Eine Prostata-Ausschälung (transurethrale Resektion der Prostata, kurz TURP) gehört zu den häufigsten urologischen Eingriffen bei Männern über 60 Jahren. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 70.000 solcher Operationen durchgeführt, um eine gutartig vergrößerte Prostata zu behandeln und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Doch während der Eingriff die Beschwerden beim Wasserlassen meist deutlich lindert, stehen viele Männer nach der Operation vor einer neuen Herausforderung: Inkontinenz nach Prostata-Ausschälung.
Die Sorge vor einem unwillkürlichen Urinverlust nach dem Eingriff ist für viele Männer eine erhebliche psychische Belastung. Studien zeigen, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten in den ersten Wochen nach einer TURP mit Inkontinenzproblemen zu kämpfen haben. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen handelt es sich um ein vorübergehendes Phänomen, das sich mit gezielten Maßnahmen und etwas Geduld deutlich bessert oder sogar vollständig verschwindet.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige über Inkontinenz nach TURP – von den medizinischen Hintergründen über realistische Prognosen bis hin zu bewährten Therapieansätzen. Wir beleuchten, warum es zu diesem Problem kommt, welche Faktoren die Heilung beeinflussen und wie Sie den Regenerationsprozess aktiv unterstützen können. Zudem zeigen wir auf, wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist und wie eine häusliche Betreuung den Alltag während der Genesungsphase erleichtern kann.
Besonders wichtig: Dieser Artikel richtet sich nicht nur an Betroffene selbst, sondern auch an Angehörige, die einen geliebten Menschen nach einer Prostata-Operation begleiten. Denn die emotionale und praktische Unterstützung durch die Familie spielt eine entscheidende Rolle für den Heilungserfolg und das psychische Wohlbefinden der Patienten.
Was ist eine Prostata-Ausschälung (TURP) und warum wird sie durchgeführt?
Die transurethrale Resektion der Prostata, kurz TURP, ist ein minimalinvasiver chirurgischer Eingriff zur Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Bei diesem Verfahren wird überschüssiges Prostatagewebe durch die Harnröhre hindurch entfernt, ohne dass ein äußerer Schnitt erforderlich ist. Der Eingriff gilt als Goldstandard, wenn medikamentöse Therapien nicht mehr ausreichen oder bestimmte Komplikationen wie wiederkehrende Harnwegsinfekte, Blasensteine oder Harnverhalt auftreten.
Während der Operation führt der Urologe ein spezielles Instrument, das Resektoskop, durch die Harnröhre bis zur Prostata ein. Mit einer elektrischen Schlinge wird dann das einengende Gewebe schichtweise abgetragen. Der gesamte Eingriff dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten und erfolgt unter Vollnarkose oder Spinalanästhesie. Nach der Operation verbleibt für einige Tage ein Blasenkatheter, um die Heilung zu unterstützen und das Abfließen von Blut und Spülflüssigkeit zu ermöglichen.
Die TURP wird durchgeführt, wenn folgende Symptome die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen: häufiger nächtlicher Harndrang (Nykturie), schwacher Harnstrahl, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung, Nachträufeln oder wiederkehrende Harnwegsinfekte. Besonders bei Männern zwischen 60 und 80 Jahren ist die Prostatavergrößerung ein weit verbreitetes Problem – etwa 50 Prozent der 60-Jährigen und bis zu 90 Prozent der 85-Jährigen sind davon betroffen.
Der Eingriff verspricht eine deutliche Verbesserung der Beschwerden: Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten normalisiert sich der Harnfluss nachhaltig. Allerdings bringt die Operation auch Risiken mit sich, zu denen neben Blutungen und Infektionen auch die gefürchtete postoperative Inkontinenz gehört. Das Verständnis der anatomischen Zusammenhänge ist entscheidend, um nachvollziehen zu können, warum es nach einer TURP zu Kontinenzproblemen kommen kann.
Anatomische Grundlagen: Warum die Prostata für die Kontinenz wichtig ist
Die Prostata liegt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre wie ein Ring. Sie ist nicht nur für die Produktion von Samenflüssigkeit zuständig, sondern spielt auch eine wichtige Rolle für die Harnkontinenz. Zusammen mit dem inneren und äußeren Schließmuskel der Harnblase bildet sie ein komplexes System, das den unwillkürlichen Urinverlust verhindert.
Bei einer TURP wird Gewebe in unmittelbarer Nähe dieser Schließmuskeln entfernt. Dabei kann es zu vorübergehenden oder in seltenen Fällen auch dauerhaften Schädigungen der Nerven und Muskeln kommen, die für die Kontinenz verantwortlich sind. Besonders der innere Schließmuskel, der automatisch und unbewusst arbeitet, kann durch den Eingriff beeinträchtigt werden. Der äußere Schließmuskel hingegen lässt sich willentlich steuern und bleibt bei einer TURP in der Regel intakt – es sei denn, es kommt zu unvorhergesehenen Komplikationen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Schwellung des operierten Gewebes. In den ersten Wochen nach der TURP schwillt die Operationsregion an, was die Funktion der Schließmuskeln zusätzlich beeinträchtigen kann. Diese Schwellung bildet sich normalerweise innerhalb von vier bis zwölf Wochen zurück, weshalb viele Patienten in dieser Phase eine Besserung ihrer Kontinenzprobleme erleben.
Ursachen und Mechanismen: Warum kommt es zu Inkontinenz nach TURP?
Die Inkontinenz nach Prostata-Ausschälung kann verschiedene Ursachen haben, die oft miteinander zusammenwirken. Das Verständnis dieser Mechanismen hilft nicht nur dabei, realistische Erwartungen zu entwickeln, sondern auch gezielte Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Verletzung oder Schwächung der Schließmuskulatur
Der häufigste Grund für eine postoperative Inkontinenz ist die direkte oder indirekte Beeinträchtigung der Schließmuskulatur. Während der TURP muss der Operateur sehr präzise arbeiten, um das überschüssige Prostatagewebe zu entfernen, ohne die empfindlichen Strukturen der Schließmuskeln zu verletzen. Dennoch kann es zu Mikroverletzungen kommen, die die Funktionsfähigkeit vorübergehend einschränken.
