Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt keine gesetzliche Sprachvorgabe für Betreuungskräfte in der häuslichen 24-Stunden-Betreuung. Anders als bei examinierten Pflegefachpersonen, für die die Länder in der Regel Niveau B2 verlangen, entscheidet allein Ihr Anforderungsprofil.
- Die Mehrheit der vermittelten Kräfte liegt zwischen A2 und B1, erfahrene Kräfte häufig bei B1 bis B2. Angaben in Steckbriefen sind meist Einschätzungen der Agentur, keine zertifizierten Prüfungen.
- Die richtige Frage lautet nicht „Wie gut spricht sie Deutsch?“, sondern „Welche Gespräche müssen hier täglich funktionieren?“ Ein gesprächiger, geistig klarer Mensch braucht ein anderes Niveau als jemand im fortgeschrittenen Demenzstadium.
- Für den Notfall gibt es eine Lösung, die kaum jemand kennt: Die offizielle Notruf-App „nora“ der Bundesländer ermöglicht einen vollständigen Notruf ohne zu sprechen — ausdrücklich auch für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.
- Dolmetscherkosten beim Arzt sind keine Leistung der Krankenkasse. Der Arzt ist nach § 630e BGB aber verpflichtet, verständlich aufzuklären — das ist Ihr Hebel im Praxisgespräch.
- Mit Wortliste, schriftlicher Tagesstruktur und Notfallblatt lässt sich auch mit A2 ein sicherer Alltag aufbauen — vorausgesetzt, Sie organisieren die Verständigung bewusst, statt sie dem Zufall zu überlassen.
Die Frage nach den Deutschkenntnissen einer polnischen Pflegekraft beschäftigt fast jede Familie, die zum ersten Mal über eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause nachdenkt. Versteht die Betreuungskraft, was die pflegebedürftige Person sagt? Kann sie im Notfall den Rettungsdienst rufen und die Lage schildern? Funktioniert der Alltag, wenn Worte fehlen — und was, wenn Demenz im Spiel ist? Diese Sorgen sind berechtigt, denn Sprache ist in der Pflege weit mehr als Höflichkeit: Sie entscheidet über Sicherheit, Vertrauen und Lebensqualität.
Die gute Nachricht vorab: Die allermeisten Betreuungskräfte aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern bringen ausreichende Deutschkenntnisse für den Pflegealltag mit, und viele sprechen gut bis sehr gut Deutsch, weil sie seit Jahren in deutschen Haushalten arbeiten. Gleichzeitig gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Sprachniveaus, und nicht jede Konstellation passt zu jeder Familie.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Sprachniveaus es gibt und was sie im Alltag konkret bedeuten, wie Sie den tatsächlichen Kommunikationsbedarf Ihres Haushalts ermitteln, was im Notfall und beim Arztbesuch rechtlich gilt, wie die Verständigung auch bei begrenzten Kenntnissen sicher gelingt und woran Sie gute Sprachkenntnisse vor Vertragsabschluss erkennen. So treffen Sie eine Entscheidung, die zu Ihrer Situation passt — realistisch, ehrlich und ohne Illusionen.
Transparenzhinweis zu unserer Rolle: PflegeHeimat24 ist eine Vermittlungsagentur und nicht Arbeitgeber der vermittelten Betreuungskräfte. Wir vermitteln überwiegend Kräfte aus Mittel- und Osteuropa und haben damit ein wirtschaftliches Interesse an diesem Modell. Genau deshalb benennen wir in diesem Artikel auch die Grenzen offen — einschließlich der Situationen, in denen ein osteuropäisches Betreuungsmodell an der Sprachfrage scheitert.
Deutschkenntnisse in der 24-Stunden-Betreuung: Was Sie grundsätzlich wissen sollten
Wer eine 24-Stunden-Pflege aus Polen oder einem anderen mittel- oder osteuropäischen Land in Betracht zieht, begegnet schnell einem Spannungsfeld. Einerseits ist die Betreuung durch entsandte Kräfte für viele Familien die einzige finanziell tragfähige Möglichkeit, den Angehörigen in den eigenen vier Wänden zu halten. Andererseits gibt es keine gesetzliche Vorschrift, die für Betreuungskräfte in der häuslichen 24-Stunden-Betreuung ein bestimmtes Deutschniveau verlangt.
Das unterscheidet sie klar von examinierten Pflegefachpersonen: Wer eine im Ausland erworbene Pflegequalifikation in Deutschland anerkennen lassen will, muss in aller Regel Deutschkenntnisse auf Niveau B2 nachweisen — die genauen Anforderungen legen die Bundesländer fest. Informationen dazu bündelt das offizielle Portal Anerkennung in Deutschland des Bundesinstituts für Berufsbildung. Für Alltagsbetreuerinnen und Alltagsbetreuer im familiären Umfeld existiert keine vergleichbare Pflicht. Die Sprachkenntnisse variieren daher von Person zu Person erheblich, und die Verantwortung für ein passendes Niveau liegt bei Ihnen und bei der Agentur.
Warum die Kenntnisse in der Praxis trotzdem meist ausreichen
In der Praxis hat sich ein deutlicher Standard entwickelt. Die meisten Betreuungskräfte, die über seriöse Vermittlungsagenturen nach Deutschland kommen, bringen zumindest grundlegende Deutschkenntnisse mit. Viele von ihnen — häufig Frauen zwischen 45 und 60 Jahren — arbeiten seit Jahren im Wechselmodell in deutschen Haushalten: Sie betreuen eine Familie über einen Turnus, fahren dann nach Hause und kehren anschließend zurück, während eine zweite Kraft übernimmt. Üblich sind Turnusse von zwei bis vier Wochen; einzelne Anbieter arbeiten mit längeren Rhythmen von bis zu drei Monaten.
Mit jedem Einsatz wachsen die Sprachkenntnisse. Nicht selten sprechen erfahrene Kräfte nach einigen Jahren so sicher Deutsch, dass sie Arztgespräche begleiten, Behördenanrufe erledigen und Konflikte im Alltag souverän klären. Wie das Wechselmodell funktioniert und warum es überhaupt nötig ist, beschreibt unser Ratgeber zu Ruhezeiten und Arbeitszeitmodellen.
