Ein halber Meter Wannenrand ist in jungen Jahren kein Thema. Mit Arthrose in der Hüfte, nach einem Schlaganfall oder mit Gleichgewichtsstörungen wird er zur höchsten Hürde der Wohnung, und zu einer der gefährlichsten: Wer beim Übersteigen auf einem nassen Bein steht, hat kaum eine Chance, einen Fehltritt abzufangen. Nach Daten des Robert Koch-Instituts stürzt jede vierte Person ab 65 Jahren mindestens einmal im Jahr.
Deshalb gehört der Satz „Wanne raus, Dusche rein“ zu den häufigsten Wünschen bei der Wohnungsanpassung. Die gute Nachricht: Der Umbau ist planbar, oft schneller erledigt als befürchtet, und bei Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse mit bis zu 4.180 €.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Wege es gibt, die Badewanne zur Dusche umzubauen, von der bodengleichen Dusche bis zur Wannentür, wie der Umbau abläuft, wie lange er dauert, was er 2026 kostet, wer ihn bezahlt und was Mieter beachten müssen. Wie Sie das ganze Badezimmer barrierefrei planen, lesen Sie im Ratgeber zum barrierefreien Bad; worauf es bei der Dusche selbst ankommt, im Beitrag zum barrierefreien Duschen.
Das Wichtigste in Kürze
- Lösungen: bodengleiche Dusche (vollständig barrierefrei), flache Duschwanne (kleine Kante), Systemumbau in der Wannennische (oft an einem Tag) und Wannentür (Wanne bleibt, Einstieg sinkt).
- Dauer: Wannentür und Systemumbau meist ein Arbeitstag, gefliester Umbau mit bodengleicher Dusche wegen Abdichtung und Trocknungszeiten meist mehrere Tage bis zwei Wochen.
- Kosten 2026: Wannentür ca. 1.200–2.500 €, Systemumbau ca. 2.500–5.500 €, bodengleiche Dusche mit Fliesen ca. 5.000–12.000 €.
- Zuschuss: Ab Pflegegrad 1 zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 € je Maßnahme (§ 40 Abs. 4 SGB XI), bei zwei Pflegebedürftigen im Haushalt bis zu 8.360 €. Den Antrag stellen Sie vor Auftragsvergabe.
- KfW: Der Zuschuss 455-B ist seit dem 31. Juli 2026 für neue Anträge geschlossen; der Kredit 159 bleibt.
- Mieter: Anspruch auf Erlaubnis des Vermieters nach § 554 BGB, Kosten und grundsätzlich der Rückbau liegen beim Mieter.
Warum die Badewanne raus soll
Der Wunsch entsteht selten aus Designgründen, sondern weil sich der Alltag verändert hat:
- Der Einstieg wird zum Risiko: Das Bein über den Rand zu heben, auf einem Bein auf nassem Grund zu stehen und sich dabei festzuhalten, überfordert viele Menschen mit Arthrose, Parkinson oder nach einer Hüftoperation.
- Das Aufstehen gelingt nicht mehr: Wer einmal in der Wanne sitzt und nicht mehr hochkommt, erlebt das als beängstigend. Nicht selten muss die Feuerwehr helfen.
- Die Pflege wird schwer: Angehörige oder Pflegekräfte müssen sich tief über den Wannenrand beugen. Eine ebenerdige Dusche mit Sitz ist deutlich rückenschonender.
- Vorsorge: Viele entscheiden sich bei einer ohnehin fälligen Badsanierung für die Dusche, damit das Bad auch in zehn Jahren noch passt.
Besonders dringend wird die Frage nach einem Krankenhausaufenthalt, etwa nach einem Sturz mit Oberschenkelhalsbruch. Dann hilft oft zuerst eine Übergangslösung mit Hilfsmitteln, bis der Umbau erledigt ist. Wie Sie diese Zeit überbrücken, lesen Sie im Beitrag Entlassung in eine nicht pflegegerechte Wohnung.
Welche Lösungen gibt es? Vier Wege im Vergleich
| Lösung | Einstieg danach | Dauer ca. | Kosten ca. 2026 | Rollator / Rollstuhl |
|---|---|---|---|---|
| Bodengleiche Dusche (gefliest oder mit Duschelement) | niveaugleich, höchstens 2 cm Absenkung | 3 Tage bis 2 Wochen | 5.000–12.000 € | ja / ja, bei ausreichender Fläche |
| Flache Duschwanne im neu gefliesten Bad | ca. 2–6 cm Kante | 2–5 Tage | 3.500–7.000 € | ja / eingeschränkt |
| Systemumbau in der Wannennische („Wanne raus, Dusche rein“ an einem Tag) | je nach System ca. 3–15 cm | meist 1 Tag | 2.500–5.500 € | eingeschränkt / meist nein |
| Wannentür | ca. 10–20 cm Restkante | einige Stunden | 1.200–2.500 € | eingeschränkt / nein |
Die Preise sind Erfahrungswerte einschließlich Montage und schwanken je nach Region, Zustand des Bades und Ausstattung deutlich.