Besonders kritisch ist die Zone des inneren Schließmuskels, der aus glatten Muskelfasern besteht und unwillkürlich arbeitet. Dieser Muskel sorgt dafür, dass die Blase auch in Ruhephasen geschlossen bleibt. Wird er während der Operation geschwächt, kann es zu einer sogenannten Belastungsinkontinenz kommen – Urinverlust bei körperlicher Anstrengung wie Husten, Niesen oder Heben schwerer Gegenstände.
Studien zeigen, dass das Risiko für Inkontinenz steigt, wenn bereits vor der Operation eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur bestand. Männer, die jahrelang unter Blasenentleerungsstörungen gelitten haben, weisen häufig eine vorgeschädigte Muskulatur auf, die nach dem Eingriff zusätzlich belastet wird.
Nervenschädigungen im Operationsgebiet
Neben der Muskulatur spielen auch die Nerven eine zentrale Rolle für die Kontinenz. Die Harnblase und die Schließmuskeln werden von einem komplexen Netzwerk aus Nervenfasern gesteuert, die Signale zwischen Gehirn, Rückenmark und Beckenorganen übermitteln. Bei einer TURP können diese Nerven thermisch (durch die elektrische Schlinge) oder mechanisch (durch Druck und Manipulation) geschädigt werden.
Eine Nervenschädigung führt dazu, dass die Kommunikation zwischen Blase und Gehirn gestört ist. Die Folge: Die Blase kann nicht mehr korrekt signalisieren, wann sie gefüllt ist, oder die Schließmuskeln reagieren nicht adäquat auf den Füllungszustand. In den meisten Fällen regenerieren sich die Nerven innerhalb von drei bis sechs Monaten, weshalb auch hier Geduld gefragt ist.
Postoperative Schwellung und Entzündungsreaktionen
Jeder operative Eingriff löst eine natürliche Entzündungsreaktion des Körpers aus. Das operierte Gewebe schwillt an, was in den ersten Wochen nach der TURP zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Kontinenz führen kann. Diese Schwellung drückt auf die umliegenden Strukturen und beeinträchtigt deren Funktion.
Zusätzlich kann es zu Narbenbildung kommen, die die Elastizität der Harnröhre und der Schließmuskeln vermindert. Moderne Operationstechniken zielen darauf ab, diese Narbenbildung zu minimieren, dennoch lässt sie sich nicht vollständig vermeiden. In der Regel klingen Schwellung und Entzündung innerhalb von sechs bis zwölf Wochen ab, was mit einer deutlichen Verbesserung der Kontinenz einhergeht.
Vorbestehende Risikofaktoren
Nicht jeder Patient hat das gleiche Risiko, nach einer TURP inkontinent zu werden. Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit erheblich:
- Alter: Männer über 75 Jahre haben ein höheres Risiko, da die Regenerationsfähigkeit des Gewebes mit zunehmendem Alter abnimmt.
- Voroperationen: Frühere Eingriffe im Beckenbereich können Narbengewebe hinterlassen, das die Kontinenz beeinträchtigt.
- Begleiterkrankungen: Diabetes, neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder ein Bandscheibenvorfall erhöhen das Risiko für Inkontinenz.
- Größe der Prostata: Je größer die entfernte Gewebemenge, desto höher das Risiko für postoperative Komplikationen.
- Schwache Beckenbodenmuskulatur: Männer, die bereits vor der Operation unter Inkontinenz litten oder eine schwache Beckenbodenmuskulatur hatten, sind anfälliger.
Eine gründliche präoperative Diagnostik kann helfen, diese Risikofaktoren zu identifizieren und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Dazu gehört beispielsweise ein präoperatives Beckenbodentraining, das die Muskulatur stärkt und die Heilung nach dem Eingriff unterstützt.

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Angebot anfordern Beraten lassenFormen der Inkontinenz nach Prostata-Ausschälung
Die Inkontinenz nach TURP kann sich in unterschiedlichen Formen äußern, die jeweils andere Ursachen haben und entsprechend unterschiedlich behandelt werden müssen. Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die richtige Therapie einzuleiten.
Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)
Die häufigste Form nach einer TURP ist die Belastungsinkontinenz. Hierbei kommt es zu unwillkürlichem Urinverlust bei körperlichen Aktivitäten, die den Druck im Bauchraum erhöhen – etwa beim Husten, Niesen, Lachen, Heben schwerer Gegenstände oder beim Aufstehen aus dem Sitzen. Die Ursache liegt in einer geschwächten Schließmuskulatur, die dem erhöhten Druck nicht mehr standhalten kann.
Die gute Nachricht: Belastungsinkontinenz spricht besonders gut auf Beckenbodentraining an. Studien zeigen, dass etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen durch gezieltes Training eine deutliche Verbesserung oder sogar vollständige Heilung erreichen. Wichtig ist, dass das Training frühzeitig beginnt und konsequent über mehrere Monate durchgeführt wird.
Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz)
Bei der Dranginkontinenz verspüren Betroffene einen plötzlichen, sehr starken Harndrang, dem sie nicht rechtzeitig nachkommen können. Diese Form der Inkontinenz ist seltener als die Belastungsinkontinenz und tritt meist dann auf, wenn die Blase durch die Operation gereizt oder überaktiv geworden ist.
Die Ursachen können vielfältig sein: Entzündungen, Narbenbildung oder eine gestörte Nervensteuerung der Blase. Häufig bessert sich die Dranginkontinenz innerhalb der ersten drei Monate nach der Operation von selbst, wenn die Entzündungsreaktion abklingt. Unterstützend können Medikamente eingesetzt werden, die die Blasenaktivität dämpfen, sowie Verhaltenstherapien wie das Blasentraining.
