Katheterpflege: Professionelle Anleitung für sicheren Umgang und hygienische Pflege
Der Moment, in dem ein Katheter gelegt werden muss, bedeutet für viele Menschen einen tiefen Einschnitt in ihre Selbstständigkeit. Plötzlich wird ein intimer Bereich des Lebens von medizinischen Hilfsmitteln bestimmt – eine Situation, die sowohl für Betroffene als auch für pflegende Angehörige mit Unsicherheit, Scham und vielen Fragen verbunden ist.
In Deutschland leben etwa 400.000 Menschen dauerhaft mit einem Blasenkatheter. Die Gründe sind vielfältig: neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson, Querschnittslähmung, Prostatavergrößerungen oder Blasenfunktionsstörungen nach Operationen. Was all diese Menschen verbindet, ist die Notwendigkeit einer fachgerechten Katheterpflege – denn nur durch korrekte Handhabung lassen sich Komplikationen wie Harnwegsinfektionen, Entzündungen oder Verletzungen der Harnröhre vermeiden.
Dieser umfassende Ratgeber zur Katheterpflege richtet sich an pflegende Angehörige, Betroffene und professionelle Pflegekräfte. Sie erfahren alles Wichtige über den hygienischen Umgang mit Katheter, die richtige Pflege verschiedener Katheterarten, das fachgerechte Katheter spülen sowie die Vermeidung typischer Fehler. Dabei legen wir besonderen Wert auf praktische Anleitungen, die im häuslichen Umfeld umsetzbar sind – denn die meisten Menschen mit Dauerkatheter leben zu Hause und möchten dort so selbstbestimmt wie möglich bleiben.
Gleichzeitig zeigen wir auf, wann professionelle Unterstützung durch eine 24-Stunden-Betreuung sinnvoll ist – besonders dann, wenn die Katheterpflege mit weiteren pflegerischen Aufgaben kombiniert werden muss oder wenn Angehörige an ihre Belastungsgrenze stoßen.
Was ist ein Katheter und wann wird er benötigt?
Ein Harnblasenkatheter ist ein medizinisches Hilfsmittel, das dazu dient, Urin aus der Blase abzuleiten, wenn die natürliche Blasenentleerung nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich ist. Dabei handelt es sich um einen dünnen, flexiblen Schlauch aus Silikon, Latex oder speziellen Kunststoffen, der über die Harnröhre oder die Bauchdecke in die Blase eingeführt wird.
Medizinische Indikationen für einen Katheter
Die Notwendigkeit einer Katheterversorgung ergibt sich aus verschiedenen medizinischen Situationen:
Neurologische Erkrankungen: Bei Multipler Sklerose, Parkinson, Schlaganfall oder Rückenmarksverletzungen kann die Nervenkontrolle über die Blasenfunktion beeinträchtigt sein. Die Blase entleert sich dann nicht mehr vollständig oder unkontrolliert.
Prostataerkrankungen: Eine vergrößerte Prostata kann die Harnröhre einengen und den Harnabfluss blockieren. In solchen Fällen ist temporär oder dauerhaft ein Katheter erforderlich.
Operative Eingriffe: Nach Operationen im Beckenbereich, an der Blase oder der Prostata wird häufig vorübergehend ein Katheter gelegt, um die Heilung zu unterstützen.
Harnverhalt: Wenn die Blase sich nicht mehr entleeren kann und der Urin zurückstaut, muss schnell gehandelt werden, um Nierenschäden zu vermeiden.
Inkontinenz: Bei schwerer Harninkontinenz, die mit anderen Mitteln nicht mehr zu bewältigen ist, kann ein Katheter die Lebensqualität deutlich verbessern.
Katheterarten und ihre Besonderheiten
Die Wahl des Kathetersystems hängt von der medizinischen Situation, der voraussichtlichen Tragedauer und den individuellen Bedürfnissen ab:
Transurethraler Dauerkatheter (Blasenverweilkatheter): Der häufigste Kathetertyp wird durch die Harnröhre in die Blase eingeführt und dort mit einem kleinen Ballon fixiert. Er kann mehrere Wochen liegen bleiben und wird hauptsächlich bei vorübergehenden Blasenentleerungsstörungen eingesetzt.
Suprapubischer Katheter (SPK): Dieser Katheter wird durch einen kleinen chirurgischen Eingriff direkt durch die Bauchdecke in die Blase gelegt. Er eignet sich besonders für Langzeitversorgung, da er die Harnröhre nicht belastet und weniger Infektionen verursacht. Der Umgang mit Katheter dieser Art erfordert spezielle Kenntnisse in der Stomaversorgung.
Einmalkatheter (Intermittierender Katheter): Bei ausreichender Geschicklichkeit und Sensibilität können Betroffene sich mehrmals täglich selbst katheterisieren. Diese Methode erhält ein Maximum an Selbstständigkeit und reduziert Infektionsrisiken.
Für pflegende Angehörige ist es wichtig zu verstehen, dass jedes Kathetersystem seine eigenen Anforderungen an die Pflege stellt. Die häusliche Pflege eines Menschen mit Katheter erfordert Fachwissen, Hygienebewusstsein und regelmäßige Kontrollen.
Grundlagen der hygienischen Katheterpflege
Die korrekte Katheterpflege ist das A und O, um Komplikationen zu vermeiden. Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Komplikationen bei Katheterträgern – etwa 80 Prozent aller nosokomialen Harnwegsinfektionen sind katheterassoziiert. Durch konsequente Hygiene lässt sich dieses Risiko jedoch erheblich senken.
Die fünf Säulen der Katheterhygiene
1. Händehygiene als oberste Priorität: Vor und nach jedem Kontakt mit dem Katheter müssen die Hände gründlich gewaschen und desinfiziert werden. Verwenden Sie Einmalhandschuhe für alle Pflegemaßnahmen. Diese einfache Maßnahme reduziert das Infektionsrisiko um bis zu 50 Prozent.
2. Intimhygiene zweimal täglich: Der Genitalbereich sollte morgens und abends mit klarem, lauwarmem Wasser und pH-neutraler Seife gereinigt werden. Bei Frauen erfolgt die Reinigung von vorne nach hinten, um Darmkeime von der Harnröhre fernzuhalten. Vermeiden Sie aggressive Desinfektionsmittel, die die natürliche Hautflora schädigen.
3. Kathetereintrittsstelle pflegen: Die Stelle, an der der Katheter in die Harnröhre oder Bauchdecke eintritt, ist besonders anfällig für Keimbesiedlung. Reinigen Sie diese Stelle täglich mit steriler Kochsalzlösung und achten Sie auf Rötungen, Schwellungen oder Sekretbildung.
4. Geschlossenes System erhalten: Der Katheter und der Urinbeutel bilden ein geschlossenes System, das nicht unnötig geöffnet werden sollte. Jede Unterbrechung erhöht das Infektionsrisiko. Der Beutel wird nur zum Entleeren geöffnet – niemals zum Spülen oder zur Probenentnahme.
5. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich sorgen für eine natürliche Durchspülung der Harnwege. Dies verdünnt den Urin und erschwert Bakterien die Vermehrung. Bei bestimmten Erkrankungen kann die Trinkmenge angepasst werden müssen – besprechen Sie dies mit dem behandelnden Arzt.
Tägliche Katheterpflege Anleitung: Schritt für Schritt
Schritt 1 – Vorbereitung: Legen Sie alle benötigten Materialien bereit: Einmalhandschuhe, Einmalwaschlappen oder weiche Kompressen, pH-neutrale Waschlotion, lauwarmes Wasser, frisches Handtuch, gegebenenfalls sterile Kochsalzlösung für die Eintrittsstelle.
Schritt 2 – Händedesinfektion: Waschen Sie Ihre Hände mindestens 30 Sekunden mit Seife und warmem Wasser. Trocknen Sie sie gründlich ab und desinfizieren Sie sie anschließend mit einem alkoholischen Händedesinfektionsmittel. Ziehen Sie Einmalhandschuhe an.
Schritt 3 – Intimreinigung: Waschen Sie den Genitalbereich vorsichtig mit lauwarmem Wasser und pH-neutraler Seife. Bei Männern ziehen Sie die Vorhaut zurück und reinigen die Eichel sanft. Spülen Sie alle Seifenreste gründlich ab. Bei Frauen reinigen Sie von vorne nach hinten, um eine Keimverschleppung zu vermeiden.
Schritt 4 – Katheter reinigen: Reinigen Sie den sichtbaren Teil des Katheters vom Körper ausgehend nach außen mit einem frischen Waschlappen. Bewegen Sie den Katheter dabei nicht hin und her, um Reizungen der Harnröhre zu vermeiden. Trocknen Sie alles vorsichtig ab.