Die drei Kommunikationsbereiche, auf die es ankommt
Zur Einordnung eine saubere Begriffsklärung: Betreuungskräfte übernehmen Alltagsbegleitung, Haushaltsführung und Unterstützung bei der Körperpflege, beim Ankleiden und bei der Nahrungsaufnahme. Medizinische Behandlungspflege — Injektionen, Wundversorgung, Katheterwechsel — gehört nach § 37 SGB V auf ärztliche Verordnung in die Hände eines ambulanten Pflegedienstes. Die Abgrenzung erklären unsere Beiträge zur Grundpflege und zur Behandlungspflege.
Für die Alltagsbetreuung sind drei Kommunikationsbereiche entscheidend — und sie stellen sehr unterschiedliche Anforderungen:
| Bereich | Was dazugehört | Mindestens nötiges Niveau |
|---|---|---|
| Täglicher Dialog mit der betreuten Person | Wünsche, Schmerzen, Stimmung, Tagesplanung, Gesellschaft leisten | A2 bei körperlichem Schwerpunkt, B1 bis B2 bei hohem Gesprächsbedürfnis |
| Absprache mit den Angehörigen | Übergaben, Veränderungen des Zustands, Organisatorisches | A2, wenn regelmäßige Telefonate strukturiert geführt werden; sonst B1 |
| Kommunikation nach außen | Arztbesuche, Apotheke, Einkäufe, Handwerker, im Ernstfall der Notruf | B1 für Einkäufe und einfache Telefonate, B2 für eigenständige Arztbegleitung |
Wie gut Deutsch gesprochen werden muss, hängt also stark von Ihrer Situation ab. Eine körperlich eingeschränkte, aber geistig klare Seniorin, die gern Gesellschaft hat und viel redet, braucht eine Betreuungskraft mit anderen Sprachkenntnissen als ein hochbetagter Herr im fortgeschrittenen Demenzstadium, bei dem Gestik, Stimmlage und Rituale wichtiger sind als Worte.
Die Sprachniveaus im Pflegealltag: Was A2, B1 und B2 konkret bedeuten
Um Sprachkenntnisse vergleichbar zu machen, greifen Vermittlungsagenturen auf den Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen zurück. Er unterteilt Sprachkompetenz in sechs Stufen von A1 bis C2. Diese Einstufungen finden Sie in den Steckbriefen der Betreuungskräfte — doch was bedeutet ein A2 oder B1 im konkreten Pflegealltag? Die folgende Übersicht übersetzt die abstrakten Niveaus in die Realität eines Haushalts mit Betreuungsbedarf.
| Niveau | Bezeichnung | Was das im Pflegealltag bedeutet | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| A1 | Grundkenntnisse | Begrüßungen, einfache Sätze zu Essen, Schlafen und Körperpflege; komplexere Absprachen nur mit Gesten, Bildern oder Übersetzungshilfen; Telefonate praktisch nicht allein bewältigbar | Für die alleinige Betreuung nicht empfehlenswert |
| A2 | Basiskenntnisse | Alltagsroutinen lassen sich besprechen; einfache Anweisungen werden verstanden; Symptome können grob benannt werden („Schmerzen im Bein“); längere Gespräche und Arztbesuche bleiben schwierig | Körperlicher Schwerpunkt, feste Routinen, Angehörige übernehmen die Außenkommunikation |
| B1 | Fortgeschrittene Sprachverwendung | Alltägliche Gespräche über Familie, Wetter, Gewohnheiten sind möglich; Veränderungen des Befindens können beschrieben werden; einfache Telefonate und Einkäufe gelingen; bei Arztgesprächen ist Unterstützung hilfreich | Der praktische Standard für die meisten Haushalte |
| B2 | Selbstständige Sprachverwendung | Arztbesuche können allein begleitet werden; Medikationspläne werden verstanden; Absprachen mit Pflegedienst, Angehörigen und Behörden funktionieren; auch differenzierte Gespräche über Befindlichkeiten sind möglich | Gesprächige, geistig klare Personen; Fernbetreuung; komplexe Krankheitsbilder |
| C1/C2 | Annähernd muttersprachlich | Alle Situationen inklusive Behördengängen und schriftlicher Dokumentation | In der 24-Stunden-Betreuung selten, meist bei langjährig in Deutschland tätigen Kräften |
Ein Punkt, den Sie kennen sollten: Die Angaben sind meist keine Zertifikate
Die große Mehrheit der vermittelten Betreuungskräfte bewegt sich zwischen A2 und B1, erfahrene Kräfte häufig bei B1 bis B2. Wichtig ist dabei eine Ehrlichkeit, die viele Anbieter nicht von sich aus aussprechen: Die Niveauangabe im Steckbrief ist in aller Regel eine Einschätzung der Agentur oder eine Selbsteinschätzung der Kraft — kein Ergebnis einer zertifizierten Prüfung wie dem Goethe-Zertifikat oder einer telc-Prüfung.
Das ist kein Skandal, sondern der Normalfall in einem Markt ohne gesetzliche Sprachvorgabe. Es bedeutet aber: Zwei Kräfte mit demselben „B1″ im Profil können sich im Alltag deutlich unterscheiden. Fragen Sie deshalb immer nach, wie die Agentur eingestuft hat — telefonisches Interview, strukturierter Sprachtest, Rückmeldungen früherer Familien? Und führen Sie in jedem Fall ein eigenes Kennenlerngespräch. Zehn Minuten Gespräch verraten mehr als jede Angabe auf dem Papier.
Sprachbedarf nach Pflegesituation: Nicht jeder Haushalt braucht dasselbe
Die entscheidende Frage lautet nicht „Wie gut spricht die Betreuungskraft Deutsch?“, sondern „Welche Gespräche müssen in diesem Haushalt täglich funktionieren?“ Vier typische Situationen:
Geistig klare, gesprächige Pflegebedürftige. Wenn Ihr Angehöriger geistig fit ist, gern diskutiert, Radio hört und Wert auf Gesellschaft legt, ist Sprache ein zentraler Baustein der Lebensqualität. Hier sollten Sie mindestens B1 anstreben, besser B2. Eine Kraft, die nur Alltagsvokabular beherrscht, wird dem Gesprächsbedürfnis nicht gerecht — für beide Seiten wird das frustrierend, und Einsamkeit trotz Anwesenheit ist ein reales Risiko.
