Barrierefreie Dusche: Maße, Einbau & Kosten 2026

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Inhaltsübersicht

Der gefährlichste Schritt im Bad ist oft der kleinste: der über den Rand der Duschwanne. Nasse Füße, ein Bein auf dem Fliesenboden, das andere in der Wanne, keine Hand frei zum Festhalten. Für Menschen mit Arthrose, Gleichgewichtsstörungen oder nach einem Schlaganfall wird genau dieser Moment zur Sturzfalle. Eine barrierefreie Dusche nimmt ihn aus dem Alltag heraus: Man geht oder rollt ebenerdig hinein, setzt sich, hält sich fest und duscht in Ruhe.

Dieser Ratgeber konzentriert sich auf die Dusche selbst. Sie erfahren, welche Maße nach DIN 18040-2 gelten, welche Bauweisen es gibt, woran der nachträgliche Einbau einer bodenebenen Dusche im Altbau oft scheitert und wie man das löst, was bei Abdichtung, Gefälle und Rutschhemmung zu beachten ist und was der Einbau 2026 kostet.

Wie Sie das ganze Badezimmer mit WC und Waschtisch planen, erklärt der Ratgeber barrierefreies Bad. Wer eine Badewanne ersetzen möchte, findet Varianten und Ablauf im Beitrag Badewanne zur Dusche umbauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Größe: Duschplatz 120 × 120 cm, rollstuhlgerecht 150 × 150 cm. Er darf zugleich Bewegungsfläche des Bades sein.
  • Niveau: bodengleich, Absenkung höchstens 2 cm; Gefälle zum Ablauf höchstens 2 %.
  • Boden: rutschhemmend für nasse Barfußbereiche, Bewertungsgruppe B. Die R-Klassen gelten für Schuhe, nicht für die Dusche.
  • Abdichtung: nach DIN 18534 (Neuausgabe Oktober 2025). Der Boden im Duschbereich gehört zur Wassereinwirkungsklasse W2-I, ohne Duschabtrennung der gesamte Badboden.
  • Nachträglicher Einbau: Engpass ist fast immer die Höhe für Ablauf und Gefälle. Flache Abläufe, Wandabläufe, Duschpumpen oder das Anheben des Badbodens lösen das meist.
  • Kosten: meist 3.000 bis 8.000 € für eine bodengleiche Dusche; die Pflegekasse zahlt ab Pflegegrad 1 bis zu 4.180 €.

Was macht eine Dusche barrierefrei?

Umgangssprachlich heißt sie bodenebene, ebenerdige, altersgerechte, seniorengerechte oder behindertengerechte Dusche. Gemeint ist immer dasselbe Prinzip: eine Dusche, die sich ohne Stufe betreten oder befahren, im Sitzen nutzen und bei Bedarf mit Hilfe einer zweiten Person bedienen lässt. Maßstab für Wohnungen ist die DIN 18040-2. Sie unterscheidet zwei Stufen:

  • Barrierefrei nutzbar: für Menschen, die gehen können, auch mit Gehstock oder Rollator. Duschplatz 120 × 120 cm.
  • Uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar (R): Duschplatz 150 × 150 cm, damit ein Rollstuhl oder Duschrollstuhl wenden kann.

In beiden Fällen gilt: Der Duschplatz ist niveaugleich mit dem übrigen Boden, eine Absenkung ist bis höchstens 2 cm zulässig. Eine Duschwanne mit hohem Rand oder eine Duschkabine mit 120 × 100 cm und fester Glastür kann „barrierearm“ sein, erfüllt die Norm aber nicht. Was „barrierefrei“ rechtlich bedeutet, erklärt unser Beitrag zur Definition des barrierefreien Wohnens.

Maße einer barrierefreien Dusche

Die folgende Tabelle trennt Normwerte der DIN 18040-2 von bewährten Praxiswerten, die Planer und Hersteller empfehlen.