Mischinkontinenz
Einige Patienten leiden nach einer TURP unter einer Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz. Diese Mischform ist besonders belastend, da sie sowohl bei körperlicher Anstrengung als auch bei plötzlichem Harndrang auftritt. Die Behandlung erfordert einen multimodalen Ansatz, der sowohl Beckenbodentraining als auch medikamentöse Therapie und Verhaltensänderungen umfasst.
Nachtröpfeln (Nachträufeln)
Eine weitere häufige Beschwerde nach einer TURP ist das Nachträufeln. Hierbei verlieren Betroffene nach dem Wasserlassen noch einige Tropfen Urin, die sich in der Harnröhre angesammelt haben. Dieses Phänomen ist in der Regel harmlos und lässt sich durch einfache Maßnahmen wie das manuelle Ausstreichen der Harnröhre oder das Tragen von Einlagen gut kontrollieren. In den meisten Fällen verschwindet das Nachträufeln innerhalb weniger Wochen von selbst.
Prognose: Wie lange dauert die Inkontinenz nach TURP?
Eine der häufigsten Fragen, die Patienten nach einer Prostata-Ausschälung beschäftigt, lautet: Wie lange wird die Inkontinenz anhalten? Die Antwort hängt von verschiedenen Faktoren ab, doch die Prognose ist in den meisten Fällen positiv.
Zeitlicher Verlauf der Regeneration
Studien zeigen, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten, die unmittelbar nach der TURP unter Inkontinenz leiden, innerhalb von drei bis sechs Monaten eine deutliche Besserung oder vollständige Heilung erfahren. Der Heilungsverlauf lässt sich grob in folgende Phasen einteilen:
| Zeitraum nach TURP | Typische Symptome | Prognose |
|---|---|---|
| 1-2 Wochen | Starke Inkontinenz, Katheter noch vorhanden oder gerade entfernt | Schwellung und Entzündung am stärksten, keine Panik – das ist normal |
| 3-6 Wochen | Inkontinenz lässt nach, aber noch deutlich vorhanden | Schwellung klingt ab, erste Verbesserungen spürbar |
| 2-3 Monate | Deutliche Besserung, nur noch leichte Inkontinenz | 70% der Patienten erreichen hier schon gute Kontinenz |
| 4-6 Monate | Meist vollständige oder nahezu vollständige Kontinenz | 90% der Patienten sind zufrieden mit dem Ergebnis |
| Nach 12 Monaten | Endzustand erreicht | Weitere Verbesserungen unwahrscheinlich, bei anhaltenden Problemen Therapie erwägen |
Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Zeitangaben Durchschnittswerte sind. Manche Patienten erleben bereits nach wenigen Wochen eine vollständige Kontinenz, während andere sechs Monate oder länger benötigen. Entscheidend ist, dass die Tendenz positiv ist und sich die Symptome kontinuierlich verbessern.
Faktoren, die die Heilung beeinflussen
Die Geschwindigkeit und Vollständigkeit der Regeneration hängen von mehreren Faktoren ab:
- Alter und allgemeiner Gesundheitszustand: Jüngere Patienten mit guter körperlicher Fitness regenerieren schneller als ältere oder multimorbide Patienten.
- Konsequentes Beckenbodentraining: Patienten, die frühzeitig und regelmäßig trainieren, erreichen deutlich bessere Ergebnisse.
- Größe des Eingriffs: Je mehr Gewebe entfernt wurde, desto länger kann die Heilung dauern.
- Komplikationen während der Operation: Blutungen oder unvorhergesehene Schwierigkeiten können die Heilung verzögern.
- Vorbestehende Kontinenzprobleme: Patienten, die bereits vor der TURP unter leichter Inkontinenz litten, haben ein höheres Risiko für anhaltende Probleme.
Wann ist professionelle Hilfe erforderlich?
Während die meisten Fälle von Inkontinenz nach Prostata-Ausschälung sich von selbst bessern, gibt es Situationen, in denen eine weiterführende Behandlung notwendig ist. Folgende Warnsignale sollten Sie ernst nehmen:
- Keine Besserung nach drei Monaten trotz konsequentem Beckenbodentraining
- Verschlechterung der Symptome statt Verbesserung
- Starke Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin
- Fieber oder Anzeichen einer Infektion
- Vollständiger Urinverlust ohne jegliche Kontrolle
In solchen Fällen sollten Sie umgehend Ihren Urologen kontaktieren. Möglicherweise sind weitere diagnostische Maßnahmen wie eine Blasenspiegelung, eine Urodynamik-Untersuchung oder bildgebende Verfahren erforderlich, um die Ursache zu klären und eine gezielte Therapie einzuleiten.
Therapie und Regeneration: Was können Sie selbst tun?
Die gute Nachricht ist: Sie sind der Inkontinenz nach TURP nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt zahlreiche bewährte Maßnahmen, die den Heilungsprozess aktiv unterstützen und die Lebensqualität während der Genesungsphase deutlich verbessern können.
Beckenbodentraining: Die wichtigste Maßnahme
Das Beckenbodentraining ist die effektivste nicht-medikamentöse Methode zur Behandlung der postoperativen Inkontinenz. Die Übungen stärken die Muskulatur, die für die Kontinenz verantwortlich ist, und verbessern die Koordination zwischen Blase und Schließmuskeln. Idealerweise sollte das Training bereits vor der Operation beginnen, um die Muskulatur optimal vorzubereiten.
Grundübung: Anspannen und Entspannen
Setzen oder legen Sie sich bequem hin. Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur an, als wollten Sie den Urinstrahl unterbrechen. Halten Sie die Spannung für fünf Sekunden, dann entspannen Sie für zehn Sekunden. Wiederholen Sie diese Übung zehnmal, dreimal täglich. Achten Sie darauf, dass Sie nur die Beckenbodenmuskulatur anspannen und nicht die Bauch-, Gesäß- oder Oberschenkelmuskulatur mitbenutzen.
