Knapp sieben von zehn Menschen ab 65 Jahren leben in Deutschland mit zwei oder mehr chronischen Erkrankungen gleichzeitig. Das zeigt die Studie „Gesundheit 65+“ des Robert Koch-Instituts. Bluthochdruck, Arthrose, Diabetes, Herzschwäche oder eine beginnende Demenz sind im achten Lebensjahrzehnt eher die Regel als die Ausnahme. Trotzdem ist nicht jede Veränderung eine Krankheit: Dass man langsamer Treppen steigt oder eine Lesebrille braucht, gehört zum normalen Älterwerden. Nachlassendes Gedächtnis, Luftnot oder ungewollter Gewichtsverlust dagegen nicht.
Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen Überblick über die typischen Alterskrankheiten ab 70: woran Sie sie erkennen, was sie begünstigt und welche Warnzeichen einen raschen Arztbesuch erfordern. Sie erfahren, welche Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt, wie Sie das Risiko im Alltag senken und welche Unterstützung es gibt, wenn Krankheiten im Alter die Selbstständigkeit einschränken. Zu vielen Einzelthemen verlinken wir auf vertiefende Ratgeber.
Das Wichtigste in Kürze
- Multimorbidität ist häufig: Laut RKI-Studie „Gesundheit 65+“ berichten 69,2 Prozent der Menschen ab 65 Jahren von zwei oder mehr chronischen Erkrankungen.
- Die häufigsten Alterskrankheiten: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Arthrose, Osteoporose, Demenz, Parkinson, Krebs, Depression, Inkontinenz sowie Seh- und Hörminderungen.
- „Das ist doch das Alter“ gilt nicht: Gedächtnisverlust, Gewichtsabnahme, neue Schmerzen, Luftnot oder plötzliche Verwirrtheit sind keine normalen Alterserscheinungen und gehören ärztlich abgeklärt.
- Vorsorge lohnt sich: Check-up, Krebsfrüherkennung (Mammografie bis 75, Darmspiegelung) und die STIKO-Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken, Gürtelrose und RSV sind Kassenleistungen.
- Viel ist beeinflussbar: Nach Einschätzung der Lancet-Kommission von 2024 hängt fast die Hälfte der Demenzerkrankungen mit veränderbaren Risikofaktoren zusammen, etwa Bluthochdruck, Hörverlust, Bewegungsmangel und Einsamkeit.
- Hilfe rechtzeitig nutzen: Pflegegrad, Entlastungsbetrag (131 Euro monatlich ab Pflegegrad 1), Pflegedienst und Betreuung zu Hause ermöglichen oft ein Leben in den eigenen vier Wänden.
Alterserscheinung oder Alterskrankheit: Wo liegt der Unterschied?
Viele ältere Menschen und ihre Familien nehmen Beschwerden hin, weil sie sie für unvermeidliche Folgen des Alters halten. Diese Haltung kann dazu führen, dass gut behandelbare Erkrankungen zu spät erkannt werden. Hilfreich ist eine einfache Unterscheidung:
Alterserscheinungen sind langsame, gleichmäßige Veränderungen, die jeder Mensch mehr oder weniger ausgeprägt erlebt. Die Haut wird dünner, Haare ergrauen, die Nahsicht lässt nach (Altersweitsichtigkeit), Muskelkraft und Ausdauer nehmen ab, man braucht mehr Zeit zum Erholen und zum Lernen neuer Dinge. Diese Veränderungen schränken den Alltag kaum ein oder lassen sich durch einfache Anpassungen wie eine Lesebrille gut ausgleichen.
Alterskrankheiten sind Erkrankungen, deren Häufigkeit mit dem Alter stark zunimmt, die aber keine zwangsläufige Folge des Älterwerdens sind. Sie haben eine eigene Ursache, verlaufen oft fortschreitend und sind behandelbar – manchmal heilbar, häufig zumindest in ihrem Verlauf beeinflussbar. Beispiele sind Bluthochdruck, Herzschwäche, Diabetes, Arthrose, Osteoporose, Demenz oder der Graue Star.
| Normale Alterserscheinung | Möglicher Hinweis auf eine Erkrankung |
|---|---|
| Namen fallen einem später wieder ein | Gespräche, Termine und Ereignisse werden vollständig vergessen; Orientierung in vertrauter Umgebung geht verloren |
| Etwas weniger Ausdauer beim Spazierengehen | Luftnot schon bei geringer Belastung oder im Liegen, geschwollene Beine |
| Morgens kurz steife Gelenke | Anhaltende Gelenkschmerzen, Schwellungen, Schmerzen in Ruhe oder nachts |
| Nahsicht wird schlechter, Lesebrille hilft | Verschwommenes Sehen trotz Brille, verzerrte Linien, Blendempfindlichkeit, Gesichtsfeldausfälle |
| Stabiles, etwas niedrigeres Körpergewicht | Ungewollte Gewichtsabnahme von mehreren Kilogramm in wenigen Monaten |
| Gelegentlich gedrückte Stimmung | Über Wochen anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Rückzug |
Multimorbidität: wenn mehrere Erkrankungen zusammenkommen
Im Alter treten Erkrankungen selten allein auf. Die Studie „Gesundheit 65+“ des Robert Koch-Instituts ergab, dass 69,2 Prozent der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland von mindestens zwei chronischen Erkrankungen oder Gesundheitsproblemen betroffen sind. Diese sogenannte Multimorbidität hat Folgen: Beschwerden überlagern sich, eine Erkrankung kann eine andere verschlimmern, und die Zahl der Medikamente steigt. Nehmen Menschen dauerhaft fünf oder mehr Arzneimittel ein, spricht man von Polypharmazie. Sie erhöht das Risiko für Wechselwirkungen, Stürze und Verwirrtheit. Die hausärztliche Praxis spielt deshalb eine Schlüsselrolle: Sie behält den Überblick, stimmt Behandlungen verschiedener Fachärzte ab und prüft regelmäßig, welche Medikamente noch notwendig sind.