Merkmal Wert Quelle
Duschplatz barrierefrei 120 × 120 cm DIN 18040-2
Duschplatz rollstuhlgerecht 150 × 150 cm DIN 18040-2
Absenkung gegenüber dem Badboden höchstens 2 cm DIN 18040-2
Gefälle zum Ablauf höchstens 2 % DIN 18040-2
Bodenbelag im Duschbereich rutschhemmend, Bewertungsgruppe B nach DGUV Information 207-006 DIN 18040-2
Wände tragfähig für senkrechte und waagerechte Stütz- und Haltegriffe DIN 18040-2
Sitzhöhe Duschklappsitz etwa 46 bis 48 cm Praxiswert
Armatur und Brausestange aus der Sitzposition erreichbar, Armatur etwa 85 cm hoch Praxiswert
Brauseschlauch mindestens 150 cm, damit auch eine Hilfsperson duschen kann Praxiswert
Ablagen im Sitzen erreichbar, etwa 85 bis 105 cm hoch Praxiswert

Zwei Werte aus älteren Ratgebern stimmen so nicht. Rollstuhlgerechte Duschen müssen nicht „0 cm“ haben: Auch für sie erlaubt die Norm eine Absenkung von bis zu 2 cm, die als flache Schräge ausgeführt werden sollte. Und für den nassen Barfußbereich zählt nicht die R-Klasse, die für Arbeitsräume mit Schuhen gilt, sondern die Bewertungsgruppe A, B oder C. Die Norm verweist auf Gruppe B. Mehr zu geeigneten Belägen lesen Sie im Ratgeber zu barrierefreien Bodenbelägen.

Barrierefreie Dusche im kleinen Bad

Der Duschplatz darf zugleich die Bewegungsfläche vor WC oder Waschtisch sein. Deshalb lässt sich auch in einem kleinen Bad eine normgerechte Dusche einplanen, wenn sie offen ausgeführt wird, also ohne feste Glaswände. Ein Vorhang, eine klappbare Pendeltür oder eine Faltwand schützt vor Spritzwasser und lässt sich zur Seite nehmen, wenn Platz gebraucht wird. Die Kehrseite: Ohne feste Duschabtrennung wird nach DIN 18534 der gesamte Badboden der hohen Wassereinwirkungsklasse W2-I zugeordnet und muss entsprechend abgedichtet werden. Das Gefälle sollte dann so geplant sein, dass Wasser nicht zur Tür läuft.

Bauweisen im Vergleich

Barrierefrei ist nicht gleich bodengleich gefliest. Je nach Bestand bieten sich unterschiedliche Lösungen an.

Bauweise Wie sie funktioniert Stärken Grenzen
Gefliest, mit Punktablauf Boden mit Gefälle zu einem Ablauf in der Fläche günstig, bewährt Gefälle in vier Richtungen, großformatige Fliesen schwieriger
Gefliest, mit Duschrinne linearer Ablauf, oft an der Wand, Gefälle in eine Richtung großformatige Fliesen möglich, angenehm für Rollstuhl etwas teurer, braucht genaue Planung
Wandablauf Wasser läuft in eine Öffnung in der Vorwand besonders geringe Aufbauhöhe im Boden benötigt Vorwandinstallation
Duschelement oder Duschboard vorgefertigtes, bereits abgedichtetes Element mit Gefälle, wird überfliest schneller Einbau, verlässliche Abdichtung feste Maße, Aufbauhöhe je nach Produkt
Bodenebene Duschfläche Mineralguss- oder Acrylfläche, flächenbündig in den Boden eingelassen fugenlos, pflegeleicht muss exakt eingebaut werden, sonst entsteht doch eine Kante
Flache Duschtasse sehr flache Wanne mit wenigen Zentimetern Rand wenn bodengleich baulich nicht möglich ist bei mehr als 2 cm nicht normgerecht, für Rollstuhl ungeeignet

Für Menschen, die im Rollstuhl oder Duschrollstuhl duschen, ist eine Duschrinne am Rand meist die beste Lösung: Der Boden fällt nur in eine Richtung, die Räder stehen stabil. Für eine flache Duschtasse, die dort eingebaut wird, wo eine bodengleiche Lösung technisch nicht möglich ist, hat das Bundessozialgericht den Zuschuss der Pflegekasse ausdrücklich bestätigt (Urteil vom 25.11.2015, Az. B 3 P 3/14 R).

