Das Wichtigste in Kürze
- Barrierefreie Türen haben nach DIN 18040-2 innerhalb der Wohnung eine lichte Breite von mind. 80 cm, in rollstuhlgerechten Wohnungen mind. 90 cm. Haus- und Wohnungseingangstüren brauchen immer mind. 90 cm, die lichte Höhe beträgt mind. 205 cm.
- Gemessen wird der tatsächlich freie Durchgang, nicht das Türblatt: Eine Standardtür mit Rohbaumaß 885 mm erreicht je nach Zarge oft nur knapp 80 cm lichte Breite.
- Schwellen sind grundsätzlich nicht vorgesehen. Wo sie technisch unvermeidbar sind, etwa an Wohnungseingang oder Balkon, dürfen sie höchstens 2 cm hoch sein.
- Oft reicht schon eine andere Türart: Eine Schiebetür vor der Wand, ein geänderter Anschlag oder eine neue Zarge kann eine Verbreiterung der Wandöffnung ersparen.
- Mit Pflegegrad zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 € je Maßnahme. Der KfW-Zuschuss 455-B ist 2026 ausgeschöpft, der Kredit 159 bleibt verfügbar.
Fünf Zentimeter entscheiden oft darüber, ob jemand mit dem Rollator allein ins Bad kommt oder an der Türzarge hängen bleibt. Türen sind die Stellen, an denen sich die Wege durch die Wohnung verengen. Hier kommen Schwelle, Türblatt, Griff und Wand auf engstem Raum zusammen. Wer die Wohnung barrierefrei gestalten will, sollte deshalb bei den Türen genau hinsehen – und zwar mit dem Zollstock.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Maße für barrierefreie Türen gelten, wie Sie Rohbaumaß, Türblatt und lichte Breite richtig einordnen, welche Türarten sich eignen und wie Sie Schwellen loswerden. Dazu kommen Kosten, Förderung 2026 und Praxisbeispiele. Einen Überblick über alle Anforderungen der Norm für die ganze Wohnung gibt der Ratgeber zu den DIN-Normen für barrierefreies Wohnen. Was „barrierefrei“ im Unterschied zu „rollstuhlgerecht“ bedeutet, erklärt die Definition von barrierefreiem Wohnen.
Was macht eine Tür barrierefrei?
Eine Tür ist barrierefrei, wenn Menschen mit Gehhilfe, Rollator oder Rollstuhl, mit Seh- oder Hörbeeinträchtigung oder mit wenig Kraft in den Händen sie selbstständig finden, öffnen und durchqueren können. Dafür müssen fünf Dinge zusammenpassen:
- Breite: genug freier Durchgang für Hilfsmittel und für die Hände an den Greifreifen eines Rollstuhls
- Boden: keine oder nur eine sehr niedrige Schwelle
- Platz davor und dahinter: Bewegungsflächen, um anzuhalten, den Griff zu erreichen und die Tür zu öffnen
- Bedienung: gut greifbare Drücker in passender Höhe und wenig Kraftaufwand
- Erkennbarkeit: Kontraste und Markierungen, damit Tür und Griff auch bei Sehschwäche gut zu sehen sind
Barrierefreie Türen helfen nicht nur Rollstuhlfahrern. Auch Menschen mit Arthrose in den Händen, nach einer Hüftoperation mit Gehstützen oder Pflegepersonen, die einen Rollstuhl schieben, profitieren davon. Und spätestens wenn ein Pflegebett oder ein Duschrollstuhl durch die Tür muss, zeigt sich, wie wichtig jeder Zentimeter ist.