Die häufigsten Alterskrankheiten ab 70 im Überblick
Die folgenden Erkrankungen gehören zu den häufigsten Krankheiten im Alter. Für jede Gruppe erklären wir kurz die Hintergründe, typische Anzeichen bei älteren Menschen und wo Sie weiterführende Informationen finden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache. Dazu gehören Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt, Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Vorhofflimmern, Schlaganfall und die periphere arterielle Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“). Mit den Jahren verlieren die Arterien an Elastizität, Ablagerungen (Arteriosklerose) nehmen zu. Bluthochdruck verursacht über lange Zeit keine Beschwerden, schädigt aber Herz, Gehirn, Nieren und Augen.
Bei älteren Menschen verlaufen Herzerkrankungen oft untypisch. Statt starker Brustschmerzen stehen manchmal Atemnot, ungewohnte Erschöpfung, Übelkeit, Schwindel oder plötzliche Verwirrtheit im Vordergrund. Geschwollene Knöchel können ein Zeichen einer Herzschwäche sein; mehr dazu im Ratgeber Wasser in den Beinen. Vorhofflimmern bleibt häufig unbemerkt, erhöht aber das Schlaganfallrisiko deutlich. Ein unregelmäßiger Puls beim Blutdruckmessen ist deshalb ein Grund, die Hausarztpraxis anzusprechen.
Schlaganfall: Plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperhälfte, ein hängender Mundwinkel, verwaschene Sprache oder plötzliche Sehstörungen sind ein Notfall. Hier zählt jede Minute: sofort den Notruf 112 wählen. Was nach der Akutbehandlung auf Familien zukommt, beschreiben unsere Ratgeber pflegebedürftig nach Schlaganfall und Pflegegrad nach Schlaganfall.
Demenz
Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen Gedächtnis, Denken, Orientierung und Alltagsfähigkeiten dauerhaft nachlassen. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz; allein im Jahr 2023 kamen zwischen 364.000 und 445.000 Neuerkrankungen hinzu. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, gefolgt von der vaskulären Demenz, Mischformen, der Lewy-Körperchen-Demenz und der frontotemporalen Demenz. Das Risiko steigt mit dem Alter stark an.
Frühe Anzeichen sind nicht nur Vergesslichkeit, sondern auch Schwierigkeiten bei vertrauten Tätigkeiten wie Überweisungen oder Kochen, Orientierungsprobleme, Wortfindungsstörungen, Misstrauen oder Rückzug. Wichtig ist eine ärztliche Abklärung, denn auch behandelbare Ursachen wie ein Vitamin-B12-Mangel, eine Schilddrüsenunterfunktion, Medikamente oder eine Depression können Gedächtnisprobleme verursachen. Weiterführend: Anzeichen einer Demenz, Demenz-Früherkennung, Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz sowie Pflegegrad bei Demenz.
Parkinson
Bei der Parkinson-Krankheit sterben Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin bilden. Typisch sind Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit, ein Ruhezittern und später Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Oft gehen den Bewegungsstörungen Jahre voraus: ein nachlassender Geruchssinn, Verstopfung oder heftiges Ausagieren von Träumen im Schlaf. Im Verlauf kommen häufig Depressionen, Blasenstörungen und bei einem Teil der Betroffenen kognitive Einschränkungen hinzu. Parkinson ist nicht heilbar, lässt sich aber mit Medikamenten, Physio-, Ergo- und Logopädie über viele Jahre gut behandeln. Mehr dazu in den Ratgebern Pflegegrad bei Parkinson und Parkinson und Demenz.
Diabetes mellitus Typ 2
Der Typ-2-Diabetes, früher „Altersdiabetes“ genannt, entsteht vor allem durch eine nachlassende Wirkung des Hormons Insulin (Insulinresistenz) und eine mit der Zeit abnehmende Insulinproduktion. Übergewicht, Bewegungsmangel und erbliche Veranlagung sind die wichtigsten Risikofaktoren. Tückisch ist, dass erhöhte Blutzuckerwerte lange keine Beschwerden machen und trotzdem Gefäße und Nerven schädigen. Mögliche Folgen sind Herzinfarkt und Schlaganfall, Nierenschäden, Netzhautschäden, Nervenschäden an den Füßen und schlecht heilende Wunden.
Bei älteren Menschen verfolgt die Behandlung oft andere Ziele als bei Jüngeren: Wichtig ist vor allem, Unterzuckerungen zu vermeiden, die zu Stürzen und Verwirrtheit führen können. Blutzuckerziele werden deshalb individuell festgelegt. Tägliche Fußkontrollen gehören zur Routine, weil Verletzungen wegen der verminderten Schmerzwahrnehmung oft unbemerkt bleiben.
Arthrose und rheumatische Erkrankungen
Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. Der Gelenkknorpel wird dünner, bis im fortgeschrittenen Stadium Knochen auf Knochen reibt. Typisch sind Anlaufschmerzen nach Ruhephasen, Belastungsschmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit, vor allem an Knie, Hüfte und Fingergelenken. Nicht jede Arthrose, die im Röntgenbild sichtbar ist, verursacht Beschwerden. Bewegung ist trotz Schmerzen ein Kern der Behandlung, weil sie den Knorpel ernährt und die gelenkführende Muskulatur stärkt. Ergänzend helfen Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Hilfsmittel und bei Bedarf Schmerzmittel. Künstliche Gelenke kommen in Betracht, wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen.