Nachträglicher Einbau: Woran er scheitert und wie es trotzdem geht

Im Neubau ist eine bodengleiche Dusche Standard. Im Bestand scheitert der nachträgliche Einbau selten am Platz, sondern fast immer an der Höhe. Ein Bodenablauf braucht Einbauhöhe, und die Abwasserleitung braucht ein durchgehendes Gefälle bis zum Fallrohr, bei Einzelanschlussleitungen in der Regel mindestens 1 %. Liegt das Fallrohr weit entfernt oder ist der Estrich dünn, fehlen schnell einige Zentimeter.

Prüfen Sie vor der Planung

  • Wie dick ist der vorhandene Bodenaufbau, und was liegt darunter?
  • Wo verläuft das Fallrohr, und wie lang wäre die neue Anschlussleitung?
  • Handelt es sich um eine Holzbalkendecke? Dann ist der Spielraum geringer, und Feuchtigkeitsschutz ist besonders wichtig.
  • Darf in der Eigentumswohnung in die Decke eingegriffen werden, etwa für einen Ablauf, der nach unten geführt wird?

Lösungen für wenig Aufbauhöhe

  • Extraflache Abläufe und Duschrinnen: Hersteller bieten Abläufe mit sehr geringer Einbauhöhe an. Die Ablaufleistung muss zur Brause passen; die Herstellerangabe in Litern pro Sekunde gibt Auskunft.
  • Wandablauf: Das Wasser fließt in die Vorwand statt in den Boden. Das spart die Höhe des Bodenablaufs.
  • Badboden anheben: Wird der ganze Badboden um wenige Zentimeter erhöht, entsteht Raum für Ablauf und Gefälle. Den Übergang zum Flur löst eine flache Schräge oder eine Schwelle von höchstens 2 cm.
  • Duschpumpe: Eine kleine Pumpe fördert das Wasser zum Fallrohr, wenn kein freies Gefälle möglich ist. Sie braucht Strom und Wartung, ist aber oft die einzige Lösung in Kellern oder bei ungünstiger Leitungsführung.
  • Ablauf durch die Decke: In Eigenheimen mit Keller oder bei Zustimmung der Eigentümergemeinschaft kann der Ablauf nach unten geführt werden.

Ein Podest vor der Dusche, auf das man hinaufsteigen muss, schafft keine Barrierefreiheit. Es verlagert die Stufe nur an eine andere Stelle.

Ablauf des Einbaus

  1. Bestandsaufnahme vor Ort mit Messung der Bodenhöhe und Prüfung der Leitungen.
  2. Planung von Bauweise, Ablaufposition, Gefällerichtung, Spritzschutz, Griffen und Sitz.
  3. Rückbau von Wanne oder Duschtasse und dem Bodenaufbau im Duschbereich.
  4. Installation von Ablauf, Anschlussleitung und bei Bedarf Vorwand mit Verstärkungen für Griffe.
  5. Gefälleestrich oder Duschelement und Abdichtung nach DIN 18534, mit Dichtbändern an allen Ecken und Übergängen.
  6. Fliesen, Armatur, Spritzschutz, Griffe und Sitz, anschließend Probelauf mit Wasser und Abnahme mit der nutzenden Person.

Reine Arbeitszeit für eine bodengleiche Dusche: oft drei bis fünf Werktage, dazu Trocknungszeiten von Estrich und Abdichtung. Für diese Zeit sollte eine Übergangslösung für die Körperpflege feststehen. Details für den Umbau aus einer Badewanne finden Sie im Ratgeber Badewanne zur Dusche umbauen.

