Wirksame Maßnahmen für mehr Lebensqualität im Alltag
Wenn die Kontrolle über Blase oder Darm nachlässt, verändert sich der Alltag grundlegend. Viele Betroffene ziehen sich zurück, meiden soziale Kontakte und verlieren an Lebensfreude. Dabei muss Inkontinenz kein unabwendbares Schicksal sein: Mit gezieltem Inkontinenz-Training und konsequenten Maßnahmen bei Inkontinenz lassen sich Symptome oft deutlich verbessern oder sogar vollständig beheben.
Über 9 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Inkontinenz – doch nur ein Bruchteil nutzt die verfügbaren Trainingsmethoden. Viele wissen nicht, dass die Beckenbodenmuskulatur trainierbar ist wie jeder andere Muskel im Körper. Andere scheuen den Weg zum Arzt aus Scham oder Unwissenheit. Das Ergebnis: vermeidbare Einschränkungen der Lebensqualität, soziale Isolation und unnötige Kosten für Hilfsmittel.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Inkontinenz-Maßnahmen wissenschaftlich fundiert sind, wie Sie ein effektives Trainingsprogramm in Ihren Alltag integrieren und wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist. Sie erfahren, welche Übungen bei welcher Inkontinenzform helfen, wie Sie Ihre Fortschritte dokumentieren und welche Rolle Ernährung, Flüssigkeitsmanagement und Verhaltensänderungen spielen.
Besonders wichtig: Inkontinenz-Training erfordert Geduld und Kontinuität. Erste Erfolge zeigen sich meist nach 6-8 Wochen, die volle Wirkung entfaltet sich oft erst nach 3-6 Monaten. Doch die Investition lohnt sich – für mehr Selbstbestimmung, Würde und Lebensfreude im Alltag.
Grundlagen des Inkontinenz-Trainings: Warum Training hilft
Das Verständnis der anatomischen und funktionellen Grundlagen ist entscheidend für erfolgreiches Inkontinenz-Training. Die Kontinenz – also die Fähigkeit, Urin und Stuhl willentlich zurückzuhalten – basiert auf einem komplexen Zusammenspiel von Muskeln, Nerven und Reflexen. Im Zentrum steht die Beckenbodenmuskulatur, die wie eine Hängematte zwischen den Beckenknochen gespannt ist und die Schließmuskeln von Blase und Darm unterstützt.
Bei Belastungs-Inkontinenz ist diese Muskulatur geschwächt – oft durch Schwangerschaften, Geburten, Operationen oder altersbedingten Muskelabbau. Bei Drang-Inkontinenz liegt häufig eine Überaktivität der Blasenmuskulatur vor, die durch gezieltes Training reguliert werden kann. Auch bei Mischformen aus beiden Typen zeigen Trainingsmaßnahmen gute Erfolge.
Wie Beckenbodentraining wirkt
Die Beckenbodenmuskulatur besteht aus drei Schichten: einer äußeren, mittleren und inneren Schicht mit unterschiedlichen Funktionen. Die äußere Schicht umschließt die Körperöffnungen und sorgt für den Verschluss. Die mittleren und inneren Schichten stabilisieren die Beckenorgane und unterstützen die Schließfunktion bei plötzlichem Druckanstieg – etwa beim Husten, Niesen oder Heben.
Durch regelmäßiges Training werden diese Muskeln gekräftigt, ihre Ausdauer verbessert und die neuronale Ansteuerung optimiert. Das Gehirn lernt, die Muskulatur gezielter und effizienter einzusetzen. Zusätzlich verbessert sich die Durchblutung des Gewebes, was die Regeneration fördert und die Elastizität erhöht.
Studien zeigen: 60-70% der Frauen mit Belastungs-Inkontinenz profitieren deutlich von konsequentem Beckenbodentraining. Bei Männern, etwa nach Prostata-Operationen, liegt die Erfolgsquote bei 50-60%. Selbst bei schwerer Inkontinenz lassen sich die Symptome oft lindern, auch wenn keine vollständige Heilung erreicht wird.
Blasentraining bei Drang-Inkontinenz
Während Beckenbodentraining primär die Muskulatur stärkt, zielt Blasentraining auf die Regulierung der Blasenfunktion ab. Bei Drang-Inkontinenz sendet die Blase zu früh oder zu häufig Signale, dass sie entleert werden muss – oft schon bei geringer Füllmenge. Das Gehirn interpretiert diese Signale als dringend, obwohl die Blase objektiv noch nicht voll ist.
Blasentraining nutzt verhaltenstherapeutische Ansätze, um diese fehlerhafte Signalverarbeitung zu korrigieren. Durch schrittweise Verlängerung der Intervalle zwischen den Toilettengängen lernt die Blase, größere Urinmengen zu speichern. Gleichzeitig trainiert das Gehirn, Harndrang besser zu kontrollieren und zwischen echtem Entleerungsbedarf und falschen Alarmsignalen zu unterscheiden.
Diagnostik vor dem Training: Die richtige Inkontinenzform bestimmen
Bevor Sie mit Inkontinenz-Maßnahmen beginnen, ist eine genaue Diagnose unverzichtbar. Nicht jede Trainingsmethode eignet sich für jede Inkontinenzform. Eine falsch gewählte Übung kann im schlimmsten Fall die Symptome verschlimmern oder wertvolle Zeit kosten, in der effektivere Maßnahmen hätten greifen können.
Die verschiedenen Inkontinenzformen erfordern unterschiedliche Behandlungsansätze:
| Inkontinenzform | Hauptsymptom | Primäre Trainingsmaßnahme | Erfolgsaussicht |
|---|---|---|---|
| Belastungs-Inkontinenz | Urinverlust bei Husten, Niesen, Heben | Beckenbodentraining | 60-70% |
| Drang-Inkontinenz | Plötzlicher, starker Harndrang | Blasentraining + Verhaltenstherapie | 50-60% |
| Misch-Inkontinenz | Kombination beider Symptome | Kombiniertes Programm | 40-50% |
| Überlauf-Inkontinenz | Tröpfelnder Urinverlust | Entleerungstraining + medizinische Behandlung | 30-40% |
| Stuhl-Inkontinenz | Unkontrollierter Stuhlabgang | Anales Sphinktertraining | 40-60% |
Medizinische Abklärung: Was der Arzt untersucht
Ein Urologe, Gynäkologe oder Proktologe führt zunächst eine ausführliche Anamnese durch. Wichtige Fragen betreffen die Art und Häufigkeit des Urinverlusts, Vorerkrankungen, Medikamente, Operationen und Geburten. Ein Miktionstagebuch über 3-7 Tage liefert objektive Daten über Trinkmengen, Toilettengänge und Inkontinenzepisoden.
Die körperliche Untersuchung umfasst die Beurteilung der Beckenbodenmuskulatur, die Prüfung von Reflexen und bei Frauen eine gynäkologische Untersuchung. Ergänzende Tests können sein:
- Hustentest: Urinverlust beim Husten deutet auf Belastungs-Inkontinenz hin
- Pad-Test: Gewichtsmessung der Vorlage nach standardisierter Belastung
- Urodynamische Messung: Druckmessung in Blase und Harnröhre
- Ultraschall: Beurteilung von Blase, Prostata und Beckenorganen
- Zystoskopie: Blasenspiegelung bei Verdacht auf strukturelle Probleme
Besonders bei Männern mit Inkontinenz ist die Abklärung der Prostata wichtig, da eine vergrößerte Prostata häufig Ursache für Entleerungs- und Drangsymptome ist. Bei neurologischen Grunderkrankungen wie Parkinson oder nach einem Bandscheibenvorfall müssen die Trainingsmaßnahmen entsprechend angepasst werden.