Die Maße nach DIN 18040-2
| Anforderung | Barrierefrei nutzbar | Rollstuhlgerecht (R) |
|---|---|---|
| Lichte Breite Haus- und Wohnungseingangstür | mind. 90 cm | mind. 90 cm |
| Lichte Breite der Türen innerhalb der Wohnung | mind. 80 cm | mind. 90 cm |
| Lichte Höhe | mind. 205 cm | mind. 205 cm |
| Untere Türanschläge und Schwellen | grundsätzlich nicht zulässig; wenn technisch unvermeidbar, höchstens 2 cm | |
| Türdrücker | in der Regel in 85 cm Höhe (Achsmaß), gut greifbar | |
| Bewegungsfläche vor und hinter der Tür | 120 × 120 cm | 150 × 150 cm |
| Seitlicher Abstand neben dem Drücker | – | mind. 50 cm zu Wänden oder Einbauten, damit der Griff aus dem Rollstuhl erreichbar ist |
| Türen zu Bad und WC | dürfen nicht in den Sanitärraum aufschlagen und müssen von außen entriegelt werden können | |
Quelle: DIN 18040-2, vereinfachte Darstellung; ausführliche Kommentierung bei nullbarriere.de. Die Bewegungsflächen dürfen nicht durch Heizkörper, Möbel, Garderoben oder Regale eingeschränkt werden. Mehr zu engen Fluren im Ratgeber barrierefreier Flur.
Warum die Badtür nach außen öffnen muss
Die Regel zu Sanitärräumen gehört zu den wichtigsten Punkten der Norm. Stürzt jemand im Bad und bleibt hinter der Tür liegen, blockiert der Körper eine nach innen aufschlagende Tür. Helfer kommen dann nur mit Gewalt hinein. Eine nach außen öffnende Tür oder eine Schiebetür, die sich zusätzlich von außen entriegeln lässt, verhindert das. Im Bestand lässt sich das oft mit überschaubarem Aufwand ändern, indem der Türanschlag gewechselt wird.
Rohbaumaß, Türblatt, lichte Breite: Standardmaße richtig lesen
Beim Türenkauf und in Bauplänen tauchen drei verschiedene Maße auf. Wer sie verwechselt, kauft schnell eine Tür, die im eingebauten Zustand zu schmal ist:
- Rohbaumaß (Baurichtmaß): die Maueröffnung, in die Zarge und Tür eingebaut werden
- Türblattmaß: die Außenmaße des Türblatts
- Lichte Durchgangsbreite: der tatsächlich freie Durchgang bei geöffneter Tür, also zwischen Zarge und Türblatt. Nur dieses Maß zählt für die Barrierefreiheit.
In Deutschland sind Türgrößen in der DIN 18101 standardisiert. Die gängigsten Breiten sind:
| Rohbaumaß Breite | Türblatt Breite (gefälzt) | Einordnung für Barrierefreiheit |
|---|---|---|
| 635 mm | 610 mm | zu schmal (z. B. Abstellraum) |
| 760 mm | 735 mm | zu schmal (häufig ältere Bad- und WC-Türen) |
| 885 mm | 860 mm | erreicht je nach Zarge und Beschlag oft nur knapp 80 cm lichte Breite – für „barrierefrei nutzbar“ genau nachmessen |
| 1010 mm | 985 mm | in der Regel ausreichend für 90 cm lichte Breite (rollstuhlgerecht) |
Die tatsächliche lichte Breite hängt von Zargenart, Türblattstärke und Beschlägen ab. Lassen Sie sie sich vom Hersteller bestätigen oder messen Sie an der eingebauten Tür nach. Auch die Höhe lohnt einen Blick: Die Standardhöhe mit 2010 mm Rohbaumaß und 1985 mm Türblatthöhe ergibt eine lichte Höhe von knapp 2 m und bleibt damit unter den 205 cm der Norm. Im Neubau wird dafür in der Regel das Rohbaumaß 2135 mm gewählt. Im Bestand ist die Höhe für Rollator und Rollstuhl meist unkritisch; entscheidend ist hier die Breite. Die Maßtabellen der Norm erläutert BauNetz Wissen.
Warum 80 cm manchmal nicht reichen
Viele handbetriebene Rollstühle sind etwa 60 bis 70 cm breit. Hinzu kommen die Hände an den Greifreifen und ein kleiner Spielraum zum Manövrieren. Wer frontal durch eine Tür fährt und sie davor noch öffnen und danach schließen muss, braucht deshalb mehr als nur die Rollstuhlbreite. Messen Sie bei der Planung immer das tatsächlich genutzte Hilfsmittel und machen Sie im Zweifel eine Probefahrt durch eine vergleichbare Tür. Bei Elektrorollstühlen, Pflegebetten oder Duschrollstühlen mit Schiebeperson sind 90 cm oder mehr sinnvoll.