Schritt 5 – Eintrittsstelle kontrollieren: Prüfen Sie die Eintrittsstelle auf Anzeichen einer Entzündung: Rötung, Schwellung, Schmerzen, eitriges Sekret oder unangenehmer Geruch. Bei suprapubischen Kathetern reinigen Sie die Wunde mit steriler Kochsalzlösung und erneuern Sie den Verband.
Schritt 6 – Fixierung überprüfen: Kontrollieren Sie, ob der Katheter korrekt fixiert ist. Bei Männern wird er meist am Oberschenkel oder Unterbauch befestigt, bei Frauen am Oberschenkel. Die Fixierung sollte fest, aber nicht zu straff sein, um Druckstellen zu vermeiden.
Schritt 7 – Dokumentation: Notieren Sie Auffälligkeiten wie Urinfarbe, -geruch oder -menge, Hautveränderungen oder Beschwerden des Betroffenen. Diese Dokumentation ist wichtig für die ärztliche Kontrolle und hilft, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

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Angebot anfordern Beraten lassenKatheter spülen: Wann, wie und warum?
Das Katheter spülen ist eine medizinische Maßnahme, die nur bei bestimmten Indikationen und nach ärztlicher Anordnung durchgeführt werden sollte. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme ist routinemäßiges Spülen nicht empfohlen, da es das Infektionsrisiko erhöht.
Medizinische Indikationen für Katheterspülungen
Eine Spülung des Katheters ist nur in folgenden Situationen notwendig:
Katheterblockade: Wenn der Urinfluss trotz korrekter Lage des Katheters plötzlich stoppt oder stark reduziert ist, kann eine Blockade durch Blutkoagel, Fibrin oder Sedimente vorliegen. In diesem Fall muss der Katheter gespült werden, um die Durchgängigkeit wiederherzustellen.
Hämaturie (Blut im Urin): Nach Operationen an Blase oder Prostata kann es zu Blutungen kommen. Durch vorsichtiges Spülen werden Blutkoagel entfernt, die sonst den Katheter verstopfen würden.
Starke Sedimentbildung: Bei manchen Menschen bilden sich trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr Ablagerungen im Katheter. Hier kann eine Spülung mit angesäuerter Lösung helfen, die Ablagerungen zu lösen.
Instillationstherapie: Bei bestimmten Blasenerkrankungen werden Medikamente direkt in die Blase eingebracht. Dies erfordert eine spezielle Technik und sollte nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden.
Katheterpflege Anleitung: So spülen Sie einen Katheter fachgerecht
Wichtiger Hinweis: Führen Sie eine Katheterspülung nur nach ärztlicher Anordnung und entsprechender Schulung durch. Bei Unsicherheit holen Sie immer professionelle Hilfe. Eine falsch durchgeführte Spülung kann zu schweren Komplikationen wie Blasenruptur oder aufsteigenden Infektionen führen.
Benötigte Materialien:
- Sterile Spritze (50-100 ml)
- Sterile Spüllösung (meist 0,9% Kochsalzlösung)
- Sterile Kompressen
- Desinfektionsmittel für Hände und Katheter
- Einmalhandschuhe (steril)
- Nierenschale oder Auffangbehälter
- Klemme für den Katheter
Durchführung der Spülung:
1. Vorbereitung: Informieren Sie den Betroffenen über den Ablauf. Sorgen Sie für eine angenehme Raumtemperatur und Privatsphäre. Lagern Sie die Person in Rückenlage mit leicht erhöhtem Oberkörper. Waschen und desinfizieren Sie Ihre Hände gründlich.
2. Material vorbereiten: Öffnen Sie alle Verpackungen steril. Ziehen Sie sterile Handschuhe an. Ziehen Sie die Spüllösung mit der sterilen Spritze auf (Menge nach ärztlicher Anordnung, meist 30-50 ml).
3. Katheter abklemmen: Klemmen Sie den Katheter zwischen Eintrittsstelle und Urinbeutel ab. Trennen Sie den Katheter vom Ableitungssystem – achten Sie darauf, dass die Enden nicht kontaminiert werden.
4. Spülung durchführen: Desinfizieren Sie den Katheteranschluss. Setzen Sie die Spritze an und spülen Sie langsam und ohne Druck. Die Flüssigkeit sollte leicht in die Blase fließen. Spüren Sie Widerstand, brechen Sie sofort ab und informieren Sie einen Arzt.
5. Rückfluss kontrollieren: Lassen Sie die Spülflüssigkeit zurückfließen, indem Sie die Spritze als Sog verwenden oder den Katheter öffnen. Beobachten Sie Farbe und Konsistenz der zurückfließenden Flüssigkeit. Wiederholen Sie den Vorgang, bis die Flüssigkeit klar zurückfließt (maximal 3-4 Mal).
6. System wieder verschließen: Verbinden Sie den Katheter wieder mit dem Urinbeutel. Achten Sie auf steriles Arbeiten. Entfernen Sie die Klemme. Kontrollieren Sie, ob der Urin wieder fließt.
7. Nachsorge: Dokumentieren Sie die Spülung: Datum, Uhrzeit, Spülmenge, Art der Spüllösung, Rückfluss, Besonderheiten. Beobachten Sie den Betroffenen in den nächsten Stunden auf Schmerzen, Fieber oder Unwohlsein.
Risiken und Komplikationen beim Katheter spülen
Das Spülen eines Katheters ist nicht ohne Risiko. Folgende Komplikationen können auftreten:
Infektionen: Jedes Öffnen des geschlossenen Systems erhöht das Risiko einer aufsteigenden Harnwegsinfektion. Bakterien können in die Blase gelangen und sich dort vermehren.
Blasenverletzung: Zu viel Druck beim Spülen kann die Blasenwand schädigen oder im schlimmsten Fall zu einer Blasenruptur führen.
Harnröhrenverletzung: Unsachgemäßes Manipulieren am Katheter kann die empfindliche Harnröhrenschleimhaut verletzen.
Allergische Reaktionen: Manche Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Spüllösungen oder Desinfektionsmittel.
Aus diesen Gründen gilt: Spülen Sie einen Katheter nur, wenn es medizinisch notwendig ist und Sie entsprechend geschult wurden. Bei Unsicherheit ist professionelle Hilfe durch Seniorenbetreuung zuhause oder ambulante Pflegedienste die sicherere Wahl.
Umgang mit Katheter im Alltag: Praktische Tipps
Das Leben mit einem Katheter erfordert einige Anpassungen im Alltag, bedeutet aber nicht den Verzicht auf Lebensqualität. Mit den richtigen Techniken und Hilfsmitteln können Betroffene weiterhin aktiv am Leben teilnehmen.
Mobilität und Bewegung
Urinbeutel richtig positionieren: Der Beinbeutel sollte immer unterhalb der Blasenhöhe getragen werden, damit der Urin durch die Schwerkraft abfließen kann. Befestigen Sie ihn mit speziellen Beinbandagen am Ober- oder Unterschenkel. Für die Nacht verwenden Sie einen größeren Bettbeutel (meist 2 Liter Fassungsvermögen).
Kleidung anpassen: Weite, bequeme Kleidung erleichtert den Umgang mit Katheter. Hosen mit Gummizug oder weitem Beinschnitt sind praktisch. Spezielle Unterwäsche mit Taschen für Beinbeutel ist im Sanitätsfachhandel erhältlich.
Bewegung ist wichtig: Moderate körperliche Aktivität fördert die Durchblutung und beugt Komplikationen vor. Spaziergänge, leichte Gymnastik oder Schwimmen (mit wasserdichtem Katheter-Schutz) sind möglich. Vermeiden Sie jedoch schweres Heben und extreme Anstrengungen.
Körperpflege und Duschen
Duschen ist mit Katheter problemlos möglich und sogar empfohlen, da es die Hygiene unterstützt. Baden sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen, da stehendes Wasser Keime in den Katheter spülen kann.
Vorbereitung: Leeren Sie den Urinbeutel vor dem Duschen. Fixieren Sie den Katheter sicher, damit er nicht versehentlich gezogen wird. Bei suprapubischen Kathetern schützen Sie die Eintrittsstelle mit einem wasserdichten Pflaster.
Während des Duschens: Verwenden Sie pH-neutrale Seife. Reinigen Sie den Katheter vorsichtig von der Eintrittsstelle nach außen. Vermeiden Sie starken Wasserstrahl direkt auf die Eintrittsstelle.
Nach dem Duschen: Trocknen Sie sich und besonders die Kathetereintrittsstelle gründlich ab. Feuchtigkeit begünstigt Pilzinfektionen. Erneuern Sie bei suprapubischen Kathetern den Verband.