Selbsttest: Können Sie Ihren Beckenboden spüren?
Viele Menschen haben zunächst Schwierigkeiten, ihre Beckenbodenmuskulatur überhaupt wahrzunehmen. Ein einfacher Selbsttest hilft bei der Einschätzung:
Für Frauen: Führen Sie einen sauberen Finger in die Scheide ein und versuchen Sie, die Muskulatur um den Finger herum anzuspannen. Spüren Sie einen Druck? Bewegt sich der Finger nach innen-oben? Können Sie die Spannung 3-5 Sekunden halten?
Für Männer: Versuchen Sie beim Wasserlassen, den Harnstrahl zu unterbrechen. Gelingt dies? Spüren Sie eine Anspannung zwischen Hoden und After? Können Sie diese Spannung auch ohne Wasserlassen erzeugen?
Für alle: Spannen Sie die Muskulatur an, als wollten Sie einen Darmwind zurückhalten. Spüren Sie eine Bewegung nach innen-oben? Bleibt der Bauch dabei entspannt? Atmen Sie weiter?
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Muskulatur zu spüren oder gezielt anzuspannen, ist dies kein Grund zur Sorge. Genau dafür gibt es Physiotherapeuten, die auf Beckenbodentraining spezialisiert sind und Ihnen die korrekte Anspannung beibringen können.

Kostenlose Beratung zur 24-Stunden-Betreuung – professionelle Unterstützung für mehr Lebensqualität
Angebot anfordern Beraten lassenBeckenbodentraining: Die Grundübungen richtig ausführen
Das Fundament jedes Inkontinenz-Trainings bildet das Beckenbodentraining. Die Übungen lassen sich in drei Kategorien einteilen: Anspannungs-, Ausdauer- und Schnellkraftübungen. Alle drei Aspekte sind wichtig für eine funktionierende Kontinenz.
Die Basis-Anspannung: Der Beckenbodenlift
Die grundlegendste Übung ist die bewusste Anspannung der Beckenbodenmuskulatur. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Aufzug nach oben – in drei Etagen:
1. Etage: Leichte Anspannung, als würden Sie einen Darmwind zurückhalten. Die Muskulatur hebt sich minimal nach innen-oben. Halten Sie diese Spannung 3 Sekunden.
2. Etage: Verstärken Sie die Anspannung, als würden Sie zusätzlich den Harnstrahl unterbrechen wollen. Die Bewegung nach innen-oben wird deutlicher. Halten Sie 3 Sekunden.
3. Etage: Maximale Anspannung – ziehen Sie alles nach innen-oben, als würden Sie versuchen, einen Tampon oder Finger festzuhalten. Halten Sie 3 Sekunden.
Dann entspannen Sie bewusst und vollständig – das ist genauso wichtig wie die Anspannung. Atmen Sie dabei ruhig weiter, der Bauch bleibt entspannt, die Gesäßmuskulatur ebenfalls. Nur der Beckenboden arbeitet.
Trainingsplan für Einsteiger:
- 3x täglich 10 Wiederholungen (je 3 Sekunden Anspannung, 3 Sekunden Entspannung)
- Nach 2 Wochen: Haltezeit auf 5 Sekunden steigern
- Nach 4 Wochen: Haltezeit auf 8-10 Sekunden steigern
- Nach 8 Wochen: 3x täglich 15 Wiederholungen
Ausdauertraining: Lange Halteübungen
Für die Kontinenz im Alltag ist nicht nur die Kraft, sondern auch die Ausdauer der Muskulatur entscheidend. Ausdauerübungen trainieren die langsamen Muskelfasern, die für die Dauerspannung zuständig sind.
Übung: Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur mit etwa 50-60% Ihrer maximalen Kraft an – so, dass Sie die Spannung längere Zeit halten können. Beginnen Sie mit 20 Sekunden, steigern Sie schrittweise auf 60 Sekunden.
Trainingsplan:
- Woche 1-2: 5x täglich 20 Sekunden halten
- Woche 3-4: 5x täglich 30 Sekunden halten
- Woche 5-8: 5x täglich 45 Sekunden halten
- Ab Woche 9: 3x täglich 60 Sekunden halten
Wichtig: Die Entspannungsphasen zwischen den Übungen sollten mindestens so lang sein wie die Anspannungsphasen. Nur so kann sich die Muskulatur regenerieren.
Schnellkrafttraining: Der Notfall-Reflex
Bei plötzlichem Druckanstieg – etwa beim Niesen oder Husten – muss die Beckenbodenmuskulatur blitzschnell reagieren. Diese Schnellkraft trainieren Sie mit kurzen, kräftigen Anspannungen.
Übung “Schnelle Zuckungen”: Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur so schnell und kräftig wie möglich an und lassen Sie sofort wieder locker. Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen plötzlichen Harndrang sofort stoppen. Die Anspannung dauert nur 1 Sekunde, dann folgt 1 Sekunde Entspannung.
Trainingsplan:
- 2x täglich 10 schnelle Zuckungen
- Nach 4 Wochen: 2x täglich 15 Zuckungen
- Nach 8 Wochen: 2x täglich 20 Zuckungen
Diese Übung ist besonders wichtig für Menschen mit Belastungs-Inkontinenz, da sie den Reflex trainiert, der bei plötzlicher Belastung die Kontinenz sichert.
Integration in den Alltag: Übungen in verschiedenen Positionen
Die Beckenbodenmuskulatur arbeitet in jeder Körperposition anders. Deshalb sollten Sie die Übungen in verschiedenen Positionen durchführen:
Im Liegen (am einfachsten): Auf dem Rücken, Beine angewinkelt, Füße hüftbreit aufgestellt. Die Schwerkraft wirkt kaum, die Übung fällt leicht. Ideal für Einsteiger.
Im Sitzen (mittelschwer): Aufrecht auf einem Stuhl, Füße fest auf dem Boden. Die Schwerkraft wirkt stärker. Ideal für Übungen am Arbeitsplatz oder unterwegs.
Im Stehen (anspruchsvoll): Aufrecht stehen, Füße hüftbreit. Die Schwerkraft wirkt maximal, die Übung ist am anspruchsvollsten. Ideal für Fortgeschrittene.
Im Vierfüßlerstand (funktionell): Auf Händen und Knien, Rücken gerade. Diese Position entlastet den Beckenboden und eignet sich besonders bei Schmerzen oder Schwäche.
Beginnen Sie im Liegen und wechseln Sie nach 2-3 Wochen zu sitzenden Übungen. Nach weiteren 2-3 Wochen integrieren Sie Übungen im Stehen. So fordern Sie die Muskulatur progressiv und bereiten sie auf Alltagsbelastungen vor.
Blasentraining: Kontrolle über den Harndrang gewinnen
Während Beckenbodentraining die Muskulatur stärkt, zielt Blasentraining auf die Regulierung der Blasenfunktion und die Kontrolle über den Harndrang ab. Diese Maßnahmen bei Inkontinenz sind besonders bei Drang-Inkontinenz und überaktiver Blase wirksam.
Das Miktionstagebuch: Ihre Ausgangsbasis
Bevor Sie mit dem Training beginnen, führen Sie mindestens 3 Tage lang ein Miktionstagebuch. Notieren Sie:
- Uhrzeit jedes Toilettengangs
- Geschätzte Urinmenge (wenig/mittel/viel)
- Stärke des Harndrangs (1-10)
- Inkontinenzepisoden (wie viel Urin ging verloren?)
- Getränkeaufnahme (Menge und Art)
- Besondere Ereignisse (Stress, Kälte, körperliche Anstrengung)
Das Tagebuch zeigt Ihnen Muster: Gehen Sie zu häufig zur Toilette, obwohl die Blase nicht voll ist? Trinken Sie zu viel oder zu wenig? Gibt es Trigger, die Harndrang auslösen?