Abdichtung nach DIN 18534: Der unsichtbare, aber wichtigste Teil

Eine bodengleiche Dusche hat keinen Wannenrand, der Wasser zurückhält. Umso wichtiger ist die Abdichtung unter den Fliesen. Die DIN 18534 regelt die Abdichtung von Innenräumen und wurde im Oktober 2025 neu herausgegeben. Für die Dusche heißt das:

  • Boden im Duschbereich: Wassereinwirkungsklasse W2-I (hoch). Ohne feste Duschabtrennung gilt das für den gesamten Badboden.
  • Wände im Duschbereich: mindestens W1-I (mäßig).
  • Übergänge: Ecken, Rohrdurchführungen und Anschlüsse an Ablauf oder Duschrinne erhalten Dichtbänder und Manschetten; hier entstehen die meisten Schäden.
  • Neu seit 2025: Planer müssen berücksichtigen, dass beim späteren Erneuern von Silikonfugen die Abdichtung verletzt werden kann, und bei Bedarf Schnittschutz vorsehen. Außerdem verlangt die Norm Maßnahmen gegen Wasser, das unter den Fliesen kapillar weiterwandert, etwa an Türschwellen. Normale Gipskartonplatten sind in W2-I-Bereichen nicht mehr ohne Weiteres zulässig.

Fragen Sie beim Angebot ausdrücklich nach dem Abdichtungssystem und lassen Sie sich die Ausführung nach DIN 18534 bestätigen. Ein Wasserschaden in der Decke kostet ein Vielfaches der gesparten Summe.

Ausstattung: Spritzschutz, Armatur, Sitz und Griffe

Spritzschutz ohne Hindernis

Feste Glaswände schränken die Bewegungsfläche ein und stören beim seitlichen Umsetzen aus dem Rollstuhl. Besser geeignet sind:

  • Pendel- oder Falttüren, die nach außen aufgehen und sich ganz zur Wand klappen lassen
  • Halbhohe Duschabtrennungen, über die eine Hilfsperson hinweg arbeiten kann, ohne selbst nass zu werden
  • Duschvorhang an einer Deckenschiene als günstigste und flexibelste Lösung

Armatur und Verbrühschutz

Warmwasser wird aus Hygienegründen häufig mit hohen Temperaturen bereitgestellt. Ein Thermostat mit Sicherheitssperre, meist bei 38 °C, schützt vor Verbrühungen, besonders wichtig bei verminderter Temperaturwahrnehmung, etwa bei Diabetes oder Demenz. Ein Einhebel- oder Thermostatgriff lässt sich auch mit wenig Kraft bedienen. Die Handbrause gehört an eine Gleitstange, die aus dem Sitzen erreichbar ist; eine Kopfbrause ist optional.

Sitzen beim Duschen

Ein Duschklappsitz an der Wand ist nur im Einsatz im Weg und bietet mit Rückenlehne und Armlehnen viel Halt. Ein Duschhocker oder Duschstuhl ist flexibel und ohne Bohren nutzbar. Wer nicht mehr selbst stehen kann, nutzt einen Duschrollstuhl, der direkt in die bodengleiche Dusche gefahren wird. Duschhocker, Duschstühle und Duschrollstühle sind Hilfsmittel, die die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung übernimmt. Modelle und Kosten vergleicht der Ratgeber Duschsitz und Duschhocker.

Haltegriffe

In der Dusche bewähren sich ein senkrechter Griff am Einstieg zum Hineingehen und Aufstehen sowie ein waagerechter oder L-förmiger Griff neben dem Sitz. Entscheidend ist die Befestigung in einer tragfähigen Wand oder Verstärkung. Positionen, Modelle und Preise erklärt der Ratgeber zu Haltegriffen und Stützgriffen.