Ernährung und Trinken
Die richtige Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Katheterpflege:
Ausreichend trinken: 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich sind optimal. Wasser, ungesüßte Kräutertees und verdünnte Fruchtsäfte eignen sich gut. Cranberrysaft kann helfen, Harnwegsinfektionen vorzubeugen, da er verhindert, dass sich Bakterien an der Blasenwand ansiedeln.
Urinansäuerung: Vitamin C-reiche Lebensmittel wie Zitrusfrüchte, Paprika oder Sanddornsaft können den Urin ansäuern und so das Bakterienwachstum hemmen. Auch Preiselbeeren haben diesen Effekt.
Ballaststoffreiche Kost: Verstopfung kann Druck auf die Blase ausüben und den Harnabfluss behindern. Vollkornprodukte, Obst und Gemüse fördern die Verdauung.
Meiden sollten Sie: Stark gewürzte Speisen, übermäßigen Kaffee- und Alkoholkonsum, da diese die Blase reizen können. Auch stark zuckerhaltige Getränke begünstigen Infektionen.
Soziale Aktivitäten und Reisen
Ein Katheter sollte Sie nicht davon abhalten, am sozialen Leben teilzunehmen oder zu reisen. Mit guter Vorbereitung ist beides möglich:
Unterwegs: Nehmen Sie immer Wechselkatheter, Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe und Ersatzbeutel mit. Planen Sie regelmäßige Pausen zum Entleeren des Beutels ein. Öffentliche behindertengerechte Toiletten bieten meist mehr Platz und Privatsphäre.
Reisen: Informieren Sie sich vorab über medizinische Versorgungsmöglichkeiten am Zielort. Nehmen Sie eine ärztliche Bescheinigung in Englisch mit, die den Katheter erklärt – das erleichtert Sicherheitskontrollen am Flughafen. Packen Sie alle Materialien ins Handgepäck, für den Fall, dass Ihr Koffer verloren geht.
Restaurant und Café: Wählen Sie Sitzplätze in der Nähe der Toiletten. Lockere Kleidung verdeckt den Beinbeutel diskret. Die meisten Menschen werden gar nicht bemerken, dass Sie einen Katheter tragen.
Viele Menschen mit Katheter berichten, dass sie nach einer Eingewöhnungsphase wieder ein weitgehend normales Leben führen können. Wichtig ist, dass Sie sich nicht zurückziehen, sondern aktiv bleiben. Wenn der Umgang mit Katheter im Alltag dennoch zur Belastung wird, kann eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause eine wertvolle Unterstützung sein.

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Angebot anfordern Beraten lassenUrinbeutel: Auswahl, Wechsel und Pflege
Der Urinbeutel ist ein zentrales Element der Katheterversorgung. Die richtige Auswahl, der regelmäßige Wechsel und die hygienische Handhabung sind entscheidend für Komfort und Infektionsprävention.
Arten von Urinbeuteln
Beinbeutel (500-750 ml): Diese kleineren Beutel werden tagsüber am Ober- oder Unterschenkel getragen. Sie sind diskret unter der Kleidung zu tragen und ermöglichen Mobilität. Beinbeutel haben meist ein Ablassventil am unteren Ende, das ein hygienisches Entleeren ermöglicht.
Bettbeutel (1,5-2 Liter): Für die Nacht werden größere Beutel verwendet, die am Bettrahmen befestigt werden. Ihr größeres Fassungsvermögen ermöglicht ungestörten Schlaf ohne häufiges Entleeren.
Beutel mit Rücklaufsperre: Diese verhindern, dass Urin zurück in die Blase fließt – ein wichtiger Schutz vor aufsteigenden Infektionen.
Beutel mit Geruchsfilter: Aktivkohlefilter im Entlüftungsventil neutralisieren Gerüche und erhöhen den Tragekomfort.
Wechselintervalle und Hygiene
Urinbeutel sollten regelmäßig gewechselt werden, um Infektionen und Geruchsbildung zu vermeiden:
Beinbeutel: Wechsel alle 5-7 Tage oder bei Verschmutzung, Geruchsbildung oder Beschädigung. Manche Modelle sind für den einmaligen Gebrauch konzipiert.
Bettbeutel: Täglicher Wechsel ist optimal, mindestens jedoch alle 5-7 Tage.
Wechseltechnik: Der Wechsel sollte steril erfolgen. Desinfizieren Sie Ihre Hände, tragen Sie Einmalhandschuhe, klemmen Sie den Katheter ab, trennen Sie den alten Beutel und entsorgen Sie ihn im Hausmüll (in einer verschlossenen Tüte). Verbinden Sie den neuen Beutel steril mit dem Katheter und prüfen Sie die Verbindung auf Dichtigkeit.
Entleeren des Urinbeutels
Das regelmäßige Entleeren ist wichtig, damit der Beutel nicht zu schwer wird und am Katheter zieht:
Zeitpunkt: Beinbeutel sollten geleert werden, wenn sie zu zwei Dritteln gefüllt sind – meist alle 3-4 Stunden. Bettbeutel werden morgens nach dem Aufstehen entleert.
Technik: Waschen und desinfizieren Sie Ihre Hände. Halten Sie den Ablassstutzen über eine Toilette oder einen Messbecher (zur Dokumentation der Urinmenge). Öffnen Sie das Ventil und lassen Sie den Urin vollständig ablaufen. Berühren Sie den Ablassstutzen nicht mit der Toilette oder anderen Oberflächen. Verschließen Sie das Ventil wieder fest. Desinfizieren Sie den Ablassstutzen mit einem Alkoholtupfer.
Urinbeobachtung: Achten Sie beim Entleeren auf Farbe, Geruch und Konsistenz des Urins. Normaler Urin ist hellgelb und klar. Trüber, übel riechender oder blutiger Urin kann auf eine Infektion hinweisen und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Komplikationen erkennen und vermeiden
Trotz sorgfältiger Pflege können bei der Katheterpflege Komplikationen auftreten. Frühes Erkennen und schnelles Handeln sind entscheidend, um ernsthafte Folgen zu vermeiden.
Harnwegsinfektionen: Das häufigste Problem
Etwa 50 Prozent aller Katheterträger entwickeln im Laufe der Zeit eine Harnwegsinfektion. Typische Anzeichen sind:
- Trüber, übelriechender oder blutiger Urin
- Fieber über 38°C
- Schmerzen oder Brennen im Unterbauch
- Plötzliche Verwirrtheit (besonders bei älteren Menschen)
- Unwohlsein, Schwäche, Appetitlosigkeit
- Schmerzen in der Nierengegend
Prävention: Konsequente Händehygiene, geschlossenes Ableitungssystem, ausreichend trinken (2 Liter täglich), regelmäßige Intimhygiene, Urinbeutel immer unterhalb der Blase positionieren, Beutel regelmäßig wechseln.
Behandlung: Bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion kontaktieren Sie sofort einen Arzt. Unbehandelt können Infektionen auf die Nieren übergreifen und zu schweren Komplikationen führen. Die Behandlung erfolgt meist mit Antibiotika nach Urinkultur.
Katheterblockade
Wenn der Urinfluss plötzlich stoppt oder stark reduziert ist, kann eine Blockade vorliegen:
Ursachen: Blutkoagel nach Operationen, Sedimentablagerungen bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr, Abknicken des Katheters, Verstopfung durch Fibrin oder Eiweiß.
Symptome: Kein oder wenig Urin im Beutel trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch, Unruhe und Angstgefühl.
Maßnahmen: Prüfen Sie, ob der Katheter oder Schlauch abgeknickt ist. Ändern Sie die Position des Betroffenen. Kontrollieren Sie, ob der Ablasshahn am Beutel offen ist. Wenn die Blockade nicht behoben werden kann, kontaktieren Sie umgehend einen Arzt oder Pflegedienst. Versuchen Sie nicht, den Katheter selbst zu spülen, wenn Sie nicht entsprechend geschult sind.
Katheterentfernung oder -verlust
Manchmal wird der Katheter versehentlich herausgezogen oder löst sich:
Prävention: Fixieren Sie den Katheter sicher am Oberschenkel oder Unterbauch. Verwenden Sie spezielle Fixierpflaster oder Katheterhalter. Achten Sie darauf, dass der Schlauch nicht unter Spannung steht. Bei verwirrten oder unruhigen Patienten können spezielle Fixierhosen helfen.
Im Notfall: Wenn der Katheter herausrutscht, bedecken Sie die Eintrittsstelle mit einer sterilen Kompresse. Kontaktieren Sie sofort einen Arzt oder Pflegedienst. Versuchen Sie nicht, den Katheter selbst wieder einzuführen. Bei suprapubischen Kathetern ist schnelles Handeln wichtig, da sich die Öffnung in der Bauchdecke innerhalb von Stunden verschließen kann.