Normale Werte:
- Toilettengänge: 4-8x pro Tag, 0-1x pro Nacht
- Miktionsvolumen: 200-400 ml pro Toilettengang
- Gesamturinmenge: 1.000-2.000 ml pro Tag
- Trinkmenge: 1.500-2.000 ml pro Tag
Intervall-Training: Schrittweise Verlängerung der Abstände
Das Kernstück des Blasentrainings ist die schrittweise Verlängerung der Intervalle zwischen den Toilettengängen. Ziel ist es, die Blase zu “trainieren”, größere Urinmengen zu speichern und die Kontrolle über den Harndrang zu verbessern.
Phase 1: Ist-Zustand ermitteln (Woche 1)
Berechnen Sie aus Ihrem Miktionstagebuch den durchschnittlichen Abstand zwischen den Toilettengängen. Beispiel: 12 Toilettengänge in 16 Wachstunden = durchschnittlich alle 80 Minuten.
Phase 2: Basis-Intervall festlegen (Woche 2)
Addieren Sie 15-30 Minuten zu Ihrem Ist-Zustand. In unserem Beispiel: 80 + 30 = 110 Minuten (knapp 2 Stunden). Dies ist Ihr Ziel-Intervall für die nächsten 2 Wochen. Gehen Sie nur noch alle 110 Minuten zur Toilette – außer bei sehr starkem Drang oder Inkontinenzgefahr.
Phase 3: Schrittweise Steigerung (ab Woche 3)
Alle 2 Wochen verlängern Sie das Intervall um weitere 15-30 Minuten, bis Sie 3-4 Stunden zwischen den Toilettengängen erreichen. Das ist das langfristige Ziel.
| Woche | Ziel-Intervall | Toilettengänge/Tag (bei 16h Wachzeit) | Typische Herausforderung |
|---|---|---|---|
| 1-2 | 110 Minuten | 8-9x | Gewohnheiten durchbrechen |
| 3-4 | 140 Minuten | 6-7x | Harndrang aushalten lernen |
| 5-6 | 170 Minuten | 5-6x | Vertrauen in die Blase aufbauen |
| 7-8 | 180-200 Minuten | 4-5x | Stabilisierung der Erfolge |
Drang-Unterdrückung: Strategien für den Notfall
Wenn plötzlicher, starker Harndrang auftritt, bevor Ihr Ziel-Intervall erreicht ist, helfen folgende Strategien:
1. Stoppen und Konzentrieren: Bleiben Sie stehen oder setzen Sie sich. Bewegung verstärkt den Drang. Atmen Sie ruhig und tief.
2. Beckenboden anspannen: Führen Sie 5-10 schnelle, kräftige Anspannungen durch. Dies sendet ein Hemmsignal an die Blase und reduziert den Drang.
3. Ablenkung: Konzentrieren Sie sich auf etwas anderes – zählen Sie rückwärts von 100 in 7er-Schritten, benennen Sie Gegenstände im Raum, führen Sie ein Gespräch.
4. Druck auf den Damm: Drücken Sie mit der Hand oder durch Übereinanderschlagen der Beine auf den Bereich zwischen Genitalien und After. Dies kann den Drang kurzfristig reduzieren.
5. Positive Selbstinstruktion: Sagen Sie sich: “Der Drang wird wieder nachlassen. Ich habe die Kontrolle. Ich kann warten.” Negative Gedanken (“Ich schaffe es nicht!”) verstärken den Drang.
Wichtig: Gehen Sie zur Toilette, bevor es zu Urinverlust kommt. Das Training soll die Kontrolle verbessern, nicht zu Inkontinenzepisoden führen. Mit der Zeit werden Sie lernen, echten Entleerungsbedarf von falschen Alarmsignalen zu unterscheiden.
Nachtruhe verbessern: Strategien gegen Nykturie
Häufiges nächtliches Wasserlassen (Nykturie) beeinträchtigt die Schlafqualität erheblich. Folgende Inkontinenz-Maßnahmen können helfen:
- Flüssigkeitsreduktion: Trinken Sie 2-3 Stunden vor dem Schlafengehen nur noch wenig
- Doppelte Entleerung: Gehen Sie kurz vor dem Schlafengehen zweimal zur Toilette (im Abstand von 10-15 Minuten)
- Beine hochlegen: Lagern Sie nachmittags 30-60 Minuten die Beine hoch, damit Wassereinlagerungen ausgeschwemmt werden
- Kompressionsstrümpfe: Tragen Sie tagsüber Kompressionsstrümpfe bei Ödemen in den Beinen
- Medikamentenanpassung: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob entwässernde Medikamente (Diuretika) auf den Vormittag verlegt werden können
Bei mehr als 2 nächtlichen Toilettengängen sollten Sie medizinischen Rat einholen, da auch Herzinsuffizienz, Diabetes oder Schlafapnoe Ursachen sein können.

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Angebot anfordern Beraten lassenVerhaltensänderungen und Lebensstil: Unterstützende Maßnahmen
Erfolgreiches Inkontinenz-Training umfasst mehr als nur Muskelübungen. Viele Alltagsgewohnheiten beeinflussen die Blasen- und Darmfunktion erheblich. Durch gezielte Verhaltensänderungen können Sie die Wirksamkeit Ihres Trainings deutlich steigern.
Flüssigkeitsmanagement: Die richtige Balance finden
Viele Menschen mit Inkontinenz reduzieren instinktiv ihre Trinkmenge – ein Fehler, der die Situation oft verschlimmert. Zu wenig Flüssigkeit konzentriert den Urin, was die Blasenwand reizt und Harndrang verstärkt. Zudem erhöht sich das Risiko für Blasenentzündungen.
Empfohlene Trinkmenge: 1.500-2.000 ml pro Tag, gleichmäßig über den Tag verteilt. Trinken Sie alle 2-3 Stunden ein Glas Wasser, statt große Mengen auf einmal.
Günstige Getränke:
- Stilles Wasser (ideal)
- Kräutertees (Kamille, Fenchel, Melisse beruhigen die Blase)
- Verdünnte Fruchtsäfte (Verhältnis 1:3 mit Wasser)
Ungünstige Getränke (Blasenreizung, Harndrang-Verstärkung):
- Kaffee, schwarzer/grüner Tee (Koffein wirkt harntreibend)
- Alkohol (entwässernd, Blasenreizung)
- Kohlensäurehaltige Getränke (Blasenreizung)
- Zitrusfruchtsäfte (Säure reizt die Blase)
- Energydrinks (Koffein, Zucker, künstliche Zusätze)
Wenn Sie auf Kaffee nicht verzichten möchten, beschränken Sie sich auf 1-2 Tassen am Vormittag und trinken Sie zusätzlich ein Glas Wasser. So gleichen Sie die harntreibende Wirkung teilweise aus.
Ernährung: Verstopfung vermeiden, Blase schonen
Chronische Verstopfung ist ein häufiger Verstärker von Inkontinenz. Ein voller Darm drückt auf die Blase, verstärkt Harndrang und schwächt den Beckenboden. Bei Stuhl-Inkontinenz ist Verstopfung oft direkte Ursache: Harter Stuhl dehnt den Enddarm, flüssiger Stuhl läuft daran vorbei (Überlauf-Inkontinenz).