Bodengleiche Dusche: die barrierefreie Lösung
Die Wanne wird vollständig entfernt, der Duschbereich liegt auf Höhe des übrigen Bodens. Das ist die einzige Lösung, die auch mit Rollator, Duschrollstuhl oder Rollstuhl funktioniert und die Anforderungen der DIN 18040-2 erfüllen kann. Die Norm verlangt einen niveaugleichen Übergang; eine Absenkung von höchstens 2 cm ist zulässig.
Technisch entscheidend ist der Abfluss: Das Wasser muss mit leichtem Gefälle zu einem Punktablauf oder einer Duschrinne laufen, und der Ablauf braucht Platz im Bodenaufbau. Wo der Estrich zu dünn ist oder eine Holzbalkendecke darunter liegt, helfen besonders flache Abläufe, eine leichte Anhebung des gesamten Badbodens oder eine kleine Pumpe. Ob das in Ihrem Bad geht, klärt der Fachbetrieb beim Aufmaß.
Flache Duschwanne: der machbare Kompromiss
Eine flache Duschwanne aus Acryl, Stahl-Email oder Mineralguss wird auf oder in den Boden gesetzt und hat nur eine niedrige Kante. Das ist baulich einfacher als eine bodengleiche Dusche und für Menschen, die noch gehen können, oft ausreichend. Für einen Duschrollstuhl ist schon eine kleine Kante ein Hindernis.
Systemumbau in der Wannennische: an einem Tag
Spezialisierte Anbieter entfernen die Wanne und setzen eine exakt passende Duschtasse mit Wandpaneelen, Glasabtrennung und Armatur in die frei gewordene Nische, ohne das restliche Bad neu zu fliesen. Die Arbeiten sind meist an einem Tag erledigt, die Dusche ist nach kurzer Aushärtezeit nutzbar. Weil die Nische meist nur rund 70 bis 80 cm tief ist, bleibt die Duschfläche kleiner als die 120 × 120 cm der Norm. Für Menschen, die gehen können, ist das oft eine gute, schnelle Lösung; für einen Rollstuhl reicht es nicht.
Vergleichen Sie Angebote genau: Manche Systeme behalten eine höhere Einstiegskante, als der Begriff „ebenerdig“ vermuten lässt. Lassen Sie sich die Einstiegshöhe in Zentimetern schriftlich bestätigen.
Wannentür: die Wanne bleibt
Ein Stück der Wannenwand wird ausgeschnitten und durch eine abgedichtete Tür ersetzt. Die Einstiegshöhe sinkt deutlich, die Wanne bleibt für Vollbäder erhalten. Die Tür muss vor dem Einlassen des Wassers geschlossen und nach dem Ablassen geöffnet werden; man sitzt also, während das Wasser ein- und ausläuft. Für Menschen, die noch recht mobil sind und das Baden nicht aufgeben möchten, ist das eine sinnvolle Zwischenlösung. Wer nicht mehr sicher steht, ist mit einer Dusche besser beraten.
Ohne Umbau: Hilfsmittel für die Wanne
Manchmal reicht es schon, die Wanne sicherer zu machen: ein Badewannenbrett zum Sitzen beim Duschen in der Wanne, ein Badewannenlifter, der einen langsam absenkt und wieder anhebt, oder Haltegriffe am Wannenrand. Brett und Lifter gibt es mit ärztlicher Verordnung als Hilfsmittel von der Krankenkasse, auch ohne Pflegegrad. Mehr dazu in unseren Ratgebern zur barrierefreien Badewanne und zu Haltegriffen im Bad.
Welche Lösung passt zu Ihnen?
- Rollstuhl, Duschrollstuhl oder absehbar fortschreitende Erkrankung (etwa Parkinson, MS, Demenz): bodengleiche Dusche mit mindestens 120 × 120 cm, besser 150 × 150 cm.
- Rollator, Unsicherheit beim Übersteigen, Bad soll schnell nutzbar sein: Systemumbau in der Wannennische oder flache Duschwanne, jeweils mit Haltegriffen und Duschsitz.