Welche Türart eignet sich?
Nicht immer muss eine Wandöffnung vergrößert werden. Die Wahl der Türart kann Platz schaffen und den Umbau vereinfachen:
| Türart | Vorteile | Nachteile | Gut geeignet für |
|---|---|---|---|
| Drehflügeltür | Günstig, dicht, gut schallgedämmt | Braucht Platz zum Aufschwenken; schwierig aus dem Rollstuhl zu öffnen und zu schließen | Räume mit ausreichend Bewegungsfläche |
| Schiebetür vor der Wand | Kein Schwenkbereich, oft ohne Wandeingriff nachrüstbar, Türblatt kann breiter sein als die Öffnung | Weniger dicht und schallgedämmt; Wandfläche neben der Tür muss frei bleiben | Bad, WC, Schlafzimmer im Bestand |
| Schiebetür in der Wand (Taschen- oder Einbauschiebetür) | Verschwindet komplett, Wand bleibt nutzbar | Aufwendiger Einbau, Eingriff in die Wand | Neubau, größere Umbauten |
| Falttür | Wenig Platzbedarf | Geringere lichte Breite durch gefaltetes Türblatt, empfindlicher | Abstellräume, Nischen |
| Pendeltür | Öffnet in beide Richtungen | Kann zurückschwingen und Personen treffen; für Wohnungen selten sinnvoll | Nur in Ausnahmefällen |
| Automatische Tür | Öffnet per Taster, Funk oder Sensor ohne Kraftaufwand | Höhere Kosten, Strom- und Wartungsbedarf | Eingangstüren, stark genutzte Durchgänge, Rollstuhlnutzung |
Im Bad ist die Schiebetür vor der Wand oft die elegantste Lösung: Sie schlägt nicht in den Raum, lässt sich aus dem Rollstuhl mit einem Bügelgriff leicht bewegen und kann mit einem von außen entriegelbaren Schloss ausgestattet werden. Weitere Anforderungen an das Bad erklärt der Ratgeber zum barrierefreien Bad.
Schwellen loswerden: Lösungen im Überblick
Schwellen sind die häufigste Stolperfalle an Türen. Selbst 1 bis 2 cm können für einen Rollator oder die kleinen Vorderräder eines Rollstuhls ein echtes Hindernis sein. So lassen sich Schwellen beseitigen oder entschärfen:
- Innentüren: Alte Holzschwellen ausbauen und den Bodenbelag durchgehend verlegen oder mit einem flachen Übergangsprofil verbinden. Für Schall- und Zugluftschutz gibt es absenkbare Bodendichtungen, die beim Schließen automatisch herunterfahren.
- Wohnungseingangstür: Hier ist oft eine Dichtung nötig. Eine absenkbare Bodendichtung oder eine Magnetdichtung ermöglicht eine nahezu schwellenlose Lösung. Bei Brand- oder Rauchschutzanforderungen muss das System dafür zugelassen sein.
- Balkon- und Terrassentür: Der schwierigste Fall, weil Regenwasser abgeleitet werden muss. Lösungen sind Nullschwellen-Systeme mit Entwässerungsrinne vor der Tür oder eine Anhebung des Außenbelags. Mehr dazu im Ratgeber barrierefreier Balkon und Terrasse.
- Übergangslösung: Kleine Schwellenrampen aus Gummi oder Aluminium helfen kurzfristig, sind aber selbst eine Stolperkante und sollten nur übergangsweise genutzt werden.
Auch Höhenunterschiede zwischen Bodenbelägen, etwa zwischen Fliesen und Parkett, sind häufige Stolperfallen. Welche Beläge sich eignen, zeigt der Ratgeber zu den Bodenbelägen.