Überwiegend körperliche Einschränkungen. Nach einem Schlaganfall, bei Parkinson oder schwerer Arthrose steht die körperliche Versorgung im Vordergrund. Routinen, Zuverlässigkeit und Einfühlungsvermögen wiegen hier schwerer als ausgefeilte Gespräche. Mit A2 bis B1 lässt sich der Alltag gut bewältigen, sofern Angehörige die komplexeren Absprachen übernehmen oder telefonisch begleiten.
Demenzielle Erkrankung. Bei Demenz verändert sich die Kommunikation grundlegend. Im frühen Stadium sind verständliche Gespräche wichtig, im fortgeschrittenen Stadium treten Worte hinter Stimmlage, Berührung, Mimik und feste Rituale zurück. Hier zählt weniger grammatikalisch korrektes Deutsch als die Fähigkeit, ruhig, freundlich und wiederholend zu kommunizieren — dazu gleich mehr in einem eigenen Abschnitt.
Aphasie nach Schlaganfall. Diese Konstellation wird häufig übersehen und ist die anspruchsvollste: Wenn die betreute Person selbst in ihrer Sprachfähigkeit eingeschränkt ist, treffen zwei Sprachbarrieren aufeinander. Die Betreuungskraft muss dann aus Bruchstücken, Gesten und Mimik Bedeutungen erschließen — und dafür braucht sie ein sicheres eigenes Sprachfundament, mindestens B1. Hilfsmittel wie Kommunikationstafeln mit Bildsymbolen sind hier besonders wertvoll. Zur Einstufung nach einem Schlaganfall hilft unser Ratgeber Pflegegrad nach Schlaganfall.
Der Notfall: Wie die Sprachbarriere sicher überbrückt wird
Die häufigste und berechtigtste Sorge lautet: Was passiert, wenn etwas Ernstes geschieht und die Betreuungskraft nicht die Worte findet? Hier gibt es eine sehr gute Antwort, die erstaunlich wenige Familien kennen.
Die Notruf-App „nora“ — ein Notruf ohne Sprechen
nora ist die offizielle Notruf-App der Bundesländer. Über sie lassen sich Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst bundesweit erreichen — vollständig schriftlich und ohne zu sprechen. Die App wurde ursprünglich für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung entwickelt, richtet sich nach Angaben der Innenministerien aber ausdrücklich auch an Menschen, die Deutsch nicht sicher genug sprechen, um am Telefon einen Notruf abzusetzen.
So funktioniert sie:
- Die Notfallsituation wird über maximal fünf aufeinanderfolgende Fragen abgefragt, unterstützt durch Symbole und Texte in leichter Sprache.
- Der Standort wird automatisch per GPS an die zuständige Leitstelle übermittelt — die Kraft muss die Adresse nicht buchstabieren.
- Persönliche Daten wie Alter, Vorerkrankungen und Behinderungen lassen sich vorab freiwillig hinterlegen und werden im Notfall automatisch mitgesendet.
- Die App ist kostenlos und neben Deutsch auch auf Englisch verfügbar.
Unsere Empfehlung: Installieren Sie nora beim Einzug jeder neuen Betreuungskraft gemeinsam auf deren Smartphone, hinterlegen Sie die Daten der pflegebedürftigen Person und gehen Sie den Ablauf einmal in Ruhe durch. Das dauert zwanzig Minuten und nimmt der größten Sorge die Spitze. Die klassischen Nummern 110 und 112 bleiben davon unberührt und können weiterhin genutzt werden.
Das Notfallblatt am Telefon
Ergänzend gehört ein laminiertes Notfallblatt gut sichtbar neben das Telefon — auf Deutsch, ergänzt um die wichtigsten Begriffe in der Muttersprache der Kraft:
- vollständige Adresse mit Etage und Klingelschild, in Druckbuchstaben
- Name, Geburtsdatum und wichtigste Erkrankungen der pflegebedürftigen Person
- ein vorformulierter Satz zum Vorlesen: „Ich brauche einen Rettungswagen. Die Adresse ist …“
- Telefonnummern der Angehörigen in der Reihenfolge, in der angerufen werden soll
- die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Fälle
- Hinweis, wo Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung liegen
Eine vollständige Struktur dafür liefert unser Notfallordner Pflege; die wichtigsten Anlaufstellen bündelt der Ratgeber zu Ansprechpartnern und Soforthilfen im Pflege-Notfall. Was ohne Vorsorgevollmacht gilt, erklärt der Beitrag Pflege-Notfall ohne Vorsorgevollmacht.
Der bundeseinheitliche Medikationsplan
Ein oft unterschätztes Sicherheitsinstrument: Wer dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel einnimmt, hat nach § 31a SGB V Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan vom behandelnden Arzt. Er ist standardisiert aufgebaut, enthält Wirkstoff, Dosierung und Einnahmezeitpunkt in einer festen Tabellenform — und ist damit auch für eine Kraft mit begrenztem Deutsch weitgehend selbsterklärend. Fordern Sie ihn aktiv an und hängen Sie ihn aus. Ein Plan, den niemand lesen kann, hilft nicht; ein tabellarischer Plan schon.
Für den Fall der Fälle sollte die Betreuungskraft zudem Grundlagen zu Sturz, Verschlucken und Atemnot kennen. Eine kompakte Übersicht bietet unser Ratgeber zur Ersten Hilfe in der häuslichen Pflege.
Arztbesuche: Was rechtlich gilt und wie es praktisch funktioniert
Der Arztbesuch ist die Situation, in der die Sprachfrage am deutlichsten spürbar wird. Zwei rechtliche Punkte sollten Sie kennen:
Dolmetscherkosten sind keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Sozialgerichte haben mehrfach entschieden, dass Sprachmittlung nicht Teil der ärztlichen Behandlung ist und daher nicht von den Kassen erstattet wird. Eine Ausnahme gilt für Gebärdensprachdolmetscher: Nach § 17 Abs. 2 SGB I haben hörbehinderte Menschen ausdrücklich das Recht, bei ärztlichen Untersuchungen die Gebärdensprache zu verwenden, und die Kosten trägt der Sozialleistungsträger. Eine allgemeine Sprachmittlung als Kassenleistung wird politisch seit Jahren diskutiert, ist aber bis heute nicht umgesetzt.