Darmfreundliche Ernährung:
- Ballaststoffe: 30g pro Tag aus Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten
- Ausreichend Flüssigkeit: Ballaststoffe quellen nur mit genug Wasser
- Probiotika: Joghurt, Kefir, Sauerkraut unterstützen die Darmflora
- Regelmäßige Mahlzeiten: Feste Essenszeiten regulieren die Darmtätigkeit
Blasenreizende Lebensmittel meiden:
- Scharfe Gewürze (Chili, Pfeffer)
- Säurehaltige Lebensmittel (Tomaten, Zitrusfrüchte in großen Mengen)
- Künstliche Süßstoffe (Aspartam kann die Blase reizen)
- Sehr salzige Speisen (verstärken Durst und Harndrang)
Gewichtsreduktion: Entlastung für den Beckenboden
Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für Inkontinenz. Jedes Kilogramm Übergewicht erhöht den Druck auf Beckenboden und Blase. Studien zeigen: Eine Gewichtsreduktion von 5-10% kann die Inkontinenz-Symptome um 50-70% verbessern.
Realistische Ziele setzen: Streben Sie eine langsame, nachhaltige Gewichtsabnahme von 0,5-1 kg pro Woche an. Radikaldiäten führen meist zum Jo-Jo-Effekt und belasten den Körper zusätzlich.
Bewegung integrieren: Kombinieren Sie Gewichtsreduktion mit moderater Bewegung. Ideal sind Sportarten, die den Beckenboden nicht belasten:
- Schwimmen, Aqua-Fitness
- Radfahren (auf ergonomischem Sattel)
- Walking, Nordic Walking
- Yoga, Pilates (mit Beckenboden-Fokus)
Zu vermeiden: Sportarten mit hoher Stoßbelastung wie Joggen, Tennis, Trampolinspringen belasten den geschwächten Beckenboden zusätzlich. Steigen Sie erst wieder ein, wenn Ihre Beckenbodenmuskulatur ausreichend gestärkt ist.
Toiletten-Verhalten optimieren
Auch die Art und Weise, wie Sie zur Toilette gehen, beeinflusst die Kontinenz:
Richtige Sitzposition: Setzen Sie sich vollständig hin, Füße flach auf dem Boden oder auf einem Hocker (Hockstellung erleichtert die Entleerung). Lehnen Sie sich leicht nach vorn, Ellenbogen auf den Oberschenkeln. Entspannen Sie Beckenboden und Bauch.
Nicht pressen: Starkes Pressen beim Wasserlassen oder Stuhlgang schwächt den Beckenboden langfristig. Lassen Sie sich Zeit, atmen Sie ruhig. Bei Verstopfung: Nicht pressen, sondern Ernährung und Bewegung optimieren.
Vollständige Entleerung: Nach dem Wasserlassen kurz warten, dann leicht nach vorn beugen – oft kommt noch etwas Urin nach. Dies verhindert Restharngefühl und häufige Toilettengänge.
Keine “vorsorglichen” Toilettengänge: Gehen Sie nur zur Toilette, wenn Sie wirklich Harndrang verspüren – nicht “sicherheitshalber” vor dem Verlassen des Hauses. Dies trainiert die Blase, bei geringen Füllmengen Signale zu senden, und verstärkt langfristig die Problematik.
Medizinische Unterstützung: Wann Hilfsmittel und Medikamente sinnvoll sind
Trotz konsequenten Trainings reichen Maßnahmen bei Inkontinenz manchmal nicht aus. In diesen Fällen können medizinische Behandlungen, Medikamente oder Hilfsmittel das Training ergänzen oder überbrücken, bis die Muskulatur ausreichend gestärkt ist.
Biofeedback und Elektrostimulation
Biofeedback macht die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur sichtbar oder hörbar. Über Sensoren in der Scheide oder am After werden Muskelkontraktionen gemessen und auf einem Bildschirm dargestellt oder als Ton wiedergegeben. Dies hilft besonders Menschen, die Schwierigkeiten haben, die richtige Muskulatur zu spüren und anzusteuern.
Eine Biofeedback-Therapie umfasst typischerweise 8-12 Sitzungen beim Physiotherapeuten. Die Kosten werden bei medizinischer Indikation von den Krankenkassen übernommen. Zwischen den Sitzungen üben Sie zu Hause mit einem Trainingsheft.
Elektrostimulation nutzt schwache elektrische Impulse, um die Beckenbodenmuskulatur passiv zu trainieren. Dies ist sinnvoll bei sehr schwacher Muskulatur, neurologischen Erkrankungen oder wenn die aktive Anspannung nicht gelingt. Die Elektroden werden vaginal oder rektal eingeführt, die Behandlung ist schmerzfrei.
Elektrostimulation ersetzt nicht das aktive Training, sondern ergänzt es in der Anfangsphase. Sobald Sie die Muskulatur bewusst ansteuern können, sollten Sie auf aktives Training umsteigen.
Pessare bei Belastungs-Inkontinenz
Ein Pessar ist ein Silikonring oder -würfel, der in die Scheide eingeführt wird und die Harnröhre von unten stützt. Bei Belastungs-Inkontinenz kann dies die Symptome sofort lindern und das Training überbrücken, bis die Beckenbodenmuskulatur ausreichend gestärkt ist.
Pessare gibt es in verschiedenen Größen und Formen. Die Anpassung erfolgt durch einen Gynäkologen. Viele Frauen können das Pessar selbst einsetzen und entfernen, andere lassen dies regelmäßig in der Praxis durchführen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Vorteile: Sofortige Wirkung, nicht-invasiv, reversibel, ermöglicht Sport und körperliche Aktivität
Nachteile: Muss regelmäßig gereinigt werden, kann Scheidentrockenheit oder Infektionen verursachen, nicht für alle Frauen geeignet
Medikamentöse Behandlung bei Drang-Inkontinenz
Bei Drang-Inkontinenz und überaktiver Blase können Medikamente die Blasenmuskulatur entspannen und den Harndrang reduzieren. Die wichtigsten Wirkstoffgruppen sind:
Anticholinergika (z.B. Tolterodin, Solifenacin) blockieren Nervensignale, die die Blasenmuskulatur zur Kontraktion anregen. Sie reduzieren Harndrang und Häufigkeit der Toilettengänge. Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Verstopfung, verschwommenes Sehen, Gedächtnisprobleme (besonders bei älteren Menschen).
Beta-3-Agonisten (z.B. Mirabegron) entspannen die Blasenmuskulatur über einen anderen Mechanismus und haben weniger Nebenwirkungen als Anticholinergika. Sie eignen sich besonders für ältere Menschen oder bei Unverträglichkeit von Anticholinergika.
Wichtig: Medikamente allein heilen Inkontinenz nicht. Sie sollten immer mit Verhaltenstherapie und Training kombiniert werden. Viele Patienten können nach erfolgreicher Trainingsphase die Medikamente reduzieren oder absetzen.
Katheter und Ableitungssysteme
Bei Überlauf-Inkontinenz oder unvollständiger Blasenentleerung kann Katheterisierung notwendig sein. Unterschieden werden:
Einmalkatheterisierung (ISK): Der Betroffene oder eine Pflegeperson führt mehrmals täglich einen sterilen Katheter ein, um die Blase zu entleeren. Dies ist die schonendste Form bei chronischer Entleerungsstörung.
Dauerkatheter: Ein Katheter verbleibt dauerhaft in der Blase. Dies ist nur bei schwerer Inkontinenz oder Blasenentleerungsstörung sinnvoll, da langfristig das Infektionsrisiko steigt.
Suprapubischer Katheter: Der Katheter wird durch die Bauchdecke in die Blase gelegt. Dies ist angenehmer als ein transurethraler Katheter und reduziert Infektionen.
Bei Urostoma – einer künstlichen Harnableitung durch die Bauchdecke – ist spezialisierte Pflege erforderlich. Dies kommt meist nach Blasenoperationen bei Krebs oder schweren Blasenfunktionsstörungen zum Einsatz.