Griffe, Schlösser und Bedienkräfte
- Drücker statt Knauf: Bügel- oder L-förmige Drücker lassen sich auch mit schwachen oder steifen Händen, mit der Faust oder dem Ellenbogen bedienen. Drehknäufe sind ungeeignet.
- Höhe: in der Regel 85 cm über dem fertigen Fußboden. Diese Höhe ist sowohl im Stehen als auch aus dem Rollstuhl gut erreichbar.
- Zuziehgriff: Ein waagerechter Griff auf der Innenseite der Tür erleichtert Rollstuhlnutzern das Zuziehen hinter sich.
- Leichtgängigkeit: Die Tür muss sich mit wenig Kraft öffnen und schließen lassen. Türschließer, etwa an der Wohnungseingangstür, sollten auf eine geringe Schließkraft eingestellt oder durch Freilauf-Türschließer ersetzt werden. Diese lassen die Tür frei bewegen und schließen sie nur im Brandfall automatisch.
- Schlösser: Große, gut greifbare Schlüssel oder elektronische Schlösser mit Code, Chip oder App. An Bad und WC ein Schloss mit Notentriegelung von außen.
- Kontraste: Türen, Zargen und Drücker sollten sich farblich deutlich von der Wand abheben. Das hilft Menschen mit Sehbeeinträchtigung und Demenz bei der Orientierung.
Glastüren sicher gestalten
Ganzglastüren und große Glasflächen werden leicht übersehen. Nach DIN 18040 müssen sie mit kontrastreichen Markierungen in zwei Höhenbereichen gekennzeichnet sein: zwischen 40 und 70 cm sowie zwischen 120 und 160 cm über dem Fußboden. So erkennen sie Menschen im Stehen, im Sitzen und mit eingeschränktem Sehen.
Automatische Türen und Türantriebe
Für Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder kaum Kraft in Armen und Händen haben, kann ein automatischer Türantrieb die Selbstständigkeit entscheidend verbessern. Nachrüstbare Drehtürantriebe werden auf die bestehende Tür montiert und öffnen per Taster, Funkfernbedienung oder Smartphone. Für Wohnungen eignen sich vor allem sogenannte Low-Energy-Antriebe, die langsam und mit geringer Kraft arbeiten.
Für die Anordnung der Taster gibt die DIN 18040-2 Anhaltspunkte:
- Tasterhöhe in der Regel 85 cm (Achsmaß)
- Abstand des Tasters zur Tür bei Drehflügeltüren in Öffnungsrichtung mind. 250 cm, in Schließrichtung mind. 150 cm, damit man nicht vom aufschwenkenden Türblatt getroffen wird
- Bei seitlicher Anfahrt mind. 50 cm Abstand zur Hauptschließkante
Automatische Türen brauchen einen Stromanschluss, eine Notöffnung bei Stromausfall und regelmäßige Wartung. Bei Menschen mit Demenz ist Vorsicht geboten: Eine Tür, die sich auf Knopfdruck öffnet, kann das unbemerkte Verlassen der Wohnung erleichtern. Hier sind eher Türsensoren sinnvoll, die Angehörige informieren. Mehr dazu im Ratgeber Weglauftendenz und nächtliche Unruhe sowie im Beitrag Smart Home für Senioren.
Bestehende Türen barrierefrei machen: Schritt für Schritt
- Nachmessen: Lichte Breite bei vollständig geöffneter Tür, lichte Höhe, Schwellenhöhe und die freie Fläche vor und hinter jeder Tür erfassen. Unsere Checkliste für barrierefreies Wohnen hilft dabei.
- Einfache Lösungen prüfen: Reicht es, die Tür auszuhängen, den Anschlag zu wechseln, eine Schiebetür vor die Wand zu setzen oder schmalere Zargen und Bänder zu verwenden? Mit sogenannten Aufschraubbändern oder speziellen Zargen lassen sich oft einige Zentimeter gewinnen.
