kocht gern, kann aber nicht mehr lange stehen und bückt sich nur mit Mühe. Umgesetzt werden: Innenauszüge in den Unterschränken, LED-Unterbauleuchten, Bügelgriffe, ein Arbeitshocker mit Rückenlehne und ein Servierwagen. Kosten: rund 1.600 €. Weil hier kaum in die Bausubstanz eingegriffen wird, prüft die Pflegekasse im Einzelfall, was sie als wohnumfeldverbessernde Maßnahme anerkennt. Die Hilfsmittel zahlt Frau M. meist selbst.

Beispiel 2: Rollstuhl nach Schlaganfall, 71 Jahre, Pflegegrad 3, Eigentum
Die bestehende L-Küche wird angepasst: Spüle und Kochfeld werden in der Ecke zusammengelegt und unterfahrbar gemacht, der Backofen wandert in einen Hochschrank, der Boden wird rutschhemmend erneuert.

Position Kosten
Umbau Spüle und Kochfeld inkl. Anschlüsse 5.800 €
Hochschrank mit Backofeneinbau 1.900 €
Rutschhemmender Bodenbelag 1.300 €
Summe 9.000 €
Zuschuss Pflegekasse (als Teil einer Maßnahme) bis – 4.180 €
Eigenanteil ab 4.820 €

Wichtig: Wird im selben Zeitraum auch das Bad angepasst, gehören alle nötigen Anpassungen zu einer Maßnahme. Der Zuschuss von 4.180 € gilt dann für Bad und Küche zusammen. Auf die selbst getragenen Handwerkerlöhne ist die Steuerermäßigung nach § 35a EStG möglich.

Beispiel 3: Mehrgenerationen-Küche, Neubau
In einem Familienhaus nutzen eine Rollstuhlfahrerin und stehende Familienmitglieder die Küche. Geplant wird eine L-Küche mit einem elektrisch höhenverstellbaren Arbeitsbereich und einem zweiten, festen Bereich in Stehhöhe. Die Mehrkosten gegenüber einer vergleichbaren Standardküche entstehen vor allem durch die Höhenverstellung und die unterfahrbaren Einbaugeräte. Finanziert wird unter anderem über den KfW-Kredit 159.

Gebrauchte oder Ausstellungsküchen

Eine gebrauchte barrierefreie Küche oder eine Ausstellungsküche aus dem Küchenstudio kann Geld sparen. Weil barrierefreie Küchen meist auf einen bestimmten Raum und eine bestimmte Person zugeschnitten sind, passt eine gebrauchte Küche aber selten ohne Anpassungen. Prüfen Sie vor dem Kauf besonders: Stimmen Maße und Anschlusspositionen? Funktionieren Höhenverstellungen und Liftsysteme einwandfrei, und gibt es noch Ersatzteile? Wie alt sind die Geräte? Und sind Kniefreiraum und Arbeitshöhe für die Nutzerin oder den Nutzer passend? Angebote finden sich bei Küchenstudios, Möbelhändlern mit Abverkauf oder auf Online-Marktplätzen wie Kleinanzeigen.

Förderung und Kostenübernahme 2026

Wer eine barrierefreie Küche bezahlt, hängt von der Ursache der Einschränkung und der Lebenssituation ab. Die wichtigsten Kostenträger im Überblick:

Kostenträger Wann zuständig? Was wird gefördert?
Pflegekasse (§ 40 Abs. 4 SGB XI) Pflegegrad 1 bis 5 Zuschuss bis 4.180 € je Maßnahme, bei mehreren Pflegebedürftigen in einer Wohnung bis 16.720 €. Gefördert werden pflegebedingte Anpassungen wie Absenkung, Unterfahrbarkeit oder Liftsysteme – nicht die allgemein übliche Ausstattung einer Küche
Gesetzliche Unfallversicherung (§ 41 SGB VII) Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall oder bei einer Berufskrankheit Wohnungshilfe, wenn der Gesundheitsschaden eine behinderungsgerechte Anpassung der Wohnung erfordert
Rentenversicherung oder Agentur für Arbeit (§ 49 Abs. 8 Nr. 6 SGB IX) Nur, wenn die Anpassung für die Teilhabe am Arbeitsleben nötig ist Wohnungshilfe für Berufstätige
Eingliederungshilfe (§ 77 SGB IX) Bei wesentlicher Behinderung, nachrangig zu anderen Trägern; Einkommen und Vermögen werden berücksichtigt Leistungen für Wohnraum zur sozialen Teilhabe
KfW Eigentümer und Mieter, unabhängig vom Alter Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ bis 50.000 € je Wohneinheit. Der Zuschuss 455-B ist für 2026 ausgeschöpft, seit Ende Juli 2026 werden keine neuen Anträge angenommen
Finanzamt Selbst getragene Kosten 20 % der Handwerker-Arbeitskosten, höchstens 1.200 € pro Jahr (§ 35a EStG); bei krankheits- oder behinderungsbedingten Umbauten alternativ außergewöhnliche Belastung (§ 33 EStG) – dieselben Kosten aber nur einmal
Länder und Kommunen Je nach Wohnort Teilweise eigene Programme zur Wohnraumanpassung; Auskunft geben Wohnberatungsstellen und Kommunen

Einen Überblick über die Zuständigkeiten gibt auch das Portal betanet, Informationen zur Pflegekasse der GKV-Spitzenverband. Die Kreditkonditionen veröffentlicht die KfW.