Spezielle Situationen: Training bei Grunderkrankungen
Bestimmte Erkrankungen erfordern angepasste Inkontinenz-Maßnahmen. Die Standardübungen müssen modifiziert werden, um den besonderen Bedürfnissen und Einschränkungen gerecht zu werden.
Inkontinenz bei Demenz: Training mit kognitiven Einschränkungen
Inkontinenz bei Demenz hat oft mehrere Ursachen: Die Betroffenen vergessen, zur Toilette zu gehen, erkennen Harndrang nicht rechtzeitig oder finden die Toilette nicht. Klassisches Blasentraining funktioniert hier meist nicht, stattdessen sind strukturierte Toilettengänge hilfreich.
Zeitplan-Toilettentraining: Führen Sie die Person alle 2-3 Stunden zur Toilette, unabhängig davon, ob sie Harndrang äußert. Nutzen Sie feste Zeiten (z.B. nach dem Aufstehen, vor und nach den Mahlzeiten, vor dem Schlafengehen). Dokumentieren Sie Erfolge und passen Sie die Intervalle an.
Umgebungsanpassung:
- Deutliche Beschilderung der Toilette (Bild + Text)
- Nachtlicht im Flur und Badezimmer
- Kontrastreiche Toilettenbrille (erleichtert das Erkennen)
- Einfache, schnell zu öffnende Kleidung (Hosen mit Gummizug statt Knöpfen)
Kommunikation: Achten Sie auf nonverbale Signale für Harndrang: Unruhe, Nesteln an der Kleidung, Hinlaufen zu einer Ecke. Reagieren Sie sofort und begleiten Sie zur Toilette. Vermeiden Sie Vorwürfe bei Inkontinenzepisoden – dies verstärkt Scham und Rückzug.
Inkontinenz nach Prostata-Operation
Nach Prostata-Operationen leiden viele Männer unter vorübergehender oder dauerhafter Inkontinenz. Die Schließmuskeln oder Nerven können bei der Operation geschädigt werden. Intensives Beckenbodentraining sollte bereits vor der Operation beginnen und unmittelbar danach fortgesetzt werden.
Präoperatives Training: 4-6 Wochen vor der Operation täglich Beckenbodenübungen durchführen. Studien zeigen: Männer, die präoperativ trainieren, erlangen schneller Kontinenz zurück.
Postoperatives Training: Beginnen Sie am Tag nach der Katheterentfernung mit sanften Anspannungen (5-10 Sekunden halten, 10 Wiederholungen, 3x täglich). Steigern Sie schrittweise Intensität und Dauer.
Hilfsmittel überbrücken: In den ersten Wochen sind Vorlagen meist notwendig. Wählen Sie diskrete, saugfähige Modelle speziell für Männer. Die Kontinenz verbessert sich meist über 3-12 Monate kontinuierlich.
Realistische Erwartungen: 90% der Männer erlangen innerhalb eines Jahres die Kontinenz zurück oder haben nur leichte Symptome. Bei 10% bleibt eine behandlungsbedürftige Inkontinenz bestehen – hier können operative Verfahren (künstlicher Schließmuskel, Schlinge) helfen.
Inkontinenz bei Parkinson
Parkinson beeinträchtigt die Blasenfunktion auf mehreren Ebenen: Die Nervensignale zwischen Gehirn und Blase sind gestört, die Beweglichkeit ist eingeschränkt, Medikamente können die Symptome verstärken oder abschwächen. Hier ist ein multimodaler Ansatz notwendig.
Medikamentenanpassung: Besprechen Sie mit Ihrem Neurologen, ob die Parkinson-Medikamente optimiert werden können. Manchmal verbessert eine Anpassung der Dosis oder des Zeitpunkts die Blasenkontrolle.
Beweglichkeit erhalten: Physiotherapie und Bewegungstraining sind essentiell. Je besser die Mobilität, desto schneller erreichen Sie die Toilette. Nutzen Sie Hilfsmittel wie Rollatoren, Haltegriffe, erhöhte Toilettensitze.
Beckenbodentraining anpassen: Die Übungen müssen langsamer und mit mehr Konzentration durchgeführt werden. Nutzen Sie Biofeedback, um die Muskelansteuerung zu verbessern. Üben Sie in Phasen guter Beweglichkeit (wenn die Medikamente gut wirken).
Zeitplan-Training: Gehen Sie regelmäßig zur Toilette, bevor starker Harndrang entsteht. Die Kombination aus verlangsamter Bewegung und plötzlichem Harndrang führt sonst oft zu Inkontinenzepisoden.
Inkontinenz nach Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall im unteren Rückenbereich kann Nerven schädigen, die Blase und Darm steuern. Dies ist ein medizinischer Notfall und erfordert sofortige Behandlung. Nach der Akutphase ist spezialisiertes Training wichtig.
Neurologische Abklärung: Lassen Sie die Nervenfunktion regelmäßig überprüfen. Manchmal erholt sich die Funktion über Monate, manchmal bleiben dauerhafte Schäden.
Beckenbodentraining unter Anleitung: Arbeiten Sie mit einem auf neurologische Erkrankungen spezialisierten Physiotherapeuten. Die Übungen müssen an die veränderte Nervenversorgung angepasst werden.
Kompensationsstrategien: Wenn die Nervenfunktion nicht vollständig zurückkehrt, lernen Sie Strategien zur Kompensation: Zeitplan-Toilettengänge, manuelle Entleerungstechniken, Katheterisierung bei Bedarf.

Unsere Experten finden die beste Betreuungslösung für Ihre individuelle Situation
Angebot anfordern Beraten lassenPraxisbeispiele: Erfolgsgeschichten und realistische Erwartungen
Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Inkontinenz-Training verlaufen kann und welche Faktoren den Erfolg beeinflussen. Alle Namen sind geändert, die Situationen basieren auf realen Fällen.
Beispiel 1: Maria K., 58 Jahre – Belastungs-Inkontinenz nach drei Geburten
Maria litt seit Jahren unter Urinverlust beim Husten, Niesen und Treppensteigen. Nach drei Geburten und jahrelanger Vernachlässigung ihres Beckenbodens hatte sie die Hoffnung auf Besserung fast aufgegeben. Vorlagen gehörten zu ihrem Alltag, Sport vermied sie aus Scham.
Der Wendepunkt: Ihre Hausärztin überwies sie zu einer spezialisierten Physiotherapeutin. Dort lernte Maria, dass ihre Beckenbodenmuskulatur zwar geschwächt, aber trainierbar war. Der erste Schritt: Überhaupt zu spüren, wo sich diese Muskulatur befindet. Mit Biofeedback gelang dies nach zwei Sitzungen.
Das Trainingsprogramm: Maria übte täglich 15 Minuten – morgens im Bett, mittags am Schreibtisch, abends vor dem Fernseher. Sie begann mit einfachen Anspannungen im Liegen, steigerte sich zu Übungen im Sitzen und Stehen. Nach 6 Wochen bemerkte sie erste Verbesserungen: Der Urinverlust beim Husten wurde seltener.
Die Herausforderungen: An stressigen Tagen vergaß Maria die Übungen. Ihre Physiotherapeutin riet ihr, feste Zeiten zu etablieren und die Übungen mit bestehenden Routinen zu verknüpfen (z.B. beim Zähneputzen, an der roten Ampel). Das half.
Das Ergebnis nach 6 Monaten: Maria ist zu 80% kontinent. Sie braucht nur noch bei starken Erkältungen eine dünne Einlage. Sie hat mit Walking begonnen und fühlt sich deutlich selbstbewusster. “Ich hätte nie gedacht, dass ich mit fast 60 noch so viel verbessern kann”, sagt sie.