- Wandöffnung vergrößern: Reichen die Maßnahmen nicht, wird die Öffnung verbreitert. Bei tragenden Wänden sind ein Statiker und in der Regel ein neuer Sturz nötig. Auch Leitungen in der Wand müssen berücksichtigt werden.
- Zustimmung klären: In der Mietwohnung ist die Erlaubnis des Vermieters nötig. Nach § 554 BGB haben Mieter darauf einen Anspruch, wenn der Umbau dem Vermieter zumutbar ist, siehe barrierefreier Umbau in der Mietwohnung. Betrifft die Maßnahme das Gemeinschaftseigentum einer Eigentumswohnung, etwa die Hauseingangstür, entscheidet die Eigentümergemeinschaft; nach § 20 Abs. 2 WEG können Eigentümer solche angemessenen Veränderungen verlangen.
- Brandschutz beachten: Wohnungseingangstüren zum Treppenhaus müssen je nach Gebäude bestimmte Brand- oder Rauchschutzanforderungen erfüllen. Hier dürfen nur dafür zugelassene Türen, Dichtungen und Türschließer eingebaut werden.
- Förderung beantragen, dann beauftragen: Anträge bei Pflegekasse oder KfW immer vor der Auftragsvergabe stellen.
Innentüren sind in der Regel genehmigungsfrei. Bei Eingriffen in tragende Wände, bei Denkmalschutz oder bei Türen in Rettungswegen kann eine Genehmigung oder Abstimmung mit der Bauaufsicht erforderlich sein.
Was kosten barrierefreie Türen?
Die folgenden Spannen sind grobe Orientierungswerte je Tür. Die tatsächlichen Kosten hängen stark von Wandaufbau, Region, Türqualität und Handwerkerverfügbarkeit ab; verbindlich sind nur Angebote.
| Maßnahme | Grobe Kostenspanne |
|---|---|
| Drücker tauschen, Zuziehgriff, Türschließer einstellen | ca. 50 bis 300 € |
| Schwelle entfernen und Übergang anpassen | ca. 150 bis 600 € |
| Anschlag wechseln, z. B. Badtür nach außen | ca. 200 bis 600 € |
| Schiebetür vor der Wand nachrüsten | ca. 500 bis 1.500 € |
| Neue Innentür mit Zarge ohne Wandeingriff | ca. 500 bis 1.200 € |
| Wandöffnung verbreitern inkl. neuer Tür (nicht tragende Wand) | ca. 1.000 bis 2.500 € |
| Wandöffnung in tragender Wand inkl. Statik und Sturz | ca. 2.000 bis 5.000 € und mehr |
| Nachrüstbarer automatischer Drehtürantrieb | ca. 1.500 bis 4.000 € |
| Absenkbare Bodendichtung an der Wohnungseingangstür | ca. 150 bis 500 € |
Förderung 2026
| Förderweg | Umfang | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Pflegekasse (§ 40 Abs. 4 SGB XI) | Bis 4.180 € je Maßnahme; leben mehrere Pflegebedürftige in einer Wohnung, bis 16.720 € | Pflegegrad 1 bis 5, Antrag vor Beginn der Arbeiten |
| KfW-Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“ | Zinsverbilligter Kredit bis 50.000 € je Wohneinheit | Eigentümer und Mieter, unabhängig vom Alter; Antrag über die Hausbank vor Beginn |
| KfW-Zuschuss 455-B | Für 2026 ausgeschöpft, seit Ende Juli 2026 keine neuen Anträge | Ob 2027 wieder Mittel bereitstehen, ist offen |
| Unfallversicherung, Rentenversicherung, Eingliederungshilfe | Wohnungshilfe je nach Ursache und Zweck | z. B. nach Arbeitsunfall (§ 41 SGB VII) oder zur Teilhabe am Arbeitsleben |
| Finanzamt | 20 % der Handwerker-Arbeitskosten, max. 1.200 €/Jahr (§ 35a EStG), oder außergewöhnliche Belastung (§ 33 EStG) bei krankheits- oder behinderungsbedingten Umbauten | Nur selbst getragene Kosten, keine Doppelberücksichtigung |
So gehen Sie beim Antrag an die Pflegekasse vor: Holen Sie Kostenvoranschläge ein – zwei oder drei Angebote sind empfehlenswert, aber keine Pflicht – und reichen Sie diese mit einer kurzen Begründung ein, wie die Maßnahme die Pflege erleichtert oder die Selbstständigkeit fördert. Viele Kassen stellen dafür ein eigenes Formular bereit. Die Pflegekasse muss innerhalb von drei Wochen entscheiden, bei Beteiligung des Medizinischen Dienstes oder einer Pflegefachperson innerhalb von fünf Wochen (§ 40 Abs. 7 SGB XI). Wichtig: Alle zum Zeitpunkt der Bewilligung nötigen Anpassungen – etwa Türen, Bad und Schwellen – gelten als eine Maßnahme. Planen Sie deshalb vollständig, bevor Sie den Antrag stellen.