Der Arzt muss trotzdem verständlich aufklären. Nach § 630e BGB muss das Aufklärungsgespräch für den Patienten verständlich sein. Verantwortlich dafür ist der Arzt. Das ist Ihr praktischer Hebel: Wenn die pflegebedürftige Person selbst anwesend ist und Deutsch versteht, richtet sich die Aufklärung ohnehin an sie — die Betreuungskraft ist dann Begleitung, nicht Übersetzerin.
Drei Wege, die sich bewährt haben
- Angehörige begleiten oder schalten sich telefonisch zu. Bei wichtigen Terminen — Erstbesuchen, Befundbesprechungen, Therapieentscheidungen — ist das der sicherste Weg. Ein Freisprech-Telefonat während des Gesprächs funktioniert in den meisten Praxen problemlos, wenn Sie vorher fragen.
- Schriftlich vorbereiten. Geben Sie der Betreuungskraft einen kurzen Zettel mit: Anliegen des Termins, aktuelle Beschwerden mit Datum, Fragen an den Arzt, dazu Medikationsplan und Versichertenkarte. Bitten Sie darum, Befunde und Anweisungen schriftlich mitzugeben. Ein ausgedruckter Satz auf dem Zettel hilft: „Bitte notieren Sie die wichtigsten Punkte schriftlich — die Begleitperson spricht nicht fließend Deutsch.“
- Routinetermine delegieren. Rezeptabholung, Blutdruckkontrolle oder Verbandwechsel lassen sich auch mit A2 bewältigen, wenn die Praxis eingeweiht ist. Sprechen Sie das beim ersten gemeinsamen Termin mit dem Team ab.
Sollen Arztbesuche regelmäßig allein bewältigt werden, gehört ein Sprachniveau von mindestens B2 verbindlich ins Anforderungsprofil — und zwar auch für die Vertretungskraft.
Verständigung im Alltag: Strategien, die wirklich tragen
Selbst bei einem Sprachniveau von A2 lässt sich ein stabiler, sicherer Alltag aufbauen — wenn Sie die Verständigung bewusst organisieren, statt sie dem Zufall zu überlassen. Bewährt haben sich diese Maßnahmen:
- Zweisprachige Wortliste erstellen. Die 50 bis 100 wichtigsten Begriffe des Haushalts — Körperteile, Schmerzbeschreibungen, Medikamente, Lieblingsspeisen, Tagesablauf, wichtige Personen — auf Deutsch und in der Muttersprache der Kraft, laminiert und sichtbar aufgehängt. Viele Agenturen stellen Vorlagen zur Verfügung.
- Feste Tagesstruktur schriftlich festhalten. Ein Ablaufplan mit Uhrzeiten reduziert den Absprachebedarf radikal. Was jeden Tag gleich abläuft, muss nicht täglich neu erklärt werden. Eine Orientierung bietet unser Artikel zum Tagesablauf in der 24-Stunden-Betreuung.
- Mit Bildern arbeiten. Fotos von Familienmitgliedern mit Namen, bebilderte Einkaufslisten, Piktogramme an Schränken. Das entlastet nicht nur die Kraft, sondern hilft bei Demenz auch der betreuten Person.
- Übersetzungs-Apps als Brücke nutzen — mit klaren Grenzen. Für einzelne schwierige Begriffe sind sie eine echte Hilfe. Für vertrauliche Gespräche, das Erkennen von Stimmungen oder medizinisch sensible Themen sind sie ungeeignet: Sie übersetzen wörtlich und erfassen weder Tonfall noch Kontext. Betrachten Sie sie als Ergänzung, niemals als Ersatz für ein ausreichendes Sprachniveau.
- Regelmäßige kurze Übergaben einführen. Ein fester wöchentlicher Telefontermin — gern mit Unterstützung eines Familienmitglieds, das die Sprache der Kraft versteht, oder über die Agentur — schafft Verlässlichkeit und verhindert, dass kleine Beobachtungen verloren gehen. Wie sich das über Distanz organisieren lässt, beschreibt der Ratgeber zur Betreuung aus der Ferne.
- Ein Betreuungstagebuch führen. Kurze tägliche Stichworte zu Befinden, Essen, Trinken und Auffälligkeiten. Schreiben fällt vielen Kräften leichter als freies Sprechen — und Sie bekommen ein verlässliches Bild, ohne täglich zu telefonieren.
Viele Familien berichten, dass die sprachliche Annäherung in beide Richtungen geht: Die Betreuungskraft lernt im Alltag schnell dazu, und die pflegebedürftige Person freut sich nicht selten über ein paar Worte Polnisch, Rumänisch oder Bulgarisch. Gemeinsames Lernen schafft Nähe. Voraussetzung für all das ist allerdings, dass die Kraft überhaupt Raum zum Durchatmen hat — dazu gehört ein eigener Rückzugsort, wie ihn unsere Ratgeber zu den räumlichen Voraussetzungen und zur Unterbringung der Pflegekraft beschreiben.
Demenz und Sprache: Warum weniger manchmal mehr ist
Bei Demenz kehrt sich die übliche Logik teilweise um. Erfahrungsgemäß tun sich manche Menschen mit Demenz leichter mit einer Betreuungskraft, die langsam, in kurzen und einfachen Sätzen spricht — das entspricht ohnehin exakt den Grundregeln der Demenzkommunikation: ein Gedanke pro Satz, ruhige Stimme, Blickkontakt, keine Verschachtelungen, keine offenen Fragen mit vielen Optionen. Eine Kraft, deren Deutsch bei B1 liegt, spricht ganz natürlich so.
Zwei Besonderheiten sollten Sie zusätzlich kennen:
- Der Rückgriff auf die Erstsprache. Im Verlauf einer Demenz greifen manche Betroffene verstärkt auf ihre erste oder früh gelernte Sprache zurück, während später erworbene Sprachen verblassen. Für Familien mit Migrationsgeschichte kann eine Betreuungskraft mit derselben Herkunftssprache deshalb zur echten Ressource werden. Teilen Sie solche Sprachkenntnisse der Agentur aktiv mit.