Entzündung der Eintrittsstelle
Rötung, Schwellung, Schmerzen oder eitriges Sekret an der Eintrittsstelle deuten auf eine lokale Infektion hin:
Prävention: Tägliche Reinigung mit steriler Kochsalzlösung, regelmäßiger Verbandwechsel bei suprapubischen Kathetern, Vermeidung von Zug am Katheter, luftdurchlässige Fixierung.
Behandlung: Lassen Sie Entzündungen immer ärztlich abklären. Meist ist eine antibiotische Behandlung notwendig. In schweren Fällen muss der Katheter gewechselt oder entfernt werden.
Harnröhrenverletzungen
Die Harnröhre ist sehr empfindlich und kann durch unsachgemäßen Umgang mit Katheter verletzt werden:
Anzeichen: Blut am Katheter oder im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen (bei intermittierendem Katheterismus), Brennen oder Stechen in der Harnröhre.
Prävention: Bewegen Sie den Katheter nicht unnötig hin und her. Fixieren Sie ihn sicher, aber nicht zu straff. Verwenden Sie ausreichend Gleitmittel bei jedem Katheterwechsel. Ziehen Sie niemals am Katheter, wenn Widerstand spürbar ist.
Bei schweren oder wiederkehrenden Komplikationen kann eine professionelle 24-Stunden-Pflege die Sicherheit erhöhen und Angehörige entlasten.
Katheterwechsel: Wann und durch wen?
Der regelmäßige Wechsel des Katheters ist notwendig, um Komplikationen zu vermeiden und die Funktionsfähigkeit zu erhalten. Die Wechselintervalle und die Frage, wer den Wechsel durchführen darf, hängen von verschiedenen Faktoren ab.
Wechselintervalle nach Kathetertyp
Transurethraler Dauerkatheter: Je nach Material alle 4-6 Wochen. Silikonkatheter können bis zu 12 Wochen liegen bleiben, Latexkatheter sollten nach spätestens 4 Wochen gewechselt werden. Bei Infektionen, Blockaden oder Beschädigungen ist ein vorzeitiger Wechsel notwendig.
Suprapubischer Katheter: Alle 4-12 Wochen, abhängig vom Material und individuellen Faktoren. Der erste Wechsel sollte frühestens 4 Wochen nach der Anlage erfolgen, damit der Stichkanal gut verheilt ist.
Einmalkatheter: Werden nach jeder Anwendung entsorgt. Bei intermittierendem Selbstkatheterismus erfolgt dies meist 4-6 Mal täglich.
Wer darf einen Katheter wechseln?
Das Legen und Wechseln eines Katheters ist eine ärztliche Maßnahme, die jedoch an qualifiziertes Pflegepersonal delegiert werden kann:
Ärzte: Haben die umfassende Kompetenz für alle Kathetermaßnahmen.
Examinierte Pflegekräfte: Dürfen nach entsprechender Schulung und im Rahmen der Delegation transuretrale Katheter legen und wechseln. Suprapubische Katheter dürfen sie nur wechseln, nicht neu anlegen.
Pflegehelfer und Angehörige: Dürfen Katheter nicht legen oder wechseln, können aber bei der täglichen Pflege unterstützen.
Selbstkatheterismus: Nach ärztlicher Schulung können Betroffene sich selbst intermittierend katheterisieren. Dies erfordert ausreichende Feinmotorik, Sehvermögen und kognitive Fähigkeiten.
Der Katheterwechsel: Ablauf und Besonderheiten
Ein Katheterwechsel sollte immer unter sterilen Bedingungen erfolgen:
Vorbereitung: Alle Materialien bereitlegen (neuer Katheter, sterile Handschuhe, Desinfektionsmittel, Gleitmittel, Lokalanästhetikum-Gel, sterile Kompressen, Urinbeutel, Fixiermaterial). Patient informieren und bequem lagern.
Entfernung des alten Katheters: Hände desinfizieren, Handschuhe anziehen, Urinbeutel abklemmen und trennen, Blockungsballon mit steriler Spritze entleeren (meist 10 ml), Katheter vorsichtig herausziehen. Bei Widerstand nicht mit Gewalt ziehen – Arzt konsultieren.
Einführen des neuen Katheters: Genitalbereich desinfizieren, sterile Handschuhe anziehen, Katheter mit Gleitmittel benetzen (bei Männern auch die Harnröhre mit Lokalanästhetikum-Gel), Katheter vorsichtig einführen bis Urin fließt, dann noch 2-3 cm weiter, Ballon mit steriler Kochsalzlösung blocken (Menge steht auf dem Katheter), Katheter mit dem Urinbeutel verbinden, sicher fixieren.
Nachsorge: Urinfluss kontrollieren, Eintrittsstelle auf Verletzungen prüfen, Katheter und Beutel korrekt positionieren, Wechsel dokumentieren (Datum, Kathetergröße, Besonderheiten).
Viele pflegende Angehörige fühlen sich mit dem Katheterwechsel überfordert. Das ist völlig normal – diese Maßnahme erfordert medizinisches Fachwissen und Erfahrung. Professionelle Unterstützung durch ambulante Pflegedienste oder eine 24-Stunden-Pflege kann hier wertvolle Sicherheit geben.

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Angebot anfordern Beraten lassenKosten der Katheterpflege und Finanzierungsmöglichkeiten
Die Versorgung mit einem Katheter ist mit laufenden Kosten verbunden. Glücklicherweise übernehmen die Krankenkassen den Großteil der Aufwendungen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht.
Kostenübersicht Kathetermaterialien
| Material/Leistung | Kosten pro Monat | Häufigkeit | Kassenleistung |
|---|---|---|---|
| Dauerkatheter (Silikon) | 15-30 € | 1x alle 4-12 Wochen | Ja (Rezept) |
| Einmalkatheter (Set à 30 Stück) | 60-120 € | 4-6x täglich | Ja (Rezept) |
| Urinbeutel (Beinbeutel) | 20-40 € | Wechsel alle 5-7 Tage | Ja (Rezept) |
| Urinbeutel (Bettbeutel) | 30-50 € | Täglicher Wechsel | Ja (Rezept) |
| Desinfektionsmittel | 10-15 € | Laufend | Teilweise |
| Einmalhandschuhe (100 Stück) | 5-10 € | Mehrmals täglich | Teilweise |
| Fixiermaterial | 10-20 € | Nach Bedarf | Ja (Rezept) |
| Katheterwechsel (ambulant) | 30-50 € | 1x alle 4-12 Wochen | Ja (Verordnung) |
| Zuzahlung gesetzlich Versicherte | 5-10 € | Pro Rezept | Patientenanteil |
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Gesetzliche Krankenversicherung: Alle medizinisch notwendigen Kathetermaterialien werden von der Krankenkasse übernommen, wenn sie vom Arzt verordnet werden. Sie benötigen ein Rezept über „Hilfsmittel zur Inkontinenzversorgung”. Die Materialien werden dann von einem Sanitätshaus oder Homecare-Unternehmen geliefert.
Zuzahlung: Gesetzlich Versicherte zahlen 10 Prozent der Kosten, mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro pro Hilfsmittel. Bei chronischen Erkrankungen können Sie sich von der Zuzahlung befreien lassen, wenn Sie die Belastungsgrenze (2 Prozent des Bruttoeinkommens, bei chronisch Kranken 1 Prozent) erreicht haben.
Private Krankenversicherung: Die Kostenübernahme hängt vom individuellen Vertrag ab. Meist werden die Kosten nach Einreichung der Rechnung erstattet. Prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz und klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Versicherung.
Kosten für professionelle Katheterpflege
Wenn Sie Unterstützung bei der Katheterpflege benötigen, gibt es verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten:
Ambulanter Pflegedienst: Die medizinische Behandlungspflege (dazu gehört die Katheterpflege) wird von der Krankenkasse übernommen, wenn sie vom Arzt verordnet wird. Sie benötigen eine Verordnung häuslicher Krankenpflege (§ 37 SGB V). Zuzahlung: 10 Euro pro Verordnung plus 10 Prozent der Kosten für die ersten 28 Tage pro Kalenderjahr.
Pflegesachleistung: Wenn ein Pflegegrad vorliegt, können Sie die Pflegesachleistung für die Unterstützung durch einen Pflegedienst nutzen:
- Pflegegrad 2: 796 € monatlich
- Pflegegrad 3: 1.497 € monatlich
- Pflegegrad 4: 1.859 € monatlich
- Pflegegrad 5: 2.299 € monatlich
24-Stunden-Betreuung: Die Kosten für eine 24-Stunden-Pflege liegen bei etwa 2.200 bis 3.500 Euro monatlich. Diese können teilweise durch Pflegegeld, Pflegesachleistung, Entlastungsbetrag (125 Euro monatlich) und steuerliche Absetzbarkeit refinanziert werden. Bei Pflegegrad 3 und höher können Sie monatlich 1.000 bis 1.500 Euro an Eigenkosten erreichen.