Wichtig für den Antrag bei der Pflegekasse: Alle Anpassungen, die zum Zeitpunkt der Bewilligung nötig sind – in Küche, Bad und Flur –, zählen als eine Maßnahme. Planen Sie deshalb vollständig, bevor Sie den Antrag stellen, und begründen Sie, wie die Küchenanpassung die Pflege erleichtert oder die Selbstständigkeit fördert. Details erklären die Ratgeber wohnumfeldverbessernde Maßnahmen und Wohnungsanpassung bei Pflegegrad. Noch kein Pflegegrad? Dann lesen Sie, wie Sie einen Pflegegrad beantragen. Als Mieter brauchen Sie für bauliche Veränderungen die Erlaubnis des Vermieters; nach § 554 BGB haben Sie darauf in der Regel einen Anspruch, siehe barrierefreier Umbau in der Mietwohnung.

Wenn die beste Küche nicht mehr ausreicht

Eine barrierefreie Küche verlängert die Selbstständigkeit, kann aber nicht jede Einschränkung ausgleichen. Diese Warnzeichen deuten darauf hin, dass zusätzliche Hilfe nötig wird:

  • Herdplatten werden vergessen, Töpfe brennen an.
  • Töpfe, Pfannen oder Einkäufe sind zu schwer geworden.
  • Zutaten, Gewürze oder Lebensmittel werden verwechselt, Verdorbenes wird nicht mehr erkannt.
  • Es wird kaum noch gekocht oder gegessen, das Gewicht nimmt ab – mögliche Ursachen erklärt der Ratgeber kein Appetit im Alter.
  • Stürze oder Beinahe-Stürze in der Küche häufen sich.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sich kombinieren lassen: Mahlzeitendienste wie „Essen auf Rädern“, ein ambulanter Pflegedienst oder eine Haushaltshilfe, die sich über den Entlastungsbetrag mitfinanzieren lässt, oder die Tagespflege mit gemeinsamen Mahlzeiten.

24-Stunden-Betreuung: Unterstützung beim Kochen und im Alltag

Wird Hilfe über den ganzen Tag gebraucht, kann eine im Haushalt lebende, vermittelte Betreuungskraft einspringen. Sie übernimmt Einkauf, Kochen und Hauswirtschaft, achtet auf regelmäßige Mahlzeiten und ausreichendes Trinken und bezieht die betreute Person nach Möglichkeit mit ein – etwa beim Gemüseschneiden oder Tischdecken. So bleibt die Küche ein Ort der Teilhabe und nicht nur der Versorgung. Die Betreuungskraft hat dabei feste Ruhe- und Freizeiten. Medizinische Behandlungspflege übernimmt weiterhin ein ambulanter Pflegedienst. Was eine Betreuungskraft darf und was nicht, erklärt der Ratgeber Leistungen und Grenzen der 24-Stunden-Pflege.

Voraussetzung ist ein eigenes Zimmer für die Betreuungskraft, siehe räumliche Voraussetzungen. Mit welchen Kosten zu rechnen ist und welche Leistungen der Pflegekasse sich anrechnen lassen, zeigen die Ratgeber Kosten der 24-Stunden-Pflege 2026 und 24-Stunden-Pflege finanzieren. Einen ehrlichen Vergleich mit der stationären Versorgung bietet der Beitrag Alternative zum Pflegeheim.

Häufige Fragen zur barrierefreien Küche

Welche Maße braucht eine barrierefreie Küche?

Nach DIN 18040-2 ist vor der Kücheneinrichtung eine Bewegungsfläche von mindestens 120 cm Tiefe nötig, in rollstuhlgerechten Wohnungen 150 cm. Für Rollstuhlnutzer sollen Herd, Arbeitsfläche und Spüle übereck oder nebeneinander liegen und unterfahrbar sein. In der Praxis bewährt sich ein Kniefreiraum von etwa 67 bis 70 cm Höhe und mindestens 55 cm Tiefe.

Wie hoch sollte die Arbeitsplatte in einer seniorengerechten Küche sein?

Als Faustregel liegt die ideale Arbeitshöhe im Stehen etwa 10 bis 15 cm unter der Ellenbogenhöhe der Person, die hauptsächlich kocht. Für Arbeiten im Sitzen oder im Rollstuhl sind meist 75 bis 80 cm passend. Wer beides braucht, kombiniert zwei Höhen oder wählt eine höhenverstellbare Arbeitsplatte.