- Nonverbale Signale werden wichtiger. Im fortgeschrittenen Stadium tragen Berührung, Tonfall, Mimik und feste Rituale die Beziehung. Sprachliche Perfektion ist dann nachrangig — Geduld, Wärme und Erfahrung wiegen deutlich schwerer.
Kritisch wird es allerdings, wenn die pflegebedürftige Person Schmerzen, Ängste oder Beschwerden nur noch bruchstückhaft äußert. Dann muss die Betreuungskraft aus Gesten und einzelnen Wörtern Bedeutungen erschließen — das erfordert vor allem Erfahrung, aber eben auch genug Deutsch, um das Beobachtete an Sie und den Arzt weiterzugeben.
Vertiefende Informationen bieten unsere Ratgeber zur Kommunikation mit demenzkranken Menschen, zum richtigen Umgang mit Demenz, zu Verhaltensauffälligkeiten und zur 24-Stunden-Pflege bei Demenz. Fachlich fundierte, werbefreie Informationen für Angehörige veröffentlicht außerdem die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.
Das Sprachniveau vor Vertragsabschluss prüfen: Checkliste und Gesprächsleitfaden
Die Sprachkenntnisse osteuropäischer Pflegekräfte lassen sich nicht am Herkunftsland ablesen — wohl aber an der Sorgfalt der Vermittlung. Seriöse Agenturen erfragen Ihren Kommunikationsbedarf im Detail und schlagen nur Kräfte vor, deren Profil dazu passt. Unseriöse Anbieter versprechen pauschal „gutes Deutsch“ und überlassen die Überraschung Ihnen. Worauf Sie bei der Anbieterwahl generell achten sollten, beschreiben unsere Ratgeber zur Vermittlung von Pflegekräften und zu seriösen Anbietern.
Checkliste für die Auswahl
- Anforderungsprofil schriftlich formulieren. Legen Sie fest, welche Gespräche täglich funktionieren müssen — etwa „soll Arztbesuche allein begleiten können“ oder „soll mit meinem an Demenz erkrankten Mann ruhig und einfach sprechen können“. Je konkreter, desto besser die Auswahl.
- Niveau nach dem europäischen Referenzrahmen verlangen — und fragen, wie die Agentur es geprüft hat: Sprachtest, strukturiertes Interview, Referenzen aus deutschen Haushalten?
- Kennenlerngespräch führen. Ein Telefonat oder Videogespräch mit der vorgeschlagenen Kraft ist unverzichtbar. Der Leitfaden unten hilft dabei.
- Die pflegebedürftige Person einbeziehen. Wenn möglich, sollte Ihr Angehöriger selbst kurz mit der Kraft sprechen. Manchmal entscheidet die Stimme, die Sprechweise oder schlicht die Chemie mehr als jedes Niveau.
- Das Niveau für die Vertretungskraft mitverhandeln. Der häufigste Fehler: Das Anforderungsprofil gilt nur für die Stammkraft. Lassen Sie schriftlich festhalten, dass alle eingesetzten Kräfte dasselbe Niveau erfüllen — auch kurzfristige Vertretungen. Warum das wichtig ist, zeigt unser Ratgeber Was passiert bei Krankheit oder Urlaub der 24-Stunden-Pflegekraft.
- Wechselregelung klären. Was passiert, wenn die Sprachkenntnisse im Alltag doch nicht ausreichen? Lassen Sie sich die Wechselmöglichkeit schriftlich bestätigen. Der Ablauf steht im Ratgeber 24-Stunden-Pflegekraft wechseln; das Sprachniveau gehört ausdrücklich in den Betreuungsvertrag.
- Referenzen erfragen. Erfahrene Kräfte können oft Kontakte zu früheren Familien nennen. Ein kurzes Gespräch gibt ehrliche Einblicke.
Gesprächsleitfaden: So prüfen Sie das Niveau in zehn Minuten
Der häufigste Fehler im Kennenlerngespräch ist, geschlossene Fragen zu stellen. Auf „Sprechen Sie gut Deutsch?“ antwortet jede Kraft mit Ja. Stellen Sie stattdessen offene Fragen, die eine erzählende Antwort erzwingen:
- „Erzählen Sie mir bitte, wie ein normaler Tag bei Ihrer letzten Familie ausgesehen hat.“
- „Was kochen Sie gern? Wie machen Sie das genau?“
- „Was würden Sie tun, wenn meine Mutter nachts aufsteht und die Wohnung verlassen will?“
- „Wie haben Sie es zuletzt gemerkt, dass es jemandem schlechter ging? Was haben Sie dann gemacht?“
- „Was war in Ihrem letzten Einsatz schwierig?“
Achten Sie auf drei Dinge: Versteht sie Ihre Frage beim ersten Mal, oder muss sie nachfragen? Antwortet sie frei oder mit auswendig gelernten Bausteinen? Und traut sie sich nachzufragen, wenn sie etwas nicht versteht — was in der Pflege eine Sicherheitseigenschaft und keine Schwäche ist? Eine Kraft, die ehrlich sagt „Das habe ich nicht verstanden, bitte noch einmal“, ist wertvoller als eine, die alles bejaht.
Nehmen Sie sich für diese Prüfung Zeit. Eine gründliche Auswahl dauert länger, verhindert aber den kostspieligen und emotional belastenden Wechsel nach wenigen Wochen. Weitere Hilfestellung bietet unser Artikel Die passende Betreuung finden.
Praxisbeispiele: Wie Familien die Sprachfrage gelöst haben
Die folgenden Beispiele beruhen auf typischen Konstellationen aus der Vermittlungspraxis. Namen und Details sind verändert.
Ehepaar mit Demenz: Routinen statt Worte
Herr K., 74, pflegt seine Frau, bei der Alzheimer im mittleren Stadium diagnostiziert wurde. Zunächst hatte er große Bedenken: „Meine Frau versteht doch jetzt schon so wenig — wie soll das mit jemandem klappen, der selbst nicht perfekt Deutsch spricht?“ Die vermittelte Betreuungskraft sprach Deutsch auf Niveau A2 bis B1. Nach wenigen Wochen zeigte sich: Gerade das einfache, ruhige Sprechen, das langsame Tempo und die festen Rituale kamen seiner Frau entgegen. Gemeinsam erstellten sie eine Wortliste mit den Begriffen, die seine Frau noch regelmäßig benutzt. Komplexe Absprachen — Arzttermine, Pflegedienst — übernimmt Herr K. weiterhin selbst.