Weitere Unterstützungsmöglichkeiten
Verhinderungspflege: Bis zu 1.612 Euro jährlich (kombiniert mit Kurzzeitpflege bis zu 3.224 Euro) für Vertretung bei Urlaub oder Krankheit der pflegenden Angehörigen. Mehr dazu unter Verhinderungspflege.
Kurzzeitpflege: Bis zu 1.774 Euro jährlich für vorübergehende vollstationäre Pflege, etwa nach Krankenhausaufenthalten. Details finden Sie unter Kurzzeitpflege.
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: 40 Euro monatlich für Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen und ähnliches.
Wohnraumanpassung: Bis zu 4.000 Euro Zuschuss für barrierefreie Umbauten, etwa ein barrierefreies Bad mit ebenerdiger Dusche. Mehr Informationen unter Wohnraumanpassung.
Steuerliche Absetzbarkeit: Pflegekosten können als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden. Bei einer 24-Stunden-Betreuung können Sie zusätzlich die Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Pflegekraft als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen (bis zu 20 Prozent von maximal 20.000 Euro, also bis zu 4.000 Euro Steuerersparnis jährlich).
Praktische Beispiele aus dem Pflegealltag
Die folgenden Beispiele zeigen, wie die Katheterpflege im häuslichen Umfeld gelingt und welche Lösungen Familien gefunden haben:
Beispiel 1: Herr Schmidt (78) mit Parkinson und Dauerkatheter
Herr Schmidt leidet seit 12 Jahren an Parkinson. Vor zwei Jahren entwickelte er eine neurogene Blasenfunktionsstörung – die Blase entleerte sich nicht mehr vollständig, es kam zu häufigen Harnwegsinfektionen. Sein Urologe legte einen suprapubischen Dauerkatheter.
Ausgangssituation: Seine Ehefrau (75) übernahm zunächst die komplette Pflege. Die tägliche Intimhygiene, der Beutelwechsel und die Kontrolle der Eintrittsstelle forderten sie körperlich und emotional. Sie hatte Angst, etwas falsch zu machen und ihrem Mann zu schaden. Hinzu kamen die Parkinson-Symptome mit zunehmender Bewegungseinschränkung.
Lösung: Die Familie entschied sich für eine Kombination aus ambulantem Pflegedienst und 24-Stunden-Betreuung. Der Pflegedienst kommt zweimal wöchentlich für den Katheterwechsel und medizinische Kontrollen (Kosten: über Behandlungspflege von der Krankenkasse übernommen). Eine polnische Pflegekraft lebt im Haushalt und übernimmt die tägliche Katheterpflege, Körperpflege und Mobilisierung.
Finanzierung: Herr Schmidt hat Pflegegrad 4. Die Familie nutzt die Pflegesachleistung (1.859 Euro) und das Pflegegeld (800 Euro) in Kombination. Die 24-Stunden-Betreuung kostet 2.800 Euro monatlich. Nach Abzug der Pflegeleistungen und steuerlicher Absetzbarkeit bleiben etwa 1.200 Euro Eigenanteil.
Ergebnis: Herr Schmidt lebt weiterhin zu Hause in vertrauter Umgebung. Die professionelle Katheterpflege hat die Infektionsrate deutlich gesenkt. Seine Frau ist entlastet und kann wieder Zeit als Ehefrau statt nur als Pflegerin verbringen. Die Lebensqualität beider hat sich deutlich verbessert.
Beispiel 2: Frau Müller (65) mit Multipler Sklerose und Selbstkatheterismus
Frau Müller erhielt vor 15 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose. Vor drei Jahren begannen Blasenentleerungsstörungen. Ihr Neurologe schulte sie im intermittierenden Selbstkatheterismus – eine Methode, die ihr ein hohes Maß an Selbstständigkeit erhält.
Ausgangssituation: Frau Müller katheterisiert sich 4-5 Mal täglich selbst. Anfangs war sie unsicher und empfand die Prozedur als unangenehm. Die Angst vor Infektionen belastete sie zusätzlich.
Lösung: Intensive Schulung durch eine spezialisierte Kontinenz- und Stomaberaterin, die ihr verschiedene Kathetersysteme zeigte. Sie entschied sich für hydrophile Einmalkatheter mit integriertem Gleitmittel, die besonders anwenderfreundlich sind. Ein Katheter-Tagebuch hilft ihr, die Katheterisierungszeiten einzuhalten.
Unterstützung im Alltag: An Tagen, an denen die MS-Symptome stark sind und die Feinmotorik eingeschränkt ist, kommt eine Pflegekraft vom ambulanten Dienst und übernimmt das Katheterisieren. Diese Flexibilität gibt ihr Sicherheit.
Kosten: Die Einmalkatheter (etwa 150 Stück monatlich) werden vollständig von der Krankenkasse übernommen (Rezept über Hilfsmittel). Zuzahlung: 10 Euro pro Quartalsrezept. Die gelegentlichen Einsätze des Pflegedienstes werden über die Behandlungspflege abgerechnet.
Ergebnis: Frau Müller hat gelernt, souverän mit ihrer Situation umzugehen. Sie arbeitet noch halbtags, reist und führt ein weitgehend normales Leben. Die Infektionsrate ist durch den Selbstkatheterismus niedriger als bei einem Dauerkatheter. Sie fühlt sich selbstbestimmt und nicht „krank”.
Beispiel 3: Herr Wagner (82) nach Prostata-OP mit vorübergehendem Katheter
Herr Wagner wurde wegen einer Prostatavergrößerung operiert. Nach der Operation lag für drei Wochen ein transurethraler Dauerkatheter.
Ausgangssituation: Herr Wagner lebt allein. Seine Tochter wohnt 200 Kilometer entfernt und kann nur am Wochenende kommen. Er fühlte sich unsicher im Umgang mit Katheter und hatte Angst vor Komplikationen.
Lösung: Für die drei Wochen organisierte die Tochter eine 24-Stunden-Betreuung. Die Pflegekraft übernahm die komplette Katheterpflege, half bei der Körperpflege und Mobilisierung nach der OP, kochte und unterstützte bei der Rehabilitation.
Kosten: Für drei Wochen fielen etwa 1.800 Euro an. Da Herr Wagner keinen Pflegegrad hat, musste er die Kosten zunächst selbst tragen. Er konnte jedoch die Kosten als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen und erhielt etwa 600 Euro zurück.
Ergebnis: Die professionelle Betreuung ermöglichte eine komplikationsfreie Heilung. Der Katheter konnte nach drei Wochen problemlos entfernt werden. Herr Wagner erlangte seine Selbstständigkeit zurück und ist dankbar für die Unterstützung in dieser schwierigen Phase. Die Investition war aus seiner Sicht jeden Euro wert.
Beispiel 4: Familie Schneider mit demenzerkrankter Mutter (85) und Dauerkatheter
Frau Schneider senior leidet an fortgeschrittener Demenz und hat aufgrund einer Blasenschwäche einen suprapubischen Dauerkatheter. Sie lebt bei ihrer Tochter und deren Familie.
Ausgangssituation: Die Tochter versuchte zunächst, die Pflege allein zu bewältigen. Die Herausforderung: Ihre Mutter versteht nicht, warum sie einen Katheter hat und versucht immer wieder, ihn zu entfernen. Die tägliche Katheterpflege kombiniert mit der Demenzbetreuung überforderte die Familie zunehmend.
Lösung: Die Familie entschied sich für eine 24-Stunden-Betreuung spezialisiert auf Demenz. Die Pflegekraft hat Erfahrung im Umgang mit Katheter und Demenzerkrankten. Sie lenkt die Mutter ab, wenn sie am Katheter manipulieren will, und hat spezielle Fixierhosen besorgt, die das Herausziehen erschweren.
Finanzierung: Frau Schneider hat Pflegegrad 4. Die Familie nutzt das volle Pflegegeld (800 Euro) und kombiniert es mit der Pflegesachleistung (1.859 Euro). Die 24-Stunden-Betreuung kostet 3.200 Euro monatlich. Nach Abzug aller Leistungen und Steuervorteilen bleiben etwa 1.400 Euro Eigenanteil.
Ergebnis: Die Mutter ist rund um die Uhr betreut und sicher versorgt. Die Katheterpflege wird professionell durchgeführt, Infektionen sind selten geworden. Die Tochter kann wieder arbeiten und hat abends Zeit für ihre eigene Familie. Die Beziehung zur Mutter hat sich entspannt, da sie nicht mehr nur Pflegerin, sondern wieder Tochter sein kann.