- Noch recht mobil, Baden ist wichtig: Wannentür plus Haltegriffe, später gegebenenfalls Umbau zur Dusche.
- Mietwohnung, Vermieter skeptisch: reversible Lösungen oder Hilfsmittel zuerst; für den Umbau die Erlaubnis nach § 554 BGB einholen.
- Kleines Bad: Bodengleiche Dusche ohne feste Abtrennung, mit Klapp-Duschwänden oder Vorhang. Die Duschfläche darf dann Teil der Bewegungsfläche des Bades sein.
Was eine barrierefreie Dusche braucht
Eine Dusche wird nicht automatisch barrierefrei, nur weil die Wanne weg ist. Die DIN 18040-2 und bewährte Praxis nennen folgende Punkte:
| Merkmal | Empfehlung |
|---|---|
| Duschfläche | 120 × 120 cm (barrierefrei), 150 × 150 cm (rollstuhlgerecht); darf sich mit der Bewegungsfläche des Bades überlagern |
| Übergang | niveaugleich, Absenkung höchstens 2 cm |
| Gefälle | so gering wie möglich, damit Duschrollstuhl und Füße nicht wegrollen oder -rutschen, in der Praxis meist 1,5–2 % |
| Bodenbelag | rutschhemmend für den nassen Barfußbereich, Bewertungsgruppe B nach DGUV-Information 207-006 |
| Sitzen | Duschklappsitz an der Wand oder Duschhocker bzw. Duschstuhl |
| Halten | senkrechter Griff am Einstieg, waagerechter Griff an der Wand, bei Klappsitz Stützklappgriffe; Wände tragfähig vorbereiten |
| Armatur | Einhebel- oder Thermostatarmatur, vom Sitz aus erreichbar, Temperaturbegrenzung gegen Verbrühungen |
| Handbrause | höhenverstellbar an einer Brausestange, Schlauch ausreichend lang für das Duschen im Sitzen und für eine helfende Person |
Zur Rutschhemmung: Die bekannten R-Klassen (R9 bis R13) beschreiben die Rutschhemmung mit Schuhen. Für nasse Barfußbereiche wie Duschen gelten die Bewertungsgruppen A, B und C. Beide Systeme sind nicht direkt ineinander umrechenbar; lassen Sie sich für die Duschfläche die Bewertungsgruppe B bestätigen. Mehr dazu im Ratgeber zu barrierefreien Bodenbelägen.
Planen Sie Haltegriffe und Duschsitz von Anfang an mit, damit hinter den Fliesen gleich tragfähige Verstärkungen eingebaut werden. Welcher Sitz der richtige ist, erklärt der Ratgeber zu Duschsitz und Duschhocker; Höhen und Montage der Griffe behandelt der Beitrag zu Haltegriffen. Einen Überblick über die Normen gibt unser Ratgeber zu den DIN-Normen für barrierefreies Wohnen.
Abdichtung: das unsichtbare Wichtigste
Bei einer bodengleichen Dusche gibt es keine Wanne, die das Wasser auffängt. Boden und Wände müssen deshalb unter den Fliesen fachgerecht abgedichtet werden, einschließlich aller Übergänge und Durchdringungen. Maßgeblich ist die Abdichtungsnorm DIN 18534. Fehler zeigen sich oft erst nach Monaten als Feuchtigkeitsschaden in der Wand oder beim Nachbarn darunter und sind teuer zu beheben. Lassen Sie sich im Angebot bestätigen, dass die Abdichtung normgerecht ausgeführt wird, und bewahren Sie die Unterlagen auf.
So läuft der Umbau ab
- Bedarf klären (1–2 Wochen): Wer duscht wie, im Stehen oder Sitzen, mit oder ohne Hilfe? Wie entwickelt sich die Gesundheit voraussichtlich? Eine Wohnberatungsstelle hilft kostenlos; Anlaufstellen finden Sie über die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung oder den Pflegestützpunkt.
- Angebote einholen: mindestens zwei, besser drei Angebote nach Besichtigung. Alle Positionen sollten einzeln aufgeführt sein, von der Demontage über Abdichtung und Fliesen bis zur Entsorgung.
- Erlaubnis und Zuschuss beantragen (3–5 Wochen): Mieter holen die Erlaubnis des Vermieters ein. Parallel stellen Sie den Antrag bei der Pflegekasse; sie muss innerhalb von drei Wochen entscheiden, mit Begutachtung innerhalb von fünf Wochen (§ 40 Abs. 7 SGB XI).