Beispiel 2: Klaus H., 67 Jahre – Drang-Inkontinenz und Prostatavergrößerung
Klaus ging bis zu 15-mal täglich zur Toilette, nachts 3-4-mal. Der ständige Harndrang beherrschte sein Leben. Längere Autofahrten oder Theaterbesuche waren unmöglich geworden. Sein Urologe diagnostizierte eine vergrößerte Prostata und überaktive Blase.
Die Behandlung: Neben einem Medikament zur Entspannung der Blasenmuskulatur begann Klaus mit Blasentraining. Er führte zunächst ein Miktionstagebuch und erkannte: Er ging oft zur Toilette, ohne wirklich zu müssen – aus Gewohnheit und Angst vor plötzlichem Harndrang.
Das Trainingsprogramm: Klaus verlängerte schrittweise die Intervalle zwischen den Toilettengängen. Anfangs war dies sehr schwer. Er nutzte die Drang-Unterdrückungstechniken: Stehenbleiben, Beckenboden anspannen, tief atmen, ablenken. Nach 2 Wochen bemerkte er: Der Drang ließ tatsächlich wieder nach, wenn er nicht sofort nachgab.
Die Herausforderungen: Unterwegs fühlte sich Klaus unsicher. Er plante Routen mit bekannten Toiletten, nutzte Apps zur Toilettensuche. Mit der Zeit wuchs sein Vertrauen: Er konnte den Harndrang kontrollieren.
Das Ergebnis nach 4 Monaten: Klaus geht nur noch 6-8-mal täglich zur Toilette, nachts 1-2-mal. Er hat mit seinem Arzt das Medikament reduziert. “Ich habe wieder Lebensqualität gewonnen. Das Training war anstrengend, aber es hat sich gelohnt”, berichtet er.
Beispiel 3: Ingrid M., 75 Jahre – Misch-Inkontinenz und beginnende Demenz
Ingrid leidet unter Misch-Inkontinenz (Belastungs- und Drang-Komponente) und beginnender Demenz. Ihre Tochter bemerkte zunehmende Inkontinenzepisoden und vermutete, dass ihre Mutter oft vergaß, zur Toilette zu gehen oder den Harndrang nicht rechtzeitig wahrnahm.
Die Herausforderung: Klassisches Training war aufgrund der kognitiven Einschränkungen schwierig. Ingrid konnte Übungsanweisungen nicht mehr zuverlässig umsetzen und vergaß, zur Toilette zu gehen.
Der Ansatz: Ingrids Tochter etablierte ein Zeitplan-Toilettentraining: Alle 2,5 Stunden begleitete sie ihre Mutter zur Toilette – nach dem Aufstehen, nach dem Frühstück, vor dem Mittagessen, nach dem Mittagsschlaf, vor dem Abendessen, vor dem Schlafengehen. Sie nutzte visuelle Hinweise (großes Toilettenschild mit Bild) und einfache Kleidung mit Gummizug.
Zusätzliche Maßnahmen: Nachts stellte die Tochter ein Nachtlicht auf, damit ihre Mutter die Toilette fand. Sie reduzierte die Flüssigkeitszufuhr ab 18 Uhr. Tagsüber erinnerte sie ihre Mutter regelmäßig ans Trinken, da diese es sonst vergaß.
Das Ergebnis: Die Inkontinenzepisoden reduzierten sich um etwa 60%. Vollständige Kontinenz war nicht erreichbar, aber die Lebensqualität verbesserte sich deutlich. Wichtig war die Entlastung der Tochter: Eine 24-Stunden-Betreuungskraft übernahm an drei Tagen pro Woche das strukturierte Toilettentraining und gab der Tochter Zeit für sich selbst.
Beispiel 4: Thomas B., 52 Jahre – Inkontinenz nach Bandscheibenvorfall
Thomas erlitt einen schweren Bandscheibenvorfall mit Nervenschädigung. Nach der Notoperation litt er unter Blasen- und Darmschwäche. Die Ärzte waren unsicher, ob sich die Nervenfunktion vollständig erholen würde.
Die Akutphase: In den ersten Wochen nutzte Thomas Katheterisierung zur Blasenentleerung. Gleichzeitig begann er mit sanftem Beckenbodentraining unter Anleitung eines spezialisierten Physiotherapeuten.
Das Trainingsprogramm: Da die Nervenversorgung beeinträchtigt war, musste Thomas die Muskelansteuerung neu lernen. Er nutzte intensiv Biofeedback und Elektrostimulation. Die Übungen waren frustrierend, da Fortschritte sehr langsam kamen.
Der Durchbruch: Nach 3 Monaten spürte Thomas erstmals wieder bewusste Kontrolle über seine Blase. Er konnte den Katheter weglassen und selbstständig zur Toilette gehen. Das Training intensivierte er: 3x täglich 20 Minuten Übungen.
Das Ergebnis nach 12 Monaten: Thomas hat etwa 70% seiner Blasenkontrolle zurückgewonnen. Er nutzt tagsüber keine Hilfsmittel mehr, nachts eine dünne Vorlage zur Sicherheit. “Ich hatte Angst, nie wieder normal leben zu können. Das Training hat mir einen großen Teil meiner Selbstständigkeit zurückgegeben”, sagt er.
Häufige Fehler vermeiden: Was das Training behindert
Viele Menschen beginnen motiviert mit Inkontinenz-Training, geben aber nach wenigen Wochen frustriert auf. Oft liegt es an vermeidbaren Fehlern, die den Trainingserfolg behindern oder sogar zunichte machen.
Fehler 1: Falsche Muskulatur anspannen
Der häufigste Fehler: Statt der Beckenbodenmuskulatur werden Bauch, Gesäß oder Oberschenkel angespannt. Dies ist nicht nur ineffektiv, sondern kann durch erhöhten Druck auf den Beckenboden die Inkontinenz sogar verschlimmern.
So erkennen Sie den Fehler: Legen Sie eine Hand auf den Bauch. Wenn sich der Bauch beim “Anspannen” nach außen wölbt oder hart wird, arbeiten Sie mit der falschen Muskulatur. Der Bauch sollte entspannt bleiben.
Die Lösung: Arbeiten Sie anfangs mit einem Physiotherapeuten, der die korrekte Anspannung kontrolliert. Nutzen Sie Biofeedback zur Selbstkontrolle. Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Tampon oder Finger nach innen-oben ziehen, nicht nach unten drücken.
Fehler 2: Zu ungeduldig sein
Viele erwarten nach 2-3 Wochen Training bereits deutliche Erfolge. Wenn diese ausbleiben, geben sie frustriert auf. Doch Muskelaufbau braucht Zeit – besonders bei einer Muskulatur, die jahrelang vernachlässigt wurde.
Realistische Zeitschiene:
- Woche 1-3: Muskelansteuerung lernen, noch keine Symptomverbesserung
- Woche 4-8: Erste leichte Verbesserungen möglich
- Woche 9-16: Deutliche Verbesserungen bei konsequentem Training
- Monat 4-6: Maximaler Trainingseffekt erreicht
Die Lösung: Führen Sie ein Trainings- und Symptomtagebuch. Dokumentieren Sie Fortschritte objektiv (z.B. Anzahl der Inkontinenzepisoden pro Woche, Anzahl benötigter Vorlagen). So sehen Sie auch kleine Verbesserungen, die Sie sonst übersehen würden.
Fehler 3: Zu intensiv trainieren
Nach dem Motto “viel hilft viel” trainieren manche Menschen stundenlang täglich. Doch wie jeder Muskel braucht auch der Beckenboden Erholungsphasen. Übertraining führt zu Muskelermüdung und kann die Inkontinenz vorübergehend verschlimmern.