Die Dusche für die jeweilige Situation planen

Situation Worauf es besonders ankommt
Gehen mit Rollator oder Gehstock bodengleicher Zugang, Klappsitz, senkrechter Griff am Einstieg, Thermostat
Rollstuhl oder Duschrollstuhl 150 × 150 cm, Duschrinne mit Gefälle in eine Richtung, keine feste Glaswand, Anfahrt ohne Hindernis
Halbseitige Lähmung Griffe und Sitzposition passend zur kräftigen Seite, Armatur mit einer Hand bedienbar
Pflege mit Hilfsperson Platz neben dem Sitz, halbhohe Abtrennung, langer Brauseschlauch, Ablage in Reichweite der Hilfsperson
Demenz vertraute, gut erkennbare Armatur, Kontrast zwischen Boden und Wand, warmer Raum, Verbrühschutz
Fortschreitende Erkrankung heute 120 × 120 cm, aber Platz und Wandverstärkungen für 150 × 150 cm vorsehen

Gerade bei Demenz ist das Duschen oft weniger ein bauliches als ein emotionales Thema: Wasser von oben, Kälte oder ungewohnte Armaturen können Angst auslösen. Hinweise für den Alltag gibt der Ratgeber Pflege bei Demenz; weitere Informationen bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

Was kostet eine barrierefreie Dusche 2026?

Die Kosten hängen vor allem davon ab, wie aufwendig Ablauf und Bodenaufbau angepasst werden müssen. Die folgenden Werte sind Erfahrungswerte ohne Zuschüsse.

Variante Kosten ca. 2026
Bodengleiche Dusche anstelle einer alten Duschtasse 3.000 bis 8.000 €
Badewanne zur bodengleichen Dusche umbauen 3.500 bis 7.000 €
Zusätzliche Leistungen Duschpumpe, Anheben des Badbodens oder Vorwand für Wandablauf erhöhen die Kosten je nach Aufwand
Haltegriff inklusive Montage 50 bis 500 € je Griff
Rutschhemmender Bodenbelag im Bad 1.000 bis 3.500 €
Kompletter barrierefreier Badumbau 8.000 bis 25.000 €

Kostentreiber sind lange Anschlussleitungen, Eingriffe in Decke oder Wände, hochwertige Duschrinnen und großformatige Fliesen. Sparen lässt sich, wenn die Dusche am Platz der alten bleibt, ein Duschelement statt eines individuell gemauerten Gefälles eingesetzt wird und der Spritzschutz als Vorhang ausgeführt wird. Die Kosten des ganzen Bades vergleicht der Ratgeber barrierefreies Bad.

Zuschüsse für die barrierefreie Dusche

  • Pflegekasse: Ab Pflegegrad 1 bis zu 4.180 € je Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI, bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt bis 16.720 €. Die für den bodengleichen Zugang nötigen Fliesen gehören dazu. Beantragen Sie die Dusche zusammen mit allen anderen gleichzeitig nötigen Anpassungen, bevor Sie den Auftrag erteilen. Welche Posten die Pflegekasse übernimmt, zeigt der Katalog wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Beispiele, Antrag und Fristen erklärt der Glossareintrag Wohnraumanpassung.
  • Krankenkasse: Duschhocker, Duschstuhl und Duschrollstuhl auf ärztliche Verordnung, zusätzlich zum Umbauzuschuss. Mehr dazu im Beitrag Hilfsmittel von der Krankenkasse.
  • KfW-Kredit 159: bis zu 50.000 € je Wohneinheit, über die Hausbank vor Vertragsabschluss. Der KfW-Zuschuss 455-B ist seit dem 31. Juli 2026 ausgeschöpft.
  • Landesprogramme und Steuer: Einige Bundesländer fördern barrierefreie Umbauten zusätzlich. Eine Übersicht aller Töpfe gibt der Ratgeber Zuschüsse und Förderung für barrierefreies Wohnen.

Mieterinnen und Mieter haben nach § 554 BGB Anspruch auf die Erlaubnis des Vermieters für einen behinderungsgerechten Umbau. Wie Sie dabei vorgehen, erklärt der Ratgeber barrierefreier Umbau in der Mietwohnung.