- Auftrag vergeben: erst nach Zusage der Pflegekasse und gegebenenfalls des Vermieters.
- Demontage: Wanne ausbauen, Anschlüsse verschließen, Wand und Boden freilegen. Meist an einem Vormittag.
- Installation: Ablauf setzen, Gefälle herstellen, abdichten; bei Fliesen Trocknungszeiten abwarten. Bei Systemlösungen werden vorgefertigte Duschtasse und Paneele montiert.
- Ausstattung und Abnahme: Armatur, Brausestange, Griffe, Duschsitz, Abtrennung. Dichtigkeit prüfen, Probe sitzen, Griffe testen. Silikon je nach Produkt etwa 24 Stunden aushärten lassen.
Wie lange ist das Bad nicht nutzbar? Beim Systemumbau oder der Wannentür meist nur einen Tag. Bei einer gefliesten, bodengleichen Dusche mehrere Tage bis etwa zwei Wochen, weil Estrich, Abdichtung und Fliesenkleber trocknen müssen. Planen Sie für diese Zeit eine Lösung zum Waschen und für die Toilette ein, etwa einen Toilettenstuhl auf Rezept oder einige Tage bei Angehörigen. Wird eine pflegebedürftige Person während des Umbaus anderswo versorgt, kann eine Kurzzeitpflege sinnvoll sein.
Was kostet der Umbau von der Badewanne zur Dusche?
Die einzelnen Kostenpositionen
| Position | Kosten ca. | Hinweis |
|---|---|---|
| Demontage und Entsorgung der Wanne | 200–600 € | abhängig von Wannenart und Einbausituation |
| Bodengleiches Duschelement oder Ablauf mit Rinne | 600–2.500 € | Material, Qualität, Größe |
| Flache Duschwanne | 250–1.200 € | Acryl günstiger als Mineralguss oder Stahl-Email |
| Estrich- und Bodenarbeiten | 500–1.500 € | bei bodengleicher Dusche |
| Abdichtung | 300–1.000 € | nicht sparen |
| Fliesen Wand und Boden | 1.000–3.000 € | Material und Verlegung, je nach Fläche |
| Alternativ: Wandpaneele | 600–1.500 € | schneller, weniger Fugen |
| Sanitärinstallation | 500–1.200 € | Leitungen anpassen, Anschlüsse |
| Thermostatarmatur und Brausestange | 200–1.000 € | je nach Ausstattung |
| Duschabtrennung | 300–1.500 € | klappbare Wände sind pflegefreundlicher |
| Haltegriffe, Duschklappsitz | 200–800 € | inklusive Wandverstärkung |
| Elektro, Lüftung | 200–800 € | falls nötig |
Gesamtkosten nach Lösung
- Wannentür: ca. 1.200–2.500 €.
- Systemumbau in der Wannennische: ca. 2.500–5.500 €.
- Flache Duschwanne mit Fliesenarbeiten: ca. 3.500–7.000 €.
- Bodengleiche Dusche mit Fliesen: ca. 5.000–12.000 €, bei rollstuhlgerechtem Umbau des ganzen Bades auch mehr.
Vorsicht bei Lockangeboten mit sehr niedrigen Pauschalpreisen: Oft sind Abdichtung, Entsorgung, Anpassung der Anschlüsse oder die Duschabtrennung nicht enthalten. Vergleichen Sie Leistungsbeschreibungen, nicht nur Endsummen.
Zuschüsse und Finanzierung 2026
Pflegekasse: bis zu 4.180 € je Maßnahme
Der Umbau der Badewanne zur Dusche ist eine typische wohnumfeldverbessernde Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI.
- Voraussetzung: Pflegegrad ab 1 und eine Maßnahme, die die häusliche Pflege ermöglicht, erheblich erleichtert oder eine selbstständigere Lebensführung wiederherstellt. Wer die Wanne nicht mehr sicher nutzen kann, erfüllt das in aller Regel.
- Höhe: bis zu 4.180 € je Maßnahme; bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt bis zu 4.180 € je Person, höchstens 16.720 €. Für ein Ehepaar mit zwei Pflegegraden sind also bis zu 8.360 € möglich.
- Eine Maßnahme: Alle Anpassungen, die zum Zeitpunkt des Antrags nötig sind, zählen zusammen. Beantragen Sie Dusche, Griffe, Duschsitz, WC-Anpassung und eventuell eine Türverbreiterung gemeinsam. Ein neuer Zuschuss ist erst möglich, wenn sich die Pflegesituation verändert.