Davon abzugrenzen sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis oder die Polymyalgia rheumatica, die typischerweise nach dem 50. Lebensjahr auftritt und mit Schulter- und Beckengürtelschmerzen sowie Morgensteifigkeit einhergeht. Sie gehören in rheumatologische Behandlung. Passende Übungen finden Sie im Ratgeber Bewegungsübungen für Senioren.
Osteoporose und Stürze
Bei Osteoporose nimmt die Knochenmasse ab, und die Knochenstruktur wird instabil. Frauen sind nach den Wechseljahren besonders betroffen, doch auch Männer erkranken im höheren Alter häufig. Osteoporose selbst verursacht lange keine Beschwerden. Erste Zeichen sind oft ein Knochenbruch nach einem Bagatellsturz, zum Beispiel am Handgelenk, oder Wirbelkörperbrüche mit Rückenschmerzen, Größenverlust und Rundrücken. Besonders folgenreich ist der Oberschenkelhalsbruch, der für viele ältere Menschen den Beginn einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit bedeutet.
Das Sturzrisiko steigt durch nachlassende Muskelkraft (Sarkopenie), Gleichgewichtsstörungen, Sehprobleme, Schwindel, Stolperfallen und Medikamente wie Schlaf- und Beruhigungsmittel. Gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining senkt nachweislich die Zahl der Stürze: Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2019 ergab, dass Trainingsprogramme die Sturzrate bei älteren Menschen, die zu Hause leben, um rund ein Viertel verringern. Mehr zur Vorbeugung und zu Folgen lesen Sie in den Ratgebern Sturz und Oberschenkelhalsbruch im Alter und Checkliste Barrierefreiheit.
Krebserkrankungen
Das Krebsrisiko steigt mit dem Alter deutlich, weil sich Zellschäden im Laufe des Lebens ansammeln und Reparaturmechanismen nachlassen. Bei vielen häufigen Krebsarten liegt das mittlere Erkrankungsalter um das 70. Lebensjahr. Zu den häufigsten Tumoren im Alter gehören Prostata-, Brust-, Darm-, Lungen-, Haut- und Blasenkrebs. Bei älteren Menschen werden Tumore oft später entdeckt, weil Beschwerden anderen Erkrankungen zugeschrieben werden.
Ärztlich abgeklärt werden sollten insbesondere: ungewollter Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder Urin, anhaltende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, ein Husten, der länger als drei bis vier Wochen anhält, Heiserkeit, neue Knoten, sich verändernde Hautflecken und unklare Knochenschmerzen. Informationen zur Pflege bei Krebs bietet der Ratgeber Pflegegrad bei Krebs und in der Palliativversorgung.
Depression
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter und werden oft übersehen. Das liegt auch daran, dass sie sich bei älteren Menschen anders zeigen: weniger als ausgeprägte Traurigkeit, sondern eher als Antriebslosigkeit, anhaltende Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden ohne erkennbare Ursache oder Konzentrationsprobleme. Verluste, Einsamkeit, chronische Schmerzen und körperliche Erkrankungen erhöhen das Risiko. Depressionen sind auch im hohen Alter gut behandelbar, etwa mit Psychotherapie, Medikamenten und mehr Aktivität und Kontakten. Da Gedächtnisprobleme bei Depression einer beginnenden Demenz ähneln können, ist eine sorgfältige Abklärung wichtig.
Inkontinenz
Blasen- und Darmschwäche nehmen mit dem Alter zu und sind stark schambesetzt. Ursachen sind unter anderem ein geschwächter Beckenboden, eine vergrößerte Prostata, neurologische Erkrankungen, Medikamente oder eingeschränkte Beweglichkeit. Inkontinenz ist kein unvermeidliches Altersschicksal: Beckenbodentraining, Toilettentraining, Medikamente, Hilfsmittel und in manchen Fällen Operationen helfen vielen Betroffenen. Einen Einstieg bieten die Ratgeber Inkontinenz: Definition, Ursachen und Formen und Stuhlinkontinenz im Alter.
Seh- und Hörminderung
Grauer Star (Katarakt), altersabhängige Makuladegeneration (AMD) und Grüner Star (Glaukom) gehören zu den häufigsten Augenerkrankungen im Alter. Der Graue Star lässt sich operativ gut behandeln; bei AMD und Glaukom kommt es auf frühe Behandlung an, um das Sehvermögen möglichst zu erhalten. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind deshalb sinnvoll.
Altersschwerhörigkeit entwickelt sich schleichend und wird oft jahrelang nicht versorgt. Dabei ist unbehandelter Hörverlust mehr als eine Unannehmlichkeit: Er fördert sozialen Rückzug und gilt als einer der wichtigsten veränderbaren Risikofaktoren für Demenz. Hörgeräte werden bei entsprechendem Befund von der Krankenkasse bezuschusst.
Gebrechlichkeit (Frailty)
Gebrechlichkeit ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Zustand verminderter Belastbarkeit. Typisch sind ungewollter Gewichtsverlust, Erschöpfung, Muskelschwäche, langsames Gehen und wenig körperliche Aktivität. Gebrechliche Menschen erholen sich schlechter von Infekten, Operationen oder Stürzen. Eiweißreiche Ernährung und Krafttraining können Gebrechlichkeit vorbeugen und teilweise umkehren. Bei Appetitlosigkeit oder Geschmacksverlust lohnt es sich, frühzeitig gegenzusteuern.