Beispiele aus der Praxis

Die Beispiele sind typisiert; die Preise sind Beispielwerte.

Beispiel 1: Duschtasse mit hohem Rand, Pflegegrad 2

Herr Brenner (79) hat eine alte Duschtasse mit 18 cm Einstieg. Nach einem Sturz traut er sich nicht mehr hinein. Weil das Fallrohr direkt hinter der Dusche liegt, reicht die Bodenhöhe für eine geflieste Dusche mit Duschrinne an der Wand. Dazu kommen ein Klappsitz, zwei Griffe und ein Thermostat. Kosten: 6.300 €. Die Pflegekasse zahlt 4.180 €, sein Eigenanteil liegt bei 2.120 €.

Beispiel 2: Altbau mit Holzbalkendecke, Pflegegrad 3

Frau Albers (84) wohnt im Obergeschoss eines Altbaus. Die Decke lässt keinen tieferen Ablauf zu. Die Lösung ist ein Duschelement mit extraflachem Ablauf, der Badboden wird um drei Zentimeter angehoben, der Übergang zum Flur als flache Schräge ausgeführt. Kosten: 8.900 €, davon zahlt die Pflegekasse 4.180 €. Den Duschrollstuhl, den sie für die Körperpflege mit Unterstützung nutzt, übernimmt die Krankenkasse.

Beispiel 3: Kellerbad, kein Gefälle möglich

Familie Oswald baut für den pflegebedürftigen Vater (Pflegegrad 2) ein Bad im Erdgeschoss aus, das Abwasser liegt höher als der Boden. Eine Duschpumpe mit Rinne löst das Problem. Kosten der Dusche einschließlich Pumpe: 7.600 €. Die Pflegekasse zahlt 4.180 €, den Rest finanziert die Familie über den KfW-Kredit 159.

Pflege und Wartung

  • Ablauf reinigen: Haare und Seifenreste im Sieb verringern die Ablaufleistung. Bei bodengleichen Duschen läuft das Wasser dann über den Duschbereich hinaus.
  • Silikonfugen kontrollieren: Sie sind Wartungsfugen und müssen alle paar Jahre erneuert werden, fachgerecht und ohne die Abdichtung darunter zu verletzen.
  • Rutschhemmung erhalten: Keine glänzenden Pflegemittel oder Polituren auf dem Duschboden verwenden. Kalk und Seifenfilm machen den Boden glatter.
  • Griffe und Sitz prüfen: Einmal im Jahr auf festen Sitz kontrollieren.
  • Lüften: Offene Duschen verteilen mehr Feuchtigkeit im Raum. Regelmäßiges Lüften beugt Schimmel vor.

Häufige Fehler beim Duschumbau

  • Höhe nicht geprüft: Erst im Rückbau zeigt sich, dass der Ablauf nicht passt. Eine Bestandsaufnahme vorab spart teure Umplanung.
  • Falsche Rutschklasse: Fliesen mit R10 sind für Schuhe geprüft. Für die Dusche zählt die Bewertungsgruppe B.
  • Zu viel Gefälle: Mehr als 2 % lassen Duschrollstuhl und Hocker wegrollen.
  • Feste Glaswand: Sie behindert Rollstuhl und Hilfsperson und verkleinert die Bewegungsfläche.
  • Abdichtung gespart: Wasserschäden zeigen sich oft erst Monate später in der Decke darunter.
  • Keine Wandverstärkung: Griffe lassen sich später nur mit Aufwand sicher montieren.
  • Kein Verbrühschutz: Gerade bei eingeschränktem Temperaturempfinden ein ernstes Risiko.
  • Auftrag vor dem Antrag: Dann ist der Zuschuss der Pflegekasse in Gefahr.