- Vorher beantragen: Stellen Sie den Antrag vor der Auftragsvergabe, mit Angebot und kurzer Begründung. Wer ohne Antrag beginnt, gefährdet den Zuschuss.
- Eigenleistung: Übernehmen Angehörige Arbeiten selbst, werden in der Regel die Materialkosten anerkannt, nicht die eigene Arbeitszeit.
Die Schritte im Einzelnen erklärt unser Ratgeber zur Wohnungsanpassung bei Pflegegrad; die Grundlagen fassen der Beitrag zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen und unser Glossareintrag Wohnraumanpassung zusammen. Noch kein Pflegegrad? Dann lohnt sich der Antrag oft schon wegen des Umbaus; lesen Sie, wie Sie einen Pflegegrad beantragen.
Krankenkasse: Hilfsmittel für die Dusche
Duschhocker, Duschstuhl, Duschrollstuhl, Badewannenbrett und Badewannenlifter sind Hilfsmittel der Krankenkasse nach § 33 SGB V, keine Pflegehilfsmittel der Pflegekasse. Sie brauchen eine ärztliche Verordnung, aber keinen Pflegegrad, und zahlen 10 % Zuzahlung, mindestens 5 € und höchstens 10 €. Diese Hilfsmittel belasten den Umbauzuschuss nicht. Mehr dazu im Beitrag Hilfsmittel von der Krankenkasse.
KfW: Zuschuss geschlossen, Kredit verfügbar
Der Investitionszuschuss 455-B „Altersgerecht Umbauen“ nimmt seit dem 31. Juli 2026 keine neuen Anträge mehr an, weil die Bundesmittel ausgeschöpft sind. Den aktuellen Stand veröffentlicht die KfW. Verfügbar ist weiterhin der Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ mit bis zu 50.000 € je Wohneinheit, auch für Mieter und ohne Pflegegrad. Er wird über die Hausbank vor Abschluss des Handwerkervertrags beantragt.
Weitere Kostenträger
- Sozialamt: bei geringem Einkommen im Rahmen der Hilfe zur Pflege (§ 64e SGB XII). Mehr im Beitrag zur Kostenübernahme durch das Sozialamt.
- Unfallversicherung: nach einem Arbeits- oder Wegeunfall oder bei einer Berufskrankheit.
- Länder und Kommunen: teils eigene Förderprogramme. Einen Überblick gibt unser Ratgeber zu Zuschüssen und Förderung für barrierefreies Wohnen.
Steuerliche Entlastung
- Außergewöhnliche Belastung (§ 33 EStG): Ist der Umbau krankheits- oder behinderungsbedingt notwendig, können die selbst getragenen Kosten abgezogen werden, soweit sie die zumutbare Belastung übersteigen. Ein vorheriges amtsärztliches Gutachten ist nicht erforderlich (BFH, Urteil vom 6. Februar 2014, Az. VI R 61/12).
- Handwerkerleistungen (§ 35a Abs. 3 EStG): 20 % der Arbeitskosten, höchstens 1.200 € Steuerermäßigung im Jahr. Materialkosten zählen nicht. Öffentlich geförderte Kosten sind ausgeschlossen, und Kosten, die als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden, können nicht zusätzlich berücksichtigt werden. Wurde der Umbau bezuschusst, klären Sie mit der Steuerberatung, welcher Weg für den Eigenanteil günstiger ist.
Mehr dazu im Ratgeber Haushaltshilfe und Handwerker steuerlich absetzen.
Badumbau in der Mietwohnung
Mieter dürfen die Wanne nicht einfach herausreißen, haben aber gute Karten. Nach § 554 BGB können sie verlangen, dass der Vermieter bauliche Veränderungen erlaubt, die dem Gebrauch durch Menschen mit Behinderungen dienen. Er darf nur ablehnen, wenn ihm die Maßnahme auch unter Würdigung der Mieterinteressen nicht zuzumuten ist. Die Vorschrift hat Ende 2020 den früheren § 554a BGB abgelöst, auf den sich ältere Ratgeber noch berufen.
- Kosten: trägt der Mieter; eine Mieterhöhung wegen der selbst bezahlten Dusche ist nicht zulässig.
- Rückbau: Bei Auszug ist grundsätzlich der alte Zustand wiederherzustellen, der Vermieter kann dafür eine Sicherheit verlangen. Viele Vermieter verzichten bei einer fachgerecht gebauten Dusche darauf, weil sie die Wohnung aufwertet. Halten Sie das vor Beginn schriftlich fest.