Die Lehre: Bei Demenz ist ein niedrigeres Sprachniveau kein Nachteil, solange die Außenkommunikation abgedeckt ist.
Enkelin organisiert aus der Ferne: Struktur als Sprachgerüst
Frau S., 34, kümmert sich um ihren 86-jährigen Großvater, der nach einem Oberschenkelhalsbruch allein in seinem Haus 500 Kilometer entfernt lebt. Da sie in Vollzeit arbeitet, organisiert sie die Betreuung aus der Ferne. Sie wählte bewusst eine Kraft mit B1-Niveau, die kurze Telefonate führen kann, und richtete drei Dinge ein: einen Wochenplan, eine zweisprachige Haushaltsliste und ein festes Telefonritual — sonntags sprechen Großvater, Betreuungskraft und Enkelin gemeinsam. Zusätzlich installierte sie beim ersten Besuch die nora-App auf dem Telefon der Kraft.
Die Lehre: Bei Fernbetreuung ersetzt Struktur einen Teil des Sprachniveaus — aber nur einen Teil. Unter B1 wird es hier schwierig.
Zwei Brüder mit hohem Anspruch: bewusst höheres Niveau gewählt
Herr M., 68, kümmert sich um seinen zwei Jahre älteren Bruder, der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt, geistig aber vollkommen klar ist und großen Wert auf Gespräche, Tageszeitung und politische Diskussionen legt. Für diese Konstellation war klar: Es musste mindestens B2 sein. Die Agentur benötigte drei Wochen länger für die Suche, und die Kosten lagen moderat höher. Dafür begleitet die Kraft den Bruder heute selbstständig zu Arztterminen, diskutiert mit ihm über die Zeitung und telefoniert bei Rückfragen direkt mit dem Hausarzt.
Die Lehre: Wenn Sprache Lebensqualität ist, lohnt die längere Suche. Rechnen Sie die Wartezeit von Anfang an ein.
Gemeinsame Wurzeln als Chance
Frau B., 71, betreute ihren Lebensgefährten, dessen Familie in den 1970er-Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen war. Er selbst sprach noch etwas Polnisch aus seiner Kindheit. Als die Betreuungskraft aus Warschau einzog, entwickelte sich unerwartet eine besondere Verbindung: Die beiden wechselten zwischen Deutsch und Polnisch, Kochrezepte und Kindheitserinnerungen wurden zum Gesprächsthema. Als seine Demenz fortschritt und deutsche Wörter zunehmend fehlten, blieb die polnische Sprache noch lange verfügbar.
Die Lehre: Bei Familien mit Migrationsgeschichte kann die Herkunft der Betreuungskraft von einem vermeintlichen Nachteil zur wichtigsten Ressource werden.
Wenn es nicht passt: der ehrliche Fall
Familie R. entschied sich für eine Kraft mit angegebenem B1-Niveau zur Betreuung der 82-jährigen Mutter, die geistig klar war und sich sehr auf Gesellschaft gefreut hatte. Im Alltag zeigte sich, dass die Verständigung für kurze Absprachen reichte, für Gespräche aber nicht. Die Mutter zog sich zurück und wurde still. Nach fünf Wochen meldete die Familie den Wechselwunsch, dokumentierte konkrete Situationen und bekam eine Kraft mit deutlich besserem Sprachniveau.
Die Lehre: Einsamkeit trotz Anwesenheit ist ein realer Ausgang, wenn das Niveau nicht zum Gesprächsbedürfnis passt. Warten Sie in so einem Fall nicht monatelang — das ist ein legitimer Wechselgrund.
Häufige Fehler bei der Sprachfrage
- Das Sprachniveau pauschal beurteilen. „Osteuropäerinnen sprechen alle schlecht Deutsch“ stimmt genauso wenig wie „Das klappt schon irgendwie“. Prüfen Sie individuell, nicht nach Herkunft.
- Kein Kennenlerngespräch führen. Wer allein auf den Steckbrief vertraut, erlebt Überraschungen — zumal die Angaben meist keine zertifizierten Prüfungen sind.
- Nur geschlossene Fragen stellen. „Sprechen Sie gut Deutsch?“ beantwortet jede Kraft mit Ja. Lassen Sie erzählen.
- Den tatsächlichen Kommunikationsbedarf unterschätzen. Denken Sie an die weniger sichtbaren Situationen: Wer ruft den Handwerker? Wer versteht die Durchsage in der Arztpraxis? Wer erklärt der Nachbarin die Lage? Machen Sie eine ehrliche Liste aller Gesprächssituationen einer typischen Woche.
- Das Profil nur für die Stammkraft festlegen. Die Vertretungskraft muss dasselbe Niveau erfüllen — sonst bricht die Verständigung ausgerechnet in der Urlaubs- oder Krankheitsphase zusammen.
- Wichtige Informationen nur mündlich weitergeben. Medikationsplan, Allergien, Notfallkontakte und Tagesabläufe gehören schriftlich und sichtbar in die Wohnung — unabhängig vom Sprachniveau.
- Auf Übersetzungs-Apps als Hauptlösung setzen. Sie helfen punktuell und ersetzen kein Gespräch.
- Bei anhaltenden Problemen zu lange warten. Wenn die Verständigung nach vier bis sechs Wochen weiterhin den Alltag belastet — etwa weil die pflegebedürftige Person sich zurückzieht —, ist das ein legitimer Wechselgrund. Schweigen und Aushalten belastet alle Beteiligten.
Kosten: Beeinflussen Deutschkenntnisse den Preis?
Die Kosten einer 24-Stunden-Betreuung richten sich in erster Linie nach dem Beschäftigungsmodell, der Qualifikation und dem Betreuungsumfang. Das Sprachniveau spielt eine indirekte, aber spürbare Rolle: Kräfte ab B2, mit langjähriger Deutschland-Erfahrung oder pflegerischer Zusatzqualifikation liegen im Honorar meist moderat über dem Einstiegsniveau. Kalkulieren Sie zudem eine längere Suchzeit ein — Kräfte mit hohem Sprachniveau sind gefragt.