Häufige Fehler in der Katheterpflege vermeiden
Selbst bei besten Absichten können in der Katheterpflege Fehler passieren, die zu Komplikationen führen. Hier die häufigsten Fehlerquellen und wie Sie sie vermeiden:
Fehler 1: Unzureichende Händehygiene
Das Problem: Viele Angehörige unterschätzen die Bedeutung der Händehygiene. „Nur mal schnell den Beutel leeren” ohne vorherige Händedesinfektion ist eine häufige Fehlerquelle.
Die Folge: Keime gelangen in das Kathetersystem und können Infektionen auslösen.
So machen Sie es richtig: Vor und nach jedem Kontakt mit dem Katheter Hände mindestens 30 Sekunden waschen und desinfizieren. Einmalhandschuhe tragen. Keine Ausnahmen – auch nicht bei Zeitdruck.
Fehler 2: Zu seltenes Entleeren des Urinbeutels
Das Problem: Manche Angehörige leeren den Beutel erst, wenn er vollständig gefüllt ist, um sich die Arbeit zu „sparen”.
Die Folge: Ein zu voller Beutel wird schwer und zieht am Katheter. Das kann zu Schmerzen, Verletzungen der Harnröhre oder zum Herausrutschen des Katheters führen. Außerdem begünstigt stehendes Urin Bakterienwachstum.
So machen Sie es richtig: Beinbeutel bei zwei Dritteln Füllung leeren (alle 3-4 Stunden), Bettbeutel morgens nach dem Aufstehen.
Fehler 3: Urinbeutel oberhalb der Blase positionieren
Das Problem: Beim Hinsetzen oder Umlagern wird der Beutel manchmal versehentlich höher als die Blase positioniert.
Die Folge: Urin kann zurück in die Blase fließen und Keime mit sich bringen – ein hohes Infektionsrisiko.
So machen Sie es richtig: Kontrollieren Sie bei jeder Positionsänderung, dass der Beutel unterhalb der Blasenhöhe hängt. Nutzen Sie spezielle Beutelhalter am Rollstuhl oder Bett.
Fehler 4: Unsachgemäßes Katheter spülen
Das Problem: Manche Angehörige spülen den Katheter routinemäßig „zur Vorbeugung” oder wenden zu viel Druck an.
Die Folge: Jede Spülung erhöht das Infektionsrisiko. Zu viel Druck kann die Blase verletzen.
So machen Sie es richtig: Spülen Sie nur bei ärztlicher Anordnung und nach entsprechender Schulung. Verwenden Sie nur sterile Lösungen und niemals Kraft. Bei Unsicherheit holen Sie professionelle Hilfe.
Fehler 5: Zu straffe oder zu lockere Fixierung
Das Problem: Der Katheter wird entweder zu fest fixiert (aus Angst, er könnte herausrutschen) oder zu locker (um Druckstellen zu vermeiden).
Die Folge: Zu straffe Fixierung führt zu Druckstellen und Durchblutungsstörungen. Zu lockere Fixierung ermöglicht Zug am Katheter, was die Harnröhre reizt oder den Katheter herausziehen kann.
So machen Sie es richtig: Der Katheter sollte fest, aber nicht stramm fixiert sein. Sie sollten noch einen Finger zwischen Fixierung und Haut schieben können. Kontrollieren Sie die Fixierung täglich und ändern Sie die Position leicht, um Druckstellen zu vermeiden.
Fehler 6: Verwendung ungeeigneter Reinigungsmittel
Das Problem: Manche Angehörige verwenden aggressive Desinfektionsmittel, parfümierte Seifen oder Intimsprays für die Intimpflege.
Die Folge: Die natürliche Hautflora wird zerstört, die Haut wird gereizt, Pilzinfektionen werden begünstigt.
So machen Sie es richtig: Verwenden Sie nur pH-neutrale, parfümfreie Waschlotion und lauwarmes Wasser. Für die Kathetereintrittsstelle eignet sich sterile Kochsalzlösung.
Fehler 7: Unzureichende Flüssigkeitszufuhr
Das Problem: Manche Betroffene trinken absichtlich wenig, um seltener den Beutel leeren zu müssen.
Die Folge: Konzentrierter Urin begünstigt Sedimentbildung, Kristallablagerungen und Infektionen. Die natürliche Durchspülung der Harnwege fehlt.
So machen Sie es richtig: Achten Sie auf mindestens 1,5-2 Liter Flüssigkeit täglich (wenn ärztlich nicht anders verordnet). Führen Sie ein Trinkprotokoll, wenn das Trinken vergessen wird.
Fehler 8: Ignorieren von Warnsignalen
Das Problem: Veränderungen wie trüber Urin, Geruch oder leichtes Fieber werden als „normal” abgetan.
Die Folge: Aus einer beginnenden Infektion wird eine schwere Harnwegsinfektion oder Nierenbeckenentzündung, die stationär behandelt werden muss.
So machen Sie es richtig: Nehmen Sie alle Veränderungen ernst und kontaktieren Sie bei Unsicherheit lieber einmal zu viel als zu wenig einen Arzt. Führen Sie ein Pflegetagebuch, in dem Sie Auffälligkeiten notieren.
Wenn Sie merken, dass die Katheterpflege Sie überfordert oder Sie sich unsicher fühlen, ist das kein Zeichen von Schwäche. Die professionelle Unterstützung durch eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause kann die Sicherheit erhöhen und Sie entlasten.

Professionelle Pflegekräfte vermeiden Fehler und geben Ihnen die Gewissheit, alles richtig zu machen
Angebot anfordern Beraten lassenGrenzen der häuslichen Katheterpflege und Alternativen
So wichtig die häusliche Pflege auch ist – es gibt Situationen, in denen sie an ihre Grenzen stößt. Es ist wichtig, diese Grenzen zu erkennen und rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Wann ist häusliche Katheterpflege nicht mehr ausreichend?
Wiederkehrende Infektionen: Wenn trotz korrekter Pflege häufig Harnwegsinfektionen auftreten (mehr als 3-4 pro Jahr), sollte die Versorgung überdacht werden. Möglicherweise ist ein Wechsel des Kathetersystems sinnvoll oder eine intensivere medizinische Überwachung notwendig.
Komplexe medizinische Situation: Bei Kombinationen aus Katheter, Diabetes, Immunschwäche oder anderen schweren Erkrankungen ist oft eine professionelle pflegerische Versorgung erforderlich, die Angehörige nicht leisten können.
Überlastung der Angehörigen: Wenn die Katheterpflege zusammen mit anderen Pflegeaufgaben zu physischer und psychischer Erschöpfung führt, ist die Grenze erreicht. Burnout bei pflegenden Angehörigen ist ein ernstes Risiko, das nicht unterschätzt werden sollte.
Mangelnde Compliance: Bei Demenz oder kognitiven Einschränkungen kann es sein, dass Betroffene den Katheter nicht akzeptieren und ständig daran manipulieren. Hier ist eine durchgehende Überwachung notwendig, die Angehörige nicht leisten können.
Fehlende räumliche Voraussetzungen: Wenn die Wohnung nicht barrierefrei ist und die Pflege in einem barrierefreien Bad nicht möglich ist, wird die Katheterpflege unnötig erschwert.
Alternativen zur reinen Angehörigenpflege
Ambulanter Pflegedienst: Kommt 1-3 Mal täglich für medizinische Behandlungspflege. Übernimmt Katheterwechsel, Wundversorgung, Medikamentengabe. Entlastet Angehörige bei medizinischen Aufgaben. Finanzierung über Krankenkasse (Behandlungspflege) und Pflegekasse (Grundpflege).
Vorteile: Professionelle medizinische Versorgung, Angehörige bleiben eingebunden, Leben zu Hause bleibt möglich.
Grenzen: Keine durchgehende Betreuung, Angehörige müssen zwischen den Einsätzen die Pflege übernehmen, bei Demenz oft nicht ausreichend.
24-Stunden-Betreuung: Eine Pflegekraft lebt im Haushalt und ist rund um die Uhr verfügbar. Übernimmt Grundpflege, Katheterpflege (nach Schulung), Hauswirtschaft, Betreuung und Aktivierung. Besonders geeignet bei Demenz, komplexen Pflegesituationen oder wenn Angehörige berufstätig sind.
Vorteile: Durchgehende Betreuung, individuelle Pflege, Leben in vertrauter Umgebung, Angehörige werden stark entlastet, oft günstiger als Pflegeheim.
Grenzen: Medizinische Maßnahmen wie Katheterwechsel müssen oft zusätzlich durch Pflegedienst erfolgen, Eigenanteil trotz Pflegeleistungen, räumliche Voraussetzungen (Zimmer für Pflegekraft).
Mehr Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zu räumlichen Voraussetzungen für 24-Stunden-Pflege.