Aktuelle Informationen veröffentlichen das Bundesgesundheitsministerium und die KfW. Ausführlich zu Antrag und Begründung: wohnumfeldverbessernde Maßnahmen und Wohnungsanpassung bei Pflegegrad. Noch kein Pflegegrad? Dann lesen Sie, wie Sie einen Pflegegrad beantragen.
Drei Praxisbeispiele
Die Beträge sind Beispielwerte zur Veranschaulichung.
Beispiel 1: Rollstuhl nach Unfall, 52 Jahre, Einfamilienhaus, Pflegegrad 3
Nach einem Freizeitunfall ist Herr M. auf den Rollstuhl angewiesen. Das Haus aus den 1980er-Jahren hat 76er-Türen zu Bad und Schlafzimmer.
| Position | Kosten |
|---|---|
| Zwei Innentüren verbreitern auf 90 cm lichte Breite (nicht tragende Wände) | 4.200 € |
| Schwellen entfernen, Übergänge angleichen | 900 € |
| Automatischer Antrieb an der Haustür mit Funkfernbedienung | 3.400 € |
| Summe | 8.500 € |
| Zuschuss Pflegekasse (eine Maßnahme) | – 4.180 € |
| Eigenanteil | 4.320 € |
Den Eigenanteil finanziert Familie M. über den KfW-Kredit 159. Weil es sich um einen Freizeitunfall handelt, ist die gesetzliche Unfallversicherung nicht zuständig. Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall wäre das anders.
Beispiel 2: Ehepaar, 78 und 82 Jahre, Mietwohnung, beide Pflegegrad 2
Frau S. hat Arthrose in den Händen, Herr S. nutzt einen Rollator. Mit Erlaubnis der Vermieterin werden alle Drehknäufe durch Bügeldrücker ersetzt, die Badtür erhält einen Außenanschlag mit Notentriegelung, drei Schwellen werden entfernt und der Türschließer an der Wohnungseingangstür wird durch einen Freilauf-Türschließer ersetzt. Kosten: 3.600 €. Weil beide Eheleute die Anpassungen gemeinsam nutzen und jeweils einen Pflegegrad haben, kann jeder Anspruchsberechtigte einen Zuschuss erhalten. Die Pflegekasse kann die Kosten damit vollständig übernehmen, sofern sie die Maßnahmen anerkennt.
Beispiel 3: Seniorin mit Makuladegeneration, 71 Jahre, Eigentumswohnung, noch ohne Pflegegrad
Frau W. sieht zunehmend schlechter und stößt an Türkanten. Sie lässt die Zargen dunkel absetzen, kontrastreiche Drücker montieren und Bewegungsmelder-Leuchten an den Durchgängen installieren. Kosten: rund 1.400 €. Ohne Pflegegrad gibt es keinen Zuschuss der Pflegekasse. Die Handwerkerkosten kann sie aber anteilig steuerlich geltend machen. Parallel prüft sie, ob ein Pflegegrad 1 infrage kommt. Beratung zu Sehbehinderung im Alltag bietet der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband.
Sieben typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
- Türblatt statt lichter Breite gemessen: Eine „86er Tür“ hat nicht 86 cm Durchgang. Immer die lichte Breite bei geöffneter Tür prüfen.