Für viele Familien ist das eine lohnende Investition, wenn Arztbesuche und Behördenwege selbstständig übernommen werden sollen. Die vollständige Preisstruktur schlüsseln unsere Beiträge zu den Kosten einer polnischen Pflegekraft und den Kosten der 24-Stunden-Pflege 2026 auf. Wer Sprachsicherheit über alles stellt, findet in unserem Ratgeber zu deutschen Pflegekräften die ehrliche Gegenüberstellung — inklusive der deutlich höheren Kosten.
Zur Finanzierung: Liegt ein Pflegegrad vor, steht Ihnen der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro zu, ab Pflegegrad 2 zusätzlich das Pflegegeld. Welche Beträge Ihnen je Grad insgesamt zustehen, zeigt der Ratgeber Welcher Pflegegrad für 24-Stunden-Pflege. Für allgemeine Fragen hilft das Pflegetelefon „Wege zur Pflege“ des Bundesfamilienministeriums unter 030 20 17 91 31; anbieterunabhängig beraten außerdem die Pflegestützpunkte und die Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland unter 0800 011 77 22.
Häufig gestellte Fragen zu Deutschkenntnissen in der 24-Stunden-Betreuung
Wie gut sprechen osteuropäische Betreuungskräfte im Durchschnitt Deutsch?
Die große Mehrheit der über seriöse Agenturen vermittelten Kräfte bewegt sich zwischen A2 und B1 nach dem europäischen Referenzrahmen; erfahrene Kräfte mit mehrjähriger Deutschland-Erfahrung liegen häufig bei B1 bis B2. Eine gesetzliche Mindestanforderung gibt es nicht — anders als bei examinierten Pflegefachpersonen, für deren Berufsanerkennung die Länder in der Regel B2 verlangen. Die Angaben in Steckbriefen sind meist Einschätzungen der Agentur, keine zertifizierten Prüfungen.
Welches Sprachniveau brauche ich für meine Situation?
Das hängt vom Kommunikationsbedarf ab, nicht vom Herkunftsland. Bei überwiegend körperlichen Einschränkungen und festen Routinen reicht A2 bis B1, sofern Angehörige die Außenkommunikation übernehmen. Bei einer geistig klaren, gesprächigen Person sollten Sie mindestens B1, besser B2 anstreben. Sollen Arztbesuche eigenständig begleitet werden, gehört B2 verbindlich ins Anforderungsprofil. Bei Demenz zählt weniger das Niveau als die Fähigkeit, ruhig, langsam und in einfachen Sätzen zu sprechen.
Kann eine Betreuungskraft mit wenig Deutsch im Notfall Hilfe rufen?
Ja — und dafür gibt es eine sehr gute Lösung. Die offizielle Notruf-App „nora“ der Bundesländer ermöglicht einen vollständigen Notruf ohne zu sprechen: Der Standort wird per GPS übermittelt, die Notfallsituation über maximal fünf Fragen mit Symbolen und leichter Sprache abgefragt, und persönliche Daten lassen sich vorab hinterlegen. Sie richtet sich ausdrücklich auch an Menschen mit geringen Deutschkenntnissen. Ergänzend sollte ein laminiertes Notfallblatt mit Adresse, Erkrankungen und Telefonnummern neben dem Telefon liegen. Die Nummern 112 und 116 117 bleiben zusätzlich nutzbar.
Zahlt die Krankenkasse einen Dolmetscher für Arztbesuche?
Nein. Nach der Rechtsprechung der Sozialgerichte ist Sprachmittlung nicht Teil der ärztlichen Behandlung und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht erstattet. Eine Ausnahme gilt nur für Gebärdensprachdolmetscher nach § 17 Abs. 2 SGB I. Der Arzt bleibt allerdings nach § 630e BGB verpflichtet, verständlich aufzuklären. Praktisch bewährt haben sich drei Wege: Angehörige begleiten oder schalten sich telefonisch zu, der Termin wird schriftlich vorbereitet, und Befunde werden schriftlich mitgegeben.
Kann ich bei der Vermittlung ausdrücklich gute Deutschkenntnisse verlangen?
Ja, und Sie sollten das unbedingt tun — schriftlich und konkret. Formulieren Sie, welche Gesprächssituationen bewältigt werden müssen, statt nur „gute Deutschkenntnisse“ zu schreiben. Lassen Sie außerdem festhalten, dass die Anforderung auch für Vertretungskräfte gilt. Bedenken Sie: Je höher die Anforderungen, desto länger dauert die Suche und desto höher liegt in der Regel das Honorar.
Was kann ich tun, wenn die Betreuungskraft schlechter Deutsch spricht als angegeben?
Dokumentieren Sie konkrete Situationen, in denen die Verständigung gescheitert ist, und wenden Sie sich zügig schriftlich an die Agentur. Seriöse Anbieter suchen zunächst gemeinsam nach Lösungen — zusätzliche Kommunikationshilfen, ein Nachgespräch, eine angepasste Aufgabenverteilung. Zeigt sich nach vier bis sechs Wochen keine Besserung, ist ein Wechsel ein legitimer und in guten Verträgen geregelter Schritt. Den Ablauf beschreibt unser Ratgeber 24-Stunden-Pflegekraft wechseln.
Verbessern sich die Deutschkenntnisse im Laufe der Zeit?
In der Regel deutlich. Der tägliche Sprachbad-Effekt im deutschen Haushalt — Gespräche, Radio, Fernsehen, Einkaufen — sorgt bei den meisten Kräften für spürbare Fortschritte innerhalb weniger Monate. Viele Agenturen unterstützen zusätzlich Sprachkurse in der Heimatphase. Beachten Sie jedoch den Rhythmus des Wechselmodells: Wenn regelmäßig verschiedene Kräfte einrücken, beginnt die sprachliche Eingewöhnung teilweise von Neuem. Umso wertvoller ist eine langfristige Konstellation mit einem festen Team aus zwei sich abwechselnden Kräften.
Ersetzen Übersetzungs-Apps die Deutschkenntnisse?