Fortgeschrittene Übung: Schnellkraft
Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur zehnmal schnell hintereinander an und lassen Sie sofort wieder locker. Diese Übung trainiert die Schnellkraft der Muskulatur, die bei plötzlichen Belastungen wie Husten oder Niesen wichtig ist.
Alltagsintegration
Integrieren Sie das Beckenbodentraining in Ihren Alltag: Spannen Sie die Muskulatur an, bevor Sie husten, niesen oder schwere Gegenstände heben. Diese präventive Anspannung kann Urinverlust effektiv verhindern.
Studien belegen, dass Patienten, die regelmäßig und korrekt trainieren, ihre Kontinenz um durchschnittlich 70 Prozent verbessern. Ein qualifizierter Physiotherapeut kann Ihnen die Übungen zeigen und kontrollieren, ob Sie sie korrekt ausführen. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für ein angeleitetes Beckenbodentraining nach einer TURP.
Blasentraining: Die Kontrolle zurückgewinnen
Neben dem Beckenbodentraining ist auch das Blasentraining eine wichtige Maßnahme, besonders bei Dranginkontinenz. Ziel ist es, die Blasenkapazität zu erhöhen und die Kontrolle über den Harndrang zu verbessern.
Schrittweise Verlängerung der Intervalle
Führen Sie ein Miktionsprotokoll, in dem Sie notieren, wann und wie viel Sie trinken und wann Sie zur Toilette gehen. Versuchen Sie dann, die Abstände zwischen den Toilettengängen schrittweise zu verlängern – zunächst um 15 Minuten, später um 30 Minuten und mehr. Trainieren Sie Ihre Blase, größere Urinmengen zu halten, ohne dass Drang entsteht.
Ablenkungstechniken
Wenn Sie plötzlichen Harndrang verspüren, versuchen Sie, sich abzulenken: Atmen Sie tief durch, spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur an oder denken Sie an etwas anderes. Oft lässt der Drang nach wenigen Minuten nach, sodass Sie kontrolliert zur Toilette gehen können.
Medikamentöse Unterstützung
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein, um die Regeneration zu unterstützen. Besonders bei Dranginkontinenz kommen sogenannte Anticholinergika zum Einsatz, die die überaktive Blase beruhigen. Diese Medikamente sollten jedoch nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden, da sie Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung oder Sehstörungen verursachen können.
Bei Belastungsinkontinenz gibt es bislang keine spezifischen Medikamente, die nachweislich helfen. Hier liegt der Fokus auf Beckenbodentraining und gegebenenfalls chirurgischen Eingriffen bei anhaltenden Beschwerden.
Hilfsmittel für den Alltag
Während der Regenerationsphase können Inkontinenz-Hilfsmittel die Lebensqualität erheblich verbessern. Dazu gehören:
- Einlagen und Vorlagen: Speziell für Männer entwickelte Einlagen, die diskret in der Unterwäsche getragen werden können und Urinverlust sicher auffangen.
- Inkontinenzhosen: Bei stärkerer Inkontinenz bieten Inkontinenzhosen (Pants) mehr Sicherheit und sind optisch kaum von normaler Unterwäsche zu unterscheiden.
- Kondom-Urinal: Für die Nacht kann ein Kondom-Urinal eine komfortable Lösung sein, das den Urin in einen Beutel ableitet.
- Hautpflege: Verwenden Sie spezielle Pflegeprodukte, um Hautirritationen durch Feuchtigkeit zu vermeiden. Eine intakte Haut ist wichtig für Ihr Wohlbefinden und beugt Infektionen vor.
Die Kosten für Inkontinenzhilfsmittel werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen, wenn ein entsprechendes Rezept vom Arzt vorliegt. Lassen Sie sich in einem Sanitätshaus beraten, welche Produkte für Ihre individuelle Situation am besten geeignet sind.
Lebensstil-Anpassungen
Auch kleine Veränderungen im Alltag können die Kontinenz positiv beeinflussen:
- Trinkmenge: Trinken Sie ausreichend, aber nicht übermäßig. Die empfohlene Trinkmenge liegt bei etwa 1,5 bis 2 Litern pro Tag. Vermeiden Sie es, abends große Mengen zu trinken, um nächtliche Toilettengänge zu reduzieren.
- Koffein und Alkohol: Beide Substanzen reizen die Blase und können Inkontinenz verstärken. Reduzieren Sie den Konsum oder verzichten Sie vorübergehend darauf.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht erhöht den Druck auf die Blase und die Beckenbodenmuskulatur. Eine moderate Gewichtsabnahme kann die Kontinenz verbessern.
- Vermeidung von Verstopfung: Chronische Verstopfung belastet den Beckenboden zusätzlich. Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Bewegung.

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Angebot anfordern Beraten lassenWeiterführende Behandlungsmöglichkeiten bei anhaltender Inkontinenz
Wenn konservative Maßnahmen nach sechs bis zwölf Monaten keine ausreichende Besserung bringen, stehen verschiedene weiterführende Therapieoptionen zur Verfügung. Die Wahl der Behandlung hängt von der Art und Schwere der Inkontinenz sowie von individuellen Faktoren ab.
Biofeedback-Therapie
Beim Biofeedback-Training werden Sensoren verwendet, um die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur sichtbar zu machen. Auf einem Monitor können Patienten in Echtzeit sehen, ob sie die richtigen Muskeln anspannen und wie stark die Kontraktion ist. Diese visuelle Rückmeldung hilft vielen Betroffenen, das Beckenbodentraining effektiver zu gestalten und schneller Fortschritte zu erzielen.
Elektrostimulation
Die Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur kann bei geschwächter oder nicht ausreichend aktivierbarer Muskulatur hilfreich sein. Dabei werden über eine Sonde schwache elektrische Impulse an die Muskulatur abgegeben, die diese zur Kontraktion anregen. Die Therapie ist schmerzfrei und wird meist in Kombination mit Beckenbodentraining durchgeführt.