Warnzeichen erkennen: Übersicht der wichtigsten Alterskrankheiten
Viele Alterskrankheiten beginnen schleichend. Die folgende Tabelle fasst typische Anzeichen, Risikofaktoren und vorbeugende Maßnahmen zusammen.
| Erkrankung | Typische Anzeichen ab 70 | Wichtige Risikofaktoren | Vorbeugung |
|---|---|---|---|
| Herz-Kreislauf-Erkrankungen | Luftnot, Leistungsabfall, Brustenge, geschwollene Beine, unregelmäßiger Puls | Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, erhöhte Blutfette, Bewegungsmangel | Blutdruck kontrollieren, nicht rauchen, Bewegung, ausgewogene Ernährung |
| Demenz | Vergesslichkeit im Alltag, Orientierungsprobleme, Wortfindungsstörungen, Rückzug | Alter, Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, Bewegungsmangel, Einsamkeit | Gefäßrisiken behandeln, Hörgeräte nutzen, aktiv und sozial eingebunden bleiben |
| Diabetes Typ 2 | Oft lange keine; später Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, schlecht heilende Wunden | Übergewicht, Bewegungsmangel, familiäre Veranlagung | Bewegung, Gewicht halten oder reduzieren, Blutzucker beim Check-up prüfen |
| Arthrose | Anlauf- und Belastungsschmerz, Steifigkeit, Bewegungseinschränkung | Übergewicht, frühere Gelenkverletzungen, Fehlstellungen | Gelenkschonende Bewegung, Muskelaufbau, Gewichtskontrolle |
| Parkinson | Verlangsamung, Steifheit, Ruhezittern, kleinschrittiger Gang, leise Stimme | Alter, erbliche Faktoren; Umwelteinflüsse werden diskutiert | Frühe neurologische Abklärung, regelmäßige Bewegung |
| Depression | Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Interessenverlust, körperliche Beschwerden | Verluste, Einsamkeit, chronische Krankheiten, Schmerzen | Soziale Kontakte, Tagesstruktur, Bewegung, früh Hilfe suchen |
| Osteoporose | Knochenbruch nach leichtem Sturz, Rückenschmerzen, Größenverlust | Weibliches Geschlecht, Kortisontherapie, Rauchen, Untergewicht, Bewegungsmangel | Krafttraining, kalziumreiche Ernährung, ausreichend Vitamin D, Sturzprävention |
Wann Sie sofort handeln sollten
- Notruf 112: plötzliche Lähmung, Sprach- oder Sehstörung (Verdacht auf Schlaganfall), Brustschmerz oder schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit, Sturz mit starken Schmerzen oder Unfähigkeit aufzustehen.
- Noch am selben Tag ärztlich abklären: plötzliche Verwirrtheit oder Wesensveränderung (akutes Delir, oft ausgelöst durch Infekte, Flüssigkeitsmangel oder Medikamente), hohes Fieber, ein plötzlich geschwollenes, schmerzhaftes Bein.
- Zeitnah Hausarztpraxis: ungewollter Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder Urin, anhaltender Husten, zunehmende Vergesslichkeit, neue Schmerzen, wiederholte Stürze.
Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Eine Übersicht wichtiger Anlaufstellen bietet unser Ratgeber Pflege-Notfall: Ansprechpartner und Telefonnummern.
Ursachen: Warum Krankheiten im Alter häufiger werden
Alterskrankheiten entstehen fast nie aus einem einzigen Grund. Biologische Alterungsprozesse, Veranlagung, Lebensstil und Lebensumstände wirken zusammen.
Biologisches Altern
Mit den Jahren sammeln sich in den Zellen Schäden an, die Reparaturfähigkeit nimmt ab, und im Körper laufen häufiger unterschwellige Entzündungsprozesse ab. Die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen (Telomere) verkürzen sich, das Immunsystem reagiert langsamer. Diese Prozesse sind nicht aufzuhalten, ihr Tempo unterscheidet sich aber von Mensch zu Mensch erheblich und wird durch den Lebensstil mitbestimmt.
Veranlagung
Erbliche Faktoren beeinflussen das Risiko für viele Erkrankungen, bestimmen es aber nur selten allein. Ein bekanntes Beispiel ist die Genvariante APOE4, die das Alzheimer-Risiko erhöht. Nicht jeder Träger erkrankt jedoch, und viele Menschen mit Alzheimer tragen die Variante nicht. Mehr dazu im Ratgeber Demenz und Vererbung.
Lebensstil über Jahrzehnte
Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, eine unausgewogene Ernährung und hoher Alkoholkonsum begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, viele Krebsarten und auch Demenz. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät. Auch im Alter von 70 oder 80 Jahren verbessern mehr Bewegung, ein Rauchstopp und eine gut eingestellte Blutdruck- und Diabetestherapie die Prognose.
Soziale Faktoren
Einsamkeit und soziale Isolation gelten als eigenständige Risikofaktoren für Depression, Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch ein unversorgter Hörverlust trägt zum Rückzug bei. Nach Einschätzung der internationalen Lancet-Kommission von 2024 lassen sich fast die Hälfte der Demenzerkrankungen weltweit theoretisch auf 14 veränderbare Risikofaktoren zurückführen, darunter Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, Sehverlust, Rauchen, Bewegungsmangel, Depression und soziale Isolation. Hinweise zur Vorbeugung finden Sie im Ratgeber Demenz-Risikofaktoren vermeiden.
Vorsorge und Früherkennung ab 70
Viele häufige Alterskrankheiten lassen sich früh erkennen oder durch Impfungen verhindern. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dafür eine Reihe von Leistungen.