- Nur die Tür, nicht die Fläche davor geplant: Ohne Bewegungsfläche lässt sich auch eine breite Tür aus dem Rollstuhl nicht öffnen.
- Badtür schlägt nach innen: Im Notfall blockiert eine gestürzte Person die Tür.
- Schwellen unterschätzt: Auch 2 cm können mit Rollator oder kleinen Vorderrädern hinderlich sein. Wo möglich, ganz schwellenlos planen.
- Zu starke Türschließer: Eine schwergängige Wohnungseingangstür schließt Menschen mit wenig Kraft praktisch ein.
- Brandschutz ignoriert: An Wohnungseingangstüren zum Treppenhaus dürfen nur zugelassene Bauteile eingesetzt werden.
- Förderantrag zu spät gestellt: Wer vor dem Bescheid beauftragt, riskiert den Zuschuss.
Wenn Umbauten allein nicht mehr reichen
Barrierefreie Türen machen die Wohnung sicherer und erleichtern jede Form der Unterstützung. Sie ersetzen aber keine Hilfe, wenn jemand beim Aufstehen, beim Waschen oder beim Weg durch die Wohnung auf eine andere Person angewiesen ist. Spätestens bei häufigen Stürzen, bei nächtlicher Unruhe oder wenn Angehörige die Betreuung nicht mehr leisten können, stellt sich die Frage nach zusätzlicher Unterstützung.
Eine Möglichkeit ist die 24-Stunden-Betreuung durch eine im Haushalt lebende, vermittelte Betreuungskraft. Sie hilft bei der Grundpflege, beim Gehen und bei Transfers, im Haushalt und im Alltag und ist ansprechbar, wenn etwas passiert – mit festen Ruhe- und Freizeiten. Medizinische Behandlungspflege übernimmt weiterhin ein ambulanter Pflegedienst. Wie schnell eine Betreuung beginnen kann, erklärt der Ratgeber Dauer bis zum Betreuungsbeginn, die Kosten der Beitrag Kosten der 24-Stunden-Pflege 2026.
Umbau und Betreuung schließen sich dabei nicht aus. Breite Türen und schwellenlose Übergänge erleichtern auch die Arbeit einer Betreuungskraft, etwa beim Schieben eines Rollstuhls. Voraussetzung für die Betreuung ist ein eigenes Zimmer für die Betreuungskraft, siehe räumliche Voraussetzungen. Eine erste Einschätzung Ihrer Situation erhalten Sie über unseren Fragebogen zur 24-Stunden-Pflege.
Häufige Fragen zu barrierefreien Türen
Wie breit muss eine barrierefreie Tür sein?
Nach DIN 18040-2 brauchen Türen innerhalb einer barrierefrei nutzbaren Wohnung eine lichte Breite von mindestens 80 cm, in rollstuhlgerechten Wohnungen mindestens 90 cm. Haus- und Wohnungseingangstüren müssen immer mindestens 90 cm lichte Breite haben. Die lichte Höhe beträgt mindestens 205 cm.
Welches Rohbaumaß brauche ich für eine barrierefreie Tür?
Eine Standardtür mit Rohbaumaß 885 mm und Türblattbreite 860 mm erreicht je nach Zarge und Beschlag oft nur knapp 80 cm lichte Breite. Für die 90 cm des Rollstuhl-Standards ist in der Regel ein Rohbaumaß von 1010 mm mit 985 mm Türblattbreite nötig. Entscheidend ist immer die tatsächlich gemessene lichte Breite.
Wie hoch darf eine Türschwelle bei barrierefreien Türen sein?
Untere Türanschläge und Schwellen sind nach DIN 18040-2 grundsätzlich nicht vorgesehen. Sind sie technisch unvermeidbar, etwa an Wohnungseingangs- oder Balkontüren, dürfen sie höchstens 2 cm hoch sein. Für Innentüren gibt es absenkbare Bodendichtungen, die eine Schwelle überflüssig machen.
In welche Richtung muss die Badezimmertür öffnen?