Operative Verfahren
Bei schwerer, therapieresistenter Inkontinenz können operative Eingriffe in Betracht gezogen werden. Die wichtigsten Verfahren sind:
Implantation eines künstlichen Schließmuskels
Ein künstlicher Schließmuskel (Sphinkterprothese) ist eine kleine Manschette, die um die Harnröhre gelegt wird und diese verschließt. Über eine Pumpe, die im Hodensack implantiert wird, kann der Patient die Manschette öffnen, um Wasser zu lassen. Dieses Verfahren gilt als Goldstandard bei schwerer Belastungsinkontinenz und hat hohe Erfolgsraten von über 80 Prozent.
Einlage von Schlingen (Sling-Verfahren)
Beim Sling-Verfahren wird eine Schlinge aus körpereigenem Gewebe oder synthetischem Material unter die Harnröhre gelegt, um diese zu stabilisieren und die Kontinenz zu verbessern. Diese Methode ist weniger invasiv als die Implantation eines künstlichen Schließmuskels, hat aber auch etwas niedrigere Erfolgsraten.
Bulking Agents (Unterspritzung)
Eine weitere Option ist die Injektion von volumengebenden Substanzen (Bulking Agents) in die Harnröhrenwand. Diese Substanzen verengen die Harnröhre und verbessern so die Kontinenz. Das Verfahren ist minimalinvasiv, muss aber oft wiederholt werden, da die Substanzen mit der Zeit abgebaut werden.
Sakrale Neuromodulation
Bei Dranginkontinenz kann die sakrale Neuromodulation eine Option sein. Dabei wird ein kleiner Schrittmacher implantiert, der elektrische Impulse an die Nerven sendet, die die Blase steuern. Diese Impulse können die überaktive Blase beruhigen und die Kontrolle über den Harndrang verbessern.
Praktische Beispiele: Wie Betroffene mit Inkontinenz nach TURP umgehen
Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich der Verlauf der Inkontinenz nach Prostata-Ausschälung sein kann und welche individuellen Strategien zum Erfolg führen.
Beispiel 1: Herr M., 68 Jahre – Schnelle Regeneration durch konsequentes Training
Herr M. litt seit Jahren unter nächtlichem Harndrang und schwachem Harnstrahl aufgrund einer vergrößerten Prostata. Nach mehreren erfolglosen medikamentösen Therapien entschied er sich für eine TURP. Bereits vor der Operation begann er auf Anraten seines Urologen mit Beckenbodentraining, um die Muskulatur zu stärken.
Unmittelbar nach der Katheterentfernung am dritten postoperativen Tag litt Herr M. unter starker Belastungsinkontinenz – bereits beim Aufstehen aus dem Bett verlor er Urin. Sein Arzt versicherte ihm, dass dies normal sei und sich in den kommenden Wochen bessern würde. Herr M. nutzte in dieser Phase Einlagen für Männer und führte dreimal täglich sein Beckenbodentraining durch.
Nach vier Wochen bemerkte er eine deutliche Besserung: Der Urinverlust beim Husten oder Niesen wurde weniger. Nach drei Monaten war er tagsüber nahezu kontinent und musste nur noch nachts eine leichte Einlage tragen. Nach sechs Monaten war die Inkontinenz vollständig verschwunden. Herr M. führt das gute Ergebnis vor allem auf sein konsequentes Training zurück und empfiehlt jedem Betroffenen, nicht aufzugeben und geduldig zu bleiben.
Beispiel 2: Herr K., 75 Jahre – Kombination aus Drang- und Belastungsinkontinenz
Herr K. hatte vor der TURP bereits leichte Kontinenzprobleme, die er aber nie behandeln ließ. Nach der Operation verschlimmerte sich die Situation: Er litt sowohl unter Belastungsinkontinenz als auch unter plötzlichem, kaum kontrollierbarem Harndrang. Die Kombination beider Formen belastete ihn psychisch stark, und er zog sich zunehmend aus dem sozialen Leben zurück.
Sein Urologe empfahl eine multimodale Therapie: Beckenbodentraining unter physiotherapeutischer Anleitung, Blasentraining zur Verlängerung der Intervalle zwischen den Toilettengängen und medikamentöse Unterstützung mit einem Anticholinergikum zur Dämpfung der überaktiven Blase. Zusätzlich nahm Herr K. die Unterstützung einer Seniorenbetreuung in Anspruch, die ihm im Alltag half und ihn motivierte, das Training durchzuhalten.
Nach sechs Monaten hatte sich die Dranginkontinenz deutlich gebessert, die Belastungsinkontinenz war jedoch noch vorhanden. Herr K. entschied sich gegen weitere invasive Maßnahmen und arrangierte sich mit der Situation, indem er hochwertige Inkontinenzhilfsmittel nutzte und seine Aktivitäten entsprechend plante. Die häusliche Betreuung gab ihm die Sicherheit, die er brauchte, um wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Beispiel 3: Herr T., 62 Jahre – Erfolgreiche Behandlung mit künstlichem Schließmuskel
Herr T. war ein sehr aktiver Mann, der regelmäßig Sport trieb und viel reiste. Nach seiner TURP entwickelte er eine schwere Belastungsinkontinenz, die auch nach zwölf Monaten intensiven Trainings nicht besser wurde. Jede körperliche Anstrengung führte zu Urinverlust, was seine Lebensqualität massiv beeinträchtigte.
Nach ausführlicher Beratung entschied sich Herr T. für die Implantation eines künstlichen Schließmuskels. Der Eingriff verlief komplikationslos, und nach einer Eingewöhnungsphase von etwa vier Wochen konnte er die Pumpe sicher bedienen. Die Inkontinenz verschwand nahezu vollständig, und Herr T. konnte sein aktives Leben wieder aufnehmen. Er betont, dass die Entscheidung für die Operation die beste seines Lebens war und er sich nur wünscht, früher davon erfahren zu haben.