Optimales Trainingspensum:
- Anspannungsübungen: 3x täglich 10-15 Wiederholungen
- Ausdauerübungen: 3-5x täglich 30-60 Sekunden
- Schnellkraftübungen: 2x täglich 10-20 Wiederholungen
- Gesamtdauer: 15-20 Minuten pro Tag
Die Lösung: Mehr ist nicht besser. Halten Sie sich an empfohlene Trainingsumfänge. Steigern Sie langsam und hören Sie auf Ihren Körper. Muskelkater im Beckenboden ist ein Zeichen für Übertraining.
Fehler 4: Training nicht in den Alltag integrieren
Viele nehmen sich vor, täglich 20 Minuten zu üben – und vergessen es dann im Alltag. Ohne Routine und feste Zeiten scheitert das Training meist nach wenigen Wochen.
Die Lösung: Verknüpfen Sie Übungen mit bestehenden Routinen:
- Morgens: Übungen im Bett vor dem Aufstehen
- Beim Zähneputzen: Schnellkraftübungen (2x täglich je 2 Minuten)
- An der roten Ampel: Anspannungsübungen
- In der Werbepause: Ausdauerübungen
- Vor dem Einschlafen: Entspannungsübungen
Setzen Sie Erinnerungen im Handy oder nutzen Sie Apps für Beckenbodentraining, die Sie an Übungen erinnern.
Fehler 5: Pressatmung während der Übungen
Viele Menschen halten beim Anspannen die Luft an oder pressen. Dies erhöht den Druck im Bauchraum und belastet den Beckenboden zusätzlich – genau das Gegenteil des gewünschten Effekts.
Die Lösung: Atmen Sie während der Übungen ruhig weiter. Atmen Sie beim Anspannen aus, beim Entspannen ein. Dies unterstützt die Beckenbodenaktivität und verhindert Pressatmung.
Fehler 6: Training bei akuten Infektionen
Bei Blasenentzündungen, Harnwegsinfekten oder akuten Schmerzen sollten Sie das Training pausieren. Die Muskulatur ist gereizt, Training kann die Symptome verschlimmern.
Die Lösung: Pausieren Sie bei Infektionen und Schmerzen. Lassen Sie die Infektion ärztlich behandeln. Beginnen Sie erst wieder mit dem Training, wenn Sie beschwerdefrei sind.
Langfristige Perspektive: Kontinenz erhalten
Erfolgreiches Inkontinenz-Training ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Auch nach Erreichen Ihrer Ziele ist es wichtig, die Muskulatur weiter zu trainieren und gesunde Gewohnheiten beizubehalten.
Erhaltungstraining: Erfolge sichern
Wenn Sie Ihre Kontinenz wiedererlangt haben, reduzieren Sie das Training nicht auf null. Die Beckenbodenmuskulatur braucht wie jede andere Muskulatur regelmäßige Aktivierung, um kräftig zu bleiben.
Minimales Erhaltungsprogramm:
- 1x täglich 5-10 Minuten Beckenbodenübungen
- Kombination aus Anspannungs-, Ausdauer- und Schnellkraftübungen
- Integration in Alltagsbewegungen (beim Treppensteigen, Heben, Husten bewusst anspannen)
Viele Menschen integrieren Beckenbodenübungen dauerhaft in ihre Morgenroutine – wie Zähneputzen. Es gehört einfach dazu.
Risikosituationen meistern
Auch nach erfolgreichem Training gibt es Situationen, die den Beckenboden besonders fordern:
Erkältungen: Häufiges Husten und Niesen belasten den Beckenboden stark. Spannen Sie bei jedem Huster bewusst den Beckenboden an (Hustenreflex). Nutzen Sie bei starken Erkältungen vorübergehend wieder Einlagen.
Gewichtszunahme: Jedes zusätzliche Kilogramm belastet den Beckenboden. Achten Sie auf Ihr Gewicht und reagieren Sie frühzeitig bei Zunahme.
Schwere körperliche Arbeit: Heben Sie richtig: In die Hocke gehen, Last nah am Körper, beim Hochkommen ausatmen und Beckenboden anspannen. Vermeiden Sie sehr schweres Heben.
Verstopfung: Pressen beim Stuhlgang schwächt den Beckenboden. Achten Sie auf ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und Bewegung.
Wann professionelle Hilfe langfristig sinnvoll ist
Manche Menschen profitieren von dauerhafter professioneller Unterstützung – nicht weil das Training gescheitert ist, sondern weil die Grunderkrankung oder Lebenssituation besondere Herausforderungen mit sich bringt.
24-Stunden-Betreuung bei komplexen Pflegesituationen: Wenn Inkontinenz mit anderen Pflegebedürfnissen einhergeht – etwa bei Demenz, Parkinson oder nach Schlaganfall – kann eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause sinnvoll sein. Die Betreuungskraft unterstützt beim Toilettentraining, erinnert an Übungen, hilft bei der Intimpflege und ermöglicht so den Verbleib in der gewohnten Umgebung.
Regelmäßige physiotherapeutische Kontrollen: Auch nach erfolgreichem Training können halbjährliche oder jährliche Kontrolltermine beim Physiotherapeuten sinnvoll sein. So stellen Sie sicher, dass Sie die Übungen weiterhin korrekt ausführen und können bei Verschlechterungen frühzeitig gegensteuern.
Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann motivierend sein und praktische Tipps für den Alltag liefern. Viele Selbsthilfegruppen treffen sich regelmäßig und bieten auch Online-Foren an.

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Angebot anfordern Beraten lassenHäufig gestellte Fragen zu Inkontinenz-Training & Maßnahmen im Alltag
Kann ich auch ohne Physiotherapeuten mit Beckenbodentraining beginnen?
Grundsätzlich ja, aber besonders bei Inkontinenz ist eine professionelle Anleitung zu Beginn sehr empfehlenswert. Viele Menschen spannen zunächst die falsche Muskulatur an oder führen die Übungen fehlerhaft aus. Ein spezialisierter Physiotherapeut kann in 2-3 Sitzungen die korrekte Technik vermitteln und ein individuelles Trainingsprogramm erstellen. Die Kosten werden bei ärztlicher Verordnung von der Krankenkasse übernommen. Nach der Einführungsphase können Sie selbstständig zu Hause weitertrainieren.
Wie lange dauert es, bis Inkontinenz-Training wirkt?
Die ersten Verbesserungen zeigen sich meist nach 6-8 Wochen konsequenten Trainings. Der volle Effekt entfaltet sich oft erst nach 3-6 Monaten. Dies hängt vom Schweregrad der Inkontinenz, der Grunderkrankung und der Trainingsintensität ab. Wichtig: Auch wenn Sie noch keine Symptomverbesserung spüren, baut die Muskulatur bereits auf. Bleiben Sie geduldig und konsequent. Führen Sie ein Symptomtagebuch, um auch kleine Fortschritte zu dokumentieren – das motiviert.
Kann Inkontinenz-Training auch Stuhl-Inkontinenz verbessern?
Ja, spezielles Sphinktertraining (Training des Schließmuskels) kann bei Stuhl-Inkontinenz sehr wirksam sein. Die Übungen ähneln dem Beckenbodentraining, fokussieren aber stärker auf den analen Schließmuskel. Auch hier gilt: Konsequentes Training über mehrere Monate ist notwendig. Bei neurologischen Ursachen oder strukturellen Schäden am Schließmuskel sind die Erfolgsaussichten geringer, aber selbst dann kann Training die Symptome oft lindern. Lassen Sie sich von einem Proktologen oder spezialisierten Physiotherapeuten beraten.
Was mache ich, wenn ich trotz Training keine Besserung spüre?