Checkliste: Barrierefreie Dusche planen

  • Wer duscht, im Stehen, im Sitzen oder im Duschrollstuhl, und mit oder ohne Hilfe?
  • Reichen 120 × 120 cm, oder sollte gleich 150 × 150 cm eingeplant werden?
  • Wie hoch ist der Bodenaufbau, wo liegt das Fallrohr?
  • Punktablauf, Duschrinne oder Wandablauf?
  • Welcher Spritzschutz passt: Vorhang, Pendeltür oder halbhohe Abtrennung?
  • Wo kommen Sitz, Griffe, Armatur und Ablage hin?
  • Ist die Abdichtung nach DIN 18534 im Angebot beschrieben?
  • Liegt ein Pflegegrad vor, und ist der Antrag bei der Pflegekasse gestellt, bevor der Auftrag vergeben wird?
  • Welche Hilfsmittel kommen zusätzlich über die Krankenkasse?
  • Wie wird die Körperpflege während der Bauzeit organisiert?

Wenn Duschen trotz barrierefreier Dusche nicht mehr allein gelingt

Eine barrierefreie Dusche macht vieles leichter, aber sie wäscht nicht. Wenn die Kraft für den Transfer fehlt, das Gleichgewicht auch im Sitzen unsicher ist oder bei Demenz jeder Duschgang zur Belastung wird, braucht es Unterstützung. Hilfe bei der Körperpflege gehört zur Grundpflege. Ein ambulanter Pflegedienst kann zu festen Terminen beim Duschen helfen; was das kostet, zeigt der Beitrag Duschen beim Pflegedienst.

Wird Unterstützung mehrmals täglich gebraucht, kann eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause die passende Lösung sein. PflegeHeimat vermittelt dafür Betreuungskräfte, die im Haushalt leben und bei Körperpflege, Anziehen und Mobilität helfen. Die bodengleiche Dusche macht diese Hilfe sicherer und rückenschonender. Was eine Betreuungskraft übernehmen darf, lesen Sie unter Leistungen und Grenzen der 24-Stunden-Pflege, zur Situation bei Demenz im Beitrag 24-Stunden-Pflege bei Demenz. Zur Finanzierung trägt unter anderem das Pflegegeld von 347 € (Pflegegrad 2) bis 990 € (Pflegegrad 5) im Monat bei; welche Gesamtkosten realistisch sind, zeigt unser Beitrag Was kostet die 24-Stunden-Pflege 2026?

Häufig gestellte Fragen zur barrierefreien Dusche

Wie groß muss eine barrierefreie Dusche sein?

Nach DIN 18040-2 misst der Duschplatz mindestens 120 × 120 cm, für die Nutzung mit dem Rollstuhl 150 × 150 cm. Er darf zugleich Bewegungsfläche vor WC oder Waschtisch sein. Eine Duschkabine mit 120 × 100 cm kann den Alltag erleichtern, ist aber nicht normgerecht barrierefrei.

Wie hoch darf die Schwelle einer barrierefreien Dusche sein?

Der Duschplatz soll niveaugleich mit dem übrigen Boden sein. Zulässig ist eine Absenkung von höchstens 2 cm, möglichst als flache Schräge ausgeführt. Das gilt auch für rollstuhlgerechte Duschen.

Kann man eine bodengleiche Dusche nachträglich einbauen?

In den meisten Fällen ja. Entscheidend ist, ob genug Höhe für Ablauf und Gefälle der Abwasserleitung vorhanden ist. Wo sie fehlt, helfen extraflache Abläufe, ein Wandablauf, das Anheben des Badbodens um wenige Zentimeter oder eine Duschpumpe. Eine Bestandsaufnahme durch einen Sanitärfachbetrieb klärt, welche Lösung passt.

Was kostet der Einbau einer ebenerdigen Dusche?

Meist 3.000 bis 8.000 €, je nach Bodenaufbau, Ablauf und Ausstattung. Der Umbau einer Badewanne zur Dusche liegt häufig bei 3.500 bis 7.000 €. Die Pflegekasse bezuschusst den Umbau ab Pflegegrad 1 mit bis zu 4.180 €.

Welche Fliesen sind für eine barrierefreie Dusche geeignet?