Kassenleistungen zur Früherkennung
| Untersuchung | Für wen | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Gesundheits-Check-up (u. a. Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Urin) | Ab 35 Jahren | Alle drei Jahre |
| Hautkrebs-Screening | Ab 35 Jahren | Alle zwei Jahre |
| Darmkrebs-Früherkennung: Darmspiegelung | Männer und Frauen ab 50 Jahren | Zwei Untersuchungen im Abstand von mindestens zehn Jahren |
| Darmkrebs-Früherkennung: Stuhltest (iFOBT) | Ab 50 Jahren, alternativ zur Darmspiegelung | Ab 50 regelmäßig nach den geltenden Intervallen |
| Mammografie-Screening | Frauen von 50 bis 75 Jahren (seit Juli 2024 bis 75) | Alle zwei Jahre |
| Prostatakrebs-Früherkennung (Tastuntersuchung) | Männer ab 45 Jahren | Jährlich |
Der PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung ist bislang keine reguläre Kassenleistung und sollte nach Aufklärung über Nutzen und Risiken individuell besprochen werden. Ob eine Früherkennungsuntersuchung im hohen Alter noch sinnvoll ist, hängt vom Gesundheitszustand und den persönlichen Wünschen ab; darüber sollten Sie offen mit der Hausärztin sprechen. Details zum Mammografie-Screening ab 70 erläutert der Gemeinsame Bundesausschuss.
Impfungen nach STIKO-Empfehlung
Infektionen verlaufen im Alter häufiger schwer. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt älteren Menschen unter anderem:
- Grippe (Influenza): jährlich im Herbst ab 60 Jahren, bevorzugt mit einem Hochdosis- oder adjuvantierten Impfstoff.
- Pneumokokken: einmalige Impfung ab 60 Jahren mit dem 20-valenten Konjugatimpfstoff.
- Gürtelrose (Herpes zoster): zwei Impfungen im Abstand von zwei bis sechs Monaten ab 60 Jahren mit dem Totimpfstoff.
- RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus): einmalige Impfung für alle ab 75 Jahren sowie für 60- bis 74-Jährige mit schweren Grunderkrankungen oder in Pflegeeinrichtungen (RKI).
- COVID-19: Auffrischimpfungen nach der jeweils aktuellen STIKO-Empfehlung.
- Tetanus und Diphtherie: Auffrischung alle zehn Jahre, einmalig kombiniert mit Keuchhusten (Pertussis).
Die Hausarztpraxis prüft den Impfpass und kann mehrere Impfungen oft am selben Termin verabreichen. Die aktuellen Empfehlungen veröffentlicht das Robert Koch-Institut.
Bewegung, Ernährung und geistige Aktivität
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt auch älteren Menschen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, ergänzt durch Kraftübungen an mindestens zwei Tagen und, bei Sturzgefahr, durch Gleichgewichtstraining an mindestens drei Tagen. Wer das nicht schafft, profitiert trotzdem von jeder zusätzlichen Bewegung. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Fisch und pflanzlichen Ölen – ähnlich der Mittelmeerküche – schützt Herz und Gefäße. Im Alter ist zudem eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig, um Muskulatur zu erhalten.
Auch das Gehirn profitiert von Anregung: Lesen, Musizieren, Spiele, Neues lernen und vor allem Gespräche und gemeinsame Aktivitäten fördern die sogenannte kognitive Reserve. Anregungen finden Sie im Ratgeber Gedächtnistraining für Senioren.
Wenn Pflege notwendig wird: Unterstützung bei Alterskrankheiten
Trotz Vorsorge und Behandlung führen fortschreitende Erkrankungen bei vielen Menschen irgendwann zu Unterstützungsbedarf. Wer die Möglichkeiten kennt, kann rechtzeitig planen, statt in einer Krise unter Zeitdruck entscheiden zu müssen.
Der Pflegegrad als Schlüssel zu Leistungen
Braucht ein Mensch voraussichtlich für mindestens sechs Monate Hilfe im Alltag, kann bei der Pflegekasse ein Pflegegrad beantragt werden. Der Medizinische Dienst bewertet dabei in sechs Lebensbereichen, wie selbstständig die Person ist: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen sowie Alltagsgestaltung und soziale Kontakte. Aus den gewichteten Punkten ergibt sich einer von fünf Pflegegraden; Pflegegrad 1 beginnt ab 12,5 Punkten. Körperliche und geistige Einschränkungen werden dabei gleichermaßen berücksichtigt. Wie die Punkte berechnet werden, erklärt der Ratgeber NBA-Punktesystem.
Wichtige Leistungen der Pflegeversicherung
| Leistung | Umfang |
|---|---|
| Pflegegeld (monatlich, bei Pflege durch Angehörige oder selbst organisierte Hilfe) | Pflegegrad 2: 347 Euro, Pflegegrad 3: 599 Euro, Pflegegrad 4: 800 Euro, Pflegegrad 5: 990 Euro |
| Entlastungsbetrag | Bis zu 131 Euro monatlich ab Pflegegrad 1 für anerkannte Entlastungsangebote |
| Gemeinsamer Jahresbetrag für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege | Bis zu 3.539 Euro pro Jahr ab Pflegegrad 2; die frühere sechsmonatige Vorpflegezeit für die Verhinderungspflege ist entfallen |
| Pflegehilfsmittel zum Verbrauch | Bis zu 42 Euro monatlich ab Pflegegrad 1 |
| Wohnraumanpassung | Bis zu 4.180 Euro je Maßnahme ab Pflegegrad 1 |
Verschlechtert sich der Zustand, kann eine Höherstufung beantragt werden. Wie Sie sich gut auf den Besuch der Gutachterin vorbereiten, lesen Sie im Ratgeber MD-Begutachtung.