Türen zu Bad und WC dürfen nach DIN 18040-2 nicht in den Sanitärraum aufschlagen und müssen von außen entriegelt werden können. Geeignet sind nach außen öffnende Drehflügeltüren oder Schiebetüren. So kommen Helfer auch dann ins Bad, wenn eine gestürzte Person hinter der Tür liegt.
Was kostet es, eine Tür zu verbreitern?
Bei einer nicht tragenden Wand kostet die Verbreiterung inklusive neuer Tür häufig 1.000 bis 2.500 Euro. Bei tragenden Wänden sind wegen Statik und neuem Sturz oft 2.000 bis 5.000 Euro und mehr nötig. Eine Schiebetür vor der Wand ist mit rund 500 bis 1.500 Euro häufig die günstigere Alternative.
Zahlt die Pflegekasse barrierefreie Türen?
Ja, bei vorhandenem Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse barrierefreie Türen als wohnumfeldverbessernde Maßnahme mit bis zu 4.180 Euro je Maßnahme. Leben mehrere Pflegebedürftige in einer Wohnung, sind bis zu 16.720 Euro möglich. Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.
Gibt es 2026 einen KfW-Zuschuss für barrierefreie Türen?
Nein. Der KfW-Zuschuss 455-B ist für 2026 ausgeschöpft, seit Ende Juli 2026 werden keine neuen Anträge angenommen. Verfügbar bleibt der zinsverbilligte KfW-Kredit 159 mit bis zu 50.000 Euro je Wohneinheit.
Sind automatische Türen in der Wohnung sinnvoll?
Für Rollstuhlnutzer und Menschen mit wenig Kraft in den Armen können automatische Türantriebe die Selbstständigkeit deutlich verbessern, vor allem an Haus- und Wohnungseingangstüren. Sie brauchen Strom, eine Notöffnung und regelmäßige Wartung. Bei Demenz mit Weglauftendenz sind sie dagegen oft ungeeignet.
Fazit: Türen sind die Nadelöhre der Wohnung
Barrierefreie Türen entscheiden darüber, ob sich jemand selbstständig durch die eigene Wohnung bewegen kann. Mit den richtigen Maßen und einer klugen Wahl der Türart lassen sich viele Hindernisse ohne großen Umbau beseitigen.
- Messen Sie die lichte Breite, nicht das Türblatt: mindestens 80 cm, im Rollstuhl 90 cm, am Eingang immer 90 cm.
- Planen Sie die Bewegungsflächen vor und hinter der Tür mit.
- Beseitigen Sie Schwellen konsequent und nutzen Sie absenkbare Dichtungen.
- Prüfen Sie Schiebetüren, Anschlagwechsel und neue Zargen, bevor Sie Wände öffnen.
- Stellen Sie den Förderantrag vor der Auftragsvergabe und bündeln Sie alle Anpassungen in einem Antrag.
Türen sind ein Teil der ganzen Wohnung. Wie Sie weitere Bereiche prüfen, zeigt die Checkliste. Wie Sie die Wohnung vorausschauend für die kommenden Jahre planen, lesen Sie im Ratgeber Barrierefreies Wohnen im Alter. Für den Weg bis zur Wohnungstür helfen die Ratgeber barrierefreier Hauseingang, Rollstuhlrampe und Treppenlift. Einen Überblick über alle Förderwege gibt der Beitrag Zuschüsse und Förderungen für barrierefreies Wohnen, die Grundbegriffe erklärt das Glossar zur Wohnraumanpassung.
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Fachplanung durch Architekten, Tischler oder Sachverständige. Normangaben sind eine vereinfachte Darstellung der DIN 18040-2 und DIN 18101. Kostenangaben und Rechenbeispiele sind unverbindliche Orientierungswerte. Angaben zu Leistungen und Förderprogrammen entsprechen dem Stand September 2026; maßgeblich sind die Entscheidungen der zuständigen Kostenträger. PflegeHeimat ist Vermittler von Betreuungskräften und selbst kein Pflegedienst.
Stand: September 2026