Beispiel 4: Herr S., 81 Jahre – Akzeptanz und Anpassung
Herr S. war zum Zeitpunkt der TURP bereits 81 Jahre alt und litt neben der Prostatavergrößerung auch unter Diabetes und leichter Demenz. Nach der Operation entwickelte er eine moderate Inkontinenz, die sich trotz Beckenbodentraining nur langsam besserte. Aufgrund seines Alters und seiner Begleiterkrankungen war ein operativer Eingriff keine Option.
Herr S. und seine Familie entschieden sich für eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause, die ihn bei der täglichen Hygiene unterstützte und darauf achtete, dass er ausreichend trank und regelmäßig zur Toilette ging. Die Betreuungskraft half ihm auch beim Wechseln der Inkontinenzhilfsmittel und bei der Hautpflege, um Hautirritationen zu vermeiden.
Durch die professionelle Unterstützung konnte Herr S. weiterhin in seinem gewohnten Umfeld leben, ohne dass die Inkontinenz zu einer übermäßigen Belastung für ihn oder seine Familie wurde. Die Familie war erleichtert, dass sie nicht allein mit der Situation umgehen musste, und schätzte die Entlastung durch die häusliche Betreuung sehr.
Die Rolle der häuslichen Betreuung bei Inkontinenz nach TURP
Inkontinenz ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern auch eine emotionale und soziale Herausforderung. Viele Betroffene schämen sich für ihre Situation und ziehen sich zurück. Gerade in der ersten Zeit nach der Operation, wenn die Inkontinenz am stärksten ist, kann professionelle Unterstützung im eigenen Zuhause eine enorme Entlastung sein.
Unterstützung bei der täglichen Hygiene
Eine qualifizierte Betreuungskraft hilft diskret und würdevoll beim Wechseln der Inkontinenzhilfsmittel, bei der Körperpflege und bei der Hautpflege. Gerade für ältere Männer, die sich mit dem Thema Inkontinenz schwertun, ist diese professionelle Unterstützung oft leichter zu akzeptieren als die Hilfe durch Familienangehörige.
Motivation und Begleitung beim Beckenbodentraining
Die Betreuungskraft kann den Patienten an die regelmäßigen Übungen erinnern und ihn motivieren, auch an Tagen durchzuhalten, an denen die Fortschritte langsam erscheinen. Gemeinsame Spaziergänge und leichte Bewegungsübungen unterstützen zusätzlich die Regeneration und heben die Stimmung.
Emotionale Unterstützung und soziale Teilhabe
Die psychische Belastung durch Inkontinenz sollte nicht unterschätzt werden. Eine einfühlsame Betreuungskraft bietet nicht nur praktische Hilfe, sondern auch ein offenes Ohr und Verständnis für die Sorgen und Ängste der Betroffenen. Sie ermutigt zur Teilnahme am sozialen Leben und hilft, Strategien zu entwickeln, um trotz Inkontinenz aktiv zu bleiben.
Entlastung für pflegende Angehörige
Auch für die Familie ist die Situation oft belastend. Die ständige Sorge um den Betroffenen, die Unterstützung bei der Hygiene und die emotionale Belastung können zu Überforderung führen. Eine ganzheitliche Betreuung zu Hause gibt den Angehörigen die Möglichkeit, wieder durchzuatmen und Kraft zu tanken, während sie gleichzeitig die Gewissheit haben, dass ihr geliebter Mensch in guten Händen ist.
Psychische Aspekte: Der Umgang mit Scham und Isolation
Die Inkontinenz nach Prostata-Ausschälung ist nicht nur ein körperliches, sondern auch ein psychisches Problem. Viele Männer empfinden tiefe Scham und haben Angst vor sozialer Ausgrenzung. Diese Gefühle können zu Rückzug, Depression und einem erheblichen Verlust an Lebensqualität führen.
Scham überwinden
Inkontinenz ist kein Zeichen von Schwäche oder persönlichem Versagen. Es ist eine medizinische Komplikation, die viele Männer nach einer TURP erleben. Offenheit gegenüber dem behandelnden Arzt, der Familie und gegebenenfalls einer Selbsthilfegruppe kann helfen, die Scham zu überwinden und sich nicht mehr allein mit dem Problem zu fühlen.
Selbsthilfegruppen und Austausch
Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr wertvoll sein. Selbsthilfegruppen bieten einen geschützten Raum, in dem offen über Probleme gesprochen werden kann. Hier erfahren Sie aus erster Hand, welche Strategien anderen geholfen haben und dass Sie mit Ihren Sorgen nicht allein sind.
Professionelle psychologische Unterstützung
Wenn die psychische Belastung überhandnimmt, kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein. Ein Psychologe oder Psychotherapeut kann helfen, mit den emotionalen Herausforderungen umzugehen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und das Selbstwertgefühl zu stärken.

Wir kümmern uns um alles – kostenlose Beratung zur 24-Stunden-Betreuung
Angebot anfordern Beraten lassenPrävention: Kann man Inkontinenz nach TURP vorbeugen?
Während sich eine postoperative Inkontinenz nicht vollständig verhindern lässt, gibt es Maßnahmen, die das Risiko deutlich reduzieren und die Regeneration beschleunigen können.
Präoperatives Beckenbodentraining
Studien zeigen, dass Männer, die bereits vor der TURP mit Beckenbodentraining beginnen, nach der Operation signifikant seltener und weniger schwer unter Inkontinenz leiden. Idealerweise sollte das Training mindestens vier Wochen vor dem geplanten Eingriff beginnen und unter physiotherapeutischer Anleitung durchgeführt werden.
Wahl eines erfahrenen Operateurs
Die Erfahrung und Technik des Operateurs spielen eine wichtige Rolle für das Ergebnis. Informieren Sie sich im Vorfeld über die Expertise der Klinik und des Chirurgen. Scheuen Sie sich nicht, nach den Fallzahlen und Komplikationsraten zu fragen. Eine Klinik mit hoher Expertise und modernen Operationstechniken kann das Risiko für postoperative Komplikationen reduzieren.