Versorgung zu Hause: Wer übernimmt was?
Viele Familien beginnen mit Unterstützung durch Angehörige, Nachbarn oder Freunde. Nehmen Hilfebedarf und Krankheitslast zu, lassen sich verschiedene Angebote kombinieren:
- Ambulanter Pflegedienst: Grundpflege wie Waschen und Anziehen über die Pflegesachleistung sowie ärztlich verordnete Behandlungspflege wie Medikamentengabe, Injektionen oder Wundversorgung über die Krankenkasse.
- Tagespflege: Betreuung und Aktivierung tagsüber in einer Einrichtung, finanziert aus einem eigenen Budget der Pflegekasse.
- 24-Stunden-Betreuung: Eine vermittelte Betreuungskraft lebt im Haushalt und unterstützt im Alltag – bei Körperpflege, Mahlzeiten, Haushalt, Begleitung zu Terminen und Spaziergängen, Erinnerung an Medikamente und Gesellschaft. Sie leistet keine Behandlungspflege, und auch für sie gelten vereinbarte Arbeits- und Ruhezeiten. Mehr dazu im Ratgeber Grundlagen der 24-Stunden-Pflege und zu Leistungen und Grenzen.
Für viele Familien ist die Kombination aus Pflegedienst und im Haushalt lebender Betreuungskraft eine Alternative zum Pflegeheim. Einen ehrlichen Kostenvergleich bietet der Ratgeber 24-Stunden-Pflege oder Pflegeheim.
Entlastung für pflegende Angehörige
Wer einen Menschen mit mehreren Alterskrankheiten begleitet, trägt oft über Jahre eine große Last. Pflegende Angehörige haben Anspruch auf kostenlose Pflegekurse, können bei Berufstätigkeit Familienpflegezeit nutzen und sollten Warnsignale der eigenen Überlastung ernst nehmen. Hinweise dazu gibt der Ratgeber Pflege-Burnout vermeiden.
Praxisbeispiele: So gehen Familien mit Alterskrankheiten um
Die folgenden vier Szenarien zeigen, wie unterschiedlich Familien mit Alterskrankheiten umgehen und welche Lösungen sich bewährt haben. Namen und Details sind verändert.
Beispiel 1: Demenz und Herzschwäche
Herr Schmidt, 78 Jahre, lebt seit dem Tod seiner Frau allein in seinem Haus. Seine Tochter bemerkt, dass er zunehmend vergesslich wird, Termine versäumt und schneller außer Atem ist; seine Beine sind abends geschwollen. Die Hausärztin diagnostiziert eine Herzschwäche und überweist in eine Gedächtnisambulanz, wo eine beginnende Alzheimer-Demenz festgestellt wird. Das Problem: Herr Schmidt nimmt seine Herzmedikamente nicht zuverlässig ein und vergisst den Herd.
Die Familie beantragt einen Pflegegrad; der Medizinische Dienst stellt Pflegegrad 3 fest. Ein Pflegedienst stellt die Medikamente wöchentlich und kontrolliert die Einnahme, und eine vermittelte Betreuungskraft zieht ein. Sie erinnert an die Tabletten, kocht salzarm, begleitet Herrn Schmidt bei Spaziergängen und notiert sein tägliches Gewicht. Eine 24-Stunden-Betreuung bei Demenz gibt ihm Struktur und seiner Tochter die Sicherheit, dass der Vater nicht allein ist.
Beispiel 2: Arthrose und Sturzangst
Frau Krause, 82 Jahre, hat eine fortgeschrittene Knie- und Hüftarthrose. Nach einem Sturz im Bad, bei dem sie sich das Handgelenk brach, traut sie sich kaum noch zu bewegen. Sie duscht seltener, bleibt meist im Sessel, und ihre Muskeln werden schwächer – ein Teufelskreis.
Statt über einen Umzug nachzudenken, lässt die Familie die Wohnung beraten und nutzt den Zuschuss der Pflegekasse. Haltegriffe, ein Duschsitz und eine Toilettensitzerhöhung werden eingebaut, Teppichkanten entfernt. Die Hausärztin verordnet Physiotherapie mit Kraft- und Gleichgewichtstraining und lässt die Knochendichte untersuchen. Nach einigen Monaten geht Frau Krause wieder sicherer und traut sich allein einzukaufen.
Beispiel 3: Parkinson und Inkontinenz
Herr Weber, 74 Jahre, lebt seit drei Jahren mit Parkinson. Neu hinzugekommen ist ein starker Harndrang, der regelmäßig zu Missgeschicken führt. Er schämt sich und zieht sich zurück, seine Frau ist mit Pflege und Haushalt überfordert.
Ein Urologe stellt eine überaktive Blase fest, passt die Medikamente in Absprache mit dem Neurologen an und empfiehlt ein Beckenbodentraining. Der Medizinische Dienst stellt Pflegegrad 3 fest. Ein Pflegedienst übernimmt morgens die Körperpflege, eine im Haushalt lebende Betreuungskraft begleitet Herrn Weber tagsüber regelmäßig zur Toilette und unterstützt beim Anziehen und bei Übungen aus der Physiotherapie. Für die Nacht stehen ein Toilettenstuhl am Bett und saugfähige Hilfsmittel bereit. Das Ehepaar gewinnt Ruhe und gemeinsame Zeit zurück.