- Fachbetrieb: Vermieter dürfen eine fachgerechte Ausführung verlangen. Legen Sie Angebot, Leistungsbeschreibung und Nachweis der Betriebshaftpflicht bei.
- Eigentumswohnung: Sind Leitungsstränge oder die Abdichtung zum Gemeinschaftseigentum betroffen, braucht der Vermieter zusätzlich einen Beschluss der Eigentümergemeinschaft; darauf besteht nach § 20 Abs. 2 WEG ein Anspruch.
Musterschreiben an den Vermieter, Vorgehen bei Ablehnung und alle Details zur Rückbausicherheit finden Sie im Ratgeber zum barrierefreien Umbau in der Mietwohnung.
Rechenbeispiele
Die Beispiele sind typisiert; die Preise sind Beispielwerte.
Beispiel 1: Arthrose, bodengleiche Dusche im Eigenheim
Herr W. (78, Pflegegrad 2) kann wegen Kniearthrose kaum noch in die Wanne steigen. Er lässt eine bodengleiche, geflieste Dusche mit 120 × 120 cm, Klappsitz, zwei Haltegriffen und Thermostatarmatur einbauen.
| Gesamtkosten | 7.400 € |
| Zuschuss Pflegekasse | – 4.180 € |
| Eigenanteil | 3.220 € |
Den Eigenanteil macht Herr W. als außergewöhnliche Belastung geltend. Den Duschhocker für die Übergangszeit bekam er auf Rezept.
Beispiel 2: Ehepaar, beide mit Pflegegrad
Herr und Frau S. (Pflegegrad 3 und 2) brauchen eine rollstuhlgerechte Dusche mit 150 × 150 cm, weil Herr S. einen Duschrollstuhl nutzt. Gleichzeitig wird die Badtür verbreitert und ein höheres WC eingebaut.
| Gesamtkosten | 9.600 € |
| Zuschuss Pflegekasse (2 × 4.180 €) | – 8.360 € |
| Eigenanteil | 1.240 € |
Voraussetzung für den doppelten Zuschuss ist, dass der Umbau das Wohnumfeld beider Pflegebedürftigen verbessert. Wie das WC dabei gestaltet werden sollte, erklärt der Ratgeber zum barrierefreien WC.
Beispiel 3: Vorsorge ohne Pflegegrad
Frau M. (72) hat keinen Pflegegrad, möchte aber vorsorgen. Sie wählt einen Systemumbau in der Wannennische mit flacher Duschtasse und Paneelen, erledigt an einem Tag.
| Gesamtkosten | 4.200 €, davon 1.800 € Arbeitskosten |
| Steuerermäßigung Handwerkerleistung (20 % von 1.800 €) | – 360 € |
| Eigenanteil nach Steuer | 3.840 € |
Ohne Pflegegrad gibt es keinen Pflegekassenzuschuss, und der KfW-Zuschuss steht derzeit nicht zur Verfügung. Würden bei Frau M. bereits Einschränkungen vorliegen, lohnte sich ein Antrag auf Pflegegrad vor dem Umbau.
Beispiel 4: Wannentür als Zwischenlösung
Frau K. (74, Pflegegrad 2) hat Hüftarthrose, möchte aber nicht auf Vollbäder verzichten. Eine Wannentür senkt ihren Einstieg von rund 55 auf etwa 15 cm, dazu kommen ein senkrechter Griff und ein Badewannenlifter auf Rezept.
| Wannentür mit Einbau und Griff | 1.950 € |
| Zuschuss Pflegekasse | – 1.950 € |
| Badewannenlifter (Krankenkasse), Zuzahlung | 10 € |
| Eigenanteil | 10 € |
Wichtig für später: Die Wannentür gilt als Maßnahme. Ein weiterer Zuschuss für den Umbau zur Dusche ist erst möglich, wenn sich Frau K.s Pflegesituation verändert hat.
Häufige Fehler beim Umbau
- Ohne Antrag angefangen: Der Zuschuss ist gefährdet, wenn der Auftrag vor dem Antrag vergeben wird.
- Maßnahmen einzeln beantragt: Dusche jetzt, Griffe und WC später, das kann Zuschuss kosten. Alles Nötige gemeinsam beantragen.
- Nur an heute gedacht: Bei fortschreitenden Erkrankungen reicht eine kleine Dusche mit Kante in wenigen Jahren nicht mehr.
- Zu kleine Fläche: Unter 120 × 120 cm wird es mit Duschsitz und helfender Person eng.
- Griffe vergessen: Ohne Verstärkungen hinter den Fliesen sind stabile Griffe später schwierig.