Realistische Erwartungen und gute Vorbereitung
Eine umfassende Aufklärung über mögliche Komplikationen und den zu erwartenden Heilungsverlauf hilft, realistische Erwartungen zu entwickeln. Wer gut vorbereitet ist, kann besser mit Rückschlägen umgehen und bleibt motiviert, die notwendigen Maßnahmen konsequent durchzuführen.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Im Umgang mit Inkontinenz nach TURP machen viele Betroffene Fehler, die den Heilungsprozess verzögern oder die Symptome verschlimmern können.
Fehler 1: Zu wenig trinken aus Angst vor Urinverlust
Viele Betroffene reduzieren ihre Trinkmenge drastisch, um weniger Urin zu produzieren. Das ist kontraproduktiv: Zu wenig Flüssigkeit konzentriert den Urin, reizt die Blase zusätzlich und erhöht das Risiko für Blasenentzündungen. Trinken Sie ausreichend, aber verteilen Sie die Flüssigkeit über den Tag und reduzieren Sie die Trinkmenge am Abend.
Fehler 2: Beckenbodentraining falsch oder unregelmäßig durchführen
Viele Männer wissen nicht genau, wie sie die Beckenbodenmuskulatur korrekt anspannen sollen, und trainieren stattdessen die Bauch- oder Gesäßmuskulatur. Lassen Sie sich die Übungen von einem Physiotherapeuten zeigen und kontrollieren Sie regelmäßig, ob Sie die richtige Technik anwenden. Nur korrektes und konsequentes Training bringt Erfolg.
Fehler 3: Zu früh aufgeben
Manche Patienten erwarten schnelle Ergebnisse und sind frustriert, wenn sich nach wenigen Wochen noch keine deutliche Besserung zeigt. Geben Sie nicht auf! Die Regeneration braucht Zeit, und oft zeigen sich die größten Fortschritte erst nach drei bis sechs Monaten.
Fehler 4: Soziale Isolation
Aus Scham ziehen sich viele Betroffene zurück und meiden soziale Kontakte. Diese Isolation verschlimmert die psychische Belastung und kann zu Depressionen führen. Nutzen Sie moderne Inkontinenzhilfsmittel, die Sicherheit geben, und trauen Sie sich, wieder am Leben teilzunehmen.
Fehler 5: Keine professionelle Hilfe suchen bei anhaltenden Problemen
Wenn sich die Inkontinenz nach sechs Monaten nicht bessert, sollten Sie nicht zögern, weitere Behandlungsoptionen zu besprechen. Es gibt wirksame Therapien, die Ihnen helfen können – aber nur, wenn Sie aktiv werden.
Wie lange dauert es, bis die Inkontinenz nach einer TURP vollständig verschwindet?
Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Patienten bessert sich die Inkontinenz innerhalb von drei bis sechs Monaten deutlich oder verschwindet vollständig. Der genaue Zeitrahmen hängt von individuellen Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und konsequentem Beckenbodentraining ab. Etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten leiden auch nach einem Jahr noch unter Inkontinenz und benötigen weiterführende Therapien.
Kann ich die Inkontinenz nach TURP durch Beckenbodentraining vollständig heilen?
Beckenbodentraining ist die effektivste Maßnahme zur Verbesserung der Kontinenz nach einer TURP. Studien zeigen, dass etwa 70 Prozent der Patienten durch konsequentes Training eine deutliche Besserung erreichen. Ob eine vollständige Heilung möglich ist, hängt vom Schweregrad der Inkontinenz und den individuellen anatomischen Gegebenheiten ab. In einigen Fällen kann eine Kombination aus Training und anderen Therapien notwendig sein.
Welche Inkontinenzhilfsmittel sind nach einer Prostata-Ausschälung am besten geeignet?
Für Männer gibt es speziell entwickelte Einlagen, die anatomisch angepasst sind und diskret in der Unterwäsche getragen werden können. Bei stärkerer Inkontinenz bieten Inkontinenzhosen (Pants) mehr Sicherheit. Für die Nacht kann ein Kondom-Urinal eine komfortable Lösung sein. Lassen Sie sich in einem Sanitätshaus beraten, um das für Ihre Situation passende Produkt zu finden. Die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen.
Ist eine zweite Operation notwendig, wenn die Inkontinenz nicht besser wird?
Eine zweite Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig, wenn konservative Maßnahmen nach zwölf Monaten keine ausreichende Besserung gebracht haben. Vor einem erneuten Eingriff sollten alle nicht-operativen Optionen ausgeschöpft werden. Mögliche operative Verfahren sind die Implantation eines künstlichen Schließmuskels, Sling-Verfahren oder die Unterspritzung mit Bulking Agents. Die Entscheidung sollte nach ausführlicher Beratung mit einem erfahrenen Urologen getroffen werden.
Kann ich trotz Inkontinenz nach TURP wieder Sport treiben?
Ja, Sport ist sogar empfehlenswert, da Bewegung die Regeneration unterstützt und die Beckenbodenmuskulatur stärkt. Beginnen Sie mit leichten Aktivitäten wie Spazierengehen oder Schwimmen und steigern Sie die Intensität langsam. Vermeiden Sie in der ersten Zeit nach der Operation schweres Heben und Sportarten mit starken Erschütterungen. Mit der Zeit können Sie zu Ihren gewohnten Aktivitäten zurückkehren. Nutzen Sie geeignete Inkontinenzhilfsmittel, um sich sicher zu fühlen.
Wie kann ich meinem Partner helfen, der nach einer TURP unter Inkontinenz leidet?
Zeigen Sie Verständnis und Geduld. Viele Männer schämen sich für ihre Situation und ziehen sich zurück. Ermutigen Sie Ihren Partner, offen über seine Sorgen zu sprechen, und unterstützen Sie ihn beim Beckenbodentraining. Vermeiden Sie Vorwürfe oder abwertende Bemerkungen. Informieren Sie sich gemeinsam über Hilfsmittel und Therapiemöglichkeiten. Wenn die Belastung für Sie als Angehörigen zu groß wird, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Gibt es Medikamente, die die Inkontinenz nach TURP verbessern?