Was kostet eine barrierefreie Küche?

Kleine Anpassungen wie Griffe, Beleuchtung und Innenauszüge kosten oft wenige Hundert bis 2.000 Euro. Mittlere Umbauten, etwa eine unterfahrbare Spüle oder ein hochgesetzter Backofen, liegen häufig bei 2.000 bis 8.000 Euro. Eine rollstuhlgerechte Neuplanung mit höhenverstellbaren Elementen kann 8.000 bis 25.000 Euro und mehr kosten.

Zahlt die Pflegekasse eine barrierefreie Küche?

Die Pflegekasse bezuschusst bei vorliegendem Pflegegrad pflegebedingte Anpassungen der Küche als wohnumfeldverbessernde Maßnahme mit bis zu 4.180 Euro je Maßnahme. Dazu zählen etwa das Absenken von Arbeitsflächen, die Unterfahrbarkeit oder Liftsysteme für Oberschränke. Die allgemein übliche Ausstattung einer Küche ist in der Regel nicht förderfähig. Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.

Wer zahlt die Küche nach einem Arbeitsunfall?

Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall oder bei einer Berufskrankheit ist die gesetzliche Unfallversicherung, also die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse, zuständig. Sie leistet nach § 41 SGB VII Wohnungshilfe, wenn der Gesundheitsschaden eine behinderungsgerechte Anpassung der Wohnung notwendig macht.

Gibt es 2026 noch einen KfW-Zuschuss für die barrierefreie Küche?

Nein. Der KfW-Zuschuss 455-B „Altersgerecht Umbauen – Barrierereduzierung“ ist für 2026 ausgeschöpft, seit Ende Juli 2026 werden keine neuen Anträge angenommen. Verfügbar bleibt der zinsverbilligte Kredit 159 mit bis zu 50.000 Euro je Wohneinheit.

Welcher Küchengrundriss eignet sich für Rollstuhlfahrer?

Besonders gut eignet sich die L-Küche, weil sie die von der DIN 18040-2 empfohlene Übereck-Anordnung von Herd, Arbeitsfläche und Spüle ermöglicht. Vor der Küchenzeile sind mindestens 150 cm Bewegungsfläche nötig. Bei zweizeiligen Küchen sollte der Abstand zwischen den Zeilen ebenfalls mindestens 150 cm betragen.

Wie mache ich die Küche für einen Menschen mit Demenz sicher?

Wichtig sind eine automatische Herdabschaltung, ein Wasser- oder Überlaufschutz, verschlossen aufbewahrte Reinigungsmittel und Medikamente sowie eine übersichtliche, gleichbleibende Ordnung. Glasfronten oder Beschriftungen mit Bildern helfen bei der Orientierung. Vertraute Tätigkeiten wie Gemüse schneiden können unter Begleitung weiterhin sinnvoll sein.

Fazit: Eine Küche, die mitdenkt

Eine barrierefreie Küche ist kein Luxus, sondern ein Stück Selbstständigkeit. Der Maßstab ist die DIN 18040-2, doch die beste Lösung entsteht aus den Bedürfnissen der Person, die dort kocht.

  • Planen Sie ausreichend Bewegungsfläche ein: mindestens 120 cm, im Rollstuhl 150 cm.
  • Ordnen Sie Herd, Arbeitsfläche und Spüle übereck oder nebeneinander an, damit Töpfe geschoben statt getragen werden.
  • Stimmen Sie die Arbeitshöhe individuell ab und kombinieren Sie bei Bedarf eine Steh- und eine Sitzhöhe.
  • Beginnen Sie mit günstigen Maßnahmen wie Licht, Griffen und Auszügen und planen Sie größere Umbauten vorausschauend.
  • Stellen Sie Förderanträge vor Beginn der Arbeiten und bündeln Sie alle nötigen Anpassungen in einem Antrag bei der Pflegekasse.

Die Küche ist Teil der ganzen Wohnung: Wie Sie weitere Räume prüfen, zeigt die Checkliste für barrierefreies Wohnen, Hinweise für das Bad gibt der Ratgeber zum barrierefreien Bad. Einen Überblick über alle Förderwege bietet der Beitrag Zuschüsse und Förderungen für barrierefreies Wohnen.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch Wohnberatung, Ergotherapie, Küchenplaner oder Fachbetriebe. Normangaben sind eine vereinfachte Darstellung der DIN 18040-2; Richtwerte aus der Planungspraxis sind als solche gekennzeichnet. Kostenangaben und Rechenbeispiele sind unverbindliche Orientierungswerte. Angaben zu Leistungen und Förderprogrammen entsprechen dem Stand September 2026; maßgeblich sind die Entscheidungen der zuständigen Kostenträger. PflegeHeimat ist Vermittler von Betreuungskräften und selbst kein Pflegedienst.

Stand: September 2026

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