Nein. Übersetzungsprogramme auf dem Smartphone sind eine wertvolle Brücke für einzelne Begriffe, Einkaufslisten oder punktuelle Missverständnisse. Für vertrauliche Gespräche, das Erkennen von Stimmungen oder medizinisch sensible Themen sind sie ungeeignet — sie übersetzen wörtlich und erfassen weder Tonfall noch Kontext. Betrachten Sie Apps als Ergänzung, niemals als Ersatz für ein ausreichendes Sprachniveau.
Mein Angehöriger spricht selbst Polnisch — ist das ein Vorteil?
Durchaus. Menschen mit polnischen, rumänischen oder anderen mittel- und osteuropäischen Wurzeln erleben die mehrsprachige Betreuung häufig als Bereicherung: Kindheitserinnerungen, Lieder und Kochrezepte in der vertrauten Sprache schaffen Nähe und Aktivierung. Bei Demenz kann die Erstsprache im Verlauf wieder präsenter werden, während später gelernte Sprachen verblassen. Teilen Sie solche Sprachkenntnisse der Agentur aktiv mit, damit gezielt passende Kräfte vorgeschlagen werden.
Mein Angehöriger ist schwerhörig — erschwert das die Verständigung zusätzlich?
Ja, die Kombination aus Hörverlust und ausländischem Akzent erschwert die Verständigung spürbar, weil fehlende Laute nicht mehr aus dem Kontext ergänzt werden können. Hilfreich sind: langsame, deutliche Aussprache in kurzen Sätzen; Blickkontakt beim Sprechen; gut ausgeleuchtete Räume, damit das Gesicht sichtbar ist; funktionierende, richtig eingestellte Hörgeräte; und bei wichtigen Inhalten die schriftliche Ergänzung auf einem Notizblock. Teilen Sie die Höreinschränkung unbedingt der Agentur mit — erfahrene Kräfte stellen sich darauf gezielt ein.
Was tun bei Missverständnissen, die kultureller und nicht sprachlicher Natur sind?
Nicht jedes Missverständnis entsteht durch fehlende Worte. Unterschiedliche Vorstellungen zu Mahlzeiten, Sauberkeit, Nähe und Distanz oder dem Umgang mit Krankheit können ebenfalls für Reibung sorgen. Sprechen Sie Beobachtungen früh und sachlich an, statt sie anzusammeln — am besten über konkrete Situationen statt über Vorwürfe. Viele vermeintlich kulturelle Konflikte entpuppen sich als schlichte Unkenntnis der Hausregeln und lassen sich mit einer klaren, freundlichen Absprache lösen.
Gibt es deutschsprachige Alternativen, wenn uns Sprachsicherheit sehr wichtig ist?
Ja, aber mit Einschränkungen. Sie können eine deutschsprachige Betreuungskraft einstellen oder vermitteln lassen. Berücksichtigen Sie jedoch die Rahmenbedingungen: Deutschsprachige Kräfte für eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sind deutlich teurer und auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden, weil das deutsche Arbeitszeit- und Vergütungsrecht vollständig greift und mehrere Kräfte nötig sind. Für viele Familien ist eine Kraft aus Mittel- oder Osteuropa mit gutem Sprachniveau der realistischere Weg. Prüfen Sie in Ruhe, welche Lösung zu Ihrem Budget und Kommunikationsbedarf passt — die 24-Stunden-Betreuung ist ohnehin nur eine von mehreren Betreuungsformen.
Fazit: Mit klaren Erwartungen zur guten Lösung
Die Frage nach den Deutschkenntnissen einer polnischen oder anderen osteuropäischen Betreuungskraft lässt sich nicht pauschal beantworten — aber sie lässt sich gut steuern. Die meisten Kräfte bringen ausreichende bis gute Sprachkenntnisse für den Pflegealltag mit, und erfahrene Kräfte sprechen häufig so sicher Deutsch, dass Arztbesuche und Telefonate problemlos gelingen.
Entscheidend ist weniger das Herkunftsland als die Passung. Gehen Sie in vier Schritten vor:
- Bedarf ehrlich analysieren. Welche Gespräche müssen in Ihrem Haushalt täglich funktionieren — und welche übernehmen Sie ohnehin selbst?
- Anforderungsprofil konkret formulieren, schriftlich, mit Gesprächssituationen statt Adjektiven — und ausdrücklich auch für Vertretungskräfte.
- Selbst prüfen. Zehn Minuten offenes Gespräch sind aussagekräftiger als jede Niveauangabe im Steckbrief.
- Die Verständigung aktiv organisieren: Wortliste, schriftliche Tagesstruktur, tabellarischer Medikationsplan, Notfallblatt und die nora-App auf dem Telefon der Kraft.
Mit diesen Bausteinen und etwas Geduld auf beiden Seiten gelingt die Verständigung auch dann, wenn nicht jedes Wort sitzt. Viele Familien berichten, dass die anfängliche Sprachsorge nach wenigen Wochen dem erlebten Alltag gewichen ist — und dass Zuverlässigkeit, Wärme und Erfahrung am Ende mindestens so viel wiegen wie Grammatik. Wo das Niveau aber schlicht nicht zum Gesprächsbedürfnis passt, sollten Sie nicht monatelang aushalten: Einsamkeit trotz Anwesenheit ist ein realer und vermeidbarer Ausgang.
Weitere Informationen zum Leistungsumfang finden Sie auf unserer Seite zur 24-Stunden-Betreuung, die Grundlagen des Modells erklärt unser Ratgeber zu den Grundlagen der 24-Stunden-Pflege. Mit unserem Fragebogen zur 24-Stunden-Pflege können Sie unverbindlich prüfen, welche Betreuungslösung zu Ihrer Situation passt.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder rechtliche Beratung. Die genannten Sprachniveaus sind Erfahrungswerte aus der Vermittlungspraxis und keine verbindlichen Standards. PflegeHeimat24 ist eine Vermittlungsagentur und nicht Arbeitgeber der vermittelten Betreuungskräfte.
Inhaltlich geprüft: September 2026 | Quellen: Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen, BGB § 630e, SGB I § 17 Abs. 2, SGB V §§ 31a und 37, Rechtsprechung der Sozialgerichte zur Erstattung von Dolmetscherkosten, Notruf-App „nora“ der Bundesländer, Bundesinstitut für Berufsbildung (Portal Anerkennung in Deutschland), Deutsche Alzheimer Gesellschaft.