Beispiel 4: Schlaganfall bei Diabetes und Depression
Frau Lehmann, 71 Jahre, hat Diabetes und seit einiger Zeit depressive Verstimmungen. Dann erleidet sie einen Schlaganfall mit einer linksseitigen Lähmung. Nach der Rehabilitation ist sie noch stark auf Hilfe angewiesen, und die Tochter weiß nicht, wie sie Therapien, Arzttermine und Alltag organisieren soll.
Das Entlassmanagement der Rehaklinik vermittelt zunächst einige Wochen Kurzzeitpflege. In dieser Zeit wird die Wohnung angepasst und der Pflegegrad beantragt. Anschließend übernimmt ein Pflegedienst die Insulingabe und die Medikamente, eine vermittelte Betreuungskraft unterstützt im Alltag und begleitet die Übungen aus Physio- und Ergotherapie. Die Hausärztin behandelt die Depression, und Frau Lehmann nimmt wieder an einer Gruppe für Schlaganfallbetroffene teil. Nach einigen Monaten bewegt sie sich mit dem Rollator selbstständig durch die Wohnung.
Häufige Missverständnisse im Umgang mit Alterskrankheiten
„Das gehört eben zum Alter“
Dieser Satz verhindert oft eine rechtzeitige Behandlung. Schmerzen, anhaltende Erschöpfung, ungewollter Gewichtsverlust oder Gedächtnisprobleme sind keine normalen Alterserscheinungen. Dahinter können behandelbare Ursachen stecken, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut, ein Vitaminmangel, eine Depression, Nebenwirkungen von Medikamenten oder ein Tumor.
Mehr Medikamente sind besser
Jede Erkrankung einzeln zu behandeln, kann bei Multimorbidität dazu führen, dass sich Medikamente anhäufen und gegenseitig beeinflussen. Menschen, die dauerhaft mindestens drei verordnete Medikamente einnehmen, haben Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan. Sinnvoll ist, einmal im Jahr alle Medikamente, auch selbst gekaufte, gemeinsam mit der Hausärztin oder der Apotheke durchzusehen. Hilfreich sind Wochendosierer und klare Einnahmezeiten.
Hilfe bedeutet Verlust der Selbstständigkeit
Viele ältere Menschen lehnen Unterstützung ab, weil sie fürchten, ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Oft ist das Gegenteil der Fall: Frühzeitige Hilfe – ein Haltegriff, eine Haushaltshilfe, ein Pflegedienst – beugt Stürzen und Krisen vor und ermöglicht es, länger selbstbestimmt zu Hause zu leben.
Ein Pflegegrad ist ein Makel
Ein Pflegegrad ist ein Rechtsanspruch, für den über viele Jahre Beiträge gezahlt wurden. Die Leistungen sollen die Versorgung sichern und Angehörige entlasten. Wer sie nicht beantragt, verzichtet auf Unterstützung, die ihm zusteht.
Häufig gestellte Fragen zu typischen Alterskrankheiten
Was sind die häufigsten Alterskrankheiten?
Zu den häufigsten Alterskrankheiten gehören Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Arthrose, Osteoporose, Demenz, Parkinson, Krebserkrankungen, Depressionen, Inkontinenz sowie Seh- und Hörminderungen wie Grauer Star und Altersschwerhörigkeit. Häufig treten mehrere Erkrankungen gleichzeitig auf: Laut Robert Koch-Institut haben 69,2 Prozent der Menschen ab 65 Jahren mindestens zwei chronische Erkrankungen.
Was ist der Unterschied zwischen einer Alterserscheinung und einer Alterskrankheit?
Alterserscheinungen sind langsame, allgemeine Veränderungen wie graue Haare, dünnere Haut, nachlassende Nahsicht oder etwas weniger Kraft und Ausdauer. Sie schränken den Alltag kaum ein. Alterskrankheiten haben eine eigene Ursache, schreiten oft fort und sind behandelbar. Sie treten im Alter häufiger auf, sind aber keine zwangsläufige Folge des Älterwerdens.
Kann man Demenz vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht, das Risiko lässt sich aber senken. Die Lancet-Kommission schätzte 2024, dass fast die Hälfte der Demenzerkrankungen mit 14 veränderbaren Risikofaktoren zusammenhängt, darunter Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, Rauchen, Bewegungsmangel, Depression und Einsamkeit. Blutdruck behandeln, bei Hörverlust ein Hörgerät nutzen, körperlich und geistig aktiv bleiben und soziale Kontakte pflegen sind deshalb sinnvoll – auch noch im Alter.
Wie unterscheidet sich normale Vergesslichkeit von einer beginnenden Demenz?
Bei normaler Vergesslichkeit fällt einem ein Name oder ein Termin später wieder ein, und der Alltag gelingt. Bei einer Demenz gehen Erlebnisse ganz verloren, Fragen werden wiederholt gestellt, vertraute Tätigkeiten wie Kochen oder Bankgeschäfte bereiten Probleme, und die Orientierung lässt nach. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, die bei Bedarf an eine Neurologin, einen Psychiater oder eine Gedächtnisambulanz überweist.
Sind Alterskrankheiten erblich?
Nur wenige Alterskrankheiten sind überwiegend erblich bedingt. Die Veranlagung beeinflusst das Risiko für viele Erkrankungen, entscheidend sind aber meist mehrere Faktoren zusammen: Lebensstil, Begleiterkrankungen und Umwelt. Auch bei familiärer Belastung lohnt es sich deshalb, beeinflussbare Risiken wie Bluthochdruck, Rauchen und Bewegungsmangel anzugehen.
Was ist Multimorbidität?