- An der Abdichtung gespart: Feuchteschäden zeigen sich oft erst nach Monaten.
- Falsche Erwartung an „ebenerdig“: Einstiegshöhe in Zentimetern schriftlich bestätigen lassen.
- Lüftung übersehen: Ohne Wannenrand und Vorhang verteilt sich mehr Feuchtigkeit im Bad. Ein Fenster oder Lüfter ist Pflicht.
Ein Rundgang durch die ganze Wohnung mit unserer Checkliste Barrierefreiheit hilft, weitere Anpassungen gleich mitzuplanen, etwa an Türen und Schwellen.
Wenn die neue Dusche allein nicht reicht
Eine barrierefreie Dusche erhält Selbstständigkeit, aber sie ersetzt keine helfende Hand. Bei Demenz wird das Duschen oft vergessen oder abgelehnt, bei Parkinson oder nach einem Schlaganfall bleibt das Sturzrisiko, und viele pflegende Angehörige kommen bei der täglichen Körperpflege an ihre körperlichen Grenzen.
Dann kann eine 24-Stunden-Betreuung die Umbaumaßnahme sinnvoll ergänzen. Eine Betreuungskraft lebt mit im Haushalt, begleitet beim Duschen und ist rund um die Uhr in der Nähe. Die ebenerdige Dusche mit Sitz und Griffen macht diese Unterstützung für beide Seiten sicherer und würdevoller. PflegeHeimat24 vermittelt qualifizierte Betreuungskräfte und begleitet Familien bei der Organisation; medizinische Behandlungspflege übernimmt bei Bedarf ein ambulanter Pflegedienst auf ärztliche Verordnung.
- Wie das Modell funktioniert, erklären die Grundlagen der 24-Stunden-Pflege; was eine Betreuungskraft übernimmt, der Beitrag zu Leistungen und Grenzen.
- Bei Demenz lesen Sie den Ratgeber 24-Stunden-Pflege bei Demenz, für Paare den Beitrag 24-Stunden-Pflege für Ehepaare.
- Zur Finanzierung stehen unter anderem das Pflegegeld von 347 € bis 990 € monatlich, der gemeinsame Jahresbetrag von 3.539 € für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie der Entlastungsbetrag von 131 € für anerkannte Angebote zur Verfügung. Mit welchen Gesamtkosten Sie rechnen müssen, zeigt der Ratgeber Was kostet die 24-Stunden-Pflege 2026?
Häufig gestellte Fragen zum Umbau der Badewanne zur Dusche
Was kostet es, eine Badewanne zur Dusche umzubauen?
Eine Wannentür kostet etwa 1.200 bis 2.500 €, ein Systemumbau in der Wannennische etwa 2.500 bis 5.500 €, eine geflieste bodengleiche Dusche etwa 5.000 bis 12.000 €. Die Preise hängen stark vom Zustand des Bades, der Region und der Ausstattung ab. Mit Pflegegrad zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 € dazu.
Wie lange dauert der Umbau?
Wannentür und Systemumbau in der Wannennische sind meist an einem Tag erledigt. Eine geflieste bodengleiche Dusche braucht wegen Estrich, Abdichtung und Trocknungszeiten meist mehrere Tage bis etwa zwei Wochen. Hinzu kommen Planung und die Bearbeitung des Zuschussantrags von drei bis fünf Wochen.
Wie viel zahlt die Pflegekasse für den Umbau?
Ab Pflegegrad 1 bis zu 4.180 € je Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI, bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt bis zu 4.180 € je Person, höchstens 16.720 €. Stellen Sie den Antrag vor der Auftragsvergabe und beantragen Sie alle aktuell nötigen Anpassungen gemeinsam.
Gibt es Zuschüsse ohne Pflegegrad?
Der KfW-Zuschuss 455-B ist seit dem 31. Juli 2026 für neue Anträge geschlossen. Möglich bleiben der KfW-Kredit 159, regionale Programme und die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen mit 20 % der Arbeitskosten, höchstens 1.200 € im Jahr. Liegen Einschränkungen vor, lohnt oft ein Antrag auf Pflegegrad.
Darf ich als Mieter die Badewanne gegen eine Dusche tauschen?
Mit Erlaubnis des Vermieters. Nach § 554 BGB haben Sie einen Anspruch darauf, wenn der Umbau Menschen mit Behinderungen dient und dem Vermieter zumutbar ist. Die Kosten tragen Sie; bei Auszug kann der Rückbau verlangt werden, sofern nichts anderes vereinbart ist. Eine Mieterhöhung wegen der selbst bezahlten Dusche ist nicht zulässig.