Wenn Sie nach 3 Monaten konsequenten Trainings keine Verbesserung bemerken, sollten Sie folgende Punkte prüfen: 1) Führen Sie die Übungen korrekt aus? Lassen Sie sich von einem Physiotherapeuten kontrollieren. 2) Trainieren Sie regelmäßig genug (mindestens 3x täglich)? 3) Gibt es Faktoren, die das Training behindern (Übergewicht, chronische Verstopfung, bestimmte Medikamente)? 4) Ist die Diagnose korrekt? Lassen Sie beim Facharzt abklären, ob die Inkontinenzform richtig bestimmt wurde. Manchmal sind zusätzliche Maßnahmen wie Medikamente, Pessare oder operative Verfahren notwendig.
Kann ich während der Periode Beckenbodentraining machen?
Ja, Beckenbodentraining ist während der Menstruation unbedenklich und kann sogar Menstruationsbeschwerden lindern. Viele Frauen berichten, dass regelmäßiges Beckenbodentraining Regelschmerzen reduziert. Wenn Sie Tampons verwenden, können diese beim Training etwas unangenehm sein – nutzen Sie dann alternativ Binden oder Menstruationstassen. Bei sehr starken Blutungen oder Schmerzen dürfen Sie das Training auch pausieren. Hören Sie auf Ihren Körper.
Verschlimmert Sport die Inkontinenz?
Das hängt von der Sportart ab. Sportarten mit hoher Stoßbelastung (Joggen, Tennis, Trampolinspringen, Aerobic) können bei geschwächtem Beckenboden Inkontinenz verstärken oder auslösen. Empfehlenswert sind Sportarten mit geringer Beckenbodenbelastung: Schwimmen, Radfahren (auf ergonomischem Sattel), Walking, Yoga, Pilates. Wichtig: Auch bei belastungsintensiven Sportarten können Sie den Beckenboden schützen, indem Sie ihn vor jedem Sprung, Aufprall oder schwerem Heben bewusst anspannen. Nach erfolgreichem Training können Sie schrittweise zu intensiveren Sportarten zurückkehren.
Hilft Beckenbodentraining auch bei Senkungsbeschwerden?
Ja, bei leichten bis mittelschweren Senkungen der Gebärmutter, Blase oder des Darms kann Beckenbodentraining die Symptome deutlich verbessern und das Fortschreiten verlangsam. Die gestärkte Muskulatur stützt die Organe besser. Bei fortgeschrittenen Senkungen kann ein Pessar zusätzlich helfen. In schweren Fällen ist manchmal eine Operation notwendig – aber auch dann ist Beckenbodentraining vor und nach der OP wichtig, um Rezidive zu vermeiden. Lassen Sie Senkungsbeschwerden immer gynäkologisch abklären.
Kann ich Beckenbodentraining mit Elektrostimulation ersetzen?
Nein, Elektrostimulation sollte aktives Training nicht ersetzen, sondern nur ergänzen – besonders in der Anfangsphase, wenn die Muskulatur sehr schwach ist oder die bewusste Ansteuerung nicht gelingt. Elektrostimulation trainiert die Muskulatur passiv, aber das Gehirn lernt dabei nicht, die Muskulatur willentlich zu kontrollieren. Dies ist aber für die Kontinenz im Alltag entscheidend. Nutzen Sie Elektrostimulation als Starthilfe, wechseln Sie dann zu aktivem Training.
Welche Rolle spielen Hormone bei Inkontinenz?
Östrogenmangel in den Wechseljahren schwächt Bindegewebe, Schleimhäute und Muskulatur im Beckenbodenbereich. Dies begünstigt Inkontinenz. Lokale Östrogentherapie (Cremes, Zäpfchen) kann die Gewebequalität verbessern und Training unterstützen – aber nicht ersetzen. Bei Männern kann ein niedriger Testosteronspiegel ebenfalls zu Muskelschwäche beitragen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Hormonuntersuchung sinnvoll ist. Hormontherapie allein heilt Inkontinenz nicht, kann aber die Trainingserfolge verbessern.
Gibt es Apps oder digitale Helfer für Beckenbodentraining?
Ja, es gibt zahlreiche Apps für Beckenbodentraining, die Übungen anleiten, an Trainingszeiten erinnern und Fortschritte dokumentieren. Empfehlenswerte Apps sind z.B. “Beckenbodentrainer” (Kegel-Übungen), “Elvie Trainer” (mit Biofeedback-Sensor) oder “Squeezy” (von Physiotherapeuten entwickelt). Viele Apps bieten kostenlose Grundversionen. Wichtig: Apps ersetzen nicht die initiale Anleitung durch einen Physiotherapeuten, können aber das selbstständige Training zu Hause gut unterstützen und motivieren.
Was ist der Unterschied zwischen Beckenbodentraining und Kegel-Übungen?
Kegel-Übungen sind eine spezielle Form des Beckenbodentrainings, entwickelt vom Gynäkologen Arnold Kegel. Sie fokussieren auf die Anspannung und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur durch gezieltes “Zusammenziehen” – als würde man den Harnstrahl unterbrechen. Modernes Beckenbodentraining umfasst zusätzlich Ausdauer- und Schnellkraftübungen, Koordinationstraining und Integration in Alltagsbewegungen. Beide Begriffe werden oft synonym verwendet. Wichtig ist: Nicht nur anspannen, sondern auch die Entspannung trainieren und Übungen in verschiedenen Positionen durchführen.
Kann Beckenbodentraining Sexualfunktionen verbessern?
Ja, ein trainierter Beckenboden verbessert bei Frauen die vaginale Empfindsamkeit und Orgasmusfähigkeit. Bei Männern kann Beckenbodentraining Erektionsstörungen und vorzeitigen Samenerguss positiv beeinflussen. Die bessere Durchblutung und Muskelkontrolle im Beckenbereich wirken sich auf die sexuelle Funktion aus. Viele Menschen berichten nach einigen Monaten Training von intensiveren Empfindungen beim Geschlechtsverkehr. Dies ist ein willkommener “Nebeneffekt” des Trainings zur Inkontinenz-Behandlung.
Fazit: Inkontinenz-Training als Weg zu mehr Lebensqualität
Gezieltes Inkontinenz-Training und konsequente Maßnahmen bei Inkontinenz können die Lebensqualität erheblich verbessern – oft sogar die Kontinenz vollständig wiederherstellen. Die Kombination aus Beckenbodentraining, Blasentraining, Verhaltensänderungen und bei Bedarf medizinischer Unterstützung zeigt bei den meisten Betroffenen gute bis sehr gute Erfolge.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind Geduld, Konsequenz und realistische Erwartungen. Muskelaufbau braucht Zeit – erste Verbesserungen zeigen sich meist nach 6-8 Wochen, der volle Effekt nach 3-6 Monaten. Tägliches Training von 15-20 Minuten, korrekte Übungsausführung und Integration in den Alltag sind entscheidend.
Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Fortschritte langsam kommen. Jede Verbesserung – und sei sie noch so klein – ist ein Schritt in Richtung mehr Selbstbestimmung, Würde und Lebensfreude. Führen Sie ein Symptomtagebuch, um Fortschritte objektiv zu dokumentieren. Holen Sie sich professionelle Unterstützung durch spezialisierte Physiotherapeuten, Ärzte und bei Bedarf auch durch 24-Stunden-Betreuung zu Hause, wenn die Pflegesituation komplex ist.
Inkontinenz ist kein unabwendbares Schicksal. Mit den richtigen Inkontinenz-Maßnahmen können Sie aktiv gegensteuern und Ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern. Der erste Schritt ist oft der schwerste – die Überwindung von Scham und die Bereitschaft, professionelle Hilfe anzunehmen. Doch dieser Schritt lohnt sich. Sie verdienen ein Leben in Würde, Selbstbestimmung und Freude – auch mit den Herausforderungen des Älterwerdens.
Beginnen Sie heute mit Ihrem Inkontinenz-Training. Ihr Körper wird es Ihnen danken.

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