Tagespflege: Betroffene verbringen den Tag in einer Pflegeeinrichtung und kehren abends nach Hause zurück. Dort erfolgt professionelle Pflege, Therapien und soziale Aktivitäten.
Vorteile: Professionelle Versorgung tagsüber, Entlastung berufstätiger Angehöriger, soziale Kontakte, Förderung und Aktivierung.
Grenzen: Transport notwendig, Angehörige müssen abends und nachts pflegen, nicht bei schwerer Demenz oder Bettlägerigkeit geeignet.
Kurzzeitpflege: Vorübergehende vollstationäre Pflege für maximal 8 Wochen pro Jahr, etwa nach Krankenhausaufenthalten oder zur Entlastung pflegender Angehöriger. Finanzierung über Pflegekasse (bis zu 1.774 Euro jährlich, kombinierbar mit Verhinderungspflege bis zu 3.224 Euro).
Vorteile: Professionelle Rundumversorgung, Angehörige können sich erholen, Überbrückung schwieriger Phasen.
Grenzen: Nur vorübergehend, Umgebungswechsel kann bei Demenz problematisch sein, begrenzte Plätze.
Vollstationäre Pflege: Dauerhafter Umzug in ein Pflegeheim. Sollte immer die letzte Option sein, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Vorteile: Professionelle Versorgung rund um die Uhr, medizinische Versorgung vor Ort, Entlastung der Angehörigen.
Grenzen: Verlust der vertrauten Umgebung, hohe Kosten (oft 3.000-5.000 Euro monatlich), weniger individuelle Betreuung, oft letzter Schritt in der Pflegekarriere.
Mehr zu diesem Thema in unserem Artikel Alternativen zum Pflegeheim.
Kombinierte Lösungen: Das Beste aus mehreren Welten
Oft ist eine Kombination verschiedener Unterstützungsformen die beste Lösung:
Beispiel 1: 24-Stunden-Betreuung für Grundpflege und Betreuung + ambulanter Pflegedienst für Katheterwechsel und medizinische Behandlungspflege. Die Betreuungskraft übernimmt die tägliche Katheterpflege nach Anleitung durch den Pflegedienst.
Beispiel 2: Angehörige übernehmen die Pflege am Wochenende + 24-Stunden-Betreuung unter der Woche, wenn Angehörige arbeiten. Dies ermöglicht weiterhin enge Bindung bei gleichzeitiger Berufstätigkeit.
Beispiel 3: Ambulanter Pflegedienst für medizinische Maßnahmen + Tagespflege 3x pro Woche + Angehörige abends und nachts. Diese Lösung bietet professionelle Versorgung, soziale Kontakte und Entlastung der Familie.
Die richtige Lösung hängt von vielen Faktoren ab: medizinischer Zustand, familiäre Situation, finanzielle Möglichkeiten, räumliche Gegebenheiten und persönliche Wünsche. Eine professionelle Pflegeberatung kann helfen, die optimale Kombination zu finden. Nutzen Sie dazu auch den Medizinischen Dienst oder unabhängige Pflegeberater.
Häufig gestellte Fragen zur Katheterpflege
Wie oft muss ein Dauerkatheter gewechselt werden?
Die Wechselintervalle hängen vom Material des Katheters ab. Silikonkatheter können bis zu 12 Wochen liegen bleiben, Latexkatheter sollten spätestens nach 4 Wochen gewechselt werden. Suprapubische Katheter werden meist alle 4-12 Wochen gewechselt. Bei Komplikationen wie Infektionen, Blockaden oder Beschädigungen ist ein vorzeitiger Wechsel notwendig. Der Katheterwechsel sollte immer von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden – entweder von einem Arzt oder einer entsprechend geschulten Pflegefachkraft.
Kann ich mit einem Katheter duschen oder baden?
Duschen ist mit einem Katheter problemlos möglich und wird sogar empfohlen, da es die Hygiene unterstützt. Verwenden Sie pH-neutrale Seife und reinigen Sie den Katheter vorsichtig von der Eintrittsstelle nach außen. Trocknen Sie sich anschließend gründlich ab. Baden sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen, da stehendes Wasser Keime in den Katheter spülen kann. Bei suprapubischen Kathetern sollte die Eintrittsstelle mit einem wasserdichten Pflaster geschützt werden. Leeren Sie den Urinbeutel vor dem Duschen und fixieren Sie den Katheter sicher, damit er nicht versehentlich gezogen wird.
Wie erkenne ich eine Harnwegsinfektion bei einem Katheter?
Typische Anzeichen einer Harnwegsinfektion sind: trüber, übelriechender oder blutiger Urin, Fieber über 38°C, Schmerzen oder Brennen im Unterbauch, plötzliche Verwirrtheit (besonders bei älteren Menschen), Schmerzen in der Nierengegend, Unwohlsein und Schwäche. Bei katheterassoziierten Infektionen kann auch der Urinfluss plötzlich stoppen oder stark reduziert sein. Wichtig: Kontaktieren Sie bei diesen Symptomen sofort einen Arzt. Unbehandelte Harnwegsinfektionen können auf die Nieren übergreifen und zu schweren Komplikationen führen. Die Behandlung erfolgt meist mit Antibiotika nach Urinkultur.
Was mache ich, wenn der Katheter verstopft ist?
Bei einer Katheterblockade prüfen Sie zunächst, ob der Katheter oder Schlauch abgeknickt ist. Ändern Sie die Position des Betroffenen und kontrollieren Sie, ob der Ablasshahn am Beutel offen ist. Wenn diese einfachen Maßnahmen nicht helfen, kontaktieren Sie umgehend einen Arzt oder Pflegedienst. Versuchen Sie nicht, den Katheter selbst zu spülen, wenn Sie nicht entsprechend geschult sind – das kann die Situation verschlimmern oder zu Verletzungen führen. Eine Blockade kann durch Blutkoagel, Sedimente oder Ablagerungen entstehen und erfordert oft eine professionelle Spülung oder einen Katheterwechsel.
Wie oft sollte der Urinbeutel geleert werden?
Beinbeutel sollten geleert werden, wenn sie zu zwei Dritteln gefüllt sind – in der Regel alle 3-4 Stunden. Ein zu voller Beutel wird schwer und zieht am Katheter, was zu Schmerzen oder Verletzungen führen kann. Bettbeutel werden morgens nach dem Aufstehen entleert. Wichtig ist, dass Sie beim Entleeren hygienisch arbeiten: Hände desinfizieren, den Ablassstutzen nicht mit der Toilette in Berührung bringen und nach dem Entleeren mit einem Alkoholtupfer desinfizieren. Beobachten Sie dabei die Urinfarbe und -menge – Veränderungen können auf Probleme hinweisen.
Kann ich mit einem Katheter reisen?
Ja, Reisen mit Katheter ist möglich, erfordert aber gute Vorbereitung. Nehmen Sie ausreichend Wechselkatheter, Urinbeutel, Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe mit. Planen Sie regelmäßige Pausen zum Entleeren des Beutels ein. Bei Flugreisen nehmen Sie eine ärztliche Bescheinigung in Englisch mit, die den Katheter erklärt – das erleichtert Sicherheitskontrollen. Packen Sie alle wichtigen Materialien ins Handgepäck. Informieren Sie sich vorab über medizinische Versorgungsmöglichkeiten am Zielort. Bei längeren Reisen kann es sinnvoll sein, vor Ort einen Arzt oder Pflegedienst zu kontaktieren, der im Notfall helfen kann. Mit guter Planung steht einem Urlaub nichts im Wege.
Wie viel sollte ich mit einem Katheter trinken?
Mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich sind optimal, wenn ärztlich nicht anders verordnet. Ausreichendes Trinken sorgt für eine natürliche Durchspülung der Harnwege, verdünnt den Urin und erschwert Bakterien die Vermehrung. Es reduziert auch die Bildung von Sedimenten und Kristallen, die den Katheter verstopfen können. Geeignet sind Wasser, ungesüßte Kräutertees und verdünnte Fruchtsäfte. Cranberrysaft kann helfen, Harnwegsinfektionen vorzubeugen. Vermeiden Sie übermäßigen Kaffee- und Alkoholkonsum, da diese die Blase reizen können. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen kann die Trinkmenge angepasst werden müssen – besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.
Was kostet die Versorgung mit einem Katheter?