Wie groß muss eine barrierefreie Dusche sein?
Nach DIN 18040-2 mindestens 120 × 120 cm, rollstuhlgerecht 150 × 150 cm. Die Duschfläche darf Teil der Bewegungsfläche des Bades sein. Für den Zuschuss der Pflegekasse sind die Normmaße keine Pflicht, entscheidend ist, dass der Umbau Pflege oder Selbstständigkeit verbessert.
Ist eine Wannentür eine gute Alternative?
Für Menschen, die noch recht mobil sind und gern baden, ja. Die Einstiegshöhe sinkt deutlich, die Wanne bleibt erhalten. Für den Rollstuhl oder bei starker Gangunsicherheit reicht sie nicht. Beachten Sie, dass die Wannentür als Maßnahme zählt und ein späterer Zuschuss für eine Dusche erst bei veränderter Pflegesituation möglich ist.
Welche Rutschhemmung braucht der Duschboden?
Für nasse Barfußbereiche gilt die Bewertungsgruppe B nach DGUV-Information 207-006. Die bekannten R-Klassen beschreiben dagegen die Rutschhemmung mit Schuhen und sind nicht direkt vergleichbar. Kleine Fliesenformate mit vielen Fugen erhöhen zusätzlich den Halt.
Muss ich den Zuschuss zurückzahlen, wenn ich umziehe?
Nein, eine Mindestnutzungsdauer gibt es nicht. Entscheidend ist, dass die Maßnahme zum Zeitpunkt des Antrags notwendig war. Mieter sollten aber bedenken, dass eine vereinbarte Rückbaupflicht beim Auszug zusätzliche Kosten verursachen kann.
Wo dusche ich während des Umbaus?
Bei eintägigen Lösungen reicht meist eine Katzenwäsche am Waschbecken. Bei längeren Umbauten helfen Angehörige, ein Duschhocker an einer anderen Dusche oder vorübergehend eine Kurzzeitpflege, wenn eine pflegebedürftige Person versorgt werden muss. Die Toilette sollte, wenn möglich, jeden Abend wieder nutzbar sein; sonst hilft ein Toilettenstuhl auf Rezept.
Was tun, wenn die Pflegekasse ablehnt?
Legen Sie innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids schriftlich Widerspruch ein. Beschreiben Sie konkret, was ohne Umbau nicht mehr oder nur mit Hilfe gelingt, und legen Sie ärztliche Unterlagen oder eine Stellungnahme der Wohnberatung bei. Unterstützung bieten Pflegestützpunkte und Sozialverbände.
Wie lange gilt die Gewährleistung für den Badumbau?
Für Arbeiten an einem Bauwerk, zu denen ein Badumbau in der Regel zählt, beträgt die gesetzliche Verjährungsfrist für Mängelansprüche fünf Jahre ab Abnahme (§ 634a BGB). Dokumentieren Sie den Zustand vor und nach dem Umbau mit Fotos und bewahren Sie Angebot, Abnahmeprotokoll und Rechnung auf.
Fazit: Erst die richtige Lösung, dann der Umbau
Den Weg von der Badewanne zur Dusche gibt es in vielen Varianten: Die bodengleiche Dusche ist die zukunftssichere Lösung und die einzige, die auch mit Rollstuhl funktioniert. Systemumbau und Wannentür sind schneller und günstiger, stoßen aber an Grenzen, wenn die Mobilität weiter nachlässt. Entscheiden Sie deshalb nicht nach dem Preis allein, sondern danach, wer in den nächsten Jahren wie duschen wird.
Finanziell ist der Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.180 € je Maßnahme und pflegebedürftiger Person derzeit der wichtigste Baustein. Beantragen Sie alle nötigen Anpassungen gemeinsam und vor der Auftragsvergabe, und achten Sie beim Fachbetrieb auf eine normgerechte Abdichtung.
Und wenn die neue Dusche allein nicht genügt, kann eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause dafür sorgen, dass das Leben in den eigenen vier Wänden sicher bleibt.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder bautechnische Beratung im Einzelfall. Kosten sind Erfahrungswerte und können regional stark abweichen. Förderbedingungen, insbesondere der KfW, können sich kurzfristig ändern. Wenden Sie sich bei konkreten Fragen an Ihre Pflege- oder Krankenkasse, eine Wohnberatungsstelle, einen Fachbetrieb oder eine Fachanwältin bzw. einen Fachanwalt. Stand: September 2026.