Bei Dranginkontinenz können Anticholinergika helfen, die überaktive Blase zu beruhigen. Diese Medikamente sollten jedoch nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden, da sie Nebenwirkungen haben können. Bei Belastungsinkontinenz gibt es bislang keine spezifischen Medikamente. Hier liegt der Fokus auf Beckenbodentraining und gegebenenfalls operativen Verfahren.
Kann Inkontinenz nach TURP auch Jahre später noch auftreten?
In seltenen Fällen kann es auch Jahre nach einer TURP zu Inkontinenzproblemen kommen, etwa durch Narbenbildung, eine erneute Prostatavergrößerung oder altersbedingte Schwächung der Beckenbodenmuskulatur. Wenn Sie Jahre nach der Operation plötzlich Inkontinenz entwickeln, sollten Sie einen Urologen aufsuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten.
Wie unterscheidet sich die Inkontinenz nach TURP von der nach einer radikalen Prostatektomie?
Nach einer radikalen Prostatektomie (vollständige Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs) ist das Risiko für Inkontinenz deutlich höher als nach einer TURP. Bei der radikalen Prostatektomie werden die Prostata und oft auch Teile der Schließmuskulatur entfernt, was häufiger zu anhaltenden Kontinenzproblemen führt. Die Inkontinenz nach TURP ist meist weniger schwer und hat bessere Heilungschancen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zur Inkontinenz nach Prostata-OP.
Welche Rolle spielt das Alter für die Prognose der Inkontinenz nach TURP?
Das Alter ist ein wichtiger Faktor: Jüngere Patienten regenerieren in der Regel schneller und vollständiger als ältere. Bei Männern über 75 Jahren ist das Risiko für anhaltende Inkontinenz höher, da die Regenerationsfähigkeit des Gewebes abnimmt und häufiger Begleiterkrankungen vorliegen. Dennoch können auch ältere Patienten durch konsequentes Training gute Ergebnisse erzielen. Wichtig ist, realistische Erwartungen zu haben und sich nicht entmutigen zu lassen.
Kann eine Blasenentzündung die Inkontinenz nach TURP verschlimmern?
Ja, eine Blasenentzündung reizt die Blase zusätzlich und kann die Inkontinenz vorübergehend verschlimmern. Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gute Hygiene, um Infektionen vorzubeugen. Wenn Sie Symptome wie Brennen beim Wasserlassen, Fieber oder trüben Urin bemerken, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Eine rechtzeitige Behandlung der Infektion kann die Inkontinenz wieder bessern.
Gibt es spezielle Ernährungsempfehlungen bei Inkontinenz nach TURP?
Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung ist wichtig, um Verstopfung zu vermeiden, die den Beckenboden zusätzlich belastet. Reduzieren Sie den Konsum von Koffein, Alkohol und scharfen Gewürzen, da diese die Blase reizen können. Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, da Übergewicht die Inkontinenz verschlimmern kann. Trinken Sie ausreichend, aber vermeiden Sie große Mengen kurz vor dem Schlafengehen.
Fazit: Geduld, Training und Unterstützung führen zum Erfolg
Die Inkontinenz nach Prostata-Ausschälung ist eine häufige, aber in den meisten Fällen vorübergehende Komplikation, die sich mit gezielten Maßnahmen deutlich bessern oder vollständig heilen lässt. Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:
Zeit ist der beste Heiler: Die meisten Patienten erleben innerhalb von drei bis sechs Monaten eine deutliche Verbesserung ihrer Kontinenz. Geduld und eine positive Einstellung sind entscheidend für den Erfolg.
Beckenbodentraining ist unverzichtbar: Konsequentes und korrekt durchgeführtes Training der Beckenbodenmuskulatur ist die effektivste Maßnahme zur Verbesserung der Kontinenz. Beginnen Sie idealerweise bereits vor der Operation und führen Sie die Übungen regelmäßig durch.
Moderne Hilfsmittel erleichtern den Alltag: Nutzen Sie die vielfältigen Inkontinenzhilfsmittel, die heute verfügbar sind. Sie ermöglichen es Ihnen, trotz vorübergehender Inkontinenz aktiv am Leben teilzunehmen und soziale Kontakte zu pflegen.
Professionelle Unterstützung kann entscheidend sein: Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen – sei es durch Physiotherapie, psychologische Beratung oder eine häusliche Betreuung. Besonders in der ersten Zeit nach der Operation kann professionelle Unterstützung den Heilungsprozess erheblich erleichtern und die Lebensqualität verbessern.
Offenheit überwindet Scham: Inkontinenz ist kein Tabuthema, sondern eine medizinische Komplikation, die viele Männer betrifft. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und gegebenenfalls einer Selbsthilfegruppe über Ihre Probleme. Gemeinsam lassen sich Lösungen finden.
Weiterführende Therapien bei Bedarf: Wenn konservative Maßnahmen nach zwölf Monaten nicht ausreichen, stehen wirksame operative Verfahren zur Verfügung, die Ihnen zu einer deutlich besseren Lebensqualität verhelfen können. Lassen Sie sich umfassend beraten und treffen Sie eine informierte Entscheidung.
Die Inkontinenz nach TURP ist eine Herausforderung, aber keine unüberwindbare Hürde. Mit den richtigen Maßnahmen, professioneller Unterstützung und einer positiven Einstellung können Sie den Heilungsprozess aktiv gestalten und zu einem erfüllten, selbstbestimmten Leben zurückfinden.

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Angebot anfordern Beraten lassenHinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische oder rechtliche Beratung. Alle Angaben entsprechen dem Stand 2025 und können sich ändern. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Behandlung konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Urologen. Stand: Dezember 2025