Die Kosten für Kathetermaterialien werden von der Krankenkasse übernommen, wenn sie vom Arzt verordnet werden. Sie benötigen ein Rezept über „Hilfsmittel zur Inkontinenzversorgung”. Gesetzlich Versicherte zahlen 10 Prozent der Kosten, mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro pro Rezept. Bei chronischen Erkrankungen können Sie sich von der Zuzahlung befreien lassen. Die medizinische Behandlungspflege (einschließlich Katheterwechsel) durch einen ambulanten Pflegedienst wird ebenfalls von der Krankenkasse übernommen, wenn sie ärztlich verordnet wird. Zuzahlung: 10 Euro pro Verordnung plus 10 Prozent der Kosten für die ersten 28 Tage pro Kalenderjahr. Mehr Details finden Sie in unserem Artikel zu Kostenübernahme durch Pflegekassen.
Wann sollte ich professionelle Hilfe bei der Katheterpflege in Anspruch nehmen?
Professionelle Hilfe ist sinnvoll, wenn Sie sich unsicher im Umgang mit Katheter fühlen, wiederkehrende Infektionen auftreten, die Katheterpflege mit weiteren Pflegeaufgaben kombiniert werden muss oder wenn Sie als pflegender Angehöriger an Ihre Belastungsgrenze stoßen. Auch bei Demenz, wenn der Betroffene den Katheter nicht akzeptiert, ist durchgehende professionelle Betreuung oft notwendig. Eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause kann die tägliche Katheterpflege übernehmen und Sie entlasten, während ein ambulanter Pflegedienst medizinische Maßnahmen wie Katheterwechsel durchführt. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen – professionelle Unterstützung erhöht die Sicherheit und Lebensqualität für alle Beteiligten.
Kann ein Katheter beim Geschlechtsverkehr getragen werden?
Ja, Geschlechtsverkehr mit Katheter ist grundsätzlich möglich, erfordert aber Vorsicht und Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Bei Männern mit transurethralem Katheter kann dieser während des Geschlechtsverkehrs getragen werden, sollte aber vorsichtig nach oben geklappt und fixiert werden. Bei suprapubischen Kathetern ist Intimität oft einfacher möglich, da die Harnröhre frei ist. Wichtig ist, dass der Katheter nicht unter Zug gerät und die Hygiene beachtet wird. Manche Paare empfinden die Situation als belastend – offene Kommunikation und eventuell psychologische Beratung können helfen. Ihr Arzt oder eine Sexualberatungsstelle kann Sie individuell beraten.
Wie lange kann man mit einem Dauerkatheter leben?
Viele Menschen leben Jahre oder sogar Jahrzehnte mit einem Dauerkatheter und führen ein weitgehend normales Leben. Die Lebenserwartung wird durch den Katheter selbst nicht verkürzt, sondern hängt von der Grunderkrankung ab, die den Katheter notwendig macht. Entscheidend für ein gutes Leben mit Katheter sind: konsequente Hygiene zur Vermeidung von Infektionen, regelmäßige ärztliche Kontrollen, gute Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr, körperliche Aktivität im Rahmen der Möglichkeiten und psychosoziale Unterstützung. Viele Betroffene berichten, dass sie sich nach einer Eingewöhnungsphase wieder aktiv am Leben beteiligen können – arbeiten, reisen, Sport treiben. Der Katheter ist dann ein Hilfsmittel, das Lebensqualität ermöglicht, nicht einschränkt.
Was ist der Unterschied zwischen einem transurethralen und einem suprapubischen Katheter?
Ein transurethraler Katheter wird durch die Harnröhre in die Blase eingeführt und dort mit einem kleinen Ballon fixiert. Er eignet sich für vorübergehende Blasenentleerungsstörungen und kann mehrere Wochen liegen bleiben. Nachteil: Er belastet die empfindliche Harnröhre und kann zu Reizungen oder Infektionen führen. Ein suprapubischer Katheter wird durch einen kleinen chirurgischen Eingriff direkt durch die Bauchdecke in die Blase gelegt. Er eignet sich besonders für Langzeitversorgung, da er die Harnröhre nicht belastet und weniger Infektionen verursacht. Die Eintrittsstelle erfordert jedoch spezielle Pflege wie bei einem Stoma. Welcher Kathetertyp geeignet ist, entscheidet der Arzt basierend auf der medizinischen Situation und voraussichtlichen Tragedauer.
Kann ich die Katheterpflege von der Steuer absetzen?
Ja, Pflegekosten können als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden. Dies gilt für Kosten, die über die Erstattung durch Kranken- und Pflegekasse hinausgehen. Dazu gehören: Eigenanteile für Pflegedienste, Kosten für 24-Stunden-Betreuung, Fahrtkosten zu Ärzten, Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel, Kosten für Wohnraumanpassung. Bei einer 24-Stunden-Betreuung können Sie zusätzlich 20 Prozent der Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Pflegekraft als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen (bis zu 4.000 Euro Steuerersparnis jährlich). Bewahren Sie alle Belege auf und lassen Sie sich von einem Steuerberater beraten, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Mehr Informationen finden Sie in unserem Artikel zu Pflegekosten.
Fazit: Katheterpflege als Teamaufgabe verstehen
Die professionelle Katheterpflege ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die medizinisches Fachwissen, konsequente Hygiene und viel Einfühlungsvermögen erfordert. Sie ist weit mehr als nur eine technische Pflegemaßnahme – sie berührt die Intimsphäre, die Würde und die Lebensqualität des betroffenen Menschen.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Ratgeber:
Hygiene ist das A und O: Durch konsequente Händehygiene, tägliche Intimpflege, geschlossenes Ableitungssystem und ausreichende Flüssigkeitszufuhr lassen sich die meisten Komplikationen vermeiden. Nehmen Sie diese Grundregeln ernst – sie sind der beste Schutz vor Infektionen.
Katheter spülen nur bei Indikation: Routinemäßiges Spülen ist nicht empfohlen und erhöht das Infektionsrisiko. Spülen Sie nur bei ärztlicher Anordnung, nach entsprechender Schulung und mit sterilen Materialien. Bei Unsicherheit holen Sie immer professionelle Hilfe.
Leben mit Katheter ist möglich: Mit den richtigen Techniken und Hilfsmitteln können Menschen mit Katheter ein weitgehend normales Leben führen – arbeiten, reisen, soziale Kontakte pflegen. Der Katheter muss nicht das Leben bestimmen, sondern ist ein Hilfsmittel, das Lebensqualität ermöglicht.
Komplikationen ernst nehmen: Achten Sie auf Warnsignale wie trüben Urin, Fieber oder Schmerzen. Frühes Erkennen und schnelles Handeln verhindern schwere Folgen. Scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheit ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Grenzen erkennen und Hilfe annehmen: Wenn die Katheterpflege Sie überfordert, ist das kein Zeichen von Schwäche. Professionelle Unterstützung durch ambulante Pflegedienste oder eine 24-Stunden-Betreuung kann die Sicherheit erhöhen, Komplikationen vermeiden und Ihre Lebensqualität als pflegender Angehöriger deutlich verbessern.
Die Katheterpflege sollte immer als Teamaufgabe verstanden werden: Der Betroffene selbst (soweit möglich), pflegende Angehörige, professionelle Pflegekräfte, Ärzte und Therapeuten arbeiten zusammen, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Jeder bringt seine Stärken ein – medizinisches Fachwissen, liebevolle Zuwendung, technische Fertigkeiten oder emotionale Unterstützung.
Wenn Sie merken, dass die tägliche Katheterpflege zur Belastung wird, wenn Sie sich unsicher fühlen oder wenn weitere Pflegeaufgaben hinzukommen, kann eine 24-Stunden-Betreuung die ideale Lösung sein. Erfahrene Pflegekräfte übernehmen die fachgerechte Versorgung, während Sie wieder mehr Zeit als Angehöriger statt nur als Pfleger haben. Ihr Liebster bleibt in der vertrauten Umgebung, erhält professionelle Pflege und Sie gewinnen Sicherheit und Entlastung.
Denken Sie daran: Die beste Pflege ist die, die für alle Beteiligten tragbar ist – für den Pflegebedürftigen und für Sie als pflegenden Angehörigen. Nur wenn Sie selbst gesund und ausgeglichen bleiben, können Sie langfristig für Ihren Angehörigen da sein. Professionelle Unterstützung ist keine Aufgabe, sondern ein Gewinn an Lebensqualität für alle.

Kostenlose Beratung zur 24-Stunden-Betreuung – individuell, unverbindlich und auf Ihre Situation zugeschnitten
Angebot anfordern Beraten lassenHinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische oder pflegerische Beratung. Die Katheterpflege sollte immer nach ärztlicher Anordnung und entsprechender Schulung erfolgen. Bei Unsicherheiten oder Komplikationen kontaktieren Sie umgehend einen Arzt oder qualifiziertes Pflegepersonal. Alle Angaben zu Kosten und Förderungen entsprechen dem Stand 2025 und können sich ändern. Individuelle Leistungsansprüche prüfen Sie bitte mit Ihrer Kranken- und Pflegekasse. Stand: Oktober 2025