Multimorbidität bedeutet, dass ein Mensch gleichzeitig an zwei oder mehr chronischen Erkrankungen leidet. Im Alter ist das häufig. Die Erkrankungen können sich gegenseitig verstärken, Beschwerden überlagern sich, und die Zahl der Medikamente steigt. Umso wichtiger ist eine hausärztliche Praxis, die Behandlungen koordiniert und regelmäßig prüft, welche Therapie noch sinnvoll ist.
Welche Impfungen sind ab 70 empfohlen?
Die STIKO empfiehlt älteren Menschen die jährliche Grippeimpfung, eine einmalige Pneumokokken-Impfung, zwei Impfungen gegen Gürtelrose, eine einmalige RSV-Impfung ab 75 Jahren, COVID-19-Auffrischungen nach aktueller Empfehlung sowie Tetanus- und Diphtherie-Auffrischungen alle zehn Jahre, einmalig mit Keuchhusten. Die Hausarztpraxis prüft den Impfstatus und berät individuell.
Welche Vorsorgeuntersuchungen zahlt die Krankenkasse ab 70?
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt unter anderem den Gesundheits-Check-up alle drei Jahre, das Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre, die Darmkrebs-Früherkennung mit Stuhltest oder Darmspiegelung, bei Frauen das Mammografie-Screening alle zwei Jahre bis 75 Jahre und bei Männern die jährliche Tastuntersuchung der Prostata. Ob eine Untersuchung im hohen Alter noch sinnvoll ist, sollte individuell besprochen werden.
Hilft Bewegung noch im hohen Alter?
Ja. Bewegung senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Depression und Stürze und hilft bei Arthrose. Kraft- und Gleichgewichtstraining verringert die Sturzrate bei älteren Menschen, die zu Hause leben, laut einer Cochrane-Übersichtsarbeit um rund ein Viertel. Wichtig ist, mit angepasster Intensität zu beginnen und bei Vorerkrankungen die Belastung ärztlich abzustimmen.
Ab wann gibt es einen Pflegegrad?
Ein Pflegegrad setzt voraus, dass die Selbstständigkeit voraussichtlich für mindestens sechs Monate eingeschränkt ist. Der Medizinische Dienst bewertet sechs Lebensbereiche und vergibt Punkte; ab 12,5 Punkten besteht Pflegegrad 1. Die Diagnose allein entscheidet nicht, sondern wie viel Hilfe im Alltag nötig ist. Körperliche und geistige Einschränkungen zählen gleichermaßen.
Kann man mit mehreren Alterskrankheiten zu Hause wohnen bleiben?
In vielen Fällen ja. Die Mehrheit der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland wird zu Hause versorgt. Eine Kombination aus Angehörigen, ambulantem Pflegedienst, Tagespflege, Wohnraumanpassung und einer im Haushalt lebenden Betreuungskraft ermöglicht auch bei hohem Hilfebedarf oft ein Leben in der vertrauten Umgebung.
Welche Ernährung schützt vor Alterskrankheiten?
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Fisch und pflanzlichen Ölen, ähnlich der Mittelmeerküche, schützt Herz und Gefäße. Im Alter ist zusätzlich eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig, um Muskelabbau vorzubeugen. Bei Appetitlosigkeit oder ungewolltem Gewichtsverlust sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Wie gehe ich mit Schuldgefühlen um, wenn ich nicht allein pflegen kann?
Schuldgefühle sind bei pflegenden Angehörigen sehr verbreitet. Unterstützung anzunehmen ist jedoch kein Zeichen mangelnder Liebe, sondern schützt die eigene Gesundheit und die Beziehung. Wenn ein Pflegedienst oder eine Betreuungskraft einen Teil der Aufgaben übernimmt, bleibt oft mehr Kraft für gemeinsame Zeit. Gespräche in Angehörigengruppen oder mit Pflegeberatungsstellen helfen, die eigene Situation zu ordnen.
Fazit: Alterskrankheiten ernst nehmen und rechtzeitig handeln
Alterskrankheiten sind häufig, aber kein unabwendbares Schicksal. Viele lassen sich früh erkennen, gut behandeln oder durch Impfungen und einen gesunden Lebensstil vermeiden oder hinauszögern. Entscheidend ist, Veränderungen nicht vorschnell als „normale Alterserscheinung“ abzutun, sondern ärztlich abklären zu lassen – besonders bei Gedächtnisproblemen, Luftnot, Gewichtsverlust, neuen Schmerzen oder plötzlicher Verwirrtheit.
Weil im Alter oft mehrere Erkrankungen zusammenkommen, braucht es einen ganzheitlichen Blick: eine koordinierende Hausarztpraxis, einen überschaubaren Medikationsplan, Bewegung, gute Ernährung und soziale Kontakte. Wird Hilfe nötig, stehen Pflegegrad, Pflegedienst, Tagespflege, Wohnraumanpassung und Betreuung zu Hause zur Verfügung. Wer sich frühzeitig informiert, kann in Ruhe planen und dafür sorgen, dass ältere Menschen auch mit Alterskrankheiten sicher und selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben.
Quellen und weiterführende Informationen
- Robert Koch-Institut: Gesundheitliche Lage älterer und hochaltriger Menschen in Deutschland (Journal of Health Monitoring 3/2023)
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Neue Zahlen zur Demenz
- Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen RSV
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Mammographie-Screening für Frauen von 70 bis 75 Jahren
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Früherkennungskoloskopie für Frauen ab 50
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische oder rechtliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Hausarztpraxis, im Notfall an den Rettungsdienst (112). Alle Angaben zu Leistungen, Beträgen und Empfehlungen entsprechen dem Stand September 2026 und können sich ändern. Stand: September 2026