Für nasse Barfußbereiche gilt die Rutschhemmung nach DGUV Information 207-006; für bodengleiche Duschen verweist die DIN 18040-2 auf die Bewertungsgruppe B. Kleinformatige Fliesen oder Mosaik mit vielen Fugen bieten zusätzlichen Halt. Die R-Klassen R9 bis R13 gelten für Bereiche mit Schuhen und sind für die Dusche nicht maßgeblich.

Welches Gefälle braucht eine bodengleiche Dusche?

Die DIN 18040-2 begrenzt das Gefälle auf höchstens 2 %, damit Rollstuhl und Duschhocker nicht wegrollen. In der Praxis wird meist mit 1 bis 2 % geplant. Eine Duschrinne mit Gefälle in nur eine Richtung ist für den Rollstuhl besonders angenehm.

Zahlt die Pflegekasse eine barrierefreie Dusche?

Ja, als wohnumfeldverbessernde Maßnahme mit bis zu 4.180 € je Maßnahme ab Pflegegrad 1. Auch eine flache Duschtasse kann bezuschusst werden, wenn eine bodengleiche Lösung baulich nicht möglich ist. Der Antrag muss vor der Auftragsvergabe gestellt werden.

Welche Duschabtrennung ist barrierefrei?

Geeignet sind Pendel- oder Falttüren, die nach außen öffnen und sich ganz wegklappen lassen, halbhohe Abtrennungen für die Pflege mit Hilfsperson und Duschvorhänge an einer Deckenschiene. Feste Glaswände verkleinern die Bewegungsfläche und behindern Rollstuhl und Hilfsperson.

Braucht eine barrierefreie Dusche einen Duschsitz?

Die Norm schreibt keinen bestimmten Sitz vor, aber für die meisten älteren Menschen ist Sitzen beim Duschen deutlich sicherer. Ein Duschklappsitz an der Wand oder ein Duschhocker sind die üblichen Lösungen. Duschhocker, Duschstuhl und Duschrollstuhl übernimmt die Krankenkasse als Hilfsmittel auf ärztliche Verordnung.

Was ist beim Duschen im Rollstuhl zu beachten?

Nötig sind ein Duschplatz von 150 × 150 cm, eine hindernisfreie Anfahrt, ein Gefälle von höchstens 2 % und am besten eine Duschrinne mit Gefälle in eine Richtung. Die meisten Rollstuhlnutzer duschen in einem wasserfesten Duschrollstuhl, der als Hilfsmittel von der Krankenkasse übernommen werden kann.

Fazit: Klein im Aufwand, groß in der Wirkung

Die barrierefreie Dusche ist der Umbau mit der größten Wirkung im Bad. Sie beseitigt die häufigste Sturzursache und erhält die Selbstständigkeit bei der Körperpflege. Entscheidend sind ein Duschplatz von mindestens 120 × 120 cm, eine Absenkung von höchstens 2 cm, ein Gefälle von höchstens 2 %, ein rutschhemmender Belag der Bewertungsgruppe B und eine sorgfältige Abdichtung nach DIN 18534.

Der nachträgliche Einbau gelingt auch im Altbau fast immer, wenn die Höhe für den Ablauf vorab geprüft wird. Mit dem Zuschuss der Pflegekasse von bis zu 4.180 € und Hilfsmitteln von der Krankenkasse bleibt der Eigenanteil überschaubar. Und wenn das Duschen trotz bester Ausstattung nicht mehr allein gelingt, kann eine 24-Stunden-Betreuung dafür sorgen, dass die Körperpflege sicher und würdevoll bleibt.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine bautechnische, rechtliche oder medizinische Beratung im Einzelfall. Normwerte sind zusammengefasst wiedergegeben; verbindlich ist der Normtext. Praxiswerte sind Empfehlungen, keine Normvorgaben. Kosten sind Erfahrungswerte und können regional stark abweichen. PflegeHeimat vermittelt Betreuungskräfte und ist weder Sanitär- noch Planungsbetrieb. Stand: September 2026.

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